.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 2.

auch, daß dem Reichstagsabgeordneten für den Kreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda⸗Gedern die Zunge fehlt. O, wie schade! Doch sehen wir recht? Was ist es denn, was der Vor⸗ sitzende des Ziegenzuchtvereins von Langsdorf dort hat, wo andere Leute die Zunge haben? Es ist keine Täuschung möglich seine klaren SGeistesblitze durchleuchten ihn zu h ell! jeder Irrtum ist ausgeschlossen! Dort, wo normale Menschen eine Zunge haben, hat der unglückliche Mensch eine Dreckschippe! Armer Mann! Nun verstehen wir auch die Schimpferei.

Alles verstehen heißt: alles verzeihen. Unsere Leser finden es begreiflich, daß wir mit

dem bedauernswerten Manne nicht weiter rechten. **

5* Im Offenbacher Abendblatt vom 2. Januar finden wir folgende Erklärung:

Der Abgeordnete Köhler

von Langsdorf hat in seinerVolkswacht vom Samstag unter dem TitelSozzische Verlogen⸗ 5 F. seiner tollen Wut über die schmähliche jederlage, die er sich in seiner geradezu unerreichbaren Ungeschicklichkeit und verblüft fenden Dreistigkeit in der Kammerverhandlung über das Notariatsgesetz selbst bereitet hat, in echter Rüpelhaftigkeit Luft gemacht. Eine wahre Flut von Schimpfwörtern hat er losgelassen und dabei mich in rechtliebens⸗ würdiger Art wie ein vollausgewachsener Rowdie vom Lande angerempelt. Ich ver⸗ zichte darauf, dem Herrn ausführlich zu ant⸗ Worten, sintemal es erfahrungsgemäß nutzlos ist, Vernunfs gründe gegen ihn vorzubringen; allein er beruft sich in dem Artikel auf unseren per⸗ sönlichen Verkehr, durch den ich wissen soll, welche Fähigkeiten er im öffentlichen Leben be⸗ reits entwickelt hat. Ich liebe es sonst nicht, im persönlichen Verkehr gewonnene Eindrücke von den Fähigkeiten eines Kollegen öffentlich zu ver⸗ werten, da aber Herr Köhler mich in dieser Richtung derart provoziert, so will ich denn doch feststellen, daß ich, je länger ich mit ihm ver⸗ kehrte, immer mehr enttäuscht wurde be⸗ züglich seiner Fähigkeiten und nach seinem Be⸗ nehmen in der Kammer während der Beratung des Notariatsgesetzes, fast allen Respekt da⸗ vor verloren habe; das letzte Restchen davon ist schließlich nach dem Lesen seines Artikel in der Volkswacht geschwunden. Offenbach, 2. Januar 1899. C. Ulrich.

Don Nah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen

Wie Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit

bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir bitten, alle zum Drud bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Gießener Stadttheater.

n. Es herrschte noch Sylvester⸗Stimmung in der letzten Volksvorstellung. Gegeben wurde Der Raub der Sabinerinnen. Herr Helm feierte in der allerdings sehr dank⸗ baren Rolle des Theaterdirektors Striese ge⸗ waltige Triumphe. Ebenso gut gefiel Herr Liebscher als Professor Gollwitz. Auf Details können wir uns hier nicht einlassen, wir begnügen uns mit der Feststellung, daß alle Mitwirkenden bestrebt waren, das beste zu bieten. Das Theater war schon eine Viertelstunde vor Beginn der Vorstellung ausverkauft. Viele mußten umkehren, da keine Möglichkeit vorhanden war, auch nur das bescheidenste Plätzchen zu erlangen.

5 Lesehalle in Gießen.

WW. In wie erfreulicher Weise sich die Be⸗ nutzung der Lesehalle gehoben hat, ist daraus zu ersehen, daß am Mittwoch, den 4. Januar, 107 Entleihungen stattsanden. Auch vor Weih⸗ nachten stieg die Zahl derselben meist über 80. Es ist nicht zu bezweifeln, daß die Benutzung noch weit reger sein würde, wenn der Bücher⸗ bestand größer wäre und den Wünschen der Leser besser als seither Rechnung getragen werden

könnte. Wer stiftet für das gemeinnützige Unternehmen Bücher?

Hohe Löhne auf dem Lande.

