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Bürgel), Dekanat Offenbach; Pfarramtskandidat Korell zu Lollar zum Verwalter der ersten evangelischen Pfarrstelle zu Alsfeld, Dekanat Alsfeld; Pfarramtskandidat Klös Zu Lauter⸗ bach zum Pfarrvikar in Alsheim, Dek. Oppen⸗ heim; Pfarramtskandidat Schäfer zu Lauter⸗ bach zum Pfarrassistenteu in Schwanheim, Dek. Zwingenberg; Pfarrverwalter Jost zu Lon⸗ dorf zum Pfarrverwalter in Bleichenbach, Dek. Büdingen. Die Schlußprüfung im August haben bestanden: Wilhelm Fresenius aus Butzbach, Heinrich Hanack aus Kirch⸗Göns, Karl Klös aus Nidda. f * Gießen, 14. Nov.(Stadttheater) Die gestrige Aufführung des Schillerschen Trauer⸗ spiels„Kabale 1155 1 A er wach besucht. an hätte erwar nnen, baß 2 5 dieses klassischen Stückes, und gestern Abend wurde wieder ganz vorzüglich gespielt, etwas mehr Interesse entgegengebracht worden wäre. Wir müssen von neuem wieder⸗ holen, daß sich die Direktion alle Mühe giebt, den Anforderungen unseres Publikums gerecht zu werden, aber wir haben noch nicht konstatieren können, daß diese Bemühungen eine nennenswerte Belohnung gefunden hätten. Der löbliche Zweck des Gießener Theater⸗Vereins, dem kunstsinnigen Publikum eine angenehme Unterhaltung zu ver- schaffen, soll gewiß nicht verkannt werden, aber da gegenwärtig eine strebsame Direktion, wie Kruse⸗Helm, am Orte arbeitet, müßte auch dieses Unternehmen etwas mehr respektiert werden. Die Vorstellungen des Frankfurter Ensembles waren zum Erdrücken voll, die Eiu⸗ nahme wanderte nach Frankfurt, und das hiesige Ensemble, dessen Gage der Gießener Geschäfts⸗ welt wieder zu Gute kommt, findet nicht die verdiente Berücksichtigung. Wenn auch das hie⸗ sige Theater mit dem Frankfurter Eusemble nicht in Vergleich zu bringen ist, immerhin wird hier etwas geboten, was einer besseren Belohnung
wert ist. 5
* Gießen, 14. November. Man schreibt uns aus Großen⸗Linden:„Wie notwendig es ist, daß die Gemeinden in ihre Jagdverträge das Verbot des Abschusses der Ricken und Kitzen im letzten Bestandjahre aufnehmen, zeigt das Schicksal unserer Gemeinde⸗Waldjagd. In dem mit 3 Herren Offizieren der Gießener Garnison geschlossenen Pachtvertrage ist die fragliche Bestimmung nicht enthalten, und da die Pacht zu Ende geht, wird gegenwärtig das Wild im Großen⸗Lindener Wald energischer abgeschossen als sonst. Auf einer vorgestern abgehaltenen Treibjagd wurden sieben Ricken und ein Kitzchen erlegt, weiteres Rehwild wurde angeschossen. Es ist erklärlich, daß unser Jagdgelände auf lange Jahre entwertet wird. — In Preußen ist das Schießen auf Kitzen überhaupt verboten.
* Gießen, 14. Nov. Morgen, Sonntag, nachmittags 4 Uhr, wird sich die Gruppe Hesseu und Hesseu⸗Nassau der deutschen Handelsgätuer zu einer Versamlung in Steins Etablissement einfinden. Be⸗ sonders zahlreich werden hierbei die Haudels⸗ gärtner aus Frankfurt a. M. und Wiesbaden erwartet.
* Gießen, 14. Nov. Der Vorstand der Gießener Schlachtvieh-Versicherung hat an die Bürgermeisterei ein Gesuch gerichtet, dahingehend, alles von auswärts ein⸗ gehende Fleisch einer Kontrolle be—
Bald hatte ich den Platz gefunden, von dem aus ich sehen konnte, ohne gesehen zu werden.
Hier stand ich nun mit demselben finsteren Aus- druck, in derselben drohenden Haltung, wie jener Andere vorhin am Fenster gestanden, nur unsere Gedanken waren nicht die gleichen
Mein Paradies war zerstört, mein Glück in Scherben gegangen.
