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Seite 2.
Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 8.
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besitzern, 3 Rentnern, 2 königlichen Oberförstern, 1 Regierungsrat, Kaufherren und 1 Ritter gutsbesitzer! Das Urteil entspricht der Zusammensetzung des Gerichts.
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. Vergleiche mit dem Dresdener Urteil.
Der„Vorwärts“ erinnert an den Eis⸗ lebener Krawallprozeß von 1891, bei dem Sozialdemokraten von„reichstreuen“ Berg⸗ leuten unter Führung eines preußischen Polizeisergeanten planmäßig über⸗ fallen und schwer mißhandelt wurden. In Dresden 7, 8, 9, 10 Jahre Zuchthaus — in Eisleben wurden Strafen verhängt über 9 reichstreue Bergleute und 1 Polizeisergeanten von insgesamt 2 Jahren, 10 Monaten, 3 Wochen Gefängnis. In Dresden wurde der„Rädelsführer“ mit 8 Jahren Zucht⸗ haus bestraft, in Eisleben mit 9 Monaten Gefängnis. In Dresden wurden zwei Ar⸗ beiter, weil sie den Bauunternehmer mit Tot⸗ schlag bedroht haben sollten, mit 9 und 10 Jahren Zuchthaus bestraft. In Eisleben wurden die Reichstreuen, welche dasselbe thaten, mit 3, 4 und 6 Monaten Gefängnis bestraft. Der Polizeisergeant, der geschrieen:„Schlagt den Hund tot“, wurde mit 6 Monaten Gefängnis bestraft.
Die bürgerliche Berliner„Volksztg.“ meint bezüglich dieses Vergleichs:„Wir sind neugierig, was die Schar fmacherpresse, nachdem ihr die Erinnerung an die Eislebener Verhandlung aufgefrischt worden ist, nunmehr zu den exor⸗ bitant hohen Strafen sagen wird, die man in Dresden verhängt hat. Im Eislebener Falle haben sich auch Personen gefunden, die sich für die Begnadigung der Exzedenten ver⸗ wendeten, und die Fürsprecher der Verurteilten hatten die Freude, mit ihrer Verwendung Erfolg zu erzielen. Die Bergleute wurden nach einiger Zeit begnadigt, auch wurden ihnen die Kosten des Verfahrens erlassen. Ob sich auch Fürsprecher finden werden, die sich für die Begnadigung der Dresdener Verurteilten ver— wenden?“
Der„Vorwärts“ hat eine besondere Rubrik eingerichtet, unter der er Urteile anführt, die mit dem Dresdener Wahrspruch der oben ihrer sozialen Stellung nach angeführten Geschworenen in krassem Gegensatz stehen. Er wird eine lange Reihe von Urteilen bringen können. Er braucht nur die Gerichtsverhandlungen aus Universitätsstädten zu verfolgen, dann wird er fortgesetzt finden, wie milde z. B. Stu⸗ denten wegen Roheitsdelikten bestraft werden.
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Des Volkes Stimme im Reichstag.
Unser Hamburger Bruderblatt schreibt:
„In der deutschen Volksvertretung, im Reichstage, wo doch alle Beschwerden und Leiden des Volkes zur Sprache kommen sollen, hat sich noch Keiner gefunden, der offen und ungeschminkt einmal die Wahrheit sagt über die neudeutsche Rechtspflege. Noch Keiner! Denn was von sozialdemokratischen Ab⸗ geordneten hin und wieder an beiläufigen Be⸗ merkungen über Richter und Richtersprüche fiel, das genügt nicht, das erfüllt nicht im ent⸗ ferntesten das Bedürfnis des Volkes, einmal von seinen Vertretern die Worte zu hören, welche einigermaßen als eine ange- messene Kritik unserer Rechtsver⸗ hältnisse zu betrachten wären. Sollen Urteilen, welche seit Jahresfrist auf die Arbeiter nieder⸗ hageln, sollen den Magdeburger und Dresdener Rechtssprüchen denn noch viele folgen, ehe endlich einmal angesichts ganz Deutschlands, angesichts der zivilisierten Welt Pro te st erhoben wird gegen die Art der deut⸗ schen Justiz, wie sie jetzt an der Tagesordnung ist, ehe endlich einmal zum Ausdruck gelangt, was das ganze Volk fühlt und denkt über diese Rechtsprechung? Es wird hohe Zeit, daß die Volksvertreter sich entschließen, der Ansicht des Volkes Ausdruck zu geben.“
Das findet unseren vollsten Beifall. Was viele Millionen im Volke fühlen,
was aber keiner außerhalb des Reichs⸗ tages sagen darf, das kann und muß im Reichstage gesagt werden, damit es die unabhängige Presse nachdrucken kann. In je unzweidentigerer Weise im Reichstage
das gesagt wird, was die Neunzehntel⸗
Mehrheit des Volkes denkt, um so besser! Macht den gepreßten Herzen von Millionen Luft!
