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Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 38.

Parteigeno ssen!

Denkt an die bevorstehenden Gemeinde⸗ ratswahlen! Bedenkt ferner, daß die

e beste Waffe 0 0

im Kampfe gegen Volksaussaugung und Unterdrückung

unsere Parteipresse

ist, sorgt deshalb für deren weiteste Ver⸗

breitung und werbt eifrig Abonnenten für

die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung

des einzigen in Oberhessen erscheinenden

Arbeiterblattes!

Zu den Gemeinderatswahlen in Hessen.

Mit Hinsicht auf die bevorstehenden Gemeinderats⸗ wahlen in zahlreichen Gemeinden Hessens ist es jetzt wohl angebracht, das Wichtigste aus den Bestimmungen über den Gemeinderat mitzuteilen.

Zusammensetzung des Gemeinderats. Laut Artikel 11 des Gesetzes, betreffend die Landge⸗ meinde⸗Ordnung für das Großherzogtum Hessen, besteht der Gemeinderat in Gemeinden bis zu 3000 Seelen aus 9, von 3000 bis zu 5000 Seelen aus 12 Mit⸗ gliedern. Die Hälfte des Gemeinderats muß aus dem höchstbesteuerten Drittteil der Wählbaren gewählt werden. Unter 9 Gemeinderäten müssen 5, unter 15 müssen 8 Höchstbesteuerte sitzen.

Daraus ist zu ersehen, daß auch im Gemeinderat die Vertreter der Großen in der Mehrheit find; ein Grund mehr für die Kleinen, fest zusammenzu⸗ halten, damit wenigstens die übrigen Mitglieder des Gemeinderats Kleine sind, und zwar solche von echtem Schrot und Korn.

Amtsdauer. Die Wahl des Gemeinderats er⸗ folgt auf neun Jahre. Alle drei Jahre scheidet ein Drittel der Mitglieder aus und wird durch Neuwahlen ersetzt,

Wenn vor der regelmäßigen Ergänzung mehr als ein Drittteil der Gemeinderatsmitglieder abgegangen ist(Todesfälle usw.) oder wenn der Gemeinderat etwa aufgelöst wird, so wird die Ersatzwahl in der Zwischen⸗ zeit vorgenommen.(Art. 12.)

Wer kann wählen? Jeder 25 Jahre alte Einwohner der Gemeinde, wenn er vom 1. April 1900 ab Gemeindesteuern in dem betreffenden Orte gezahlt hat und am Tage der Wahl bei dieser Steuer nicht länger als zwei Monate mit dem zuletzt fällig ge⸗ wesenen Ziel im Rückstande ist. Jedoch muß der Be⸗ treffende:

1. entweder die deutsche Reichsangehörigkeit besttzen (Bayern und Elsaß-⸗Lothringen sind ausgeschlossen), und mindestens vier Jahre in dem betreffenden Ort wohnen oder aber

2. Orts bürger der betreffenden Gemeinde sein, in welchem Fall er auch wählen darf, wenn er wenigstens seit dem 1. April 1900 Gemeinde⸗ steuern zahlt.

25 Jahre alte und seit dem 1. April 1900 in dem betreffenden Orte gemeindesteuerpflichtige Bayern und Elsaß⸗Lothringer können bei den Gemeinderatswahlen nur dann wählen, wenn sie die hessische Staats⸗ angehörigkeit erwerben, in welchem Fall sie aber, um wählen zu dürfen 4 Jahre in dem jeweiligen Orte wohnen müssen oder aber, wenn sie auch noch Ortsbürger werden, in welchem Fall sie dann um wählen zu dürfen, vom 1. April 1900 ab daselbst Gemeindesteuern bezahlt haben müssen. Ortsbürger kann somit nur derjenige werden, welcher zuvor hessischer Staatsbürger ist oder wird

Jeder 25 Jahre alte Einwohner, welcher seit 1. April 1900 an dem jeweiligen Orte wohnt, und aus irgend einem oben angeführten Grunde nicht wählen darf, kann wählen, wenn er das Universalmittel ergreift und einfach Ortsbürger wird. Seine seitherige Staatsangehörigkeit braucht derselbe, wenn er hessischer Staatsbürger oder Orts bürger werden will, nicht aufzugeben, sondern er kann ruhig auch noch Mitglied eines anderen Staats nebenbei bleiben.

