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Nr. 12. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. ist unwahr. Sch. hat in einigen Jahren 4 bis 5 Mal] hat. Bereits im vorigen Jahre wurde auf Grund Arbeiter vertreten, da kann doch von Gewerbsmäßigkeit mehrerer Artikel in der M. S. ⸗Z. ein kleiner Anlauf. ee 2

keine Rede sein. Die Ablehnung sollte auch wohl mehr eine Verbeugung gegen die Herren Unternehmer be⸗ deuten. Die Unregelmäßigkeiten bei der Führung der Ortskrankenkasse habe Herrn Wolff nicht zum Einschreiten veranlaßt, als jedoch eine Beschwerde gegen den Kontrolleur, welcher allerdings meiner Partei angehört, vorgebracht wurde, da wurden nicht, wie bei den erwähnten Unregel mäßigkeiten des Vorsitzenden und Kassierers, die Be⸗ schwerdeführer an den Vorstand verwiesen, sondern Herr Wolff nahm in diesem Falle die Beschwerde selbst zu Protokoll. Diese verschiedene Behandlung muß ich tadeln. Für die Polizei bewillige ich nicht eher Geld, bis sie den GrundsatzGleiches Recht für Alle in Anwendung bringt. Allen Ver⸗ einen ꝛc. sind Umzüge durch die Stadt erlaubt, nur den Gewerkschaften der Arbeiter werde dieses nicht gestattet. Man komme in unseren Kreisen allmählich zu der Ansicht, daß, um ebenbürtig behandelt zu werden, die Arbeiter sich auch im Laternenzertrüm⸗ mern und Fenstereinschlagen üben müssen. Auch die vielen Polizeistrafen sind unerfreulich, mit Vermahnungen in Bagatellsachen, die meistens unbeabsichtigt geschähen, erreiche man so viel, wie auch mit Strafen, welche man nur Böswilligen gegenüber anwenden solle. Ferner solle sich die Stadt selbst ein amtliches Preßorgan anschaffen. Die Aus⸗ gaben für die jetzigen, zu Publikationen benutzten Zeitungen, sind für die Arbeiter zu hoch, und nebenbei halte ich es auch für unmoralisch, uns, um die amtlichen Bekanntmachungen zu lesen, zu zwingen, mit unserem Gelde Zeitungen zu unterstützen, die die Ar⸗ beiterschaft tagtäglich beschimpfen und beleidigen. Die Arbeitszeiten einzelner Beamten im Schlacht⸗ hause sind zu lang, hier muß Abhilfe geschaffen werden. Wir sind ferner Gegner des Oktrois. Nach Schluß der geplanten Kommunalsteuer⸗ reform werden wir diesbezügliche Anträge stellen. Die Schuldentilgung 6. Zeit 1, 2 Proz.) müßte in lebhafterem Tempo vorgenommen werden, umsomehr, als wir zur Kanalisation ꝛc. neue Anleihen machen müssen. Zum nächsten Etat werde ich Un⸗ entgeltlichkeit der Lehrmittel in den Volks⸗ schulen beantragen, welchem Antrag keine Schwierig⸗ keiten entgegenstehen dürften, da die Auf wen dungen für die Volksschüler doch geringer sind, wie für diehöheren Schüler. Die Veröffentlichungen des Gesundheitsamtes in Darmstadt geben von den sanitären Verhältnissen der Stadt ein falsches Bild, da die in der Klinik Verstorbenen unter den Todesfällen nicht besonders kenntlich gemacht werden. Es wird mir mitgeteilt, daß Gelände im Nordende der Stadt in auffallender Weise angekauft wird. Sollte es sich darum handeln, uns für den geplanten Nordbahnhof den Boden zu ver⸗ theuern, so bitte ich den Herrn Oberbürgermeister, geeignete Schritte zu thun, damit die Stadt nicht ge⸗ schädigt werde.

Diese Ausführungen zeitigen eine lebhafte Diskussion. Weil Genosse Krumm wiederholt namens seiner Partei⸗ genossen sprach, glaubte Herr Schmall als freiwilliger Zensor darauf aufmerksam machen zu müssen, daß dies gegen die Städteordnung verstoße, welche verlange, daß man alle Bewohner vertreten müsse. Genosse Krumm erwiderte, daß er allerdings in erster Linie Arbeiterinteressen verträte, jedoch nur insoweit, als sie nicht mit den Interessen der Gesamt⸗ heit in Widerspruch stehen. Vertreten hier nicht auch 28 Herren die Interessen der ihnen nahe⸗ stehenden Kreise und Bezirksvereine? Diese Vertreter müßten also in erster Linie wegen Verstoß gegen die Städteordnung gerügt werden.