Sie, in der ich einen Engel zu sehen gewähnt hatte, war eine Tochter der Hölle. Sie schien es wenigstens.
Meine werden.
Eugenie betrat bastig mit einer Lampe ihr Schlafzimmer.
Auch sie war erschreckend bleich und aufgeregt. Sie setzte die Lampe auf den Tisch nieder.
Im gleichen Augenblick sah sie etwas, was ihr gefiel. Sie griff es gierig vom Tisch auf.
Es war ein zusammengefaltetes Blatt.
letzten Zweifel sollten bald gestillt
Sie
öffnete es. Ihre Hände zitterten, sie vermochte vor
Aufregung kaum zu lesen.
Sie schien im höchsten Grade bestürzt. Einen Augenblick wollte es mir scheinen, als wenn sie schwankte.
Jetzt eilte sie zum Fenster. Sie bog sich hinaus, das Blatt noch in der Hand. Draußen regte sich nichts.
Da ging die Thür auf.
Ein Dienstmädchen kam herein, um ihr eine Meldung zu machen.
Schon beim Oeffnen der Thür hatte sie das Blatt hastig in ihrem Busen verborgen.
Kein Zweifel, daß außer ihr es Niemand sehen durfte.
Sie schickte das Mädchen wieder fort und schloß selbst die Fenster, deren Vorhänge sie zuzog.
„Sie wird kommen. Morgen Nacht!“
Wer hatte die Worte gesprochen? War ich es selbst? Der Nachtwind strich durch das Laub mit leisem Flüstern. Woher lam die Stimme?
Ohne mich zu regen, blickte ich seitwärts.
Da, nur wenige Schritte von mir, sah ich den Mann stehen, der wie ein böser Geist in mein Leben getreten war, den ich haßte, dem ich fluchte, den ich aber auch durch eine merlwürdige Schickfals— fügung zu vernichten bestimmt war.
(Fertsetzung folgt.)
treffend seiner Beschaffenheit zu un ter ziehen. Dem Ver nehmen nach wird diese Angelegenheit demnächst unserer Stadtverordneten⸗Versammlung zur Beschlußfa ssung unterbreitet. Ferner hat derselbe Vorstand gebeten, im städtisch en Schlachthof eine Kühlanlagezuerrichten, eventuell der Gesellschaft zu gestatten eine solche Aulage für eigene Rechnung im städtischen Schlachthof schaffen zu dürfen. Diese Frage hat schon einmal, es dürfte im Jahre 1889 ge⸗ wesen sein, unsere städtische Verwaltung beschäf⸗ tigt und scheiterte damals am Wiederspruch der Metzger, denen die Kosten für die Mietung eines Kühlraumes damals zu hochfschienen. Es scheint aber, als wenn sich die Ansichten über diesen Punkt in Metzgerkreisen geändert hätten.
* Gießen, 14. November. Im Reichs⸗ haushaltsetat ist das Großherzogtum Hessen wie folgt bedacht worden: Zum Um⸗ und Er⸗ weiterungsbau auf dem Post⸗Grundstück der Stadt Gießen wurden insgesamt 130960% vorgesehen; für Grunderwerb für eine Artil⸗ lerie-Kaserne in Darmstadt 150000 l, insgesamt 1800000 K Grunderwerb für eine Tirain⸗Kaserne in Darmstadt 400 000, insgesamt 609 900, Erweiterung der Pionier⸗ Kaserne zu Kastel bei Mainz 470000 Kl.
* Gießen, 13. November. Die Beeren⸗ früchteernten sind längst vorüber und Beeren⸗ weine und Beerengelee längst fertiggestellt, aber in den Hecken und Büschen befindet sich gegen⸗ wärtig noch eine Frucht neben den Schlehen, die gleich diesen fast wenig oder gar keine Be⸗ achtung findet und so in jedem Jahre— sie gedeiht fast immer— nutzlos zu Grunde geht, aber dessenungeachtet zu einem Beerenwein und Becrengelee sich eignet, wie kaum eine andere aller bekannten Beerensorten. Es ist die Hage⸗
butte, die Frucht der wilden Heckenrose. Wohl wird sie hier und da geholt und aufbe⸗ wahrt zur Bereitung eines guten Thees für
Husten und Heiserkeit, aber daß man aus ihr einen sehr guten Haus wein und Gelee be⸗ reiten kann, ist seifher so gut wie unbekannt in den ländlichen Kreisen gewesen. Der aus der Hagebutte hergestellte Wein übertrifft an Gehalt und Geschmack alle anderen Beerenweine, als da sind Heidelbeer⸗, Stachelbeer⸗, Johannisheer⸗ und andere derartige Weine. Im jetzigen Stadium, nach vorausgegangenen leichten Nachtfrösten, eignet sich die Hagebutte am besten zur Wein⸗ bereitung und ebenso zu Gelee, der gleichfalls sehr gut ist.
