ane
—
le. zatismnus,
nchdipgenden seinrüchstangen“ enden Ates . Die Ero
jvrisentiert sich dem Besucher der Ausstellung als ein bvohlangelegter Wintergarten, in dem man gestern
1896.
Posiztg. Nr. 3239 a Telephou⸗Nr. 112.
Gießen, Sonntag, den 15. Nurenber
0 kilung.
Ausgabe
Gießen.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
775 —
Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen: 10 Pfg.
für die Zspaltige Petitzeile.
Tage nach Sonn- und Feiertagen.
2 2
pedition: 7 Nr. 4.
die Lokal
Gartenbau ⸗Ausstellung zu Gießen.
4* Gießen, 13. November.
Als ein Meisterwerk der gärtnerischen Dekora⸗
bonskunst muß die in Steins Saalbau von 9 un⸗
erer Handelsgärtner arrangierte Gartenbau⸗ Uuẽsstellung bezeichnet werden. Der weite Saal
Nachmittag nach den Klängen der Krauße'schen Ka⸗ elle lustwandeln und dabei all die blühenden und errlich duftenden Kinder Floras in Augenschein hmen konnte. An der Breitseite des Saales, da wo sonst die Theaterbühne ihren Platz hat, haben die Aussteller gemeinsam einen kühn ge⸗ pannten Gebirgssteg, hinter dem sich eine jähe Gebirgspartie erhebt, arrangiert. Kaskadenartig
eller prächtige Pflanzengruppen untergebracht
fleseln die Wasser in die Tiefe, wo dieselben sich n einem Bassin sammeln, aus dem eine Fontaine
hren 3 Meter hohen Wasserstrahl in die Höhe endet. Pflanzengruppierungen geben dem Bilde das nötige Colorit, während die nimmer ruhen⸗ den Wafser demselben Leben verleihen.
Die Mitte des Saales wird durch ein Blumen⸗ harterre ausgefüllt, in dem die einzelnen Aus⸗
haben. Das größte dieser Einzel⸗Arrangements sst von der Firma Carl Berger aus Cyrus⸗Palmen,
usen⸗Blattbegonia, Tuberosen und Cyclamen her⸗ gestellt. Gruppen von Hyazinthen, mit Tulpen um⸗ faßt, fesseln hier unwillkürlich das Auge. Die nächste Gruppe in diesem Riesenbeet von Pflanzen hat Herr Karl Becker geschaffen. Sie besteht aus Cyclamen in prachtvoller dunkelroter Färbung. Dann folgt Friedrich Georg mit einer Gruppe Blattpflanzen, darunter gefärbte buntblätterige Dracgenen und ausgezeichnete Alsophila, die im
Gerhardt und Karl Volk haben jeder für sich C 0
den Blumen in allen nur denkbaren Färbungen, zwischen denen Zierbäume und Palmen Ab⸗
t“
4 zu kämpfen. i
Arrangement ganz besonders schön wirkt. Von demselben Aussteller sind sehenswerte Objekte seine Collektion Primeln und gefüllten Primeln ausgestellt. So reiht sich in diesem Pflanzen⸗ parterre eine Gruppe an die andere. Louis Becker, Fritz Schmitz, V. Moser Witwe, Wilh.
Prächtiges geleistet und sich doch dabei der Idee des Ganzen angeschlossen. Gleichsam als Um⸗ fassung des Mittel⸗Arrangements zieht sich längs der Wände des Saales, vom Pflanzenparterre durch einen Weg getrennt, ein Kranz von blühen⸗
wechselung schaffen, so daß das Auge durch die überreiche Blütenpracht durchaus nicht ermüdet wird. Längs der Säulen des Nebensaales sind auf einer langen Tafel die Wunder der Kranz⸗ bindekunst untergebracht. Fritz Schmitz hat schönwirkende Körbchen luftig gefüllt mit Blüte ausgestellt. Carl Becker paradiert mit einem
demselben Aussteller erregt ein Brautkranz nebst Bouquet die Bewunderung der Damen. Friedrich Georg beweist durch ein Palmen— Arrangement, mit mattroten Rosen durchsetzt, was Kunstfertigkeit und Geschmack zu leisten vermögen. In der Kollektion von Karl Berger ist es besonders ein Kissen aus lebenden Blüten, welches allgemeine Beachtung verdient. Karl Volks Auslage, in ihren einzelnen Teilen weniger luxuriös gehalten, bezeugt als Ganzes durch⸗ gebildeten Sinn für wirkungsvolle Dekoration. Ferner sind als tüchtige Leistungen der Blumen⸗ binderei zu nennen ein großes Kreuz von Louis Becker aus lebenden weißen Blüten, Veilchen und Rosen. Recht mühselig, aber darum um so kunstvoller, sind zwei Bindereien, von Friedrich Georg, hergestellt. Aus lauter kleinen Blüten hat derselbe nämlich eine Staffelei und ein Buch arrangiert, namentlich ist das Letztere in seiner Natürlichkeit überraschend.