ps. Der Oberbürgermeister wendet sich in längerer Rede gegen Krumm und sucht dessen Einwendungen zu widerlegen. Einverstanden ist er mit unserm Ge⸗ nossen nur in dem Punkt bezüglich der Polizei. Diese dürfe die Gewerkschaften nicht anders behandeln, wie sonstige Vereine. Die Ausführungen Krumms über die Schulen teilt er nicht. Ein Eingehen auf die diesbezüglichen Darlegungen unseres Genossen würde zu eigenartigen Konsequenzen führen. Der Oberbürger⸗ meister wies dem G. A. zufolgeauf die an den höheren Schulen offenen Freistellen, die Ver⸗ schiedenartigkeit in der Höhe des Schulgeldes und darauf hin, daß z. B. der städtische Zuschuß in der höheren Töchterschule 52 Mk., in der erweiterten 84 Mk. pro Kind betrage; ähnlich sei das Verhältnis zwischen Realschule und Realgymnasium. Stadtv. Dr. Gutfleisch erklärt, die Tendenz nach unentgelt⸗ lichen Lehrmitteln habe vom allgemein menschlichen Standpunkt viel für sich,andererseits gehe man zu weit, wenn man denen, die unentgeltliche Lehrmittel nicht nötig haben, eine Wohlthat aufdringt. (O, wie werden sich die Eltern der Volksschüler zent⸗ rüsten, wenn man ihren Kindern die Schulbücher gratisaufdrängt! Doch könnte man dieser Entrüstung ja aus dem Wege gehen, wenn man dem Mainzer Beispiel folgte. Dort werden die Lehrmittel nur denen gratis geliefert, die darauf Anspruch erheben. Irgend welcher Nachweis der Bedürftigkeit wird dabei nicht verlangt. Red. d. M. S.⸗Ztg.) Herr Beigeord. Wolff rechtfertigt sein Verhalten dem Redakteur Scheidemann gegenüber.(Siehe darüber die Notiz Gewerbegerichtlich es), Außerdem sprachen noch die Stadtverordneten Prof. Gaffky, Löber, Schmall, Hanau, Grünewald und unser Genosse Orbig.

Es ist unseres Wissens das erstemal gewesen, daß

(siehe unter Pol. Rundschau und Reichstag) sind

gemacht und waren es damals besonders unser Genosse Orbig, der die Oktroifrage anschnitt, und Stadtv. Löber, der auf die Artikel der M. S.⸗Z. einging und denselben teilweise zustimmte. In diesem Jahre war es unser neu gewählter Genosse Krumm, der die Diskussion in Fluß brachte. Der Verlauf der Sitzung bewies auf das deutlichste, daß es dringend erforderlich ist, noch mehr Sozialdemokraten in die Stadt⸗ verordnetenversammlung zu bringen. Und wenn die seither von engherzigen Spieß bürgern, die für ihren Geldbeutel zittern, wenn von einem Sozialdemokraten die Rede ist, eingeschüchterte Wählerschaft erst dahinter gekommen sein wird, in welcher Weise sozialdemokratische Stadtverordnete ar⸗ beiten im Interesse der kleinen Leute, dann werden bei den nächsten Stadtverordnetenwahlen im Jahre 1901 noch mehrUmstürzler ihren Einzug im Bürger⸗ meistereigebäude halten.

Partei⸗ Nachrichten.

Eduard Bernsteins Broschüre:Die Voraus⸗ setzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie ist soeben im Verlage von J. H. W. Dietz Nachf. erschienen. Sie behandelt in vier Kapiteln: Die gundlegenden Sätze des Marxschen Sozialismus, Marxismus und Hegelsche Dialektik, Die wirtschaftliche Entwickelung der modernen Gesellschaft, Aufgaben und Möglichkeiten der Sozialdemokratie. Ein Kapitel über Endziel und Bewegung macht den Schluß. Wir werden auf das Werk zurückkommen.

Briefkasten der Redaktion.

Marburg. Die Festrede wird Stadtv. Krumm am 18. März dort halten.

R. R. K. muß für Kost und Logis aufkommen, weigert er sich dessen, so soll der Gehilfe das Kranken⸗ geld für sich erheben. Wir halten das ganze Ab⸗ kommen für ungesetzlich. Jedenfalls erscheint das Verhalten des betr. Photographen in recht sonderbarem Lichte. Das Abkommen ist wohl in der Dunkelkammer getroffen worden?

W.⸗Alsf. Ins. kostet 80 Pfg.

Für die Dresdener Zuchthaus opfer gingen

Marburg durch Euler 35.80 Mark. Bisher quittiert 132.87 Mk., zusammen also 168.67 Mk.

Wir schließen nunmehr die Sammlung und senden den obigen Betrag nach Berlin. Weitere Beträge bitten wir direkt an A. Gerisch, Berlin SW., Katz⸗ bachstraße 9, zu senden.

FCetzte Nachrichten.

Der Papfst ist kränker geworden. Sein Ableben dürfte in Kürze bevorstehen.

