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Nr. 14.
Mitteldeutsche Snumtags⸗Zeitung.
Seite 3.
und die Sozialdemokraten drei Viertel der 36
auf Schwarze vom Militär geschossen wurde— noch nie haben die Reaktionäre so viel Eifer für Arbeiter entwikkrlt!— interpellierten, wurde der Vertrauens⸗Antrag mit 285 gegen 239 Stimmen angenommen Es war also wieder einmal Nichts! Wahlsiege in Dänemark. b Bei den Gemeinderatswahlen in Koppenhagen gewannen uusere Genossen fünf und die Partei der Linken vier Sitze, sodaß jetzt die Radikalen
Stadtverordnetensitze einnehmer.
Der Krieg in Südafrika.
Bedeutende Zusammenstöße Haben nach den letzten Nachrichten micht stattgefunden. Die Buren wertheidigen sich hartnäck'g gegen die englische Uebermacht, deren Vordringen durch heftige Regen⸗ güsse verzögert wird. Trotzdem werden die Buren an vielen Stellen zurückgedrängt. Sie arbeiten unablässig an der Befestigung von Prätoria und Johannisburg.— Unter den gefangenen Buren kommen viele Erkrankungen und Todesfälle vor. Auf den Transportschiffen befindet sich eine große Anzahl Kranker. Es heißt, die Schiffe gehen am Cnde der Woche nach St. Helena ab.
Einer der besten Generäle der Buren, P. J. Joubert, ist Dienstag Nacht infolge eines Magenleidens gestorben. Diese Nachricht er⸗ regt nach der„Frif. Ztg.“ überall Teilnahme, da Joubert wegen seiner Gerechtigkeit und Ehren⸗ haftigleit allgemein beliebt war.
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Aus dem Reichstag.
Der Etat für Kiautschau— unserm„Platz an der Sonne“— wurde am Mittwoch(21./.) bewilligt. Bei der Beratung diefes Titels wurde besonders die Frage erörtert, ob ein Deuischer gezwungen werden könne, außer⸗ halb Deutschlands, also auch in einer Kolonie, seiner mulitärischen Dienstpflicht zu genügen. Von unse n Ge⸗ nossen Bebel wurde diese Frage auf 6 rund der Ver⸗ fassung verneint, ebenso von Abg. Eickhoff(Fr. Vp.); auf konfervativer Seite jedoch vertrat man die Ansicht, daß der Soldat hi gehen müsse, wohin er geschickt werde. Es wird eine Resolmion angenommen, durch welche die Regierung ersucht wird, in Kiaulschou thuulichst Frei⸗ willige zu verwenden.
In der Donnerstagsitzung nahm Genosse Singer Veranlassung auf eine Etateüdersch reitung hinzuweisen, welche durch die Reise des Staats sekretärs
nach Jerusalem entstanden ist. Singer erklärte, daß es sich hier um eine Privatreise des Kalsers handele und wenn hierzu hohe Beamte eingeladen würden, so habe auch der Kaiser die Kosten zu tragen. Der Antrag Singers, den Etat an die Kommission zur nochmaugen Brerichterstattung zurück zu verweisen, wiid angenommen.— In der nun folgenden zweiten Beratung des Gesetzes über die Patentanwalte die sich bis Freitag ausdehnte, er⸗ griffen unsere Genossen Heine, Singer und Schmidt (Frankfurt), erstere wiede holt das Wort: 8 1 des Ent⸗ wurfes bestimmt: Bei dem kaiserl. Patentamt wird eine Liste der Patentanwälte geführt. Nach 8 2 Abs. 4 soll die Eintragung in die Liste versagt werden, wenn er(der Patentanwalt) sich eines unwürdigen Ver⸗ haltens schuldig macht.“ Gegen diese Bestimmung wendeten sich unsere Genossen, indem sie mit Recht an⸗ führten, daß auf Grund dieser Bestimmung einem An⸗ gehörigen der Sozialdemokratie die Eintragung als Patent- anwalt verweigert werden könne. Sie beantragten deshalb dem betr. Absatz folgende Fassung zu geben: „Wenn er sich durch sein Veryalten der Achtung un⸗ wüldig gezeigt hat, die sein Beruf erfordert. Politische, wissenschaftliche, künstlerische und religiöse An⸗ sichten oder Handlungen konnen nicht als ein Ver⸗ harten angesehen werden, weiches dieser Achtung unwürdi⸗ macht.“ Diesen Antrag zogen unsere Genossen zu Gunsten eines ähnlichen des Abg. Schmidt(Warburg) zurück und mit diesem Zusatze wird das Gesetz gegen die Stimmen
