8.
sonie ahier
ti
Kunden
gd, 0 ater,
d I em
zemveder
zuͤge fein]
lt feinen, Udhecth ven urchmeser, serung, der- zum Un⸗ .
tüdd nut rk.
—
Jachnahme. stattet.
Arten
ometel, ö
—
=
Nr. 25.
Gießen, Sonntag, den 17. Juni 1900.
7. Jahrg.
Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
Sonnt
Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.
Abounementspreis:
Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch[ Druckerei, Neuenweg 28, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.] jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4312 a.)
Bestellungen
IJIuserate
finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33¼0%% und bei
Bei mindestens mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt.
Der Idealismus des
Junkertums.
II.
-m. Dem in der vorigen Nummer dieses Blattes vorgeführten„Idealismus“ des Junker⸗ tums wurde durch die französische Revo⸗ lution ein heilsamer Dämpfer aufgesetzt. Mit dem Falle der Bastille in Paris krachte auch das ganze pfäffisch⸗feudale Europa in allen Fugen. Klar erkannte das Junkertum, daß von Frank- reich aus seiner Herrlichkeit der Untergang drohte. Wie die Junker immer die ganze Staatsmaschinerie in ihren Dienst stellen, wo sie die Macht dazu haben, brachten sie es auch fertig, das halbe alte, morsche Europa zum Kriege gegen die junge französische Republik zu hetzen. Aber sie hatten sich verrechnet. Das waren keine armen, miß⸗ handelten, luschenden Bauern, das waren Helden der Freiheit, und die ganze Junkerbagage lief nach der ersten Begegnung mit ihnen wie die Hasen davon. Das Jahr 1806 brachte den Haupthort des Adels, Preußen, an den Rand des Verderbens. Das verhätschelte, dickgefütterte Junkertum, wel⸗ ches sich als Hauptstaatsstütze immer ge⸗ berdet, setzte sich in dieser Zeit der Not ein unvergängliches Denkmal der Schande. Die Träger der„alten, historischen“ Namen, die von Pruschenk, von Benkendorff, von Romberg, von Knobelsdorf, von Ingersleben, von Kleist, von Reichardt, von Thiele, von Hanke und wie das Junker⸗ gesindel sonst hieß, bewiesen eine Feigheit, wie man sie in der Welt selten getroffen hat. Die fast unüberwindlichen starken Festungen, wie Magdeburg, Glochau, Spandau, Er⸗ furt u. s. w., fielen ohne Schwertstreich dem Feinde in die Hände. Ein Gutes hatte der Verrat der Junker im Gefolge; auch dem Blödesten gingen die Augen auf, daß mit dieser Sippe dem Staate nicht wieder auf die Beine zu helfen sei, und so kam man denn in Preußen, in welchem brave Männer wie Stein und Hardenberg mittlerweile Einfluß gewonnen hatten, zu dem Entschluß, die Leibeigenschaft der Bauern aufzuheben.——
Vom 9. Oktober 1807 datierte das Edikt, welches mit Martinitag 1807„alle Gutsunter⸗ thänigkeit im ganzen preußischen Staate“ aufhob. Die Junker, welche von ihrem„Laufen“ im Kriege wieder zu Atem gekommen waren, ge⸗ rieten außer Rand und Band. Den Unter⸗ gang der preußischen Monarchie hätten die„Königstreuen“ ertragen, aber die Aufhebung der Leibeigenschaft!! Das brachte den ganzen Schwarm in Bewegung. Sie schrieen, genau wie heute die Mirbach, Kanitz und Kon⸗ sorten über die„Not der Landwirt⸗ schaft“, hielten Versammlungen ab, protestierten, drohten, schimpften, und zwar so toll und dreist, daß die Führer der Junker von der Marwitz und Genossen zur Abkühlung auf die Festung Spandau kamen.
Erbaulich lesen sich die Eingaben der Nim⸗ mersatte aus damaliger Zeit. Die pommer⸗ schen Junker schreiben:„Die Leibeigenschast ist der pommerschen Londesart angemessen“. Die ostpreußischen Feudalen meinen:„Es ver⸗
dient erwogen zu werden, daß nicht alle Menschen eine vollkommene Freiheit, wenn sie mit Armut verbunden ist, ertragen können“. Diese edle Ge⸗ sellschaft verlangte nebenbei die Kleinigkeit,„die befreiten Bauern sollten fünfjährigen Zwangsgesindedienst verrichten. Der Junker von der Recke erklärte auf einer Adelsversammlung: Lieber noch drei Schlachten wie Jena und Auerstädt, als wie die Aufhebung der Leibeigenschaft usw. usw.
