erordnung
gan
geordneten e Wacht“ reichischen
worden. mehrere
ud in den
Depolitiker Oh die
es bessere
erden.
tenburg
vorliegende men Zu⸗ also, trotz recht gut e ist natür⸗ litten det
e Kammer
„daß eine
ul.
eitungen
ein seie ab. Dolt
0.
die Frage flussun agisterel Erklärung Farrer ail flussul
„ elachen 51 diesen
g 0 fauend ode dar, peel gel eiftll, 1 1 behbun noch, 115
jüdischer!
mme“ elle Vernbeck 1
2
o
r
.
*
Nr. 19.
Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 3.
aber gestrichen worden. Mit 123 gegen 107 Stimmen sprach sich der Reichstag für den Kommissions⸗ Antrag aus, nachdem Eugen Richter und unser Genosse Dietz die Kommistonsbeschlesse verteidigt hatten.— Die weitere Beratung des Gesetzes wurde durch die Kunde von den großen Dingen, so im Staate Preußen bevorstehen, stark beeinträchtigt. Kaum war das Wolffsche Tele⸗ gramm, das die Einberufung beider Häuser des Land⸗ iages meldet, im Hause bekannt geworden, als sich er⸗ regte Gruppen bildeten. Die Beratung des Urheberrechts bot nur ein Moment von allgemeinem Interesse: Die Ablehuung des vom Abg. Fischer befürworteten An⸗ trags unserer Fraktion, den fliegenden Gerichts⸗ stand der Presse aufzuheben, sowte die Ablehnung eines Antrages Müller⸗Sagan, der in derselben Richtung sich bewegt, aber minder weit ging. Das Haus glaubte einmal wieder der schönen Verheißung vom Bundesrats⸗ tisch, daß die Sache demnächst„befriedigend“ geregelt werden würde.— Die Schsußabstimmung über das Urheberrecht ergab die Annahme der Vorlage gegen die Stimmen einiger weniger Freisinniger(Müller⸗Meiningen, Müller⸗Sagan.). ö
Freitag war der Reichstagssgal wieder schwächer besetzt; eine große Zahl Abgeordnete hielt sich in den Wandelgängen auf, wo man die Ministerkrisis in Preußen lebhaft besprach. Man unterhielt sich über Miquel's Nachfolger, ohne über die Person zur Einigung zu ge⸗ langen und bemühte sich krampfhaft, auch für einige der bisherigen Collegen Miquel's Nachfolger ausfindig zu machen.— Inzwischen debattterte man im Saale über das Gesetz betreffend die
Versorgung der Kriegsinvaliden. Die Vorlage ging fast unverändert durch; ein Ver⸗ besserungsantrag Schwarz⸗München wurde nach kraft⸗ voller und humoristischer Begründung durch Genossen Singer auf den Wink der Regierungs vertreter abge⸗ lehnt; dagegen wurde ein Antrag Riff zu Gunsten der früheren Angehörigen der französischen Armee an⸗ genommmen.— Dann ging das Haus zur Beratung von Petitionen über. Zu langen Erörterungen gab eine Petition von Bienenzüchtern Anlaß, die in echt agrarischem Geiste die N Färbung des Kunsthonigs
verlangt. Genosse Wurm geißelte in mehrfachen treff⸗ lichen Ausführungen die Sucht der Nahrungsmittel- branchen, fortwährend nach derartigen Spezialgesetzen zu schreien, um den Gebrauch von Surrogaten zu verhindern, der doch nur ein Produkt der schlechten Bezahlung und eine Begleiterscheinung der schlechten Lebenslage der Arbeiter ist. Die Petition wurde dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen.— Die Beratung der übrigen Petionen bot weniger Interessantes. Vor Schluß der Sitzung verlas der Präsident mehrere eben eingelausene Interpel lationen, unter denen sich auch eine von unserer Fraktion gestellte befindet, die sich darnach erkundigt, ob es dem Reichskanzler be⸗ kannt ist, daß gewisse reichsgesetzliche Vorschriften in Griesheim außer Kraft gesetzt worden sind.
