Ausgabe 
25.3.1900
 
Einzelbild herunterladen

Seite 6.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 13.

Anterhaltungsteil.

Das Mutterherz.

Am Ort, wo meine Wiege stand, Has ich ein Heiligtum,

as geb' ich nicht für Edelstein, Für Ehr' und eitel Ruhm. Dort bin ich aller Sorgen frei, Dort ruht es sich so süß, O, liebes, treues Mutterherz, Du bist mein Paradies.

Am Ort, wo meine Wiege stand, Erblüht mein erstes Glück. Drum zieht es mich aus weiter Fern' Nach diesem Ort zurück. Ob ich auch heute nicht bei Dir, Ob ich dich auch verließ O, liebes, treues Mutterherz, Du bist mein Paradies.

Am Ort, wo meine Wiege stand, Möcht' ich begraben sein. 8 Ihm möcht' ich noch den letzten Blick, Die letzte Thräne weih'n.

Dann ruht ich dort, wo einst ein Herz Mit Wehmut mich entließ

O, liebes, treues Mutterherz,

Du bist mein Paradies.

Die KNanargevs gel.

Von Friedrich Stoltze.

David, hat e Prinzipal zu sei Kommis gesacht,David, hat er gesacht,gehe Se doch emal gleich ehinner insBrauafels im Rutt⸗ mann sei Versteigerung un kääfe Se mer die zwää Kanargevögel. Gucke Se, hier steht's im Wocheblättche, gucke Se, hier:1 Opern⸗ gucker, 2 Kanarienvögel und sonstige Küchen⸗ gerälschasten. Behalte Se awwer Ihre Kondor⸗ rock aa mit dem Loch im Ehleboge, da kriche Se's billiger.

Und der David is gange ehinner ins Braun⸗ fels im Ruttmann sei Versteigerung iu seim Kondorrock mit dem Loch im Ehleboge un mit der Fedder hinnerm Ohr, damit er sich's nodirn könnt, wann er's vergesse dhet. Un der David is doch grad recht komme, denn der Herr Rutt⸗ mann hat doch grad ausgerufe:Zwei Kanarien⸗ vögel.Aha, hat der David gesach, un hat sich dorchgedrückt dorch de Leut mit seim Ehleboge. Er hat doch e Loch drin gehabt, was kann em da bassiern?

Einen Gulden! hat der Herr Ruttmann ausgerufe,einen Gulden!

Behalte, hat der David gesacht,behalte!

Einen Gulden zum Erschtenmal.

Zwää Gulde! hat's awwer da von ganz hinne aus de Leut evorgerufe:Zwää Gulde! Drei Gulde! hat der David gesacht.

Drei Gulde zum Erschtenmal!

Vier Gulde! hat's widder von hinne evor gerufe.

Finf Gulde! inf Gulde!

Sechs Gulde!

Sechs Gulde? Siwe Gulde!

Sieben Gulde zum Erschtenmal.

Acht Gulde!

Nei Gulde!

Acht Gulde? Zeh Gulde! Wart, dacht der David,ich kriech der! Zwölf Gulde! Zwölf Gulde zum Erschte! Dreizeh Gulde! Dreizehn Gulde zum Erschte! Zum Zweite,

hat der David gesacht,

zum Verrzeh Gulde! hat der David gesacht, awwer schon e bissi kläälaut. Sechs zeh Gulde! Sechszeh Gulde!

hat der David zu sich selwer gesagt,

sechszeh Gulde? For zwää

* Aus Friedrich Stoltzes Werken. Verlag von

Heinrich Keller, Frankfurt a. M.

Kanargevögel? Da muß ich ehrscht mei

Prinzipal frage. Sechszeh Gulde for zwää Kanargevögel, die doch noch nix weiter geschlage hawwe, als wie mit de Schwänz widder de Käwig.

Un der David hat sich widder aus de Leut erausgearweit mit seim Ehleboge mit em Loch drin. Da kann widder nix bassiern. Un der David is zu seim Prinzipal gelääfe un hat ge⸗ sacht:Herr Prinzipal, hat err gesacht,sechs⸗ zeh Gulde sin gebotte, soll ich weiterbiete?