* Grünberg, 12. November. Der heute hier stattgehabte Martinimarkt, im Volks⸗ munde der„kleine Gallmarkt“ genannt, war durch die Ungunst der Witterung beeinträchtigt. Derselbe wurde, wie dies alljährlich der Fall ist, innerhalb der Stadt abgehalten. Der Vieh⸗ markt auf dem„Krool“ war mit Schweinen gut, mit Rindvieh dagegen nur mäßig befahren. Die Preise hielten sich so ziemlich auf der Höhe derjenigen des Gallusmarktes. Einviertel- bis halbjährige Rinder galten 60-80 A,; ein träch⸗ tiges Rind rein Vogelsberger Rasse wurde zu 240 K verkauft. Aeltere Kühe waren billiger; eine Kuh mit Kalb ging z. B. zu 175 4. ab. Jüngere Ferkel waren wenig gesucht, und wurden solche oft zu wahren Spottpreisen ab⸗ gesetzt. Ein Landwirt erlöste für vier 8 Wochen alte Ferkel nur 23; ältere von besserer Qualität kosteten immerhin noch 24 bis 40 l. das Paar. Läufer wurden zu 45—60 4. verkauft.
Berstadt, 13. Nov. In einer hiesigen
Wirtschaft entspann sich gestern zwischen Frei⸗ sinnigen und Antisemiten eine lebhafte Debatte wegen der Stichwahl zum Reichstag, die in Streit ausartete. Um die Güte ihrer Gründe zu beweisen, schlugen die Antisemiten schließlich drauf los, wobei der Schneidermeister E. mit einem Bierglas nicht unerheblich am Kopf ver— letzt wurde. „Seligenstadt, 12. November. Die hie⸗ sigen Bäcker überraschten unsere Bevölkerung mit einem namhaften Preis aufschlag. Der Sechspfünder ist von 50 Pfg. auf 56 Pfg. und der Vierpfünder gemischtess Brot von 40 Pfg. auf 44 Pfg. gestiegen. Einzelne Bäcker erstrebten sogar eine Preiserhöhung von 10 Pfg. resp. 8 Pfg. an, drangen aber beih ders Mehrzahl ihrer Kollegen damit nicht durch. Im Widerspruch mit dieser Preissteigerung stehen die Kornpreise, die sich immer noch zwischen* 13 und 13,75 pro Doppelzentner bewegen.
* Mainz, 13. Nov. Unter ungeheurer Teil⸗ nahme und in Gegenwart des gesamten Offizier⸗ korps des hessischen Pionierbataillons Nr. 11 fand gestern die Beisetzung des in Wiesbaden geendeten Liebespaares des Lieutenant Pfeiffer und der Fräulein Zickwolf statt; die Einsegnung der Leiche geschah durch den evaugelischen Pfarrer Lynker. Das unglückliche Paar wurde in ein gemeinsames Grab gebettet. Auch der Stiefvater des Offiziers, ein Frankfurter Polizeibeamter, wohnte der Trauerfeier bei.
Vermischtes.