In der Samstags⸗Sitzung wurde das Gesetz über
Unfallfürsorge für Personen des Soldatenstandes
in dritter Lesung wesentlich nach den Beschlüössen zweiter
Lesung angenommen, doch mit einem auch von unseren Senossen unterstützten Antrag des Zentrumsabgeord⸗ neten Opfergelt zu Gunsten der an Orten mit niedrigen Tagelöhnen verunglückten Soldaten, denen er den durchschnittlichen Tagelohn ihres gewöhnlichen Arbeitsortes angerechnet wissen will. Die Regierungs⸗ vertreter spreizten sich gegen den Antrag. Das Gesetz wird ja aber wohl nicht daran scheitern.— Dann wurden Petitionen beraten. Die wichtigste derselben war die um Regelung der Arbeitsverhältnisse im Gastwirts gewerbe. Sie wurde auf Vorschlag der Kommission dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen, nachdem Genosse Molkenbuhr in trefflicher Rede auf die Reformbedürftigkeit der Zustände in dem genannten Gewerbe hingewiesen hatte.
Montag erledigte der schlecht besetzte Reichstag die zweite Beratung des Weingesetzes. Das Gesetz be⸗ trifft im wesentlichen die Wein kontrolle; die ur⸗ sprüngliche Regierungsvorlage ist in der Kommission ganz wesentlich umgeändert worden, und diese Kom⸗ missionsfassung wurde zum Beschluß des Hauses erhoben. Die Debatte bewegte sich zumelst um Spezialfragen ohne allgemeines Interesse. Der lustige nationalliberale Pfälzer Deinhard hielt eine Rede, die sehr ulkig ge⸗ wesen sein mag, nur hörte man leider nicht viel davon. Genosse Wurm machte darauf aufmerksam, daß eine Nachtkontrolle sehr dringend sei, weil sonst die am Tage verhinderten Weinpantschereien unter dem Schutz der
Dunkelheit verübt werdeu und beklagte den Mangel an
fachmännisch gebildeten Sachverständigen für die Lebens⸗ mittel⸗Kontrolle.
Dienstag kam die Interpellation nnserer Genossen wegen des Griesheimer Ungücks zur Sprache. Das Haus war nur mäßig besetzt, der neugebackene Handels⸗ minister Möller, der hier unbedingt hätte dabei sein ssollen, nicht anwesend. Genosse Hoch begründete die
die Sozialdemokratie verantwortlich zu machen.
Interpellation. Er brachte in trefflichen Ausführungen die Außerachtlassung der gesetzlichen Vorschriften in den chemischen Fabriken in Griesheim zur Sprache und er⸗ kundigte sich nach den Vorkehrungen, die der Reichs⸗ kanzler zu treffen gedenke, um in Zukunft solchen Un⸗ glücksfällen vorzubeugen. Graf Posadowsky beant⸗
wortete die Interpellation, indem er— übrigens in ziemlich höflicher Form— die Gewerbeinspektion wie
die Fabrikverwaltung nach Möglichkeit reinzuwaschen suchte und sich im übrigen in beliebter Weise auf die noch nicht abgeschlossenen Untersuchungen berief. Bei der Diskussion fand Müller⸗Fulda einige milde Worte des Tadels über die Handhabung der Vorschriften in Griesheim. Um so energischer rückte, mit einem reich⸗ haltigen Matecial versehen und als Chemiker mit voller Sachkenntnis ausgerüstet, Genosse Wurm, dem Staats⸗ sekretär zu Leibe, der sich nur recht schwächlich zu ver⸗ teidigen wußte.— Aus der weiteren Verhandlung unserer Interpellation ist noch der Zusammenstoß des Genossen Singer mit dem Kanal⸗ und Clektrizitäts⸗ feind v. Kardorff zu erwähnen. Dieser zog die Berliner Straßenbahnen in die Debatte und brachte das Kunst⸗ stück fertig, für die Unglücksfälle, die diese anrichten— Singer leuchtete unter großer Heiterkeit des Hauses dem Ritter von St. Laura gründlich heim. Bet einer weiteren Interpellation, die von welfischer Seite ausging, verlangte v. Hodenberg Aufklärung über die Behandlung ge⸗ fangener deutscher Missionare in Südafrika und tadelte das Verhalten der Reichsregierung den Engländern gegenüber.
