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Mitteldeutsche Sountags⸗ Zeitung.

Krieg in Südafrika.

Die Verhältaisse haben noch immer keine entscheidende Wendung genommen. Die von den Engländern mit Louis Botha angeknüpften Friedensverhandlungen sind endgilitig gescheitert. Die Buren denken nicht daran, den Kampf anfzugeben, obgleich Geueral Freuch, der in Vryheid eingetroffen ist, in den Kämpfen der letzten Zeit 1200 Buren getötet, verwundet oder gefangen und ferner 7 Kanonen, 1000 Gewehre, 226,000 Stück Vieh, Pferde, Rindvieh und Schafe, sowie 1800 Wagen erbeutet haben will.

Ein Ueberfall. Aus Kapstadt wird gemeldet, eine Abteilung von 130 Mann Kolonialtruppen fiel in einen Hinterhalt bei Richmond. Die Leute hatten das Feuer von 100 Buren auszuhalten und flüchteten in eine Schlucht, wo sie sich, erst nachdem sie 13 Mann verloren hatten, ergaben. Die Buren ließen die Engländer bald darauf, nachdem sie sie entwaffnet hatten, wieder frei.

Die Pest greift in Kaptstadt immer weiter um sich.

Pon Nah und Fern.

Wittetlungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗

zommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste

Sewissenhaftigkeit bet Uebermittelung von Nachrichten. Wir

NMiten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Sießener Angelegenheiten.

Ueber die Gewerbeaufsicht in Deutschland hielt Herr Gewerbeinspektor Engeln am Sonntag in Lonys Bierkeller einen sehr interessanten Vortrag. Leider ließ der Besuch der Versammlung sehr zu wünschen übrig. Die Arbeiter sollten solche Gelegenheit, ihr Wissen zu bereichern, nicht unbenützt vorüber gehen lassen. Der Herr Vortragende griff zurück auf die ersten Anfänge staatlicher Gewerbeauffsicht, führte dann die Aufgaben der heutigen Ge⸗ werbeinspektion vor, erläuterte mehrere hierauf bezügliche gesetzliche Bestimmungen, kam auf die Widerstände, die einer geregelten Aufsicht der gewerblichen Betriebe entgegengesetzt werden, zu sprechen und zeigte schließlich, nach welcher Richtung hin die Gewerbeinspektion weiter ver⸗ vollkommt werden könnte. Raummangel zwingt uns leider von einer ausführlichen Wiedergabe des ausgezeichneten Vortrags abzu⸗ sehen. In der anregenden Diskussion wurde auf verschiedene Mängel in der Durchführung der gegebenen Bestimmungen sowie darauf hin⸗ gewiesen, daß es auch Sache der Arbeiter sei, die zu ihrem Schutze erlassenen Gesetze zu beachten und ihre Durchführung zu erleichtern.

K. Buchdrucker⸗Versammlung. Sauistag Abend hielt der OrtsvereinTypo⸗ graphia eine zahlreich besuchte Versammlung ab. Einleitend verlas der Vorsitzende einen Artikel desKorrespondenzbl. d. Gen.⸗Kom. der Gewerkschaften Deutschlands, in dem die Gegendenkschrift zum Leipziger Setzerstreik seitens des Verbandes deutscher Buchdrucker einer Besprechung unterzogen wird. Am Schlusse gab der Vorsitzende seiner Freude über die un⸗ parteiische Haltung der Generalkommission Ausdruck. Bei der Besprechung der Tages⸗ ordnung des an den Ostertagen zu Offenbach stattfinden Gautages stimmte der Verein dem Antrage des Gauvorstandes, der die Herab minderung der Delegiertenzahl zu Gautagen um ca. 50 pCt. bezweckt, zu, da bei der gegen⸗ wärtigen Delegiertenzahl die Kosten zu hohe seien. Dem Antrage, einen Krankenzuschuß einzuführen, begegnete man mit gemischten Ge⸗ fühlen; besonders die lange Karrenzzeit, die die Mehrzahl der Mitglieder von dem Bezug von Krankengeld ausschließen würde, fand allseitige abfällige Beurteilung. Die Obligatori⸗ sierung der Wit wen⸗ und Watsenkasse fand ebenfalls keine Freunde. Von Gießen wird versucht werden, eine Umwandlung der⸗ selben in eine Sterbekasse mit stufenweisen Sterbe⸗ geldsätzen herbeizuführen, da die jetzt geplanten Leistungen, zu hohe Beiträge erfordern. Dem Antrage, einenRatgeber für den Gau herauszu⸗

geben, wird zugestimmt. Ferner gelangte die beabsichtigte Gründung eines Konsum vereins in Gießen zur Besprechung. Diesem Plane steht man im allgemeinen sympathisch gegenüber. Seitens der Kartell-Delegierten wurde am Schlusse auf das am 2. Ostertage stattfindende Gewerkschaftsfest aufmerksam gemacht und zu reger Beteiligung aufgefordert.

