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Nr. 34. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. kung des Vertrauensmannes, die vorbereitenden a 5 Mittei. 3 1 Arbeiten zur Teilnahme an der im November U Kleine e g Partei-Nachrichten. slattfindenden Stadtverordnetenwahl zu über⸗]„' Ju Leihgestern brannte am Mittwoch Der Rechenschaftsbericht des Partei⸗ nehmen und demnächst Bericht abzustatten habe. Vormittag der zu dem Anwesen des Landwirts vorstandes
Nach längerer Diskussion wurde dieser Vorschlag von der Versammlung acceptirt. Von der Entsendung eines eigenen Vertreters zum Partei— tag in Lübeck wurde, des Kostenpunktes wegen, Abstand genommen, der Vertrauensmann jedoch beauftragt, einen der süddeutschen Delegirten bei ihrer Rückreise zur Berichterstattung zu ewinnen. Unter Verschiedenes entspann sich loch eine lebhafte Debatte über die Abhaltung einer Volksversammlung, betr. Stellungnahme egen Brotwucher. Die Versammlung erklärte sich schließlich für Veranstaltung einer solchen, mit Hinzuziehung eines namhaften auswärtigen Referenten. Weiter wurde die Beschaffung einer größeren Anzahl der„Petitionslisten gegen den Brotwucher“ zur Verbreitung im Wahlkreise beschlossen. Nachdem noch der Vorsitzende des A.⸗G.⸗V.„Eintracht“ die Genossen zur Teil⸗ nahme an dem, am 31. d. M. stattfindenden 1. Stiftungsfeste des Gesangvereins eingeladen hatte, fand die sehr anregend verlaufene Ver— sammlung ihren Schluß.
— Stiftungsfest. Am Samstag, den 31. August, feiert unser Arbeiter-Gesang⸗ verein„Eintracht“ in den Räumen des Schloßgartens sein erstes Stiftungsfest durch eine Abendunterhaltung und Tanz. Der Verein, welcher sich in der kurzen Zeit seines Bestehens unter der bewährten Leitung seines Dirigenten, Herrn Pauli jun., durch seine Bereitwilligkeit, bei allen Arbeiterfestlichkeiten mitzuwirken, die Sympathien aller Arbeiter erworben hat, dürfte wohl einem zahlreichen Besuche an seinem Stif— tungsfeste entgegensehen, zumal auch der Ein— trittspreis(50 Pfg. inkl. einer Dame frei) ein sehr mäßiger ist. Das Programm ist ein reich— haltiges und verspricht die Feier ein echtes Arbeiterfest zu werden.
— Die Räuber, welche seit einiger Zeit die Umgebung unsicher machten, hat man trotz eifriger Bemühungen der Gendarmerie noch nicht erwischt. Dieselben scheinen sich, seitdem so eifrig nach ihnen gefahndet wird, in eine andere Gegend verzogen zu haben. Ein großer Teil des Publikums aber von einer wahrhaft lächerlichen Furcht befallen, die Wälder zu betreten und ist es daher jetzt ziemlich einsam in denselben.— Uebrigens wird von einem neuen Ueberfall berichtet, den zwei Strolche gegen einen Schüler am Montag im Brückerwalde zwischen Amöneburg und Niederklein ausführten. Sie nahmen dem Schüler sein Taschengeld und ein Messer weg. Einer der Strolche wurde ermittelt und verhaftet.
O. In Biedenkopf fand am letzten Sonntag eine gut besuchte öffentliche Stein— arbeiterversammlung im Restaurant „Frauenthal“ statt, in welcher Genosse Haber— land⸗Marburg in einstündiger Rede einen lehrreichen Vortrag über das Thema„Warum organisieren wir uns?“ hielt. In leicht ver⸗ ständlicher, ruhiger und sachlicher Weise setzte Redner den Anwesenden Zweck und Ziele der Organisation auseinander und forderte zum Schluß zu treuem Zusammenhalt in derselben auf. Reicher Beifall lohnte den Redner für seinen gediegenen Vortrag. Nachdem der Ver— trauensmann namens der Versammlung dem Referenten seinen Dank ausgesprochen und die Kollegen ebenfalls zum Festhalten an der Or— . aufgefordert hatte, schloß er, nach
rledigung einiger Internas, die schön ver— laufene Versammlung mit einem kräftig aufge⸗ nommenen Hoch auf die Organisation.— Der Nachmittag vereinigte dann noch die Genossen mit ihren Gästen, nach Besichtigung der Sehens—
würdigkeiten, bei einigen Glas guten Bieres
bis zum Abgang der Abendzüge. Möge die
Versammlung gute Früchte tragen. „CCC CCC UA CCCCCCCTCTCCTCCCCC Marburg.
