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Nr. 37.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 3.

von Mk. 96. Dabei machte der Direktor An⸗ gaben über den Schaden, den die Glashütte durch die Arbeitsniederlegung der Arbeiter er⸗ litten hat, wonach sich der Verdienst an einem Arbeiter mindestens auf 2496 Mark im Jahre beläuft, die dort beschäftigten 200 Arbeiter den Aktionären also jährlich 499200 Mark, beinahe eine halbe Million einbringen. Und was verdient der Flaschenmacher, der sich tag⸗ täglich in einer Hitze von 5060 Grad ab⸗ rackern muß? Wenn's gut geht, Mk. 3.50 den Tag, 42 Mark in vierzehn Tagen. Die Fabrik aber verdient in der nämlichen Zeit fast zweieinhalb Mal soviel als Reingewinn an dem einen Arbeiter, als dessen Lohn ausmacht. So wird die Arbeit ausgebeutet.

Sittlichkeit in der Armee.

Aus Mainz wird berichtet, daß es auf Anordnung des Korpskommandeurs von Linde⸗ quist den Soldaten verboten wurde, auf den Straßen, in der Kaserne, in den Wirtschaften, auf dem Marsche ꝛc. unsittliche oder an⸗ stößige Lieder zu singen. Zuwiderhandelnde würden mit Arrest bestraft. Gewiß eine ganz vernünftige Verfügung. Aber schade nur, daß es kaum Soldatenlieder geben dürfte, die nicht zanstößig sind! Und dann dürfte es notwendig sein, auch gewisse, auf den Kasernenhof gebräuch⸗ liche Ausdrücke Vorgesetzter einer Prüfung auf ihre Anstößigkeit zu unterwerfen.

Zum Krosigk⸗Prozeß.

Mehrere Zeugen in dem Prozesse gegen die angeblichen Mörder des Rittmeisters Krosigk wurden gemaßregelt. Es betrifft dies den Vachtmeister Buppersch, den Vicewachtmeister Schneider und den Unteroffizier Domnig, welchen vom Generalkommando erklärt wurde, daß es mit ihnen nicht mehr kapitulieren wolle. Durch die Maßregelung gehen sie der Unteroffi⸗ ziersprämie u. ihres Zivilversorgungsanspruches berlustig. Für die drei erläßt der Verteidiger in diesem Prozesse, Rechtsanwalt Horn, einen Aufruf, in dem er auf die wirtschaftliche Schädigung der Uuteroffiziere hinweist, welche mit dem 1. Oktober aus ihrem Militärver⸗ hältnis ausscheiden und zu Geldsammlungen auffordert. Es ist eine eigene Ironie, daß zu gleicher Zeit, da diese Maßregelung von Unter⸗ offizieren, welche ihre Zeugenpflicht erfüllt haben, eine Veranlassung zu öffentlichen Sammlungen giebt, in der bürgerlichen Presse wieder einmal Vorschläge zur Hebung des Unteroffizierstandes gemacht werden. Der Verurteilte Marten ist nach Danzig überführt worden, man weiß nicht, aus welchem Grunde. Bei der Verab⸗ schiedung von seinem Vater beteuerte er unter Thränen seine Unschuld.

Beteiligung der Sozialdemokraten an den preußischen Landtagswahlen.

Letzten Sonntag tagte im Berliner Gewerk⸗ schaftshause die sozialdemokratische Parteikonfe⸗ jenz für Berlin und die Provinz Branden⸗ hur g. Sie beschäftigte sich auch mit der Frage der Beteiligung an den preußischen Land⸗ tagswahlen, und trotzdem eine ziemliche Anzahl Gegner der Wahlbeteiligung vertreten waren, kam man allgemein zu der Ansicht, daß man sich der obersten Parteiinstanz, dem Pärtei⸗ tcge, der Wahlbeteiligung beschlossen habe, fügen müsse. In diesem Sinne bewegten sich denn auch Referat und Diskusston. Eine einstimmig arigenommene Resolution empfiehlt den Partet⸗ t im Interesse eines möglichst guten

usfalls der Landtagswahlen schon jetzt die Feinarbeit zu beginnen. Es sollen Vorträge und Diskusstonen stattfinden, die Listen aufge⸗ stellt und nach geeigneten Wahlmännern Um⸗ sthau gehalten werden.

Verkrachtes Antisemitenblatt.