Verlassen wir die Ausstellung mit dem Wunsche, daß viele unserer Gießener sie besuchen werden, um sich die duftenden Schätze der Aus⸗ steller, die sonst in den Gewächshäusern begraben sind, anzusehen. Wir sind überzeugt, es wird Jeder die Stunden, die er in der Gartenbau— Ausstellung verbringt, angenehm empfinden.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 14. November.(Zur Stich⸗ wahl.) Die Nationalliberalen haben gestern Abend in ihrer Versammlung einstimmig beschlosen für Köhler ihre Stimme ab⸗ zugeben.— Ueber das Verhalten der Frei⸗ sinnigen bei der Stichwahl verlautet immer noch nichts. Es wäre, um die Auslassung der „Frkf. Ztg.“ zu zitieren, unverständlich, wenn die Freisinnigen zu dem Entschluß der Wahl⸗ enthaltung gelangen sollten. Hier steht, so schreibt die„Frkf. Ztg.“ weiter, ein Sozialdemo⸗ krat mit einem Antisemiten in der Stichwahl. Der Autisemit, der den politischen Raubbau be⸗ treibt, hat so schnell gewirtschaftet, wie seine Methode erwarten ließ; er ist auch in seinen
schritts und muß, nachdem der freisinnige Kandidat nicht in die Stichwahl gelangte, als solcher anerkannt werden. In den wichtigsten Fragen der begonnenen Session, in den Militär⸗ und Marinefragen, wird er die freiheitliche Politik unterstützen, ebenso in der Frage der Handwerks- organisation. Er ist eine Verstärkung der Gegnerschaft gegen Junkertum und Absblutis⸗ mus, gegen Reaktion und Interessenpolitik, dazu ein Anhänger des gleichen Rechts für Alle, während sein Zukunftsstaat mit den praktischen Augelegenheiten der nächsten Zeit so wenig wie möglich zu thun hat. Die Stellungnahme aller wahrhaft liberalen Wähler kann da nicht einen Augenblick unklar sein. Sie dürfen nicht Gewehr bei Fuß zusehen, dazu ist die Zeit doch zu ernst. Sie werden noch weniger für den Antisemiten stimmeu, sie müssen ihre Interessen ohne gefühl⸗ volle Skrupel durch die Wahl des Sozial- demokraten wahrnehmen.
* Gießen, 14. Nov.(Schöffengericht.) Gestern Vormittag um 9½ Uhr wurde in die am 26. September vertagte Verhandlung gegen die 7 Mitglieder des Gießener Zither⸗ Klubs eingetreten. Am Verteidigertisch er⸗ schienen wieder die Rechtsanwälte Kraft und Katz. Amtsanwalt Brühl vertrat die Anklage, bei der es sich bekanntlich um gemeinsamen Hausfriedensbruch handelt, der in der General⸗ versammlung des Gießener Zither⸗Klubs be⸗ gangen sein soll, die am 9. Juli im Löwen, Restaurant Luft, getagt hat. Der Vorsitzende Amtsgerichtsrat Gebhardt stellte inzwischen aus den Akten fest, daß durch Urteil des Amts⸗ gerichts vom 17. Oktober festgestellt sei, daß 10 vom Vorstand des Zither-Klubs als Mitglieder desselben Ausgeschlossene, darunter die sämmt⸗ lichen Angeklagten, noch die Rechte ordentlicher Mitglieder dieses Vereins besitzen. Der Vor⸗ sitzende bemerkte, daß man infolgedessen wohl von der Verlesung der Akten gegen Nebel ab⸗ sehen könne. Hierauf wird der Prästdent Nebel als Zeuge vernommen. Er gesteht zu, daß der Vorstand beschlossen habe, 5 der Angeklagten aus dem Verein einfach dadurch auszuschließen, daß man die Beitragserhebuug bei diesen einstelle.