— Eine neue Barbara Ubryk. Aus Eisen⸗ berg berichtet die„Saale-⸗Ztg.“: In dem nahen, auf der sogenaunten Haide gelegenen großen Dorfe Königshofen ist die jetzt etwa 19 jährige Tochter Martha des Gutsbe⸗ sitzers Ferdinand Friedrich Lorbeer seit Jahren im Kuh⸗ stuhl eingesperrt gehalten und am 29. Oktober von zwei hiesigen Fleischern, die wegen eines abzuschließenden Kuh⸗ handels den Stall betraten, in grauenerregendem Zustande aufgefunden worden. Durch ein Hüsteln, das aus einer Ecke des Stalles kam, aufmerksam gemacht, zogen sie die Frau des Lorbeer, die sich in jener Ecke aufgestellt hatte, bei Seite und erblickten nun ein völlig nacktes, zusammen⸗ gekauertes menschliches Wesen, das nur einen alten Sack
als Decke hatte. Nach erfolgter Anzeige begab sich ein
hiesiger Gendarm nach dem betreffenden Gute, ließ sich den Kuhstall öffnen und fand die Unglückliche noch in demselben Zustande, nackt, zusammengekauert und über und über mit Schmutz bedeckt. In dem sofort ange⸗ stellten Verhör erklärten die Eltern, daß ihre Tochter menschenscheu sei, daß sie Betten und Kleider beschmutzt habe, überhaupt keine Kleider auf dem Leibe leiden wolle. Der Gendarm ordnete die Entfernung des unglücklichen Geschöpfes aus dem Stalle, sowie die Reinigung und Bekleidung an. Merkwürdig ist, daß keinem der übrigen Bewohner des Dorfes das vor Jahren erfolgte Ver⸗ schwinden der Martha Lorbeer aufgefallen ist. Die Nach⸗ barn sagen aus, daß das Mädchen allerdings schon früher menschenscheu erschienen, dabei aber ein gut beanlagtes und fleißiges Kind gewesen sei.
— Rund um die Erde. Man berichtet aus Sydney: Der amerikanische Kapitän Joshua Slocum, dessen Ankunft in Apia vor einigen Wochen gemeldet wurde, ist mit seiner! Dacht„Spray“ nunmehr gestern in Newcastle(N. S. W.) eingetroffen. Der Kapitän, der bekanntlich in seiner Person die gesamte Besatzung des Fahrzeugs vereinigt, hat sich auf die Fragen dortiger Be⸗ sucher dahin geäußert, daß er seine Reise teils aus finan⸗ ziellen Gründen— für die glückliche Durchführung des Wagnisses scheint ihm nämlich von irgend einer Seite eine Geldprämie zugesichert worden zu sein— in der Hauptsache aber deswegen unternommen habe, um den Beweis zu führen, daß der Mensch ganz gut auch einmal mutterseelenallein die Seereise um die Welt zurücklegen könne. Am 24. April 1895„startete“ der Kapitän von Boston, von wo ihn die Reise zunächst nach Gibraltar führte, wo er bei dem ältesten Offizier des dort statio⸗ nierten euglischen Geschwaders, Kapitän Bruce, gastfreie Aufnahme fand. Von Gibraltar fuhr die„Spray“ als⸗ dann nach Pernambuco, dann der Küste entlang nach Rio Janeiro, dann La Plata und Monte Video, endlich über Buenos Ayres und Sandy Point nach der Insel Juan Fernandez, von welcher der biedere Yankee beiläufig eine Anzahl Andenken an Alexander Selkirk mitgebracht haben will. Von letzterer Insel aus ist Kapitän Slocum als⸗ dann nach den Samoainseln gefahren. Dlese Reise selbst, hat er erzählt, sei sehr angenehm gewesen. Habe er sich müde gefühlt, so habe er die„Spray“ nach dem Winde gedreht und sich schlafen gelegt. Auf die naheliegende Frage, ob er sich denn nicht bisweilen recht einsam ge⸗ fühlt habe, hat er lachend mit dem Hinweis auf seine stattliche Bibliothek verneint und weiter hinzugefügt, er habe sich bei seinen navigatorischen Berechnungen meist auf Schätzungen verlassen müssen, wenn ihm auch ein alter abgenutzter Kompaß, den er in New⸗York um einen Dollar erstanden habe, mitunter gute Dlenste geleistet habe. Kapitän Slocum ist nicht nur Seemann, sondern auch Schiffsbauer, denn die„Spray“(sie ist bei einer Länge von 40 Fuß, einer Breite von 14 Fuß und einer Tiefe von 4 Fuß 4 Zoll auf 13 Tonnen dermessen) ist von ihm ohne jede fremde Hilfe entworfen und im Jahre 1893 zu Fairhaven, Massachuttes, erbaut worden. Durchschnittlich hat das kleine Fahrzeug, das zu der Reise von Gibraltar nach Pernambuco beispielsweise 40 Tage gebraucht hat, an die 100 Meilen im Tage zurückgelegt.