Das Dresdener antisemitische Organ, Deutsche Wacht, befand sich bis vor eigen Monaten im Besitze einer Aktiengesell⸗ shaft, deren Direktor der frühere Reichstags⸗ geordnete Zimmermann war. Als sich hrausstellte, daß das Unternehmen vor dem Lunkrott stand, löste sich die Gesellschaft auf

und verkaufte Blatt und Druckerei an einen gewissen Faber aus Wien. Wie in dem Aktien⸗ unternehmen gewirtschaftet wurde, geht aus einem Zirkular hervor, daß ein Beteiligter an die Aktionäre derDeutschen Wacht versandt hat. Darin wird ausgeführt, daß das Unter⸗ nehmen mit einem Aktienkapital von 250000 Mk. gegründet, jetzt bei der Liquidation aber an den Herrn Faber für 58731 Mark verkauft wurde. Fast das ganze Gründungskapital wurde in Jahren verwirtschaftet und die Aktionäre bekommen nicht einen Pfennig auf ihre Aktien. In dem Schreiben wird der Aufsichtsrat für die empfindlichen Verluste ver⸗ antwortlich gemacht, weil von ihm das Geschäft nicht richtig beaufsichtigt worden sein soll.

Ja, ja, es sind Hauptkerle, diese Urteutschen. fein sollten auch hier wieder die Juden schuld ein?

Es leben unsere Freunde, die Feinde!

Kann es etwas Aufreizendes geben, so schreibt die linksliberaleWeserzeitung, zals durch einen neuen Zolltarif mit erhöhten Lebensmittelzöllen die Massen zur Ader zu lassen, damit die bevorzugten Klassen zu besserer Lebenslage gelangen? Wahrhaftig, die Soztal⸗ demokratte sollte den Herren Graf Posa⸗ dowsky, Bueck, Wangenheim und Herold Denkmäler setzen! Die Sozialdemokratie ist die radikalste, fanatischste und rücksichts⸗ loseste Partei, sie wird am besten verstehen, in die schon hochflammende Esse zu blasen. Ihr werden die Wähler in den größten Scharen zufallen. Und so etwas thun die Parteien, die sich in ganz besonderer Weise die staatserhaltenden zu nennen belieben! Sie legen ein Feuer an, das eine Ausdehnung nehmen wird, die sie selbst in Staunen setzen wird. Für die Sozial⸗ demokratie wird dieser Angstschrei nur eine erneute Ermunterung zum rücksichtslosen und erfolgreichen Angriff bedeuten.

Krieg in Südafrika.

Eine eigenartige Maßregel, um sich gegen die Anschläge der Buren zu sichern, haben die Engländer erfunden. Aus Pretoria wird gemeldet: Hervorragende Bürgerder Stadt sind dazu bestimmt worden, abwechselnd die Züge nach Pietersburg zu begleiten. Diese Maßregel ist dadurch veranlaßt worden, daß neuerdings wiederholt Züge durch Burenab⸗ teilungen in die Luft gesprengt worden sind.

Wenn die Engländer so weiter machen, werden sie bald die Weiber und Kinder der Buren vor sich hertreiben, wenn sie eine Stellung der Buren angreifen. Fraglich ist nur, ob sich dieses Mittel als zweckmäßig erweist.

Niederlagen der Buren werden aus Kapstadt gemeldet. Danach habe die Kolonne Campbell ein Burenlager bei Surisburg über⸗ rascht. Im Gefecht wurden 50 Pferde, viel Patronen, Getreide ꝛc. erbeutet. General Collin hat bet Wiskop ebenfalls ein Burenlager über⸗ rascht. Die Buren flohen, man fand im Lager eine Proklamation des Vicepräsidenten Schalk Burgher vom 20. Juni, die damit schließt, die Buren würden uur unter der Bedingung den Frieden annehmen, wenn ihnen vollständige Selbständigkeit gewährt würde. Sehr schlimm scheinen diese Niederlagen für die Buren doch nicht ausgefallen zu sein, denn die Engländer wissen nichts von Todten und Verwundeten zu berichten.

Bedenkliche Lage in der Kapkolonie. Kitchener meldet unter anderem: Die anderen Befehlshaber, welche nach Norden ziehen, fanden nicht Gelegenheit, sich mit den Buren zu schlagen. Die Burenkommandos unter Delarey und Kemp, westlich von Rostenberg, zerstreuten sich beim Herannahen der Engländer. Die Kolonne Methuens und andere zogen nordwärts weiter. Außerdem wird die Lage in der Kapkolo⸗ nie, wo sich die Holländer zahlreich den 1 5 anschließen, immer bedenk⸗ ich er.

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Die deutschen Gewerkschaften

im Jahre 1900. II.