Aus dem Reichstag. Donner stags⸗ sitzung. Auf das kriegerische Zwischenspiel bei den Verhandlungen über die Heeresvorlage

bald Friedensschalmeien gefolgt: es ist bei der Androhung des Konflikts geblieben, sein Ausbruch aber durch eine rechtzeitige Ver⸗ ständigung zwischen der Regierung und der regierenden Partei, dem Zentrum, vermieden worden. Das Ergebnis dieser Verständigung ist die in dritter Lesung nach einer kurzen Debatte erfolgte Annahme der Militärvorlage mit der von der Kommission beschlossenen Friedenspräsenz, das heißt also unter Abstrich von 7000 Mann von der ursprünglichen Re⸗ gierungsforderung. Gleichzeitig aber ist eine vom Zentrum beantragte Resolution zur An nahme gelangt, wonach der Reichstag in erneute Er⸗ wägnungen über die Bemessung der Friedens⸗ präsenzstärke eintreten will, wenn sich bei Aus⸗ führung des jetzigen Gesetzes die nachweisliche Unmöglichkeit ergeben sollte, mit der bewilligten Friedenspräsenzstärke die zweijährige Dienstzeit dei den Fußtruppen aufrecht zu erhalten. Also in ein oder zwei Jahren kommt eine neue Militärvorlage und dann verlangt die Regierung die jetzt abgehandelten 7000 Mann mit Zins und Zinses Zinsen. Kuhhandel!

Die Schlußabstimmung über die Vorlage er⸗ gab die Annahme derselben mit 222 gegen 132 Stimmen. Für die Vorlage stimmten die Konservativen, die Reichspartei, die National- liberalen, die Freis. Vereinigung, das Zentrum mit einigen Ausnahmen und von den Wilden die die Abgg. Pauli(Potsdam), Böckel(ö) und Smalalys. Gegen die Vorlage stimmten die Sozialdemokraten, die Deutsche und Freis. Volkspartei, die Elsässer, die Polen, die Anti⸗ semiten, der Hospitant der Freis. Vereinigung Riff und von den Wilden die Abgg. Eßlinger,

noch bei der Redaktion ein: Von den Parteigen. in

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UAnterhaltungs⸗CTeil.

Zum 18. März 1848.

Vor dem Berliner Schlosse Ertönt ein Trauerlied:

Da liegen viel hundert Tote, Sie liegen in Reih und Glied. Und Leich' um Leiche tragen Die Bürger stumm heran,

Als wollten sie sagen: König! Da sieh', was du gethau!

Da liegen sie, Mann und Knabe, Starr mit zerfetztem Leib;

Da kommen sie weinend und klagend, Braut, Schwester, Bruder, Weib.

Da schauen Väter und Mütter

Die toten Söhne an:

Herrgott und das hat ein König, Ein deutscher König gethan!

Viel tausend Stimmen drohen:

Der König muß herab;

Er salutiert die Toten

Und nimmt die Mütze ab.

Da bluten All' auf's neue

Bei ihres Mörders Nah'n,

Als sprächen sie: das hat ein König, Ein deutscher König gethan!

Und viele werden's sprechen,

Viel tausend fern und nah;

Die Völker werden rächen

Den Frevel, der geschah.

Auf Sturmesflügel bricht sich

Durch Land und Länder Bahn

Der Zornschrei: Das hat ein König, Ein deutscher König gethan!

Weh! Volk, vom eignen Blute Sind deine Hände rot Der Bruder schlug den Bruder, Weil es ein Fürst gebot. Ein großes Grab soll alle In seinem Schoß empfah'n Dirauf schreibet: Das hat ein König, Ein deutscher König gethan! L. Pfau.

vom Stamm gevissen.

Roman von E. Langer.

Nachdruck verboten. (Fortsetzung.)

Ein allgemeines Verlangen der Gäste nach Musik kam ihm in diesem Augenblick zu Hilfe.

Ja Musik! Allgemeines Aufstehen und lautes Durcheinander. Man rückte die Stühle und plazierte sich so, daß man möglichst gut hören konnte.

Valeska hatte ein kleines Programm ent⸗ worfen, wobei sie darauf Bedacht genommen, das Talent ihrer Schülerinnen ins beste Licht zu setzen. Die Einleitung bildete das liebliche Thiessensche Frühlingsterzett:Schneeglöckchen thut läuten, von den drei Schwestern vorge⸗ tragen, das allgemeinen Beifall erntete. Dann sangen die beiden älteren abwechselnd Lieder und Duetts. Zum Schluß hatte sich Herr von Kries das Tell⸗Terzett bestellt, welches der Gesellschaft nun auch Gelegenheit gab, Valeska singen zu hören. Die Ausführung gelang noch besser als an jenem Abend, an welchem Herr von Kries die Sängerinnen überrascht hatte, und als der Beifallssturm sich gelegt, brach ein neuer Sturm los; Fräulein Stern sollte nun allein etwas zum besten geben. So leichten Kaufs dürfte sie nicht davon kommen. Man hätte jetzt erst einen Vorgeschmack ihrer Kunstfertigkeit und des Ge⸗ nusses erhalten, den sie der Gesellschaft bereiten könnte. Die Herren, die den Flügel umstanden,

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bei Beratung des Voranschlags eine so ausgiebige Debatte im Gießener Stadtparlament stattgefunden

Bachmeier, Sabin und Köhler.

unter ihnen Herr von Kries, der kein Auge von