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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Nr.

pon nah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns federzeit will

kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich ae

Gewissenhaftigkett dei Uebermittelung von Nachrichten. Wir

bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiden.

Gießener Angelegenheiten. Zur Stadtverordnetenwahl!

Wir machen unsere Genossen nochmals auf die bevorstehende Wahl der Gemeindevertretung aufmerksam. Wie verlautet, soll dieselbe am 14. November stattfinden. Jeder unserer Freunde hat die Aufgabe in seinem BekanntenCollegen und Freundeskreise für die Wahl der von uns aufgestellten Kandidaten zu wirken. Für den Bezirk Grünbergerstraße und Umgebung findet Samstag Abend 9 eine Wähler versamm⸗ lung imMainzerhof, Grünbergerstr., statt, in der die Genossen Krumm und Keßler über die Bedeutung der Stadtverordnetenwahl sprechen werden.

Geheimer Justizrat Dr Reatz. In Nr. 42 dss. Blattes mußten wir uns leider mit der Aufsichtsratsthätigkeit des oben genannten Herrn beschäftigen. Zu diesem Artikel schweigt Herr Reatz genau so, wie zu den recht deutlichen Ausführungen derFrankf. Zeitg. und imBerliner Tage⸗ blatt. Es scheint also festzustehen, daß die

egen Herrn R. erhobenen Vorwürfe begründet nd. LautFrkftr⸗Ztg vom 27. Oktober hat man in der neuerlichen General-Versammlung wiederum Herrn Reatz vorgeworfen, daß er ein freventliches Spiel getrieben habe. Kann man gegen Jemand einen schwereren Vorwurf erheben? Schweigt Herr Reatz auch diesem Vorwurf e dann dürfte es an der Zeit sein, daß sich die Anwaltskammer und noch andere Stellen der Sache annehmen. Daß ste nicht totgeschwiegen und vertuscht wird, dafür werden wir nach Möglichkeit sorgen. Den Gießener Bäckermeistern muß der Konsumverein arg im Magen liegen, sie haben offenbar Angst, daß ihr wahr⸗ haftig nicht kleiner Profit durch Konsumgenossen⸗ schaften auf ein normales Maß zurückgeführt wird. In einer Versammlung am Mittwoch Abend beschloß die ehrenwerte Zunft, keine Backwaren an den Konsumverein zu liefern. Wer gegen den Beschluß verstößt, soll 300 Mk. Kondentionalstrafe zahlen; außerdem soll in diesem Falle der Preis des Brotes allgemein um 4 Pfg. der Laib her⸗ abgesetzt werden. Das beweist also, daß die Ritter vom Backtrog bisher für jeden Laib Brot 4 Pfennige zuviel genommen haben. Möglich ist das schon, denn als das Oktroi für Mehl abgeschafft wurde, behielten die Herren die alten Preise bei, wodurch ihnen Zehntausende Mark Liebesgaben zufielen. Hoffentlich findet sich zum Heile der Bevölkerung ein Bäcker, der für den Konsumverein liefert, daun wird wenigstens das Brot billiger! Man sieht, welchen Nutzen für die Gesamtheit der Konsumverein stiftet, Grund für Jeden, ihm beizutreten! Die teig⸗ knetenden Zünftler werden ihn in seiner Ent wickelung nicht stören!

Geflügel- und Vogel⸗ Aus stellung. Wir machen auch an dieser Stelle auf die höchst sehenswerte Ausstellung von Geflügel und Vögeln, welche am Freitag, Sams tag und Sonntag im Etablissement Philosophen⸗ wald stattfindet, aufmerksam. Liebhaber von Tieren, sowie Freunden der Vogelwelt ist der Besuch der aus ganz Deutschland reichhaltig beschickten Ausstellung nur bestens zu empfehlen. Besonders für unsere ländlichen Leser ist es gewiß interessant, die schönen Tiere zu betrachten.