Wir haben am Schlusse des Artikels in der vorigen Nummer die gegenwärtigen Mitglie⸗ derzahlen der meisten bedeutenderen Verbände nach den Feststellungen der Generalkommission angegeben. Wie schon bemerkt, zeigen sie eine erfreuliche Steigerung, bei einzelnen Organisa⸗ tionen ist sogar die Zunahme sehr bedeutend. Vergleicht man aber die Zahl der Organisation mit der der Berufs angehörigen, so zeigt sich, daß noch tüchtig gearbeitet werden muß, bis wenigstens der größte Teil der Berufs⸗ angehörigen organistert ist. Den höchsten Pro⸗ zentsatz weisen die Buchdrucker auf, von ihnen werden 90 Prozent als der Organisation angehörig bezeichnet. Dann folgen die Bildhauer mit 75,71, Handschuhmacher 57,73, Kupfer⸗ schmiede 56,92, Glaser 47,87, Tapezierer 40,38, Maurer 36,57, Hafenarbeiter 36,50, Schiffs⸗ zimmerer und Werftarbeiter 36,41, Lithographen und Steindrucker 36,34, Porzellanarbeiter 31,57, Stukkateure 31,14, Töpfer 31,10, Metallarbeiter 30,97, Brauer 28,70, Buchbinder 28,64, Holz⸗ arbeiter 27,34, Vergolder 27,21, Böttcher 26,73, Zimmerer 24,93, Formstecher u. Graveure 24,08, Dachdecker 23,92, Glasarbeiter 23,23, Gemeinde⸗ betriebsarbeiter 23,12, Hutmacher 21,18, Tabak⸗ arbeiter und Zigarrensortierer 19,09, Schuh⸗ macher 18,28, Maler 18,25, Former 18,05, Sattler 16,08, Steinarbeiter 11,01, Schneider 10,80, Bergarbeiter 10,01, Fabrikarbeiter 8,93, Bäcker 6,70, Textilarbeiter 6,32, Schmiede 6,25, Bauarbeiter 5,46 Prozent ꝛc.

Dabei sei bemerkt, daß dieser Berechnung die Zahlen der Gewerbezählung von 1895 zu Grunde gelegt sind, der angegebene Prozentsatz in Wirklichkeit noch um ein Weniges niedriger ist. Nach dieser Zählung sind in den 58 Be⸗ rufen, für die Zentralverbände bestehen, 4503356 Arbeiter beschäftigt, es gehören davon also 15,1 Prozent den Zentralverbänden an.

Ebenso erfreulich, wie die Mitgliederzunahme, gestaltete sich auch die finanzielle Ent⸗ wickelung und Leistungsfähigkeit der Gewerk⸗ schaften. Während die Mitgliederzahl um 17,23 Prozent zunahm, steigerte sich die Ge⸗ samteinnahme um 22,98 Prozent. Die Ein⸗ nahmen der Zentralisationen betrugen im Berichtsjahre 9454075 Mark, erhöhten sich gegen das Vorjahr um fast zwei Millionen. Verhältnismäßig noch mehr stiegen aber die Ausgaben, welche mit 8088 021 Mark gegen das Vorjahr um 1⅜ Millionen stiegen. Die gesamten Kassenbestände beliefen sich auf Mk. 7745 901,87, wovon freilich nahezu die Hälfte, nämlich Mk. 3 792 497,67 auf den Ver⸗ band der Buchdrucker entfallen. Der Fonds, über welchen die Gewerkschaften pro Kopf der Mitglieder verfügen, ist zwar nicht ein sicherer Beweis für die Finanzkraft einer Organisation, immerhin ist es interessant, zu sehen, wie hoch sich in einzelnen Orgauisationen der vorhandene Fonds auf den Kopf der Mitglieder beläuft. Zum Beispiel hatten an Kassenbestand pro Kopf der Mitglieder: Buchdrucker Mk. 131,51; Hut⸗ macher 51,61; Zigarrensortierer 29,65; Hand⸗ schuhmacher 28,86; Kupferschmiede 28,28; Zim⸗ merer 14,29; Bildhauer 12,43; Buchdruckerei⸗ hülfsarbeiter 10,34; Maurer 10,23; Form⸗ stecher 10,16; Maler 8,73; Glaser 7,45; Dach⸗ decker 6,37; Schneider 5,83; Metallarbeiter 5,67; Brauer 5,46; Steinarbeiter 4,28; Fabrikarbeiter 3,82; Glasarbeiter 3,78; Schmiede 3,48; Schuhmacher 3,15; Tabakarbeiter 2,03; Tape⸗ zierer 1,79; Holzarbeiter 1,76; Bergarbeiter 1,75; Bäcker 1,58 ꝛc.

Die Einnahmen der Gewerkschaften weisen noch immer weit größere Unterschiede auf, als sie in der Höhe der Einkommen der Arbeiter begründet sind. Es liegt also weniger an der Unmöglichkeit, höhere Beiträge aufzubringen, wenn einzelne Organisationen zurückbleiben, sondern daran, daß der Wille, für die Organt⸗ sationen, die dem Arbeiter doch alles sein sollten, Opfer zu bringen, in den verschiedenen Berufen nicht gleich stark entwickelt ist. Es sollte sich ein Wetteifer unter den Migliedern