Un da hat der Prinzipal gesacht:Sechszeh Gulde, David? Sechszeh Gulde? Bist de me⸗ schucke? Sechszeh Gulde? E ganz Roll for zwää Roller? Nor net! Un wie des der Prinzipal kaum gesacht hat, is doch die Kondor⸗ dhier uffgange un erei is komme Meyer, e an⸗ nerer Kommis vom Kondor un hat in der Hand getrage en alte Käwig mit zwää Kanargevögel un hat gerufe:Vivat! Da sin se! Un da hat der Prinzipal zu Meyer ganz verwunnert gesacht un net ohne Vorwurf in der Aussprach un Geberd:Meyer, hawwe Sie die zwää Kanargevögel kääft vor sechszeh Gulde? Ferchte Sie sich net der Sind un der Schand an Ihr'm Salair? Un da hat amwwer der Meyer noch verwunnerter gesacht:Ich? wie haißt: ich? Sie hawwe kääft! Sie!Was? hat awwer der Prinzipal widder gesacht,was, Meyer? Ich? Ich hab' se kääft? Ich? Hab' ich Ihm des gehääße?

Gehääße? Nää! Awwer Ihr Herr Assossje, Ihr Herr Bruder hat mer's gesacht,Meyer, gehn Se ehinner insBraunsfels in dem Ruttmann sei Versteigerung un kääfe Se mer die zwää Kanargevögel for mein Bruder; er will se doch. Un da haw' ich se kääft, un da sin se!

Da sig se? For sechszeh Gulde? Sin Se narrig, Meyer, Sin Se bestußt? Ich hab doch extra den David higeschickt in sei Kondorrock mit dem Loch im Ehleboge, daß err se billiger kricht, un jetzt mache Se mer e Loch in Sack!

Ja, Herr Prinzipal, hat awwer da der Meyer gesacht,wann Se den David net hi⸗ geschickt hatte, hätt ich se billiger kricht; er hat merr bis uff sechszeh Gulde enuffgebotte.

Un wie des der Meyer gesacht hat, hat uff

äämal der Lehrling hinne an seim Pult anfange

zu lache, ganz laut zu lache. Un der Prinzipal hat sich erumgedreht nach dem Lehrling un hat gesacht:Was lache Se, Hersch, wie e Esel? Was is da zu lache? Un da hat der Lehr⸗ ling nor nach lauter gelacht. Da is awwer der Prinzipal sehr ärgerlich worn un hat gesacht: Lausbub, lache Se iwwer mir? Wie könne Se lache, Hersch? Wie könne Se sich unner⸗ steh, zu lache? Heh?

Un da hat awwer der Hersch widder gesacht: Warum soll ich net lache? Ich känn doch lache! Ich hab doch die zwää Harzer in ere Verlosung gewonne. Es sin doch zwää Weiwer⸗ cher, un da hab ich se dem Ruttmann in de Versteigerung gewe. Ich känn doch lache!

Un da hat der Prinzipal ganz verwunnert gesacht:Zwää Weibercher, ääch noch? Känn mer mit dem Harz so viel Bech hawe!

Die Liebe.

Beleuchtet durch zwei Briefe.

Im Salon weinte das gnädige Fräulein, als wolle ihr das Herz entzwei gehen, und in der Küche schluchzte die Mali in so elementar⸗ gewaltigen Naturlauten, daß das Blechgeschirr an den Wänden mitklirrte.

Vor Fräulein Lore lag ein Brief und vor der Mali lag auch einer. Der erstere war durch eine Grafenkrone gekennzeichnet und der letztere durch einen Tintenklex oder zweie. Das gnädige Fräulein wurde von der Frau Mama getröstet, und der Mali sprach die Hausmeisterin zu, und dem Gehege ihrer Zähne entflohen die Worte: Hören Sie zu heulen auf! Die Mannsleut' sind Luder, einer wie der andere!

Der Brief, über welchen Fräulein Lore so bitterlich weinte, war an ihren Papa gerichtet und lautete:

Sehr geehrter Herr Rat!

