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Menschenleben in Gefahr bringen konnten.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

Das Gutachten der letzteren lautete dahin, daß Isbach in allen drei Fällen

sinnlos betrunken, also geistig nicht zurechnungs⸗

fähig gewesen sei. Gemäß dem Antrage des Staatsanwaltes erkannte das Gericht nach der am Donnerstag zu Ende geführten Verhandlung auf Freisprechung. Die Kosten fallen der Staatskasse zur Last.

Gemeingefährlicher Echwindler.

Es geht mitunter doch noch recht unreell her im Geschäftsleben. Kaufte da der Handels mann Oppenheimer zu Schmalnau bei Gersfeld(Rhön) vom Bauer Reinhardt zu Bäkels(ebenfalls in der Rhön) eine kranke Kuh für 15 Mk. und verkaufte dieses fast dem Wasenmeister verfallene Stück Vieh wieder an die Handels⸗ und Metzgersleute Lazarus und Hermann Gottlieb, Vater und Sohn, zu Neuhof(Kreis Fulda) für 85 Mk. Diese schlachteten die Kuh und waren gewissenlos genug, das Fleisch in den Handel zu bringen, obwohl sie wußten, daß es hochgradig tu⸗ berkulös war und sie damit eine 9

ie unsaubere Sache wurde ruchbar und brachte Gottlieb sen. und jun. vor die Schranken der Strafkammer in Fulda, um sich wegen Ver⸗ gehens gegen§ 12 des Nahrungsmittelgesetzes zu verantworten. Der als Sachverständiger vernommene Kreistierarzt fand tuberkulöse Stücke Fleisch bei Gottlieb vor und erstattete Anzeige. Der städtische Fleisch⸗ und Trichinen⸗ beschauer Rauck, der auch als Zeuge vernommen wurde, bekundete, daß von Gottlieb in einem Jahre etwa 7000 Kilogramm Fleisch an hiesige Metzger geliefert worden sei. Das Gericht sprach die Angeklagten schuldig und verurteilte sie zu je sechs Monaten Ge⸗ fängnis und Aufrechterhaltung der Haft, da Fluchtverdacht vorliegt. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr beantragt. Für dieses ge⸗ meingefährliche Treiben wäre eine härtere Strafe am Platze gewesen.

Kleine Mitteilungen.

* Blutvergiftung zog sich eig Tier⸗ arzt aus Gießen bei Behandlung einer Kuh in Großenbuseck zu. Der bedenklich Er krankte befindet sich jedoch wieder außer Gefahr.

** Die Verhaftung des Stations⸗ assistenten Fiege in Vilbel, bon der wir in der vorigen Nummer berichteten, bestätigt sich nicht. Die Untersuchung über diese Sache ist nach weiteren Nachrichten noch nicht abgeschlossen.

aphterton., In dor Leder fabrik von Ihm in Mainz stürzte am vergangenen Mittwoch ein Arbeiter in einen mit giftiger Säure gefüllten Bottich. Seine Kollegen zogen ihn sofort heraus; er eilte noch nach Hause und brach dort zusammen. Trotz der Rettungs- versuche zweier Aerzte starb der Unglückliche noch an demselben Tage an Vergiftung durch die eingenommene Säure. Der Verunglückte hinterläßt eine Witwe und ein Kind.

n Jugendlicher Raubmörder. Am Samstag fand vor dem Landgericht in Leipzig die Verhandlung über die am 13. Februar er⸗ folgte Ermordung des Laufburschen Otto statt. Der Arbeitsbursche Ernst Thärigen wurde wegen Mordes und Raubes zu 15 Jahren

Gefängnis, der Schulknabe Willy Krost wegen Mordes, Raubes und einfachen Diebstahls zu 12 Jahren 1 Monat Gefängnis verurteilt.

Ans dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain.