hessischen Hochburgen im Rückgang. Ihm hier eine Niederlage beizubringen und ihm einen Sitz zu entreißen, ist von allge⸗ meiner Bedeutung. Dazu kommt loch die Auffassung, die der Antisemit von seinen parlamentarischen Pflichten besitzt. Wenn ein nationalliberales Blatt meint, eben weil Köhler nicht in den Reichstag geht, sei er ungefährlich, so mag das ein Scherz sein, wir verstehen aber in den sittlich⸗ernsten Fragen der Volkvertretung keinen Spaß. In Gießen ist der Wahlgegensatz klar formuliert— er lautet Reaktion oder Fortschritt. Der Sozial⸗
gewaltigen Kranz aus Chrysanthemum. Von
Eine Mitteilung ihres Ausschlusses sei erst später, nach Monaten, an die Ausgeschlossenen ergangen. Der Zeuge schildert übereinstimmend mit dem in der vorigen Verhandlung vernommenen Restaurateur Luft, wie er von diesem den Wirt⸗ schaftsraum für 1 ,. gemietet, lediglich zu dem Zwecke, um die dem Vorstand mißliebigen Per⸗ sonen daraus an die frische Luft befördern zu können. Nebel giebt weiter an, er habe im an⸗ grenzenden Raum genau gehört, wie die General⸗ versammlung des Zitherklubs abgehalten, wie die Vorstandswahl vorgenommen. Er will auf Grund der gezahlten 1 zweimal vergeblich
demokrat ist hier der Vertreter des Fort⸗
Schutzleute gebeten haben, doch die Raus⸗
schmeißerei für ihn zu besorgen. Er selber habe zweimal vergeblich die Aufforderung an die An⸗ geklagten gerichtet, das Lokal zu verlassen, seine dritte Aufforderung habe sich allerdings an die ganzen Teilnehmer der Generalversammlung ge⸗ richtet und dieser sei man auch sofort und ganz nachgekommen. Der Amtsanwalt fragte den Angeklagten, ob der Zitherklub außer ihm, dem Präsidenten, nach diesen Vorgängen überhaupt noch Mitglieder habe. Der Zeuge zgesteht zu, diese seien sehr zusammen geschmolzen.(Heiter⸗ keit im Zuschauerraum.) Auf die Frage, warum er, der Präsident des Zitherklub, in dem Zivil⸗ prozeß der 10 ausgeschlossenen Mitglieder denn zugegeben habe, daß er diese noch als ordentliche Mitglieder des Vereins anerkenne, erklärte Nebel, er habe dies auf Anraten des Rechts⸗ anwalts Rosenberg, seines Anwalts, in dieser Sache gethan, um zu verhindern, daß sein Verein durch den Prozeß nicht ganz und gar kaput gehe. Er für seine Person habe zwar das Zugeständnis gemacht, ob aber der Vorstand damit einver⸗ standen, könne er nicht sagen, er habe eine Vor⸗ standssitzung dieserhalb nicht anberaumt. Ferner bekundet Nebel noch auf Anfragen, daß er die Anzeige gegen die 7 Angeklagten wegen Haus⸗ friedensbruch an die Staatsanwaltschaft gerichtet habe.— Hierauf erhob sich der Amtsanwalt und erklärte, daß nach der Aussage des Zeugen Nebel er die Anklage nicht mehr aufrecht erhalten könne, er halte es für nutzlos in dieser Sache noch weitere Zeugen zu hören. Der Prästdent des Zitherklubs habe ja selbst erklärt, daß er die Angeklagten noch für Mitglieder seines Vereins halte, er gebe dem Gerichtshof anheim zu erwägen, ob er schon jetzt die Angeklagten freisprechen wolle. Der Vorsitzende, Umts⸗ ergeht Gebhardt, erklärte, daß er nach dem
rgebnis der Beweisaufnahme in der ersten Verhandlung schon den Eindruck e habe, daß die Sache diesen Ausgang nehmen würde. Die Verteidiger verzichteten unter diesen Um⸗ ständen aufs Wort. Naß kurzer Beratung verkündete der Vorsitzende die Freisprechung der Angeklagten und Uebernahme der Kosten auf die Staatskasse.