Aufdie Rezitation des Herrn Walkotte nächsten Donnerstag in Lonys Bierkeller weisen wir nochmals hin. l

Eintracht. Das Winterfest des ArbeitergesangvereinsEintracht, das amSams⸗ tag im Leibschen Saale abgehalten wurde, er- freute sich eines sehr starken Besuches und ver⸗ lief in der schönsten Weise. Die Gesangs und sonstigen Vorträge, wie auch das Theater- stück wurden recht gut ausgeführt und mit vielem Beifall aufgenommen. Nach Beendigung

des Programms folgte Ball, welcher die Teilnehmer bis spät zusammenhielt. i

Mit der Lage der Konfektions⸗ schneider beschaͤftigte sich eine am Dienstag im Orbig'schen Lokale stattgefundene recht gut besuchte Schneiderversammlung. Von Seiten des Schueiderverbandes ist eine auf vie Kon⸗ fektions arbeiter bezügliche Petition aus⸗ gearbeitet worden, über welche öffentliche Ver⸗ sammlungen beschließen sollen. Darin sind die zur Beseitigung der Mißstände in der Koufektion notwendigen Forderungen formuliert, deren hauptsächlichste das Verbot der Mitgabe von Arbeit nach Hause an Werkstattsarbeiter, ferner die Ausdehnung der Schutzbestimm ungen der Gewerbeordnung, sowie der Arbeiter⸗ versicherung auf die Heimarbeiter sind. Koll. Mirus von Frankfurt begründete die in der Petition erhobenen Forderungen in klarer und eingehender Weise; wir behalten uns vor, später noch auf die teilweise sehr schlimmen Zustände in der een e zurück⸗ zukommen. Eine Resolution im Sinne des Referats fand einstimmige Annahme. Der- selbe Gegenstand wurde auch in Versammlungen in Wetzlar und Marburg behandelt, wo Mirus ebenfalls referierte.

Aus dem Rreise gießen.

Kontrollversammlungen im Kreise Gießen finden wie folgt statt: 1. In Gießen im Kasernenhofe am Brand für die Orte: Annerod, Allendorf a. d. Lahn, Burkhardgfelden, Gießen mit Schiffenberg u. Herrnwald, Großen⸗ Linden, Heuchelheim, Kleinlinden, Langgoͤns, Leihgestern, Oppenrod, Watzenborn und Stein- berg, Hausen. Es haben zu erscheinen:

Am 4. November, vormittags 9 Uhr: Sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1894 und 1895 eingetreten sind. Am 4. November, nachmittags 2 Uhr: Sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1896 und 1897 eingetreten find. Am 5. November, vormittags 9 Uhr: Sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in fund Jahren 1898, 1899 und 1900 eingetreten

nd.

Am 5. November, nachmittags 2 Uhr: Sämtliche zur Disposition der Truppenteile und der Ersatzbehörden entlassenen sowie alle übrigen im Reserveverhältnis stehenden Mann- schaften.

2. In Lollar am 6. November, vor⸗ mittags 8 Uhr;

3. In Grünberg am 7. November, vormittags 9½¼ Uhr;

4. In Hungen am 8. November, vor⸗ mittags Uhr;

5. In Lich am 8. November, nach⸗ mittags 3 Uhr für die zu den genannten Versammlungsorten gehörigen Ortschaften.

Aus dem Rreise Friedherg-Büdingen.

J. Friedberg. Das erste diesjährige Wintervergnügen der Gewerkschaften fand am Samstag Abend im Saalbau statt. Ein flott gespieltes Theaterstück leitete die Fest⸗ lichkeit ein. Dann folgten mehrere lebende Bilder, wovon das erste dieForderungen der Arbeiter, das zweite denWeckruf an die in⸗ differenten Arbeiter darstellte. Drei Weitere folgten dem Gedankengange des bekannten Volks- liedesAm Brunnen vor dem Thore. Fraͤu⸗ lein Will trug dann das schöne Gedicht in meisterhafter Weise vor:Und sie bewegt sich doch. Zuvor hatte Genosse Repp eine Er⸗ läuterung desselben sowie eine kurze Biographie Galileis gegeben und so zum besseren Verständ⸗ nisse des schönen Gedichtes beigetragen. Sämt⸗ liche Darbietungen, um deren Arrangierung sich wiederum Geuosse Stenzel verdient ge macht hatte, wurden dankbar angenommen und ganz besonders auch die Mühe, welche letzterer darauf verwendet hatte, allgemein 8 Hoffentlich stellt er seine Kraft in dieser Be⸗ ziehung noch recht oft in den Dienst der All⸗ gemeinheit. Den Schluß bildete der unver⸗ meidliche Tanz, der die Teilnehmer bis zum

frühen Morgen zusammenhielt. 5 s. Graf Oriola, der agrarische Reichs⸗

tagsabgeordnete für unsern Wahlkreis erstattete 10 0 am Sonntag vor 8 Tagen in Wenings bei 1 Büdingen Bericht über seine Thätigkeit im cen Reichskage. Er sei für die Flottenvorlage ein. n