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25.
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Werbt neue Mitkämpfer!
Es steht fest, daß die deutsche Arbeiterschaft ihr Möglichstes thun wird, den Familien der unglücklichen Opfer ihr Schicksal zu erleichtern. Aber das ist nicht genug! Mit dem Urteil in der Hand werbe man neue Kämpfer für die Befreiung des Proletariats, neue Streiter gegen die Klassenherrschaft. Was sind alle akademischen Auseinandersetzungen, alle historisch⸗ökonomischen Beweise für die Not⸗ wendigkeit der Beseitigung der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung, was sind sie im Vergleich zu der zwingenden Logik des Dresdener Urteils? Ziehen wir Nutzen daraus! Wo es noch einen Arbeiter giebt, der nicht einsehen will, daß er ein rechtloser Paria ist, wo noch ein Arbeiter ist, der in„Zufriedenheit“ und „Patriotismus“ seine Tage verdämmert— da zeige man das Zuchthausurteil von Dresden. Es wird seine Wirkung nicht ver⸗ fehlen.
Politische Bundschau. * Gießen, den 17. Febrnar.
Eisleben und Dresden.
In Eisleben hatten„reichstreue“ Berg⸗ leute in tagelang vorher wohlüberlegter Weise eine sozialdemokratische Versammlung ge⸗ sprengt und einzelne Genossen furchtbar miß⸗ handelt. Zu den Führern dieser Bergleute gehörte auch ein Polizist.— Was die Bau⸗ handwerker in Löbtau im Trunk und ohne Ueberlegung, und gereizt durch die Revolver⸗ schießerei eines Bauunternehmers gethan haben, ist unseren Lesern genügend bekannt. Und nun vergleiche man die Strafen aus
Eisleben mit denen aus Dresden:
Libau, Rädelsführer,schlug] Moritz als Rädelsführer erbarmungslos mit einem Gummi-⸗Schlauch, in den eine Schraubenmutter eingebunden war.
9 Monate Gefängnis und begnadigt!
Köhler forderte als Beamter die Bergleute auf, die Sozialdemo— kraten totzuschlagen. 6 Monate Gefängnis und begnadigt!
8 Jahre Zuchthaus.
Im gleichen Falle(aber nicht als Beamte, sondern als angetrunkene Arbei⸗ ter) Zwahr 10 Jahre Zuchthaus, Schmieder 9 Jahre Zuchthaus, Wobst 7 Jahre Zuchthaus.
Im gleichen Falle Gedlich 7 Jahre Zuchthaus, Leiber 6 Jahre Zucht haus, Pfeifer 6 Jahre Zuchthaus.
Die an den Mißhandlungen beteiligt. Bergleute Wun⸗ derlich 6 Monate Gef., Glatz 4 Monate Gef., Breithaupt! Woche Ge⸗ fängnis, Neupert 1 Monat Gefäugnis, Zich 3 Monate Gef., Günther 3 Woch. Gef., Döttmeyer 4 Monate Gefängnis, Frieß 3 Wochen Gefängnis, alle begnadigt!
Der Bergmann Hoffmann, der nur unter der tumul⸗ tuarischen Menge gewesen, aber des Mitschlagens nicht voll überführt war, freigesprochen.