Wählbar zum Gemeinderat ist Jeder, der stimmberechtigt ist. Voraussetzung ist, daß ihm nicht etwa infolge einer Verurteilung die Fähigkeit, öffentliche Aemter zu bekleiden, abgesprochen ist.

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AUnterhaltungs-Ceil. 10

Ferdinand Lassalle. Zum 31. August.

(Geboren den 11. April 1825; gestorben den 31. August 1864.)

Die Sterne all, die wunderhold uns winken Mit mildem Schein in stiller Sommernacht, Die goldnen Sterne fern auf hoher Wacht, Die märchenschön zu uns herüberblinken:

Sie alle müssen einst in Nichts versinken, Vergehen muß die hehre Blütenpracht, Die funkelnd, flammensprühend sich entfacht, Versinken muß sie, muß im All ertrinken.

Auch Du, ein Meteor im Purpurschein, Sogst durch der Menschheit Nacht die Feuerbahn. Du sankst zu früh, doch nicht vergebens. Nein!

Dein leuchtend Streben war kein leerer Wahn: Der Arbeit Söhne folgen heute alle Dir nach auf kühner Kampfesbahn, Lassalle.

F. Kunert.

Kriegerische Abenteuer eines K riedfertigen. Erzählung von Heinrich Zschokke.

2(Fortsetzung) Böse Ahnungen.

Am folgenden Tage begegneten mir unter⸗ wegs auf der Landstraße einzelne Kuriere, die von Magdeburg oder von der Armee zu kommen schienen, und nach Berlin eilten. Das feierliche Schweigen dieser Eilboten war mir sehr ver⸗ dächtig; denn die Freude pflegt sich sonst, auch unaufgefordert, mitzuteilen.

In einem Dorfe zwischen Ziesar und Burg war eine große Menge Volks zusammengelaufen. Ich fuhr gegen den Haufen, aber er teilte sich nicht. Nun erst bemerkte ich vor einem großen Hause gesattelte Pferde, und im Hause an den Fenstern preußische Husaren.

Was giebt's Neues? fragte ich die umher⸗ stehenden Leute, während ich den Wagen hielt. Ach, du mein Herr und Gott! schrie ein altes Bauernweib:der König hat ja alles verloren, und die Franzosen sind schon unter⸗ wegs, und vielleicht schon in einer Stunde hier.

Natürlich gab ich auf die Nachricht nicht viel. Aber doch wollte ich mich näher belehren, und lenkte gegen das große Gebäude, sprang vom Wagen und ging hinein. Alle Stuben wimmelten von Menschen. Husaren, Bauern, Beamte standen gedrängt durcheinander, schmauch⸗ ten ihre Pfeife, tranken, fluchten erzählten. Keiner machte ein frohes Gesicht. Bald war die Rede von der Niederlage der Preußen, von der Nähe der Franzosen; bald von einem Herrn Oberstwachtmeister, der wegen seiner schweren Wunden nicht länger zu Pferde sein konnte, sondern gefahren werden müsse. Man sollte eine Chaise herbeischaffen; man hatte Boten in die Nachbarschaft ausgeschickt.

Ich war außer mir vor Schrecken, suchte ein Plätzchen an einem der Tische, und ließ mir von dem elenden Bier geben, um Gelegen⸗ heit zu haben, den Hergang der Dinge genauer zu erfahren, und Maßregeln nehmen zu können. Nach zehn Minuten verloren sich die Husaren aus den Stuben; es hieß: sie sitzen auf! Ich drängte mich zum Fenster, um sie abreisen zu sehen, und sah sie wirklich im gleichen Augen⸗ blicke davon eilen, und zwischen ihnen meinen 79775 5 Reisewagen im vollen Trab davon gehen.

Da hatte ich gut zum Fenster hinausrufen: Halt, es ist mein Wagen! in einer Minute war alles verschwunden. Ich arbeitete mich

durch die Menge der Bauern hinaus ins Freie. Der Platz war leer; mein Wagen fort.