getreten führte er aus wie nötig uns 3 eine große Flotte sei, habe sich im chinesischen a Kriege gezeigt. So eine thörichte Behauptung! tg Die Panzerkähne, welche nach Ostasien gondelten, haben mit dieser Reise doch gar nichts ausge? richtet, wie überhaupt der 9 Rachezug uns 1 nichts nützte, sondern höchstens lächerlich ge⸗ macht hat. Natürlich trat der Herr Graf für

den Zolltarif ein, erklärte, die Regierungsvor⸗ lage sei das Al lermindeste, was die Land⸗ wirtschaft überhaupt verlangen könnte; ig, die Landwirtschaft hätte noch ganz andere Wünsche

und er sei der Meinung, daß ein noch höherer Zoll verlangt werden müßte und er ache würde mit seiner ganzen Person dafür ein⸗ 5. treten. Selbstverständlich, er müßte kein net Agrarier sein. In der Diskussion ergriff al Genosse Harris⸗Himbach das Wort. Kaum fat Ju hatte er aber ein paar Minuten gesprochen, bc erklärte man ihm, er dürfe nurFragen stellen, ade fe worauf H. natürlich verzichtele. Dem Herrn] ou Grafen war die Situation offenbar unan enehm ee geworden; Harris errinnerte ihn an verschiedene u der seiner nicht e Wahlversprechungen von a 1898 her. Mehreren von den 40 anwesenden 1 nationalliberalen Mannesseelen paßte das nicht ah und sie riefen dem Redner zu:Hinaus mit 0 0 ihm! Daran erkennt man vaterländisch I det gesinnte Ordnungeleute. 1 n. In Gambach fand am Sonntag d vor 8 Tagen eine gutbesuchte Versamm⸗ n fiut lung gegen den Zollwucher statt. den d Das Referat des Genossen Busold wurde ng beifällig aufgenommen; eine entsprechende Re- und solution fand einstimmige Annahme.. N u de Aus dem Rreise Wetzlar. ue h. We u finden in 171 Kreise Wetzlar wie folgt statt: In Wetzlar⸗ 1 Stadt: 6. November vorm. 8 Uhr; Weßlar⸗ e Land(für Hof Altenberg, Bahnhof Wetzlar, Garbenheim, Nauborn, Niedergirmes, Oberbiel J d und Steindorf): 8. November vorm. 8 Uhr im fl. Schützengarten; in Dutenhofen(für Atzbach, 0 Dorlar, Dutenhofen, Kinzenbach und 1 la: hausen): 5. November 8 Uhr vorm.; in Krof 1 Ludto dorf(für Gleiberg, Krofdorf, Launsbach, Oden. 0 hausen, Salzböden, Vetzberg und Wismar): Wulf 5. November, 12 Uhr Mittags. de h. Nichts W und nichts ver wc gessen. Das Wort läßt sich mit Recht auf inge

die Zünftler anwenden, welche noch immer nicht 0 eingesehen haben, daß mit Befähigungsnachwels, 9 Meistertitel, der ganzen Zwangsinnung und 1 1 anderen schänen mittelalterlichen Sachen das um

Handwerk absolut nicht zuheben ist. Am 9 nh

allerwenigsten wird das bei dem Schuhmacher bd handwerk möglich sein, weil in diesem Berufe 1 der Großbetrieb sich mehr als in jedem andern daf eingebürgert hat. Trotzdem wird von Seiten l der Handwerkskammer in Wetzlar an dem Zu⸗ a standekommen einer Schuhmacher⸗Zwangsinnung un gearbeitet. 5 ber

Eine jüngst zu diesem Zwecke einberufene 18 Versammlung kam wegen schwachen Besuches 950 nicht zu stande, es soll deshalb ein zweiter Ver. ed uch gemacht werden. Den biedern Meistern ie lud die Mißerfolge der Zwangsinnungen ander⸗ 100 wärts wohl unbekannt geblieben, sonst würden sie es ablehnen, fur eine zwecklose Sache Opfer] in, zu bringen. ue

aus dem Rreise Marburg-Rirchhain. 0

Die Petitionslisten gegen die Ge e treidezoll⸗ Erhöhung haben in Marburg über 1100 Unterschristen erhalten. Möchten dieselben. 0 mit dazu beitragen, das geplante Attentat auf 1 die Lebenshaltung der unteren Klassen abzu- c wenden!

Parteiversammlung. tag, den 9. November, abends 9 N im Lokale von D. Jesberg hier eine fag u liche Parteiversammlung mit eiger sehr 1 haltigen Fee Zunächst 118. Genoffe Beckmann Gießen über den d 101 00 jährigen Parteitag referieren; sodann erfo er de

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