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Nr. 2.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
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doch notorisch, daß andere einflußreiche Abge— ordnete derselben Partei zu dieser Konzession nicht neigen, vielmehr die Einführung des Reichstagswahlsystems für die Landtagswahlen entschieden bekämpfen. Diese Herren, denen Beziehungen zu einem Ministerium nachgesagt werden, scheinen die mit ihnen sympathisirenden Elemente in der Regierung mobil gemacht und Schwierigkeiten zuwege gebracht zu haben. Auch darüber dürste die Etatsberathung Klarheit schaffen.“— Unsere Genossen werden sich selbst⸗ verständlich durch solche nationalliberale Quer⸗ treibereien nicht irre machen lassen. Wir dürfen im Kampfe für das allgemeine gleiche, direkte Landtagswahlrecht nicht rasten, bis diese For⸗ derung erfüllt ist.— Wie jetzt bekannt wird, soll die Vorlage doch noch in diesem Winter dem Landtaze zugehen. Sie ist im Ministerium ferlig gestellt, nur die Begründung steht noch aus.
Sozialistische Gemeindewahlsiege.
Bei den in voriger Woche vorgenommenen Bürgerausschußwahlen in Württemberg stegten in zahlreichen Gemeinden die sozialdemo⸗ kratischen Listen. In mehreren Gemeinderäthen erhielten unsere Genossen die Mehrheit.
Hunnengreuel.
Den in der letzten Nummer wiedergegebenen Hunnenbriefen, den Zeugnissen der sittlichen Verkommenheit und unglaublichen Verrohung der christlichen„Kulturverbreiter“ sei heute die Aeußerung eines„gebildeten“ Mannes, des Malers Theodor Rochol angereiht, die ein Düsseldorfer Blatt veröffentlicht und die sich wahrhaftig nicht viel von den prahlerischen Episteln der Hunnenkrieger unterscheidet. Der Maler, der bekanntlich vom Kaiser nach China geschickt wurde, um dort Studien zu machen, schreibt u. a.:
„Unter uns, am Ostthor, erschallt eine Salve. Unsere Pferde stutzen nur einen Moment und schnoben die Luft. Ich sitze ab. Da liegen 3 Chinesen
(Soldaten, die Patronen entwendeten) nebenein⸗
ander in der frischgeschaufelten Grube. Dicht davor eine Sektion deutscher Infanteristen. Sie haben ihr Ziel nicht verfehlt. Von Neuem treten Hand in Hand 5 Boer in die Grube zwischen die Leichen. Lautlos stehen sie da. 2 davon haben sich nachgewiesenermaßen()) an der Ermordung der Missionare betheiligt. Abermals das Kommando„Feuer“. Vornüber stürzen die 5. Ein Körper wirft sich noch einmal hoch. Dann„Erde darüber“. Die 10 Kulis schaufeln ihre Landsleute ein. Die Nachmittags⸗ sonne liegt warm über der Mauer und deckt das fest⸗ getretene frische Grab der Fanatiker. Ihnen wird bald der Kriegsminister der Provinz Petschili fol— gen und noch 20 bis 30 Die Gesichter der Einwohner weiden täglich länger. Dem ersten Eintritt der Ofsiziere sahen sie noch so recht übermüthig und spöttisch zu. Aber jetzt, wo die höchsten Mandarinen ihres Lebens nicht mehr sicher sind, hat sich der Spott gar schnell gelegt. Das war ein interessanter Ritt von Tientsin hierher. Durch hochummauerte Städte. Die Bivouaks in Tempelgärten. Von Boxern angebrannte und zerstörte Städte, von chinesischen Truppen wieder erobert. Abgeschnittene Köpfe an den Stadtthoren und an den Pfeilern zerstörter Brücken... Ein Boxer wird uns vorgeführt aus dem Gesängniß. Der Mandarin würde nichts dagegen haben, wenn wir ihn erschössen— aber wir halten den armen zähneklappernden Burschen nicht für das, als was der Mandarin ihn gerne ausgeben möchte: einen Boxerführer.. Und weiter gehts, bis ein nenes, fesselndes Bild das vorige ver— drängt“
Das war ein interessanter Ritt,„fesselnde Bilder“ jagen einander! Rocholl ist der wahre Künstler auf der Höhe der Zeit! Wird der interessante Studien aus dem Feldzug mitbringen! Abgeschnittene Menschen köpfe... Das Wasser muß einem richtigen Hunnenliebhaber förmlich auf der Zunge zusammenlaufen!