Leider blieb die Schnorrerei der Edelsten nicht ohne Erfolg. Schon am 14. Sept. 1811 erschien das sogenannte„Regulierungs⸗Edilt“, welches unter anderem anordnete, daß die Bauern, die jetzt als freie Eigentümer auf ihren Höfen saßen, zur„Entschädigung“ für die fortgefallene Leibeigenschaft an ihre bisherigen Herren einen Teil ihres Ackers(¼— ½) abtreten sollten; wer die Bescheidenheit preußischer Junker kennt, wer ferner beachtet, daß die ganze Ver⸗ waltung des Staates in ihren Händen lag, der wird sich ein Bild machen können, wie diese „Entschädigung“ ausgefallen ist.——
Dann kamen die sogenannten Freiheits- kriege. Nie ist das Wort Freiheit mehr miß⸗ braucht worden, wie zur Bezeichuung der Zu- stände, welche den Kriegen 18131815 folgten. Die Blaublütigen bekamen wieder Oberwasser. Wer dachte noch an Versprechungen, die man den Bauern in der Not gemacht hatte? Bereits am 29. Mai 1816 erschien die berüchtigte Deklaratiou, welche die„Befreiung aus der Hörigkeit“ bedeutend einschränkte. Nur die Bauernhöfe, welche
1. spannfähig waren, d. h. groß genug,
um mit Pferden bearbeitet zu werden;
2. in den Steuerkatastern enthalten waren;
3. seit bestimmten„Normaljahren“ immer
„besetzt“(das heißt mit gutsunterthänigen
Bauern besiedelt) gewesen waren, sollten abgelöst werden. Alle diesen drei Be⸗ dingungen nicht entsprechenden Höfe waren damit endgültig den Junkern in den weiten Rachen geworfen! Das schlimmste aber war, daß die fortgejagten Bauern, um nicht verhungern zu müssen, sich für ein Spottgeld ihren Peinigern als Knechte verdingen mußten.
So hatten sich die Gäuche für die Aufhebung der Leibeigenschaft schadlos gehalten; zwar war die Leibeigenschaft aufgehoben, in Wirklichkeit sorgte aber die„Gesetzgebung“ und der Wort— bruch des Königs Friedrich Wilhelm III. dafür, daß die„Unterthänigkeit“ einer großen Anzahl Bauern nach wie vor fortdauerte. Was den Bauern in der Zeit der Not versprochen wurde, stibitzten ihnen nach den„Freiheits- kriegen“ die Junker mit einer Geriebenheit hinweg, die dem verschlagensten Jesuiten alle Ehre machen würde. Der Adel hatte es fertig gebracht, daß auch nach der Aufhebung der Leil⸗ eigenschaft die Frohnden bestehen blieben. Und um Ablösung der Frohnden und anderer bäuerlicher Lasten drehten sich von da ab und noch heute die Gesetzgebung und die politischen Parteikämpfe.
Was diese Frohnden, Zehnten usw. für das Volk bedeuteten, dasür einige Ziffern: Vor der Ablösung wurde in Baden der jähr⸗ liche Zehnt auf 2 545 000 Gulden geschätzt; die bäuerlichen Lasten Hannovers hatten einen
Kapitalwert von 75 Millionen Thaler. In Württemberg wurden 1839 die Zehnten für den Staat auf 1 212 000 Gulden, für Pri⸗ vate auf 70 Millionen Gulden Kapital- wert geschätzt. Aber auch diese Summen ge⸗ nügten dem schmarotzenden Adel noch nicht. Dr. Gnupp schrieb noch 1893 in eiuer Zeitungsfehde gegen den Fürsten von Hohenlohe-Langen- burg:„Die Standesherren haben bis zu 1848 im Kampfe gegen die wohlwollenden Bestrebungen des Königs von Württemberg die Ablösung der auf Grund und Boden ruhenden feudalen Lasten verhindert.“
In Preußen, diesem großen Sammelbecken des Adels, wurden die Ablösungen natürlich noch splenditer bemessen. Der Agrarstatistiker Meitzen giebt darüber folgende Ziffern:
Bis 1872 wurden 84965 neue Eigentümer mit 1 458 827 Hektar Land angesetzt, ferner dis Leistungen von 1 581906„Pflichtigen“ reguliert und 6350 881 Spann- und 23 576 520 Hand⸗ Dienst⸗Tage aufgehoben. Die Entschädigung hierfür betrug:
55 957 183 Thaler Kapital,
5 832 281„ Geldrenten, 422 074 Heltar Land, 379 714 Scheffel Roggenernte.
Alles zusammen in Kapital umgerechnet, er⸗ giebt mindestens 213961035 Thaler.
Goethe sagt von der Kirche, sie habe einen guten Magen, welcher Länder und Völker auffressen könne, ohne Beschwerden zu em⸗ pfinden. Der Magen des Junkertums kann mit dem der Kirche ruhig in Wettstreit treten! Wir werden in einem weiteren Artikel die Unersättlichkeit der Sippe derer von und zu noch des näheren erörtern; und wer von unseren Lesern dann noch nicht an den„Idealis⸗ mus“ des Adels glaubt, der mag ruhig als Landarbeiter nach Ostelbien gehen und Studien an der Quelle machen.
Politische Rundschau.
Gießen, 15. Juni. Bewilligung der Milliarden⸗Vorlage.
So ist denn am Dienstag die Flottenvorlage zur Annahme gelangt. Ueber die Bewilligung der Panzerkähne werden die Stumm und Krupp besondere Freude empfinden. Und sie haben allen Anlaß dazu. Bringt ihnen doch dieser Raubzug, wie Liebknecht sich treffend aus⸗ drückte, mehrere Hundert Millionen Profite ein! — Die übergroße Mehrheit des deutschen Volkes will nichts von der Flottenvermehrung wissen, auch die meisten Wähler der Mehrheitspar⸗ teien nicht. Wo war Begeisterung für die Wasserpolitik? Höchstens wo der Flottenkoller von interessierten Strebern künstlich gezüchtet wurde, wo man sich begeistern mußte. Von einer„Volksbewegung“ zu gunsten der Vorlage kann gar keine Rede sein. 5
Die Annahme der Vorlage ist ermöglicht worden durch Verrat des Zentrums, das inner— halb sechs Monaten einen grassen Gesinnungs- wechsel vollzog. Gelingt es ihm auch trotzdem, noch eine Weile seine Truppen zusammenzuhalten, bald wird auch der letzte Arbeiter den Bauern