St. Marburg, 11. April 1901. Kornhaus-Genossenschaft. Im benachbarten Cölbe fand am 3. Feiertag eine Versammlung von Landwirten und Vertretern der Raiffeisen'schen Genossenschaften aus den Kreisen Marburg, Kirchhain und Frankenberg statt, um die Gründung einer Kornhaus⸗ enossenschaft zu beraten. Die Versamm⸗ ung wurde durch Amtsgerichtsrat Klingenbiel⸗ Neustadt geleitet. Da die vom Staate bewilligten Mittel zur Errichtung von Kornhäusern in⸗

zwischen aufgebraucht sind, so ist man gezwungen, auf eigene Kosten die Errichtung vorzunehmen; dieselben dürften sich auf ca. 66,000 Mk. be⸗ laufen. Als Platz für die Errichtung eines Silos war der Bahnhof Marburg-Süd zuerst ins Auge gefaßt worden, doch wurde später davon abgesehen und Cölbe, weil ziemlich als Mittelpunkt der drei Kreise, am passendsten gelegen, als der geeignetste Platz bezeichnet; während der Kirchhainer Landrat für Kirchhain eintrat. Auf Antrag des letzteren wurde schließlich eine Kommission von 25 Mitgliedern gewählt, welche sich mit der Angelegenheit näher befassen soll.

R. Stiftungsfest. Die hiesige Zahlstelle des deutschen Holzarbeiter⸗Verbandes begeht, wie aus dem Inserat ersichtlich ist, am Sonntag den 21. April Abends 8 Uhr im Restaurant Schloßgarten ihr 10 jähriges Stiftungsfest verbunden mit Fahnen⸗ weihe. Da keine besonderen Einladungen ergehen, so seien die Kollegen, Freunde und Genossen von Marburg und Umgegend hierdurch freundlichst dazu eingeladen. Der Arbeiter⸗ Gesangverein Eintracht sowie die gesammte Kapelle Pauli werden das Fest durch ihre bekannten Leistungen verschönern. Gen. Vetters⸗ Gießen hält die Festrede. Der Eintrittspreis beträgt 50 Pfg. Auswärtige Gäste und die Mitglieder des Arbeiter⸗Gesangvereins Eintracht zahlen unter Vorzeigung der Mitglieder⸗ karte 25 Pfg.

R. Ortskrankenkasse. Der Vorstand der Ortskrankenkasse macht bekannt, daß die Generalversammlung am 16. April, abends 8 Uhr, in der Aula der alten Realschule stattfindet. Unsere Generalversammlungsver⸗ treter werden ersucht, die Versammlung zu be⸗ suchen und bei der Vorstandswahl für die unsererseits aufgestellten Kandidaten zu stimmen.

Arbeiterbewegung.

* Buchdruckerverband. Der Gau Frankfurt⸗Hessen des Verbandes der deutschen Buchdrucker hielt während der Feiertage in Offenbach den 12. Gautag ab, an dem aus den Bezirken Frankfurt, Offenbach, Gießen, Marburg und Kassel 37 Delegierte teilnahmen. Den Vorsitz führte Dominé⸗Frank⸗ furt. Nach dem Jahresbericht des Gauvor⸗ standes ist die Mitgliederzahl von 726 in 1891 auf 1228 in 1900 gestiegen, während sich der Bestand der Gaukasse in derselben Zeit von Mk. 3002 auf Mk. 10,810 hob. In ähnlicher Weise ist das Vermögen der Bezirkskassen ge⸗ stiegen, deren Bestand sich Ende 1900 auf Mk. 8653 bezifferte. Der Antrag:Mitglieder, die 200 Wochenbeiträge im Gau geleistet haben, können im Krankheitsfall aus der Gaukasse 10 Wochen lang pro Tag 25 Pfg. Zuschuß erhalten, wurde dahin erledigt, daß der Gau⸗ vorstand sich nach Ablauf der Tarifbewegung mit den Bezirksvorständen wegen dieser Ange⸗ legenheit in Verbindung setzen soll. Frankfurt bleibt weiter der Vorort. Am zweiten Ver⸗ handlungstage wurden unter Zuziehung der Vertreter aus dem dritten Tarifkreis Hanau, Darmstadt, Mainz und Wiesbaden die Tarif⸗ verhältnisse beraten. Nach lebhafter Debatte wurde folgende Resolution einstimmig ange⸗ nommen:

Der Gautag fordert den Gehilfenvertreter des dritten Kreises auf, in entschiedener Weise einzutreten für eine durch die Teuerungs⸗ verhältnisse bedingte wesentliche Erhöhung der Grundpositionen und Neuregelung der Lokalzuschläge, für Beseitigung der Maschinen⸗ meister⸗Klausel, für Wegfall der Ausnahme⸗ bestimmungen für Städte unter 20,000 Ein⸗ wohner und bessern Ausgleichung für Städte unter 6000 Einwohner, für Herabsetzung der bisherigen Lehrlingsskala und Gleichstellung derselben für Drucker und Setzer, für erhöhte Entschädigung der Ueberstunden und für Aufnahme des 8616 des Bürgerlichen Gesetz⸗ buchs in den Tarif. Die Erhöhung des

Lohnes ist sämtlicheu Gehilfen, auch den be⸗ reits über Minimum entlohnten, zu gewähren. Schließlich wurden den ausgesperrten Glas⸗ arbeitern in Nienburg 100 Mk. bewilligt.