Krieg mit China.
Mit dem Vorgehen Waldersees in Tschili und namentlich mit der letzten deutschen Erpedition nach der großen Mauer scheinen die Vertreter der Mächte durchaus nicht ein⸗ verstandenzusein. Pekinger Nachrichten zufolge wirft man in nerhalb der„Verbündeten“ bereits die Frage auf, ob ein weiteres Zusammen⸗ wirken mit den Deutschen unter diesen Umständen noch erwünsicht sein könne.— Ueber den Zug nach der großen Mauer lassen sich Londoner Blätter aus Peking schreiben: Die Chinesen wehklagen darüber, daß durch die letzte Expedition friedliche Gegenden beun⸗ ruhigt worden sind und daß die ausländischen Kolonnen Rcquisitionen vorgenommen haben, um Stellungen anzugreifen, die chinesische Soldaten Monate lang angesichts der franzö⸗ sischen Vorposten besetzt gehalten hätten, ohne daß diese sich zum Vorgehen veranlaßt sahen. Die deutsche Poltuik in Tschili, so wie sie Graf Wal dersee interpretiert, habe austatt die Pro- vinz zu beruhigen, den größeren Teil in Anarchie versetzt. Die Unordnung sei Jo vollständig, daß die Umgebung Pekings für Ausländer und Christen un stcherer fei, als je seit der Besetzung Pekings. Der Handels⸗ verkehr im Innern set gelähmt, sämtliche chtuesische Polizei sei unterdrückt und ihre Waffen konfisziert und nur Räuber und Boxer seien bewaffnet. Die Unruhe wachse mit jedem Monat.
Waldersee hat, nachdem ihm sein As⸗ besthaus abgebrannt ist, auf einem Lazaret⸗ Schiff Wohnung genommen.
Krieg in Südafrika.
In elender Verfassung soll fich das englische Heer befinden. Das ergiebt sich aus einem Briefe, den die„Times“ aus Kronstadt erhielt und der in London viel Aufsehen erregt. Darin wird die Lage des englischen Heeres in Südafrika in den düstersten Farben geschildert. Der Versuch, die Oranjekolonie von den Buren zu säubern, sei, wenn auch nicht gänzlich ge⸗ scheitert, so doch nicht besonders erfolgreich ge⸗ wesen. Nicht weniger als 75,000 Mann seien zur Bewachung der Eisenbahn erforderlich. Außerdem erheischen die Hauptstädte an den Verbindungslinien eine starke Besatzung. Es sei folglich nur ein Drittel der Armee für die Operationen gegen den Feind verfügbar und dieses leide unter Krankheit. Die Truppen seien durch den Oranjefeldzug ermattet und apathisch geworden. Ueberdies seien ste nicht beweglich genug. Die Armee bedürfe der Ruhe; werde diese ihr nicht gegönnt, so müsse sie durch frisches Blut ergänzt werden.— Auch aus anderen Berichten ist ersichtlich, daß die eng⸗
lischen Soldaten durch Entbehrung, Hunger und Ueberanstrengung fürchterlich herynterge⸗ kommen sind. Im April betrugen die eng⸗ lischen Verluste: 8 Offiziere und 122 tot, 20 Offiziere und 206 Mann verwundet, 3 Offi⸗ zier und 93 Mann gefangen.— Unter allen diesen Umständen werden die Jingos endlich ängstlich. Aus London wird darüber berichtet: Einflußreiche hiesige und südafrifanische Finanz⸗ kreise, sowie Mineninteressenten sind angestrengt bemüht, wahrscheinlich nicht erfolglos, einen Vergleich herbeizuführen, um den Friedens⸗ schluß und schleunige Wiedereröffnung der Gruben zu ermöglichen. Rhodes rät dringend weitgehende Konzessionen an, weil die Feindseligkeit der Kapholländer stets anwächst b Gesamtlage täglich ussichtsloser wird.