Und wie unsere tapferen, gläubigen Kreuz⸗ zügler stehlen und plündern erzählt ein lieber Neffe seinem Onkel in einem Briefe aus Peking v. 10. Oktober, den die„Leipz.⸗Volksztg.“ bringt:
„Von Tiensin bis Peking hier haben wir schon schwer geraubt und geplündert, alles was nicht nit⸗ und nagelsest war, wurde niedergebrannt und die Boxer alle erschossen und erstochen.“
Aehnlich heißt es in einem von der Thüringer Tribüne veröffentlichten Briefe:
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„.... Widersetzt sich ein Chinese, so wird er vor den andern erschossen, damit die andern Furcht bekommen, vor die Germany, wie sie uns Deutsche nennen haben Sie die größte Furcht auch vor den Russen, kommt aber ein Japaner, so muß erst der Deutsche mit zwischen schlagen, dre sche bekommen die Chinesen wie die Maulthiere. In Peking haben Russen, Japaner und Deutsche mächtig geplündert. Seide, Geld, Uhren und andere Werth⸗ sachen, am meisten die...“(der Satz ist nicht wieder— zugeben, weil er schwerste Beschuldigungen enthält.)
Die Wahlen in Oesterreich.
Schon seit einiger Zeit finden die Neu⸗ wahlen zum österreichischen Reichsrathe statt. Das Wahlgesetz ist ein äußerst komplizirtes, durchaus realtionär, sichert von vornherein den besitzenden Klassen, den Pfaffen- und Beamten— thum das Uebergewicht. Für unsere Partei kommt nur die Wahl in der fünften„Kurie“ — die Wählerschaft ist in fünf Kurien(Wahl⸗ körper) eingetheilt— in Betracht, in welcher zwar das Wahlrecht so ziemlich ein allgemeines, aber indirektes ist. Die Sozialdemokratie hat hierbei schmerzliche Verluste, aber auch schöne Siege zu verzeichnen. Und was die Hauptsache ist, fast überall zeigt sich eine erheb— liche Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen. Bedeutende Erfolge errangen un⸗ sere Genossen in Wien und Niederösterreich; während wir leider in dem industriellen Böh— men Niederlagen erlitten. Die Genossen Dr. Ellenbogen und Schuhmeier eroberten den 1. und 5. Wiener Wahlkreis; Perners⸗ dorfer wurde mit großer Mehrheit in Wiener— Neustadt gewählt. Leider unterlag im 2. Wiener Kreise Dr. Adler mit 25193 St. gegen 26533 Stimmen des christlich-sozialen Kandidaten. Trotzdem zu Gunsten der ankisemitisch-christlich— sozialen Kandidaten schamlose Wahlbeein⸗ flussung geübt wurde, gingen die christlich— sozialen Stimmen ganz bedeutend zurück.— Wir kommen hierauf noch zurück, wenn das Gesammtresultat genauer zu übersehen ist.
Krieg in Südafrika.
Jetzt stellen selbst englische Blätter fest, daß die Lage in der Kapkolonie sich bedeutend ver— schlimmert habe. Ein Buren⸗Kommando von 200 Mann sei in der Gegend der Pic quetberge, die nur 50 Meilen von Kapstadt entfernt sind, in die Kapkolonie eingefallen.— Weitere Nachrichten besagen, daß die Buren unaufhaltsam auf der ganzen Linie vordringen. Die Bewohner der Ortschaften um Kapstadt flüchten panikartig nach Kapstadt hinein. Alle Marinetruppen, Polizei und Freiwillige rücken aus, um einen Vertheidigungsring um bie Stadt zu bilden. Die Lage ie eine äußerst kritische.
Oberst Nichelson, dem Generalstabe Lord Kitcheners angehörig, der im Auftrage des eng⸗ lischen Oberkommandanten nach London reist, ist in Marseille angekommen und erklärte dort einigen Offizieren gegenüber, der englische Ge⸗ ne alstab sei durch den Einfall der Buren in die Kapkolonie vollständig überrumpelt worden, da ein solcher Einfall als vollständig unausführbar gegolten habe. Da etwa 90000 Mann englischer Truppen allein zum Schutze der Verbindungslinien und der Eisenbahnen erforderlich seien, so gedenkt Lord Kitchener weitere 60000 Mann, abgesehen von den in Südafrika ausgehobenen Streitkräften, zur Ver— stärkung heranzuziehen.
Eine zu den Truppen des Generals Knox 8 Abtheilung gerieth in der Nähe von
indley mit einer stärkeren Feindeszahl in ein
Gefecht. Ein Oberstleutnant, zwei wei⸗ tere Offiziere und 15 Mann sind todt, 2 Offiziere und 20 Mann verwundet. — Ueber ein weiteres, bei Naauwpoort statt⸗ gefundenes Gefecht wird englischerseits berichtet, daß der Feind, dessen Verluste 20 Tode und Berwundete betrug, zum Rückzuge gezwungen wurde. Kommandant Duprez sei gefangen worden. Merkwürdigerweise sind den Englän⸗ dern ihre dabei erlittenen Verluste„noch nicht bekannt“, aber die des Feindes kaunten sie ganz genau!