Die Kolporteure sind gehalten, bis zum 15. jeden Monats abzurechnen; wir bitten die Abon⸗ nenten, dies zu beachten. ö
Die Kolportage⸗Kommission. ö
Jung gehörige Stall total nieder. Hilfe war rasch zur Stelle, sodaß weiteres Unglück ver⸗ hütet wurde. Mit Streichhölzern spielende Kinder sollen das Feuer veeursacht haben.
** Messerstecherei. In Rudlos bei Lauterbach gerieten am Montag auf einem dortigen Gutshofe zwei Arbeiter in Streit. Im Verlauf desselben durchstach der eine, Möller, seinem Gegner namens Ritt die Brust, so daß dieser tötlich verletzt vom Platze getragen werden mußte.
* Wieder ein antisemitischer Schwindler. Der Angestellte des hessischen Bauernbundes Bonkattz verkaufte für diesen vorigen Herbst in Frankfurt Kartoffeln, verjubelte aber einen Teil des dafür empfangenen Geldes. Mehrere Bauern sind dabei um erhebliche Beträge geprellt worden.
* Ein großes Schadenfeuer ver— nichtete in Biedenkopf am Mittwoch elf mitten in der Stadt gelegene, gefüllte Scheuern. Der Einwohnerschaft bemächtigte sich große Aufregung, da man bei dem Wassermangel weitere Ausbreitung des Feuers fürchtete. Ein hiesiger Feuerwehrmann und ein älterer Land⸗ wirt erlitten durch stürzende Balken schwere Verletzungen. Die Ursache des Feuers ist un— bekannt.
* Mehr Bauarbeiterschutz! Am Dienstag stürzte an einem Neubau in Frankfurt ein zentnerschwerer Stein aus der Höhe des dritten Stockes vom Gerüst herab und spaltete einem unten beschäftigten Arbeiter den Hinter— kopf. Die Verletzungen des Unglücklichen sind absolut tötlich.
* Brand eines Regierungs⸗ gebäudes. Vorigen Freitag Abend gegen 9 Uhr brach in dem Regierungsgebäude in Coblenz Großfeuer aus, das die ganze Nacht wütete und erst am folgenden Tage bewältigt werden konnte. Das Gebäude ist total aus— gebrannt, viel Mobiliar ꝛc. vernichtet, doch sollen die wichtigsten Akten gerettet sein.
** Also doch! Der bekannte freisinnige Reichstagsabgeordnete Eugen Richter) ein alter Junggeselle, wird sich demnächst mit der Witwe des Abg. Parisius vermählen. Richter ist bereits 63 Jahr alt.
* Ein Zuhälter-Verein existiert nach Angabe eines Polizeikommissärs in München. Der unter harmlosen Namen bei der Polizei angemeldete Verein bezwecke, Geldmittel zusam— menzubringen, um verfolgten Angehörigen der sauberen Zunft die Flucht nach der Schweiz zu ermöglichen.
Arbeiterbewegung.
Die Hamburger Kupferschmiede haben in geheimer Abstimmung einstimmig beschlossen, den Ausstand fortzusetzen. Vergleichs— verhandlungen, die vom Verbandsvorsitzenden angebahnt wurden, wurden von den Unter— nehmern schroff abgewiesen. Die Unterstützungs— gelder gehen so reichlich ein, daß die Streik⸗ unterstütßung um 3 M. pro Woche erhöht
werden konnte.
T Generalstreik der Flaschen⸗ macher. Am Dienstag haben Verhand— lungen zwischen den Direktionen der Glas— hütten in Bergedorf, Brunshausen und Flens— burg und der Verbandsleitung der Glasarbeiter stattgefunden. Die Sachlage ist derartig, daß von Verhandlungen mit einzelnen Fabriken kaum etwas zu erwarten ist.— Der Flaschen⸗ mangel wird schon sehr fühlbar. Verschiedene Brauereien wollten große Quantitäten Flaschen iim Auslande bestellen, doch wurden die Auf— träge abgelehnt, weil die Firmen erklärten, im Einvernehmen mit ihren Arbeitern handeln zu wollen.— Die Kreishauptmannschaft Dresden zog das von ihr erlassene Streikposten- verbot zurück.— Unterstützung der Glasar— beiter ist dringend nötig. 8 e
+ Stahlarbeiterstreik in Amerika. Der Ausstand dauert noch fort und hat an Ausdehnung zugenommen.