den Gefängnissen sur die Sträflünge meyr eine Erholung, als eine Strafe sei. Nun, ich habe selbst das Gegenteil erfahren und meine, es soll e z. B. jeder Richter vor Antritt seines Amtes erst ein paar Monate zur Probe im Gefängnis zubringen müssen(Heiter eit); dann würden nicht mehr solch harte Urteile gefällt werden, wie heute. Die Kost in den Gesängnissen enthält nur die allern twendigsten Nahrungsstoffe, sodaß ein kräftiger Mensch, der besonders nahrhaste Kost braucht, unfehlbar an seiner Gesundheit Schaden ehmen muß. Sehr viele Gefangene holen sich von einer längeren Gefängnisstrafe den Keim des Todes. Besonders schlimm sind die Zu⸗ stände in den kleinen Gesängnissen. Hier herrscht nicht die Ordnung und Reinlichkeit, die in den großen allerdings
vorhanden ist. Als ich in dem sohr kalten Winten 1070/71
in Leir zig in Untersuchungshaft saß, wurde nur einmal aum 5 Uhr früh geheizt, sodaß ich mir einen schweren Darmkatarrh zuzog, und wie groß die Reinlichkeit war, geht daraus hervor, daß ich an einem Tage 81 Flöhe fing.(Heiterk it.) Ich möchte Herrn Abg. Oertel wirklich einmal das Vergnügen— wie er es nennt— Können, ein paar Monate in einem solchen Gefängnis zubringen zu dürfen.— Man ist immer mehr von den harten Strasen des Mittelalters abgekommen, ohne daß es der Menschheit etwas geschadet hätte. Nach 1807 wurde als eine der ersten Reformen auch die Prügelstrase beim Militär abgeschafft und nun soll sie in dem Strafvollzug wieder eingeführt werden. In den Kolonien dagegen soll sie zu gleicher Zit abgeschafft werden, welch“ merk⸗ würdiger Widerspruch! Man soll lieber nach den Ursachen der Rohheit suchen, als neue Strafarten in Vorschlag zu bringen. Wenn die Prügelstrafe einmal angewendet werden soll, muß dies natürlich auch für die höheren Klassen eintreten. Ich glaube, nachdem Sie gesehen haben, wie die Dinge in Wirklichkeit liegen, wird es Ihnen gegebenen Falles auch etwas Angst werden, die Prugelstrafe ernsthaft und unp teiisch anwenden zu lassen. Sie wird aber nicht unp rieiisch gehandhabt werden. Desha b sind wir gegen die Prügelstrafe, aber auch schon aus allgemeinen, menschlichen und Humanitätsrücksichten. Nach weiterer Debatte wird Uebergang zur Tagesordnug beschlossen
Am Montag wurde in die erste Beratung der See manns Ordnung eingetreten. Hierbei vertraten unsere Genossen Metzger und Schwarze Lüseck die Interessen der Seeleute. Die sachlichen Darstessungen des Letzteren, der selbst zur See war, wurden selbst von Gegnern anerkannt. Dienstag wurde wieder einmal über die Diatenfrage verhandelt. De Vertreter aller Parteien sprachen sich für Gewährung von Diäten an die Reichstagsabgeordneten aus.— Die weiteren Titel des Etats wurden Mit woch erledigt, worauf sich das Haus bis 24. April vertagt.
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9 8 Von Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit willkommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenbaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.
Komunales ans Gießen.
.- Aus der Etatsberatung der Stadt Gießen. Der städtische Haushaltungs⸗ plan für 1900/1 weist emiges Erfreuliche auf. Zuerst die Fürsorge für Arbeiter die im städti⸗ schen Dienst arbeitsunfähig werden. Nach 10 jähriger Thätigkeit im Dienst der Stadt erhalten sie bei eintretender Invalidität 40 Pzt. ihres Arbeits derdienstes als Invalidenpension lein⸗ schließlich der Bezüge aus den staallichen Ver— sicherungsanstalten). Dieser Satz steigt für jedes weitere Jahr um 1 Pzt. bis zum Höchstbetrage von 70 Pzt. nach insgesamt 40 jähriger Dienstzeit. Ebenso ist für die Witwen und Waisen Fürsorge getroffen, erstere erhalten 20 Pzt. des Jahresver zienstes des Mannes und für jedes Kind bis zum vollendeten 15. Lebens- jahre 10 Pzt. jedoch höchstens 200 Mk. pro Familie. Weiter ist eine Polizei Verord⸗ nung erlassen worden, durch welche schulpflich⸗ tigen Kindern die gewerbliche Thätigkeit, wie
der Sozialdemo
te angenommen
Es folgen Petitionen. die früher abgebrochene Dis kussi über Wiedereinf rung der Pri e wird sortigesetzt. Hierzu hat d n. ordnung beantragt.