Wir marschieren!
Alle Berichte, die über den Verlauf der Maifeier sowohl aus Deutschland wie auch aus dem Auslande eingelaufen sind, stellen eine gegen früher erheblich größere Beteiligung der Arbeiterschaft au der internationalen Kund⸗ gebung fest. Der Arbeiterfeiertag hat sich immer mehr bei dem arbeitenden Volle in allen Ländern eingebürgert, und über seine Bedeutung herrscht in den Reihen des vorwärtsstrebenden Proletariats volle Klarheit. Man erkennt die Notwendigkeit, die Forderungen und die Ge⸗ danken des internationalen Sozialismus durch eine kraftvolle Kundgebung zum Ausdruck zu bringen, die Gemeinsamkeit der Interessen der Besitzlosen und Ausgebeuteten zu betonen. Von Jahr zu Jahr nahm auch die Zahl derer zu, die den 1. Mai durch Arbeits ruhe feiern. So waren beispielsweise bei der ersten Maifeier im Jahre 1890 in Frankfurt nur etwa 120150 Mann in der Vormittagsversammlung anwesend, diesmal betrug die Zahl der Feiernden mindestens 3000. Dasselbe Verhältnis zeigt sich überall, wo es denkende Arbeiter giebt. Wir waren sogar höchlich erstaunt, als wir in der„Münchener Post“ von Maifeiern lasen, die hoch oben in Orten des bayrischen Hoch⸗ gebirges unter zahlreicher Beteiligung stattge⸗ funden haben. Dort war noch vor einem halben Jahrzehnt an eine Arbeiterbewegung nicht zu denken; vor zehn Jahren kannte die dortige Bevölkerung die Sozialdemokratie höchstens durch die gruseligen Schilderungen, die von der Kanzel gegeben wurden. Kurz, wir sehen unsere Bewegung überall mächtig vorwärts schreiten; im Verhältnis zu der großen Masse der Enterbten ist die Zahl der Anhänger der Sozialdemokratie uns immer noch viel zu gering; trotzdem hat die Partei eine von uns früher nicht geahate, großartige Entwickelung genommen, in der Breite wie in der Tiefe. Mit der Zahl unserer Truppen wuchs die sozialpolitische Einsicht und die prin⸗ zipielle Klarheit der einzelnen Genossen. Wir können also im Allgemeinen zufrieden sein. Doch unsere Gegner sind es nicht. Es wäre auch ein Unglück für uns, wenn sie mit uns zufrieden wären. Bald sind wir dem einen die alten Umstürzler geblieben, die wir von je waren und gegen die man Kanonen und Bajonette anwenden muß, bald haben wir uns nach dem andern total gemausert, unser Endziel aufge⸗ geben und in kurzer Zeit dürsten wir in den „staatserhaltenden“ Parteien aufgegangen sein. Ansichten der letzteren Art tischte der„Gießener Anzeiger“ seinen Lesern zum 1. Mai in einem Artikel auf, der so viele Unrichtigkeiten über die Sozialdemokratie und eine so verkehrte Beurteilung derselben enthält, daß zu seiner Widerlegung und Richtigstellung der zehnfache Raum nötig wäre, der uns zur Verfügung steht. Bei verschiedenen Gelegenheiten vertrat das Gießener Aemterorgan einen etwas fortge⸗ schritteneren Standpunkt, die rückstäudige Scharf⸗ macher⸗ und Muckerpolitik wurde von ihm in der letzten Zeit weniger verfolgt. Umsomehr muß die in dem Artikel zutage tretende Un⸗ kenntnis verblüffen.