— Krokodile vor Gericht. Mehrere Stämme der Eingeborenen von Madagaskar unterscheiden sich dadurch von den Jüngern einer modernen Menschheits⸗ Genealogie, daß sie ihren Ursprung nicht auf die Affen zurückführen, sundern auf die Krokodile, die den Fluß Betsiboka bevölkern. Leider ließen sich diese Reptile durch die zarten Bande der Verwandtschaft nicht abhalten, zu⸗ weilen, um einen etwas groben Shakespeareschen Ausdruck zu gebrauchen, ihren Bauch als passendes Monument für einen zweibeinigen Vetter anzusehen, und es kam zu blutigen Kriegen im Schoße der zweigestaltigen Familie, der endlich, wie in den vom„Temps“ wiedergegebenen Aufzeichnungen des Paters Abinal zu lesen ist, durch einen merkwürdigen Vertrag beendet wurde. Die Land⸗ bewohner schworen Urfehde den Wasserbewohnern, verlangten dafür aber von diesen, daß sie ihren Appetit anderweitig befriedigen sollten, auf jeden Eidbruch seitens der Krokodile sollte die Todesstrafe stehen. Da die Krokodile auf den Vorschlag nichts erwiderten, so war es zweifellos, daß sie denselben angenommen hatten. Sei es nun, daß Ge⸗ legenheit Diebe machte oder daß die langlebenden Saurier mit der Zeit sehr gedächtnisschwach wurden und den Ver⸗ trag vergaßen, oder daß sie, etwa nach Lombroso, sogen. geborene Verbrecher sind, auch kommt es zuweilen vor, daß ein Krokodil den Vertrag bricht und sich an einem Verwandten der menschlichen Seitenlinie vergreift. Wenn ein solcher Mord bekannt wird, begiebt sich der Häuptling des Stammes, begleitet von der Menge, zu dem Stromes⸗ ufer, verliest die Anklageschrift, daß Vetter Kaimann einen Verwandten getötet und die Tötung mit Ueberlegung aus⸗ geführt habe, erinnert dann an die feierlichen Verträge der Vorzeit, ruft Wehe über das frische Verbrechen und fordert die übrigen Krokodile auf, den Uebelthäter aus⸗ zuliefern. Alsdann wird eine Art Angel, besteckt mit einem Ochsenviertel, in den Fluß gesenkt. Am anderen Morgen begeben sich nun das Gericht und die Geschwo⸗ renen nebst den Zuschauern wieder zum Ufer, die Frauen, versehen mit Seidenknäueln, die Männer mit spitzigen Pfählen. Das Seil, an dem die Angel befestigt ist, wird eingezogen und mit ihm, zappelnd und mit dem Schweife schlagend, alle Zeichen eines bösen Gewissens aufweisend, das mörderische und meineidige Krokodil. Jahlreiche Büttel fesseln es, der Gerichtshof tritt zusammen, fordert den Angeklagten auf, vorzubringen, was er zu seiner Ver⸗ teidigung zu sagen habe, erwägt mildernde Umstände und verurteilt ihn dann gewöhnlich zum Tode. Nachdem das Stäblein gebrochen, bohren die Henker unter gellendem Wutgeschrei ihre Pfähle in den lebendigen Sarg des ruchlos Hingemordeten. Kaum hat aber Vetter Kaimann seine schwarze Seele ausgehaucht, so durchziehen mildere Gefühle die Nachrichter, und sie gedenken, daß der Tod alle Sünden auslöscht. Die Verwandtschaft fordert thre Rechte; an Stelle des zornigen Geheuls erhebt sich Toten⸗ klage über dem Leichnam des Gerichteten, Frauen umhüllen ihn unter Thränen und Seufzern mit ihren Seidenfäden und darauf wird er feierlich zur letzten Ruhe geleitet.