t für den Kommissions⸗Antrag ein ur
0 n die Prügelstrafe aus, die er mit Rec eine Schande für die Civilisation bezeichnete. Der lonservative Amtsrichter Abg. Himburg brachte es fertig für diese mittelalterliche Strafart einzutreten. Der Herr meinte, die Stellung der Sozialdemokratie zu dieser Frage sei schwankend gewesen. Dies gab Genossen Bebel Veraonlassung sich in einer ausgezeichneten Rede gegen jene Aeußerung und gegen die in dieser Petuion in Erscheinung tretende Barbarei zu wenden. Er führte Acußerungen von Autoritäten auf dem Gebiete des Strafvollzugs an, die sich sämtlich gegen die Prügel strafe aussprechen. Weiter erkläre Bebel: Man befür⸗ worlel de Prügelstrase deshalb, weil der Aufenthalt in
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Backwaaren, Zeitungen austragen u. s. w. in der Zeit nach 8 Uhr Abends und vor 8 Uhr Morgens untersagt wird Dieser grobe Unfug i ö dutzende von Kindern in
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— Zu bedauern ist dagegen die Ablehnung eines Antrages unseres Genossen Krumm, der
verlangte, daß in den nächstjährigen Etat erhöhte
Mittel eingestellt würden zur besseren der städtischen Arb e Feen e 55 müsse in erster Linie dafür sorgen daß gabel 11 dat fen f 1 bent chalten, no ihre Familie wenigstens⸗ 3 05 5 18 5 en menschenwürdig leben bunten. 1 Mk. jährlich sei dies aber un⸗ 00“ Den Herren Stadtvätern leuchtete dies 55 nicht ein.— Im Weiteren wandte sich unser zenosse gegen die Bewilligung von Mk. 2500 . öffentliche Festlichkeiten(Kriegerdenkmal) u. s w ies gab Herrn Kirch Veranlassung, Krumm zu einer„Motivirung“ seiner Ablehnung auf⸗ belordern, Dieser Wunsch wurde prompt und 1 erfüllt. Für notleidende Veteranen 0 ihre Angehörigen führte K. aus, bewillige auch noch eine höhere Summe, aber für zweck⸗ lose Denkmalsbauten, die oft mehr zur Verherr⸗ lichung ihrer Urheber dienten, wie zur Ehrung für die Veteranen, bewilligen wir grund sätzlich nichts.— Der weitere Verlauf der Debatte gab unserm Genossen noch Gelegenheit, auf den ge⸗ ringen Einfluß der Stadtverordneten⸗Versammlung auf die Kommissionsbeschlüsse hin uweisen, sowie auch die Erhöhung der Hundesteuer zu tadeln. Im Allgemeinen zeigte die Etatsberatung wieder wie notwendig eine Vertretung der„Kleinen“ im Stadtparlamente ist und daß die Besitzlosen sich 1 175 e müssen, um den Einfluß ädtischen Angele i der e gelegenheiten zu erhalten,
K i Ein furchtbarer Lustmord,
er aller Wahrscheinlichkeit nach am letzte
Donnerstag begangen worden i op algen Schmöckwitz und Zeuthen(Kreis Teltow) ent⸗ deckt. Ewa 30 Meter abseit der Lau dstraße
welche die genannten Orte verbindet, fand man im Kieferndickicht die Leiche der 43 jährigen Frau Lina des Schiffers Ferdinand Grasnick aus Gosen bei Eichwalde, welche seit dem oben angegebenen Tage verschwunden war. Die Kleidung war der Ermordeter vom Leibe gerissen worden, sodaß der Körper fast völlig entolößt war, die Arme der Toden waren auf dem Rücken zusammenge⸗ schnürt, im Munde trug sie einen Knebel. Ein Messerschnitt, der durch den Hals geführt worden war und den Kopf bis zur Wirbelsäule vom Rumpf getrennt hatte, hat den Tod der bedauerns⸗ werten Frau herbeigeführt. Nach Lage der Sache kann es als sicher gelten, daß ein Lustmord vor⸗ liegt. Von den Thatern— es müssen mehrere Personen an der Schandthat beteiligt sein— sind Spuren, die deren baldige Ermittlung wahrscheinlich erscheinen lassen könnten, bisher nicht festgestellt Es sind zwar verdächtige Per⸗ sönlichkei en bemerkt worden, doch sehlt jeder direkte Hinweis darauf, daß sie wirklich mit der Blutthat in Verbindung gebracht werden können.
Reehtssprechung.
Ein ungeheuerliches Urteil.
§ Wiederum ist in Deutschland ein Geschwo⸗ ren nurteil gefällt worden, das geeignet ist, das Röchisbewußtsein des Volkes auf das Tisist zu erschüttern: in Wis mar wurde unser Partei- genosse Holst wegen eines angeblichen Meineids zu dreijähriger Zuchthausstrafe und fünsfjährigem Ehrverlust verarteilt
In Wismar hatten, wie dem„Vorwärts“ über den erschü ß ternden Fall geschrieben wird,
die Polizeiorgane s et längerer Zeit versucht, die
f Sozialdemokraten im Lokal Hansa“ durch den Nachweis gesetzwidriger en zu behindern. Die Gerichte konnten
polizeilichen B mühungen nicht durch Ver⸗ führenden Sozialdemokraten be⸗
de sich ein gereiztes Verhältnis zoltzeiorganen und den
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