Beruhigen Sie sich! hagerer Mann, welcher hier das Ansehen eines

Beamten hatte:der Herr Oberstwachtmeister schickt Ihnen den Wagen heute wieder zurück. Er will ihn nur bis zum nächsten Ort mit⸗ nehmen. Der gute Herr war an seinen Wunden sterbenskrank, und wählt den nächsten Weg zu

seinen Gütern. Wer ist denn aber dieser Herr Oberstwacht⸗ meister? fragte ich. Keiner wußte es.Und

wohin ist er mit dem Wagen? Keiner wußte es. Ich lief durchs Dorf in der Richtung,

wie der Wagen mit seiner Begleitung gegangen war. Vor dem Dorfe spaltete sich der Weg in drei bis vier andere. Aber nirgends war

eine deutliche Spur der Flüchtlinge zu bemerken; nirgends fand ich Leute, die mir Nachweisung

geben konnten; alle waren vor dem großen

Hause versammelt, zu dem ich traurig zurück⸗ kehrte. Niemand bekümmerte sich um meine Verlegenheit; jedes dachte an die Nähe seiner eigenen Not, an die Nähe der Franzosen. Schreiben Sie, protokollieren Sie das mir widerfahrene Unrecht! sagte ich zu dem Be⸗ amten:Das ganze Dorf, Sie selbst sind der Gewaltthat Zeuge. Schreiben Sie, daß ich auf

Unkosten des Herrn Oberstwachtmeisters hier

im Dorfe liegen bleibe und zehre, bis er mir den Wagen zurückgeschickt hat, und daß ich mir

übrigens auf dem Wege Rechtens alle andere

Genugthuung vorbehalte.

Der Schreiber schrieb; ich ließ mir Abschrift des Protokolls geben, und legte sie zu den Siegesliedern. Die Nacht verstrich! Der folgende

Tag verstrich. Meine Ungeduld stieg aufs

Höchste. Der Wagen kam nicht wieder. Nun brach der neunzehnte Oktober an. O Himmel, und der Herr Reichsgraf erwartete

mich in Magdeburg! Ich verlangte auf Un⸗

kosten des Oberstwachtmeisters eine Fuhre wenig stens ein Pferd, um mich an meinen Bestimmuns⸗ ort begeben zu können. Allein der Oberstwacht⸗ meister hatte so wenig Kredit, daß man mir auf seinen Namen nichts, mir sogar ohne Zahlung 15 Schuld, keinen freien Abzug gestatten wollte.

Zum Glück hatte ich meine Barschaft hel mir. Ranzionieren) konnte ich mich wohl. Aber auch mit meiner Garderobe war der Oberst⸗ wachtmeister durchgegangen. Wovon sollte ich dem Berliner Freund für Roß und Wagen Ersatz geben; wovon mir neue Kleider und Wäsche kaufen, mit Friederiken die weite Reise zur Pfarre machen? Wahrhaftig, eine schwere Prüfung des Glaubens für den designierten Pfarrer!

Ich schnitt mir einen Knotenstock und wanderte mutig zu Fuß, den Weg nach Magdeburg, Der Herr Reichsgraf dort wird dir schon helfen! dachte ich, und sang, als ich so einsam durch Duft und Herbstnebel hinwanderte, wohlgemut mit Salis:

Wann, o Schicksal, wann wird endlich Mir mein letzter Wunsch gewährt? Nur ein Hüttchen, still und ländlich, Nur ein eig'ner, kleiner Herd!

Und ein Freund, bewährt und weise, Freiheit, Heiterkeit und Ruh' Ach! und dieses seufz' ich leise,

Zur Gefährtin sie dazu.

Die Rückkehr.

Einzelne Haufen preußischer Soldaten bon

allerlei Regimentern, mit und ohne Gewehre, Marketender und Troßwägen kamen mir ent⸗ gegen, und zogen stillschweigend an mir vorüber. 5 hatte den Mut nicht, die Kriegshelden anzu⸗ reden. Ei, sieh' da, Herr Doktor! wohin? rief mich eine Stimme an, als ich zwischen den Gartenhägen des Städtchens Burg abermals auf einen Trupp Soldaten stieß. Es war ein Lieutenant, den ich in Berlin kennen gelernt hatte, weil er mit mir in einem Hause wohnte. Ich pflegte ihn immer scherzwesse Karl den Großen zu nennen, weil er sein adeliches Geschlechtsregister bis zu diesem Sachsenbekehrer hinaufführte.

) Loskaufen.

sagte ein kleiner Hun,

Lagerung treiben

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Aber Jautum 1 ich ih noch Furcht ehr d benn d bezahlt zzurüc,

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