Der Bäckerverband hielt diese Woche seine Generalversammlung in Mainz ab. Nach derFraukf. Ztg. wurde die Ein⸗ führung der Arbeitslosen-Unterstützung mit 23 gegen 17 Stimmen abgelehnt. Es wurde aber beschlossen, nunmehr die Mitglieder des Verbandes selbst über die Einführung einer Arbeitslosen⸗Unterstützung abstimmen zu lassen.

Schuhmacher Aussperrung in Berlin. Vom Verband Berliner Schuh⸗ fabrikanten wurde kürzlich eine umfangreiche Au s⸗ sperrung vorgenommen. Die Zahl der Aus⸗ gesperrten betrug am Anfang der Differenzen etwa 900; in 31 Schuhfabriken ruhte die Arbeit vollständig. Die Gewerkschaftskommission sicherte den Ausgesperrten Unterstützung zu. Eine Einigung wurde noch nicht erzielt.

T Die Tapezierer in Offenbach be⸗ finden sich noch im Ausstand. Nur wenige Geschäfte bewilligten die Forderungen.

Kontrollversammlung en finden im Kreise Gießen noch folgende statt: In Gießen am 15. April, vormittags 8 Uhr: Wehrleute 1. Aufgebots aller Waffen. Vormittags 10 Uhr: Ersatz⸗Reservisten der Jahrgänge 1894, 1895, 1896, 1897, 1898, 1899 und 1900. Nachmittags 2 Uhr: Ersatz⸗Reservisten der Jahrgänge 1888, 1889, 1890, 1891, 1892 und 1898.

In Lollar am 16. April

(für die dazu gehörigen Ortschaften)

Vormittags 8 Uhr 45 Min.: Reservisten, sowie zur Disposttion der

Truppenteile und der Ersatz⸗ Behörden ent⸗ lassenen Mannschaften aller Waffen. Vormittags 11 Uhr: Wehrleute 1. Aufgebots aller Waffen. Nachmitttags 1 Uhr: Sämtliche Ersatz⸗Reservisten.

In Grünberg am 17. April: Vormittags 9 Uhr 15 Minuten: Reservisten, sowie zur Disposition der

Truppenteile und der Ersatz⸗Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.

Vormittags 11 Uhr 30 Minuten: Wehrleute 1. Aufgebots aller Waffen. Nachmittags 1 Uhr:

Sämtliche Ersatz⸗Reservisten.

In Lich am 18. April: Vormittags 9 Uhr 30 Minuten: Reservisten, sowie zur Disposition der

Truppenteile und der Ersatz⸗Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen. Nachmittags 12 Uhr 30 Minuten: Wehrleute 1. Aufgebots aller Waffen und sämtliche Ersatz⸗Reservisten. n Hungen am 19. April, 5 vormittags/ Uhr:

Reservisten, sowie zur Disposition der Truppenteile und der Ersatz⸗Behörden entlassene Mannschaften aller Waffen.

Mittags 12 Uhr:

Wehrleute 1. Aufgebots aller Waffen und sämtliche Reservisten. PPPPTPTPPPP0T0PPPPPPPPP( c(

Versammlungs⸗Kalender.

Samstag, den 13. 05 1 Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 905 sammlung bei Orbig. Tagesordn.: Kreis⸗ konferenz und Wahl der Delegierten. Sonntag, den 14. April. Wahlverein. Vormittags 10 Uhr bei Tagesordnung: Delegiertenwahl und

Lollar. Schupp. Verschiedenes.

Montag, den 15. April.

Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr

Versammlung bei Orbig. Tapezierer. Abends

½9 Uhr Versammlung bei Löb(Wiener Hof).

Mittwoch, den 17. April. für Kon sum verein.

ezßen. Kom mission Sich Die Listen

Sitzung abends 9 Uhr bei Orbig. sollen mitgebracht werden. Samstag, den 20. April.. Marburg. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr bei Müller, Hirschberg 12. Metallarbeiter. Abends 9 Uhr bei Jesberg, Wehrdaerweg.