— Ist der gewaltsame Tod schmerzlich!? Livingstone, der von einem Löwen angefallen worden war und, mit ihm ringend, am Boden lag, gab seinen Em⸗ pfindungen in diesem kritischen Augenblick folgendermaßen Ausdruck:„Ich empfand eine Art traumhafter Ruhe und hatte weder eine Schmerzempfindung, noch das Gefühl der Furcht, obwohl ich das klare Bewußtsein hatte, daß mir der Tod bevorstand. Ich konnte dem Tier ohne Schrecken ins Auge sehen. Wahrscheinlich haben alle Tiere, die den Raubtieren zum Opfer fallen, dieselbe Empfindung; wenn dem so ist, dann hat die Vorsehung hier einen wohlthätigen Organismus geschaffen, der das Sterben erleichtert.“ Der Alpinist Whymper berichtet über einen Absturz aus der Höhe von 76 Metern, bei dem er immer
von einem Felsvorsprung auf den anderen stürzte:„Ich hatte eine durchaus klare Vorstellung von dem, was mit
mir vorging, und zählte jeden Anprall; aber wie chloroformierter Kranker empfand ich dabel keinen Sch Jeder Fall war natürlich heftiger als der vorherge⸗
und ich erinnere mich ganz genau, daß mir da Gedanke durch den Kopf fuhr: Wenn der nächste g schlag noch heftiger ist, dann ist es aus mit mir, 175 besonders bemerkenswert aber ist, daß dieser Stu A5 die Lüfte mir durchaus keine peinliche Empfudm 155 ursachte. Wäre die Diestanz noch größer gewesen 9 70 hätte ich sicher das Bewußtsein verloren und wäre 5 schmerzlos gestorben.“ Eine junge Französin, 58 aus Eifersucht eine Kugel in die Brust geschossen 3 erklärte Herrn de Varigny auf die Frage, ob ssie 5 Augenblick der Verwundung Schmerzen empfunden habe; „Ich weiß es selber nicht— aber, so drollig es klingen mag: ich hatte eher ein angenehmes als ein wangen Gefühl.“ Der englische Admiral Beaufort, der als jungen Mensch einmal in der Gefahr des Ertrinkens i hatte, äußerte über seine Empfindungen in jenem Moment; „Als ich meine Bemühungen, mich zu retten, aufgegeben hatte, überkam mich ein Gefühl der Ruhe und dez Friedens, das zu dem wilden Gefühlsaufruhr der vorher⸗ gehenden Minute in scharfem Gegensatz stand. Ich dachte nicht mehr an Rettung, und ich litt nicht im geringsten. Ich hatte im Gegenteil eine angenehme Empfindung ähnlich dem Gefühle der Zufriedenheit, das man nach großer körperlicher Anstrengung kurz vor dem Einschlafen hat.“ Zahlreiche weitere Aussprüche von authentischen Zeugen beweisen, daß die Schrecknisse, mit denen wir die Todesstunde umgeben, zu nicht geringem Teil die Erzeug⸗ nisse unserer Phantasie sind.
— 60 000 Meterzentuer Fische. Auf diesez ungeheure Quantum rechnet man, 1 9— Lloyd aus Totis geschrieben, bei dem diesjährigen großen Fischfang im Totiser Riesenteiche des Grafen Nikolaus Esterhäzy. Unter Führung des Landesinspektors für Fischzucht Johann Landgraf sind mehrere Oberbeamle des Ackerbauministeriums in Totis eingetroffen, um dem Fischfaug anzuwohnen, der wie stets auch heuer ein zahl⸗ reiches Publikum nach der Sommerfrische Tata⸗Tovaroz locken dürfte. Der Teich selbst ist bereits zum Tell ab⸗ gelassen worden, so daß man in dem klaren Wasser die Fische förmlich mit Händen glaubt greifen zu können. Am Teichufer sind allerlei Behälter errichtet, welche zur Aufnahme und Sortierung der Fische bestimmt sind, die dann verpackt nach Budapest und Wien versendet werden. Im verflossenen Jahre wurde der Fischbestand des Teiches geschont, und so erwartet man heuer nicht weniger als 60 000 Meterzentner Fische als Ertrag des großen Fangegz,
— Der Kampf mit einem Geier. Nang berichtet aus Belgrad: Wie die hiesigen Blätter melden, stürzte sich im Walde von Takowa ein Lämmergeier auf einen Bauer und verwundete ihn schwer im Gesicht und an den Händen. Erst als ein zweiter Bauer dem Auge⸗ griffenen zu Hilfe eilte, konnte der gefährliche Raubvogel überwältigt werden. Die Wunden, dem Kampf mit dem Geier davongetragen, sind so schwer, daß er an einer Hand gelähmt bleiben wird.