Ueber weitere Bewegungen der Buren wird berichtet:
Buren-Abtheilungen unter Delarey, Steen— kamp und Boshoff zeigten sich in bedeutender Stärke am 1. Januar in der Umgebung von Buffelspoort. Ihre Zahl wird auf 5000 Mann geschätzt. General Paget u. a. Truppentheile rückten aus, um die Buren zu umgehen und ab— zuschneiden, diese zogen sich zurück. Die Mehr— zahl rückte durch Breedtuek. Es scheint sicher zu sein, daß der Feind in diesem Gebiete be— deutende Verstärkungen aus Walersberg erhielt. Ein Kaffernhäuptling meldet: 3000 Buren rückten durch Zoutpansdrift nach dem Maga— liesberg. Magaliesberg selbst bietet dem Feinde große Vortheile, sein Besitz ist 1000 Mann werth.
Krieg mit China.
Die Friedensverhandlungen sind noch nicht weiter als vor Wochen und Monaten. Eine Meldung aus Washington besagt, die amerikanische Regierung habe den Mächten vor— geschlagen, die Verhandlungen in Washington fortzusetzen.— Wie der französische Minister des Auswärtigen im Ministerrathe mittheilte, hätte der Kaiser von China seine Zustimmung zu der bekannten Note der Verbündeten erklart, auch hätten sich die chinesischen Unterhändler bereit erklärt, sie zu unterzeichnen, jedoch erst, wenn der definitive Vertrag ihnen vorliege. Die Mächte verlangen aber die Unterzeichnung der vorläufigen Note.— Der opttmisti⸗ schen Meinung Delcassés widerspricht eine vom Büreau Laffan verbreitete Nachricht, wonach Lihung-Tschang und Tsching den auf⸗ hebenden Befehl erhielten, die Präliminarnote nicht zu unterzeichnen, falls nicht die Artikel bezüglich der Schleifung der Taku-Forts, der Bildung ständiger Militärposten bewaffneter Legationswachen und betr. das Verbot der Waffeneinfuhr gestrichen werden. Die Be⸗ vollmächtigten wiederholten gestern in einem Telegramm an die Kalserin ihre Argumente zu Gunsten der Unterzeichnung der Note und be— tonten die Unmöglichkeit eines Widerstandes seitens Chinas. Sie erklärten, die Nichtunter⸗ zeichnung würde den Abbruch der gegenwärzigen freundlichen Beziehungen und weitere militäkische Operationen nach sich ziehen.
Der Weltmarschall. In dem Briefe eines österreichischen Missionars heißt es, nach— dem geschildert ist, wie unter den Truppen der Verbuͤndeten die Zuchtlosigkeit immer mehr um sich greife, über die Stellung des Oberbe— fehlshabers:„Traurig ist auch die Rolle des Oberbefehlshabers Grafen Waldersee; den Generälen der anderen Mächte eine Ziel- scheibe des Spottes, dient er den fre m⸗ den Soldaten nur dazu, ihren Witz an ihm zu üben. Schon sein pomphafter Einzug in Peking, zu dessen Entsatze er, der zu spät Gekommene, ja gar nichts beigetragen, war an sich lächerlich und unklug. Seine ganze Thätig⸗ keit hier erstreckt sich darauf, daß er nach allen möglichen Richtungen hin„Rache-Expeditionen“ ausschickt, von denen die Soldaten, und be⸗ sonders die Deutschen, denn Russen, Eng— länder und Japaner folgten ihm ja nicht, reteh mit Beute beladen zurückkehren, nachdem sie den ganzen Weg nichts gethan, als ge- mordet und geraubt und die Dörser zerstört haben.“ a
Kämpfe. Nach einer Reutermeldung traf eine deutsche Rekognoszirungs⸗Abtheilung im nördlichen Distrikt bei Szehaikon auf 3000 Chinesen. Die Deutschen zogen sich auf Luipinpu zurück, wo sie durch eine Expedition verstärkt werden, die am 29. December von Peking aufgebrochen ist und deren Ziel, wie man annahm, der Distrikt von Paotingfu sein sollte. Die Gegend ist außerordentlich bergig. Das Dorf liegt in einem Thale, dessen Eingang befestigt ist. Die Deutschen gingen zum Angriff vor. Die Chinesen vertheidigten den Befest! gungswall, auf dem zehn Geschütze uufgefahren waren. Nachdem die Gebirgsbattetie eine Stunde gefeuert hatte, wurde die Stellung mit dem Bajonnet genommen, worauf noch ein dreistün⸗ diger Kampf folgte, bis der Feind aus dem