Die Stadtverordneten⸗-Versammlung beschloß in ihrer Sitzung am Donnerstag auf Antrag des Stadtverordneten Orbig ein⸗ stimmig, die hessische Regierung zu ersuchen, im Bundesrat gegen die Erhöhung der Getreidezölle Stellung zu nehmen.

Die Maschinenfabrik Heyligen⸗ staedt stellte am Mittwoch ihre 10000 ste Maschine fertig. Reich dekoriert wurde sie nach dem Bahnhofe gebracht. Aus diesem Anlasse gab es ein kleines Fest in der Fabrik, bei dem Herr Kommerzienrat Heyligenstaedt das harmonische Zusammenarbeiten zwischen Unter⸗ nehmer und Arbeiter betonte. Schön. Trotz⸗ dem sind uns schon sehr viel Beschwerden der Arbeiter über Mißstände zu Ohren gekommen, es wäre sebr gut, wenn man sich deren Ab⸗ stellung angelegen sein ließ.

Buren Redner als Aufschneider? In einer an dieFrkf. Ztg. gelangten Zu⸗ schrift aus der Kapkolonie wird behauptet, daß der junge Dewet gar nicht ein Verwandter des Generals Christian Dewet sei, wie er in den Versammlungen, die er in mehreren Städten mit demKommandanten Jooste abhielt, behauptet hat. Anch letzterer habe nie eine Schlacht mitgemacht. Uns kamen schon einzelne Erzählungen des Herrn Jooste in der GießenerBuren⸗Versammlung höchst ver⸗ dächtig vor.

Allgemeines Gewerkschaftsfest

in Gießen Steins Saalbau

am zweiten Oster feiertage. 25 4 5 Alten ⸗Buseck.

Sonntag hielt der Volksbildungsverein seine Mitgliederversammlung ab. Die Vorstands wahl ergab die Wiederwahl des seitherigen Vorstandes. Bei dem Bericht über die Kreis⸗ konferenz sprach man uch in Bezug auf die Unterstützungsfrage für eine Erhöhung des Beitrages um 5 Pfg. pro Monat und einen Sterbegeldsatz von 20 Mk. aus. Die Mai⸗ feier wurde auf den 5. Mai festgesetzt. An diesem Tage soll nachmittags Versammlung und Abends Familienunterhaltung stattfinden. Sonntag, den 31. März, nachmittags 3 Uhr findet im Lokale des Herrn Wilh. Becker eine Volksversammlung statt, in der Gen. Vetters 15Getreidezölle und Verwandtes sprechen wird.

Großen⸗Buseck.

W. Gegen die Wahl des bisherigen Po⸗ lizeidieners Schwalb zum Bürgermeister war von antisemitischer Seite Protest erhoben wor⸗ den, der jedoch, weil unbegründet, Abweisung erfuhr. Montag erfolgte nun die Amtsein⸗ führung des neuen Bürgermeisters. Er dürfte keineu leichten Stand haben, aus einer im Offenbacher Antisemitenblatte veröffentlichten im Uebrigen ziemlich unverständlichen Einsend⸗ ung, in der sogar ein Bibelvers falsch zitiert wird, geht hervor, daß man auf antisemitischer Seite seine Wahl mit scheelen Augen ansieht und sich über die Niederlage Meyers nicht be⸗ ruhigen kann. Desto mehr muß sich Herr Schwalb bemühen, sein Amt gerecht und un⸗ munten zum Wohle der Gemeinde zu ver walten.

Aus dem Kreise Friedberg.

In Ober⸗Mörlen sprach am Sonntag

Gen. Busold über die geplante Erhöhung der Getreidezölle in einer, auch von Bauern sehr stark besuchten fast überfüllten Versamm⸗ lung. Das Referat fand eine begeisterte Auf⸗ nahme. Nur Vertreter des katholischen Bauernver⸗ eins suchten anfangs den Redner zu unterbrechen;

unterließen es erst, nachdem sie Gen. Busold auf ihr Recht, in der Diskusston das Wort zu ergreifen, verwiesen hatte.

alle Fragen und Einwürfe, worauf ein An⸗

hänger der Getreidezölle erklärte, daß sie an den Ausführungen des Redners nichts mehr 1

auszusetzen hätten, sie seien zutreffend gewesen.