an den Parteitag ist erschienen. Er bespricht nach Erwähnung des schmerzlichen Verlustes, den die Partei durch den Tod Liebknechts erlitten, zunächst die Differenzen in der„Leip⸗ ziger Volkszeitung.“ Die Thätigkeit des Partei⸗ vorstandes in dieser unliebsamen Angelegenheit und der Verlauf derselben wird eingehend geschildert. Bezüglich der Agitation wird be— merkt, daß der Parteivorstand nicht alle Wünsche betreffend die Entsendung von Rednern befriedigen konnte. Das Flugblatt„Was kosten die Junker?“ wurde in fast 2 Millionen Exemplaren verteilt. —. Aus dem Kassenbericht ist zu entnehmen, daß die Einnahmen in dem am 1. August ab⸗ geschlossenen Rechnungsjahr 322,497.14 Mk. und die Ausgaben 314,370 Mk. betragen, sodaß sich ein Kassenbestand von 8117.14 Mk. ergiebt. Unter den Einnahmen befindet sich ein Ueber— schuß des„Vorwärts“ in Höhe von 80,446 Mk. Von den Ausgaben entfallen 71,929 Mk. auf die allgemeine und 35,921 Mk. auf die Wahl⸗ agitation, darunter 20,000 Mk. für die öster— reichischen Genossen, ferner 67,377 Mk. auf Preßunterstützungen.
Versammlungskalender.
Samstag, den 24. August.
Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.
Rödgen und Trohe. Abends 9 Uhr Volksver⸗ sammlung bei Schneider in Rödgen. Tages— ordnung: Die Zollpolitik. Ref. Vetters.
Wieseck. Arbeiter-Bildungsverein. 9 Uhr Versammlung bei G. Schneider.
Sonntag, den 25. August. Volksversammlung in Leihgestern 8 Uhr Abends, Referent Vetters, Steinberg 8 Uhr Abends, Referent Ocbig. Tagesordnung: Wem nützen die Zölle? Montag, den 26. August.
Gießen. Volksversammlung. Abends ½9 Uhr
in„Lonys Bierkeller“.
Brlefkasten.
S.⸗Marbg. Briesbestellung findet hier 4 Mal täglich statt und zwar um 8, 10, 2 und 6 Uhr. Der dort früh morgens aufgegebene Brief wird bestenfalls 3 Uhr nachmittags in unseren Händen sein.— Das Protzenstückchen vom Bahnhofswirt besprechen wir in nächster Nummer.
Abends
Aus dem Gießener Standesamtsregister.
Aufgebote. 14. August: Philipp Lenz, Pfarr⸗ assistent in Wackernheim mit Anna von Düring dahier. Justus Horn, Kaufmann mit Mathilde Herbert dahier. Paul Wittko, Redakteur dahler mit Marla Herzberg in Frankfurt a. M. 15. Adolph Dinges, Kaufmann mit Ernstine Krailing dahler. 17. Dr. Karl Kratz, Chemiker in Mainkur bei Fechenheim mit Emma Stade dahier. 20. Franz Seidel, Sattler mit Christine Noll dahter. Theodor Köhler, Glasermelster in Alsfeld mit Marie Scherff dahier. Adam Lecke, Fabrikarbeiter dahier mit Margarethe Weigel in Friedberg. 21. Dr. Karl Engel⸗ hard, prakt. Arzt in Neustadt bei Kirchhain mit Agnes Zwirner dahler. 22. Carl Bogler, Zementeur mit Lina Hauffmann dahier. Carl Vogel, Restaurateur in Kleln— schmalkalden mit Eba Dreher dahlier.
Eheschließungen. 17. August: Johann Löber, Taglöhner mit Katharine Schneider dahler. Jacob Jakob, Omnibuskutscher mit Marie Burk, geb. Staffel dahier. Friedrich Immig, Eisenbahnarbelter in Frank⸗ furt a. M. mit Marie Laval in Offenbach a. M. Heinrich Frebel, Schreiner dahter mit Marie Blirkenstock in Arnshain. 21. Dr. Georg Gleim, prakt. Arzt in Alsfeld mit Karoline Weigand dahler.
Geborene. 11. August: Dem Glaser Heinrich Baum e. T. 12. Dem Heizer Johann Barthen e. T. 13. Dem Schneidermeister Heinrich Siever e. S. Dem Wirt Heinrich Nau e. T. 14. Dem Musiklehrer Hermann Weller e. S. 16. Dem Gastwirt Franz Renk e. T.
Gestorbene. 15. August: Margarethe Lony, geb, Dörr, 77 Jahre alt, Privatin. Eltsabethe Dechert, geb. Tag, 44 Jahre alt, Fabrikarbeiterin. 17. Magdalene Schweitzer, geb. Müller, 56 Jahre alt, Witwe. Johannes Pfeiffer, 67 Jahre alt, Privatmann. Fritz Dörflein, Wochen alt. 19. Karl Schmall, 1 Monat alt. 21. Dr. Johann Steinbrügge, 70 Jahre alt, Universitäts⸗ professor. g
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