* DerDarmst. Ztg. wird aus Oberhessen geschrieben:

Wie alle(?) Löhne, so sind auch die⸗ jenigen für Knecht und Magd bedeutend in die Höhe gegangen. Da meist das tüch⸗ tige Gesinde den ganzen Jahreslohn bis zu Weihnachten stehen läßt, so kostet es den Dienstherrn auf Weihnachten eine recht respek⸗ table Summe; beläuft sich doch der Jahres⸗ lohn für einen tüchtigen Knecht und desgleichen Magd zusammen auf etwa 500 550 Mk. Vor drei Jahrzehnten betrug diese Summe noch kaum ein Drittel. Trotz dieser hohen den Anforderungen der modernen Zeit entsprechenden Löhne hält es aber auf dem Lande schwer, rechtes Gesinde zu bekommen. Die Burschen gehen nach Westfalen, die Mädchen nach den Städten..

Für zwei kräftige Menschen, einen tüchtigen Knecht und desgleichen Magd, zusam men 500 Mk. Jahreslohn, das nennt der Bericht⸗ erstatter des Ministerorgans eine der modernen Zeit entsprechende Bezahlung und wundert sich, daß so viele Burschen und Mädchen in die Städte gehen! Nein, wundern muß man sich, daß noch so viel Burschen und Mädchen bei solchen Löhnen auf dem Lande bleiben, wenn es wahr ist, was der Gewährsmann weiter erzählt:

Namentlich ist es Frankfurt a. M., das viele Mädchen, die sonst auf dem Lande dienten, anzieht. Der leichtere Dienst, das bessere Leben und manches andere sind hier die Triebfedern. Der Zug der männlichen Arbeitskräfte nach dem Lande der roten Erde ist der außerordentlich hohe Verdienst, der dort guten Arbeitern gegeben wird. Uns sind Beispiele bekannt, bei denen Männer nach Abzug ihres Verbrauches ihren Familien monatlich einen Nettoverdienst von 90 Mk. zuschicken.

Der gute Mann fordert ja mit seinen Angaben die Knechte und Mägde geradezu

heraus, das flache Land zu verlassen. Er

hat allerdings ebenso unrecht mit seiner Angabe, daß 500 Mk. für zwei kräftige Menschen ein guter Lohn sind, wie mit der Behauptung, daß ein Mann, der in Westfalen schafft, monatlich 90 Mk. heimschicken kann. Ein solcher Mann existiert wohl nur in der Phantasie des Korre⸗ spondenten des Darmstädter Ministerorgans.

Die hefsischen Polizeidiener wollen in eine Lohnbewegung eintreten. Am vorletzten Sonntag hielten die Polizeidiener des Kreises Darmstadt in Griesheim eine vor⸗ bereitende Versammlung ab; andere Kreise sollen nachfolgen. die Polizeidiener in den ländlichen Gemeinden einen geringen Baargehalt beziehen und daher auf Nebeneinkünfte angewiesen sind, welche jedoch mit den durch die neueren Gesetze usw. bedeutend angewachsenen Dienstleistungen nicht im Einklag stehen. Besonders darüber war man ungehalten, daß Dienstverrichtungen für auswärtige Behörden und Gemeinden kostenfrei auszuführen sind. Vielleicht wird nächstens ein Manifest erlassen: Polizeidiener Hessens, vereinigt Euch!

Gegen die Maul⸗ und Klauenseuche.

*Der hessische Landwirtschaftsrat hat an das Ministerium folgendes Ersuchen gerichtet:1. durch die Veterinärorgane so bald wie möglich im ganzen Lande, besonders in den verseuchten Distrikten, umfassende Versuche über die Wirkung und An⸗ wendungswürdigkeit des von den Höchster Farb⸗ werken in den Handel gebrachten Schutzimpfungs⸗ mittels gegen die Maul⸗ und Klauenseuche an⸗ stellen lassen zu wollen; 2. im Falle sich hierbei günstige Resultate ergeben, Maßregel treffen zu wollen zur leichteren Einführung dieses Mittels, insbesondere zur billigeren Beschaffung desselben.

Aus Kirchhain.