— Ein Arzt vom Patienten getötet. den Berner„Bund“ berichtet folgenden Vorfall: Am Donnerstag Abend machte Dr. Burnier, Arzt am Sang⸗ torium in Leysin, einen Spaziergang mit seinem Kollegen Dr. Stefani. Ein Pole, Pensionär des Hotels Mont Blanc, dem Dr. Burnier vor einigen Tagen den Nat er⸗ teilt hatte, sich an einen anderen Kurort zu begehen, näherte sich ihnen mit den Worten:„Bezahlen Sie ellen, Luftwechsel?“— Dr. Burnier, überrascht, erwiderte ei fach:„Nein!“ Hierauf gab der Pole aus nächster Nahe fünf Revolverschüsse auf den Arzt ab, deren letzter von Dr. Stefani abgelenkt werden konnte. Von vier Kugel zu Tode getroffen, sank Dr. Burnier nieder und slath bald darauf.
— Kampf zwischen Bären. Ein Bärenkampf hat im Zoologischen Garten in Düsseldorf stattgefundeh,
die beiden Tiere sich vertragen würden. Der Bär ih
wehrte.
bringen, blieben erfolglos. Schließlich brachte maß Feuerbrände herbei, vor denen der Bär zwar die Flucht ergriff; aber in dasselbe Hintergelaß, in das der A hineinstürzte, lief auch die Bärin. Sofort begann der Kampf von Neuem. Nach längerer Frist erschien der Bil wieder im Zwinger, hochaufgerichtet, im Maule trug e den verstümmelten Körper des toten Weibchens. Wo etwa drei Jahren kam die alte Löwin des Düsseldorset Zoologischen Gartens, ein gutes, zahmes Tier, das dem Garten eine große Zahl von jungen Löwen geschenkt halte, auf ähnliche Weise ums Leben. In den Käfig neben des Löwin war ein neuer Löwe gebracht worden, der beim Reinigen der Käfige, als die Zwischenwand emporgehoben
lassen der Zwischenwand den Riegel einzuschleben. Ju der Nacht hob der Löwe mit seiner Pranke die schwen Wand in die Höhe, kroch in den Käfig der Löwin un riß diese in Stücke.
— Eine neue Bauart soll demnächst eingefühn werden. Der Erfinder der praktischen Idee ist eil, deutscher Baumeister. Das Gerippe des Hauses wird aus Röhren hergestellt und die Hauptvorteile der neuen Bau- art sollen, wie das Patentbureau B. Reichhold, Berlin, mitteilt, darin bestehen, daß das ganze Gebäude mäßig temperiert ist und sich durch außerordenuiche Dauerhaftigkeit, durch große Bequemlicheeit und Schönhel auszeichnet. Zuerst wird das Gerippe aus Wasserröhren errichtet, die derart unter einander verbunden find, daß ein Wasserstrom die Röhren fortlaufend durchfließen bann. Um dieses Gerippe wird dann das Haus wie gewöhulig errichtet. Alle Zimmerdecken und Fußböden sind don Wasserröhren durchkreuzt, wobei das Wasser erst durch die horizontalen Röhren der Fußböden und Decken hin un her und dann durch die vertikalen Röhren der Seitenwand fließt. Im Sommer zirkultert frisches, kaltes Wasser in den Röhren unter Druck, kühlt die Wände und fl nachdem es durch alle Röhren geströmt ist, in d erhöhter Temperatur ab, da es unterwegs viel Hitze ab: jorbiert hat. Während des langen und leider oft nur 11 strengen Winters wird das im skellerraum in die Möhren eintretende Wasser vorerst auf annahernd 100 Grad er⸗ hitzt und dann durch die Deckenröhren getrieben. größte Teil der Hitze des Wassers bleibt im Hause zurücl sodaß die Temperatur des Wassers beim Austritt un noch 40 Grad beträgt. Die Schnelligteit des Wasserum laufes kaun dem Wärmegrad entsprechend reguliert werden
den man zu erzielen wünscht.
Standesamtliche Nachrichten. Geburten.
Am 1. November. Dem Gefangenaufseher Friedcit Lang 1 Sohn.— 3. Deu Schutz mann Karl Sommen
die der Bauer n
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1 Bahlltese nchen S 1. Herr! E 9„. 4. 5, andere Da hier Aundddaten ge wischen de kangsdorf
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Man hatte einen neuen Bären, einen kräftigen Burschel, in den Zwinger der Bärin gelassen, in der Hoffnung, da 1
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Die Versuche, den Bären durch Schläge uu Eisenstangen, durch Wasserstrahlen von der Bärin ab
war, die Löwin sah. Leider vergaß man beim Herunte?
Die Wah Worschriften f Wahlbezirk berändert. Bei der hie bei der er Mrichigung! Gieße
Wasen bringen. und ges cafe süͤdtish
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