Er hatte nur vergessen, zu sagen, das Zentrum sei dafür und da müsse er auch dafür sein. Interessant war noch, daß, als Redner von

Mitgliedern des Bauernsvereins wiederholt ge⸗ stört wurde,

Davon machten sie ausgiebigen Gebrauch. Busold antwortete auf

ein Bauer aus den Reihen 0 derselben aufstand und rief:Seid doch

ein bischen ruhig, so wie's der Mann

sagt, so ist es auch. Wir wollen lieber

mit denen gehen! Mit dem denen waren die

Sozialdemokraten gemeint. Diese Worte waren von tiefer Wirkung. Die Resolution gegen die Getreidezölle fand Annahme.

Bad Nauheim.

Bezüglich des Nenbaues Rheingold hält unser Gewährsmann ent⸗ gegen der Berichtigung in voriger Nummer seine früheren Angaben aufrecht. Nach seinen Darstell⸗

ungen, an denen zu zweifeln wir nicht die geringste

Veranlassung haben, sind die verschiedenen Brüche der Fensterbänke und⸗Gewände allerdings nicht blos auf den Frost zurückzuführen. sind an den schadhaften Stellen bereits Repa⸗ raturen vorgenommen worden. Unsere Warnung

verdient umsomehr Beachtung, als eben wieder

in Mainz ein Neubau eingestürzt ist. Prügelpädagog.

Eine eigentümliche Auffassung von seiner Aufgabe

als Jugenderzieher scheint der Lehrer Kapp in Hel den⸗ bergen zu haben. Obwohl er sich erst seit wenigen

Wochen an diesen verantwortlichen Posten befindet, wer⸗

den über ihn die lebhaftesten Klagen laut. Es ist ja wohl möglich, daß unter den Kindern im Alter von 6 bis 9 Jahren, die er unterrichtet, einzelne mit nicht allzu großem Denkvermögen ausgestattet sind. Da ist es aber doch Sache des Lehrers, sich in liebevoller Weise gerade der weniger Befähigten anzunehmen, um sie heranzubilden. Statt dessen werden die Kinder mit Bezeichnungen belegt, die sicher in keinem Schulreglement vorgeschrieben sind. Schweinepelz, Stromer, Klößkopf, Bauernlümmel und ähnliche Ausdrücke hagelt es nur so;

Mißhandlungen sind ebenfalls an der Tagesordnung.

Spuren erhaltener Strafen sind an den Kleinen oft tage⸗ lang bemerkt worden. Vielleicht empfiehlt der Schul⸗ vorstand, dem mehrfach Beschwerden der Eltern zuge⸗ gangen sind, dem Herrn, sich einmal eingehend mit dem Studium von KniggesUmgang mit Menschen zu befassen.

Aus Wetzlar.

t. Ein Unterschied. Vor Gott sind zwar alle Menschen gleich, seine Diener unterscheiden aber sehr fein zwischen den mit irdischen Gütern gesegneten und den Habenichtsen. In Braunfels fand kürzlich die Beerdigung des Prinzen Albrecht von Solms⸗Braunfels unter großer Beteiligung statt. Im Trauergefolge be⸗ fanden sich die Spitzen der Behörden; mit allen kirch⸗ lichen Ehren wurde der Tote zur letzten Ruhe bestattet. Der Geistliche rühmte in seiner Grabrede den edlen Charakter, Wohlthätigkeitssinn, christlichen und tugend⸗ haften Lebens wandel des Verstorbenen. Vierzehntägiges Trauergeläute findet im Standesgebiet statt. Thatsäch⸗ lich soll der Prinz ein Ehrenmann in jeder Beziehung gewesen sein, der wie wenige in seinen Gesellschaftskreisen Verständnis für die Notlage der Besitzlosen hatte, von der besten Absicht beseelt war, das Elend zu lindern. Wir sind auch weit entfernt davon, seine edle Gesinnung irgend⸗ wie in Zweifel zu ziehen. Wir wollen nur auf das Verhalten der Geistlichkeit hinweisen. Der Prinz hatte wegen seines langjährigen Leidens seinem Leben selbst ein Ende gemacht, indem er sich in Wiesbaden erschoß. Darüber wird ihm kein vernünftiger Mensch einen Vorwurf machen. Während aber bei einemge⸗ wöhnlichen Selbstmörder stets jede geistliche Beglei⸗ tung versagt wird, bestattete man den vornehmen Selbstmördor mit allen kirchlichen Ehren. Dieser Fall beweist eben wieder wie tausend andere vor ihm, daß die Kirche in der Behandlung ihrer Angehörigen einen Unterschied macht, je nachdem sie zur Klasse der Be⸗ sitzenden oder Vesitzlosen gehören.

Geschieht ihm recht. günstig verlaufenen Lohnbewegung der Schneider schloß sich ein Kollege, der nebenbei noch Hausbesitzer ist, nicht an. Wie so mancher brave Arbeitswillige dachte auch er, sich durch die Anderen die Kastanien aus dem

Feuer holen zu lassen, das von seinen opferwilligen

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Uebrigens

Der für die Arbeiter

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