Wie aber ist das zu erklären?— Nun, es genügt, darauf hinzuweisen, daß in Eisleben der Staatsanwalt Götze zur Entschuldigung der Bergleute vorbrachte, es komme auf die politische Gesinnung der Thäter an, „auf der einen Seite Leute, welche den Staat und die Gesellschaft retten(Mit Rohheiten und Prügeleien? D. Red.), auf der anderen solche, die alles umstürzen und verderben
Geißler und Hecht im gleichen Falle je vier Jahre Gefängnis.
wollen.“
Die„gute Gesinnung“ wurde bei den Berg⸗ leuten in Eisleben mil dernd ins Feld geführt, und mit Erfolg. Die Vermutung„ schlechter Gesinnung“ soll nach der Meinung des Dresdener Offiziosus die hohen Strafen begründen, das nennt er gleiches Recht für Alle.
Die Sozialdemokratie verlangt
Rechtsprechung
durch
vom Volk gewählte Bichter!
Gegen die sozialdemokratischen Redakteure?
Die sächsischen Behörden sind nach unserem Leipziger Parteiorgan angewiesen worden, über die in den letzten Jahren vorgekommenen Straf⸗ verfolgungen der Redakteure der sozialdemokra⸗ tischen Zeitungen Bericht an die betreffenden Kreishauptmannschaften zu erstatten. Ob hier eine sächsische Sondererhebung vorliegt, oder ob es sich nur um einen Teil einer allgemeinen deut schen Erhebung handelt, dürfte sich ja bald herausstellen. Aus gewissen Anzeichen, die die „Frkf. Volksst.“ selbst zu spüren Gelegenheit hatte, schließen diese, daß es sich um ein Vor⸗ gehen in ganz Deutschland und die Vorbereitung schärferer Verfolgungen gegen bisher noch weniger bestrafte sozialdemokratische Redakteure handelt. Unsere Kollegen werden mit uns desto fester auf ihrem Posten stehen!
Volksverdummung, Volksentrechtung
und Volksausbeutung
— das ist der Wahlspruch, den die preußischen Junker auf ihre Fahne geschrieben haben und zu dessen Verwirklichung ihnen die Geistlichen hilf⸗ reich die Hand bieten. In allererster Linie soll die ländliche Volksschule in den Dienst der Junker und Geistlichen gestellt, der Unterricht soll möglichst beschränkt werden, ja es soll sogar
geflissentlich die Un wahrheit auf der Schule
gelehrt werden. Unter lebhaftem Beifall der Rechten und des Zentrums verlangte der Abg. Hoheisel(Zentr.) allen Ernstes, die Lehrer sollten den Kindern vorreden, daß in der Stadt nied⸗ rigere Löhne gezahlt werden, als auf dem Lande, um auf diese Weise den Wegzug der Arbeiter vom Lande zu hintertreiben. Dies dreiste und unerhörte Ansinnen ging selbst dem Vertreter des Kultusministers, Mi nisterialdirektor Der. Kügler, zu weit, der den Junkern dafür bittere Wahrheiten sagte und unter stürmischer Unruhe auf der Rechten den Satz aufstellte, daß es die erste Pflicht des Lehrers sei, wahrhaft zu sein.„Die Schule kann die Kinder doch nicht mit Scheuklappen erziehen. Wenn wir den Kindern die Fabel erzählen wollten, wie schlimm es in der Stadt ist, so würden die allgemeine Militärpflicht und die Eisenbahnen uns ad absur- dum führen, denn sie geben den jungen Leuten ein wahres Bild von der heutigen Situation.“
Während der Zentrumsmann Hoheisel die
gewaltsame Verdummung in der Schule ver⸗ langte, begnügte sich Freiherr v. Wangen⸗
heim, der Vorsitzende des Bundes der Land⸗
wirte nicht mit der Zulassung polnischer, galizischer und italienischer Arbeiter, nein, er verlangte ausdrücklich, daß die Land⸗ wirte zu chinesischen Kulis ihre Zuflucht nehmen — ein rührendes Beispiel der nationalen Ge⸗
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kollege von Korn, so brach am Samstag Frhr. von Wangenheim eine Lanze für die Ein⸗ führung der Prügelstrafe. Humanitätsduselei
weiter, gewisse Schäden können nur mit un⸗ gebrannter Asche geheilt werden“. Und dabei beklagen sich dieselben Leute, die eine so de
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