* Gießen, 14. Nov.(Stadttheater.) Wir wollen nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen, daß am Sonntag die beliebte Raedersche Posse„Robert und Bertram“ oder„Die kustigen Vagabunden“ zur
Aufführung gelangt.— Wie man uns ferner aus dem Theaterbureau mitteilt, wird die er⸗ folgreichste Lustspiel-Novität dieser Saison, „Komtesse Gucker!“ von Schönthan und Koppel⸗Ellfeld am nächsten Dienstag zum ersten Male gegeben.
* Gießen, 14. Nov. Ernannt wurden: Pfarramtskandidat Hanack zu Kirch⸗Göns zum
Pfarrasststenten in Offenbach a. M.(Bieber⸗
Zwischen Liebe und Pflicht.
Roman aus dem australischen Buschleben
von G. Löffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Wenn ich mich unbemerkt glaubte, sog ich mich förmlich in ihrem Aublick fest.
Wenn unsere Blicke sich begegneten, vermochte ich mich kaum zu beherrschen.
Meine Stimme zitterte vor innnerer Bewegung, wenn ich mit ihr sprach.
Ich meinte, aus alledem und so vielem Anderen hätte das feinfühlige, junge Madchen erkennen müssen, wie es um mein Herz bestellt war.
Frauen beobachten in diesem Punkte viel schärfer und blicken viel tiefer als wir Männer. g
Trotzdem verriet sie mit keinem Wort, mit keinem Blick, welchen Eindruck meine stumme Werbung auf sie machte, oder ob sie sie über⸗ haupt bemerkte. g
Ich wünschte von Herzensgrund, daß es mir gelingen möchte, ihre Unschuld zu erweisen und daß
sich irgend etwas ereignen möchte, was mir Ge⸗
legenheit bot, sie zu schützen, zu retten, für ihre Ehre
Man weiß ja, welche phantastischen Wünsche und Pläne die Gedanken eines unglücklichen Lieben⸗
den erfüllen.
Aber das Leben auf der Milton-Park⸗Station war frei von allen aufregenden Zwischenfällen und Eugenie Milton war eines von jenen heldenhaften Mädchen, welche sich selbst der stärkste Schutz sind und die wegen ihrer großen Unerschrockenheit kaum eine Gefahr kennen, aus der sie sich nicht selber retteten.
Wie nun, dachte ich mir,
wäre und wenn es mir geläuge,
wenn sie unschuldig Morgan, den Be⸗
wohner der toten Schlucht, einzufangen!
Da waren zuerst die tausend Pfund Prämie— ein Vermögen— dann der Gewinn-Anteil an dem erbeuteten Schatz, der ohne mein kühnes Vorgehen nie an's Licht gekommen wäre.
N Mein Name als Bezwinger des gefürchtetsten aller Buschräuber würde von einem Ende Australiens bis zum anderen genannt werden.
Ehrende Auszeichnungen und wohl auch ein Amt würden mir zu Teil werden, und dann, dann konnte ich es wohl wagen, um die Tochter Milton's zu werben, ohne mich der Lächerlichkeit und verächtlicher Bebandlung auszusetzen.
Ich hatte mich in einer schattigen Laube nieder- gelassen und blickte eben gedankenvoll nach dem Herrenhause hinüber, als ich dort eine Bewegung wahrnahm, welche noch einmal meinen ganzen stolzen Kartenbau über den Haufen warf.
Aus dem Schlafzimmer⸗Fenster Eugeniens schwang sich ein Mann leicht und geräuschlos auf die vor demselben hinlaufende Veranda.
Diese, welche um das ganze hohe Parterre herumführte, war auf dieser Seite dicht mit Wein umzogen, sodaß ich nur eine Gestalt erkennen konnte, nicht aber auch den Mann selbst.
Ich war aufgesprungen, verharrte aber auf meinem Platz, um noch weiter zu beobachten.
Der Unbekannte flüchtete nicht wie ein Dieb es wohl gethan haben würde.