Zu meinem tiefen Bedauern zwingt mich unsere gestrige Unterredung, ein Verhältnis ab⸗ zubrechen, dem Sie die nötigen materiellen Grund⸗ lagen nicht zu geben gewillt sind. Ich hatte erwartet, Sie würden einsehen, daß ein Mann von meinem Range von dem Wenigen, was Sie Ihrer Tochter aussetzen, seine Familie nicht standesgemäß erhalten kann und daß Ihre Zu⸗ mutung, ich solle mir durch eine bürgerliche Thätigkeit die fehlenden Summen dazu erwerben, kaum ernsthaft genommen zu werden verdient. Ich hoffte ferner, Sie würden begreifen, daß ein Mann, wie ich, sich nicht ein Jahrgeld, gleich einem Almosen aussetzen lassen kann, son⸗ dern als Edelmann die Ueberantwortung des Vermögens seiner Frau verlangen muß. Sie haben meine Hoffnungen enttäuscht und mich zu der Erkenntnis kommen lassen, daß ich im Be⸗ griffe war, die Würde meines Stammes durch eine Verbindung zu gefährden, die ich hiermit, wenn auch mit blutendem Herzen löse. Ich er suche Sie, Ihrer Fräulein Tochter hiervon ge⸗ ziemend Mitteilung machen zu wollen.

Was die mir gelegentlich gemachten Vorschüsse betrifft, so werden Sie einsehen, daß die mir aus den nun vergeblichen Vorbereitungen zu der geplanten Vermählung erwachsenen Kosten jene Beträge reichlich aufwiegen, und ich erwarte, daß Sie sich wenigstens in diesem Punkte gegen mich kavaliermäßig benehmen werden.

Ich mache Sie noch darauf aufmerksam, daß. in dieser, nun abgethanen Angelegenheit, mir die Wahrung vollkommener Diskretion genz besonders im Interesse Ihrer Tochter zu liegen scheint.

Mit ausgezeichneter Hochachtung

Adolf Graf Glattwitz, auf Stranchau.

Der Brief, über welchen die Mali so heiße Thränen vergoß, war an sie selbst adressiert und hatte folgenden Inhalt:

Teuere Mali!!

Wen es dabei bleibt und Du so gemein bist und Dein Sbarkassenbuch nicht anrühren willst damit ich jez schon ein Gescheft anfangen und meister wern kan und dich dan in ein bar Jahr geheirat hädde so mag ich von dir nix mehr wissen und wenn ich dich einmal erwischen tu so wart nur. Aber wie ist es denn zwegen den Kosten die ich mit dir gehabt habe du glaubs doch nicht das file Gelt zum Fenster hinaus werfe und erwarte das ich bis morgen Abent Ales wider habe sonst warte nur! Es sind 26 Mark und 10 Fenig.

Also sei so gut und bezahl nur wogegen wir uns bein Gericht wiedersehn und du kannst schön eingesperrt wern wegen bedriegerischen Schulden⸗

machen. Adjes. Ich hädde Dich nicht für so schlecht gehalten. Aus ist's

dein dich libender Kaspar Schmidt. Schlossergehilfe.

Gentlemen was?

Sprüche zur Lebensweisheit. Wohl besser ist's, ohn' Anerkennung leben Und durch Verdienst des Höchsten wert zu sein, Als unverdient zum Höchsten sich erheben,

Groß vor der Welt und vor sich selber klein. Bodenstedt. *

Wahre Freunde nennt man solche,

Die vom Bösen fern uns halken,

Aber mit bedächt'gem Sinne

Für des Freundes Vorteil walten;

Das Geheimnis treu verbergen,

Nur das Gute laut verkünden;

Wenn es Zeit ift, gerne helfen

Und im Unglück nicht verschwinden. Bhartrihari.

*

Ihr braucht nicht erst zu lernen, daß ihr viel Feinde habt, die selbst nicht wissen, weshalb sie's sind, die nur Dorfhunden gleich mitbellen, weil Shakespeare.

gebellt wird.

1 Il U

Wenn konfitmit Sie Ihte welcher U dieselbe Mann 5 glaubwür vorousseh

In den

Lb

da wirst Hanst und abe billigsten ebenso e sen, W fel, Ci Krage und Ste

Nach

feinste ler währt Direk Zusch und

128

Rock,

1 Paa feine Die] iago garn

Prachtn