Er blieb einen Augenblick lauschend und spähend stehen. Dann glitt er leise, wie ein wandelnder Schatten, an dem Weinspalier entlang nach den er— leuchteten Fenstern des Salous.
Diese standen ebenfalls auf.
Hier war die Blattwand durchbrochen, um einen Ausblick von den Fenstern zu gestatten.
Der Mann schlich sich bis an den Lichtkreis heran und streckte lauschend den Kopf vor.
Nun erkannte ich ihn mit aller Bestimmtheit. Es war der Bewohner der toten Schlucht
Mein Herz krampfte sich bei dem Anblick der Gestalt zusammen. Ich hätte laut aufschreien mögen vor wildem Weh.
Sie war doch eine Schuldige, Verworfene! Zwar weilte sie im Salon, während er in ihrem Schlafzimmer war, aber wie hätte er gerade dieses betreten, wo ringsherum die Fenster offen standen, wenn nicht auf Grund einer Verabredung.
Er wartete, sie kam nicht und so schlich er zu den Fenstern heran, hinter denen sie weilte, um sich ihr bemerklich zu machen.
Das Bestreben danach nur konnte es sein, was ihn veranlaßte, immer mehr in den Lichtkreis des Feusters herauszutreten.
Zuletzt stand er voll und ganz in demselben, wie durch ihr seelenvolles Spiel oder durch ihre Er— scheinung gebannt, unbekümmert um irgend Jemand, der ihn hätte beobachten können.
Auch ich befand mich unter einem starken Baum. Jetzt mußte irgend etwas geschehen, jetzt mußte es sich zeigen, ob sie seinem Wink Folge leistete.
Bei einem ersten flüchtigen Aufblicken mußte sie ihn sehen. Und dann—?
Ich war entschlossen, an mich zu halten und ein Zuschauer zu bleiben.
Gewißheit wollte ich endlich haben und die konnte ich nur erlangen, wenn ich mich jetzt ganz ruhig verhielt.
Ich konnte von meinem Platz aus das Gesicht des Lauschers sehen.
Es war erschreckend blaß und ernst, die Lippen geöffnet, wie um ein Wort hervorzulassen, ein bitter⸗ böses Wort, die Augen starr und glanzlos, die Stirn gefaltet— so stand er da, unbeweglich, statuenhaft, wie ein Rache⸗Dämon, wie eine Ausgeburt der Nacht.
Ich konnte mir denken, was in seiner Seele vorging, was ihn unbewußt die Fäuste ballen ließ und sein Antlitz so furchtbar machte.
Er sah das Glück vor Augen, das er hätte be⸗ sitzen können, den Zauber stiller Häuslichkeit, das Wesen, das er liebte; und hier draußen stand er, ein Ausgestoßener, Verfolgter, geächtet und flüchtig, Qualen der Hölle duldend, während die Seligkeit des Himmels ihm winkte— ein Geschöpf der Nacht, in deren Schatten er bleiben mußte, um nicht ver⸗ raten zu werden.
Plötzlich drang ein Hause her an mein Ohr.
Ich sah Eugenie vom Klavier aufspringen und sich hastig in's Zimmer zurückwenden, das ich von hier aus nicht weiter überschauen konnte.
Zugleich mit jenem Aufschrei war der finstere Beobachter vom Fenster verschwunden.
Ich suchte ihn vergebens mit den Blicken. War er geflüchtet? War er in ihr Zimmer zurückgekehrt, um sich bis zu ihrem Eintritt verborgen zu halten?
Ich bemerkte eine gewisse Bewegung im Hause, hörte Stimmen und das Oeffnen und Schließen von Thüren, aber was kümmerte mich das! Wie gebannt hingen meine Blicke an den erhellten Fenstern. Erst als es hinter denselben ganz still geworden war, riß ich mich aus meiner Erstarrung.
Da war Eugeniens Schlafzimmer, dessen Fenster noch offen standen, das noch dunkel war!
Dorthin drängte es mich, nach einem Versteck, von dem auch ich in jene Fenster hineinsehen konnte.
War Morgan, oder wer dieser Mann sonst war, darin? Die Beantwortung dieser einen Frage beant⸗ wortete alle übrigen.
Ich schlich mich jetzt selbst wie ein Dieb durch
erstickter Aufschrei vom
den Garten von Busch zu Busch, von Baum zu Baum.