* Wie aus Harburg gemeldet wird, ist unser Genosse Schuhmachermeister Heinrich Baerer am

Es wurde Beschwerde geführt, daß

Montag plötzlich schwer erkrankt. Er wurde auf einem Geschäftsgang plötzlich von einem heftigen Schüttelfrost befallen und konnte nur mit Mühe

und unterstützt von mehreren Freunden nach Zwei schleunigst herbeigerufenre

Hause kommen. Aerzte konstatierten ein hohes Fieber, das ihnen der Vorbote einer heftigen Lungenentzündung zu sein schien. Hoffentlich gelingt es der Kuust des Arztes, unserem bewährten Genossen bald seine Gesundheit wieder zu geben. Genosse Baerer ist ein geborener Kirchhainer. Er ist seit langen Jahren in Harburg und kandidierte dort wieder⸗ holt zum Reichstag.

Ein Werk der Frankfurter Arbeiter. Am 1. Januar ist in Frankfurt a. M. das

von den organisierten Arbeitern ins Leben ge⸗ rufene Arbeitersekretaria teröffnet worden. Sekretäre sind die Gen. Kampffmeyer und Gräf. Ueber das Sekretariat bezw. das Bureau des⸗

selben schreibt in unserem Frankfurter Bruder⸗

blatt Genosse Quarck, der sich große Ver⸗

dienste um das Zustandekommen des Sekretariats erworben hat, wie folgt: Mitten in der Frank⸗ furter Altstadt,

den Wohnhöhlen der Aermsten seine Kontore hat, ist nun das Arbeiter sekretariat für Frank⸗ furt a. M. und Umgegend aufgethan und für jeden offen, der von dem Klassenstaat jener Kapitalisten geächtet und bedrückt wird. Und weil ein so neuer Geist in die alte Umgebung einzieht, hat sich das Sekretariat auch ein modernes Haus in der Schnurgasse zum Sitz erkoren. Weithin verkündet das Schild am

Balkon die Straßennummer 45, daß hier eine

Schöpfung der Frankfurter Arbeiter wohnt, ganz in der Nähe der Arbeiterherberge, aber mit der

Front nach der Geschäftsstraße. Vom Trottoir

zur Treppe sind nur wenige Schritte, so leicht und bequem ist der Aufgang. Eine Glasthür führt vom Treppenabsatz in den kleinen Vorplatz, der zugleich den Warteraum mit Stühlen und Kleiderhaken bildet. Wer an der Reihe ist und zu den Arbeitersekretären kommt, tritt zunächst in das Arbeitszimmer, in welches große, schöne Fenster helles Licht einfluten lassen. An den

Fenstern die Schreibtische mit der Hausbibliothek

der Beamten, an den Wänden Aktenschrank und Bücherregal, Uhr und Kalender, kurz, was zu einem Bureau gehört, alles in freundlicher, heller Farbe. Rechts führt dann die Thür ins Sprech⸗ zimmer, das mit seinem Tisch und Stühlen und Kamin den Eindruck eines kleinen freundlichen Wohnzimmers macht, als wolle es mit demjenigen versöhnen, was hier alles noch an Leid und Schmerzen geklagt werden wird...

Einfach, aber würdig steht so unser Arbeiter⸗ sekretariat da, bereit, das Beste zu geben, was es hat, wenn die Bedrückten aus der Stadt und Umgegend zu ihm kommen. Möge die Arbeiter⸗ schaft ihm auch das Beste geben, was sie hat: Anhänglichteit und Treue, dann sind wir um die Zukunft nicht bange!

Des Kaisers Paläste.

Fünfzig Schlösser besitzt der Kaiser noch der Aufzählung desVorwärts, davon sind in Berlin drei: das königl. Schloß, das Schloß Bellevue und Schloß Monbijou. In

Potsdam befinden sich 13: Stadtschloß, Neues

Palais, Babelsberg, Sanssouci, Marmorpalais, Orangerie, Jagdschloß Stern, Belvedere, Sacro, Charlottenhof, bayerisches Haus im Wildpark, Landhaus Alexandrowska und das Schloß auf der Pfaueninsel; in Kassel das Stadtschloß, die Löwenburg und Wilhelmshöhe; in Hannover das Residenzschloß. Ferner gehören dem Kaiser die Schlösser in Wiesbaden, Urville, Straßburg i. E., Stolzenfels, Springe, Burg, Sonneck a. Rh., Rominten, Schönhausen, Schwedt a. O., Benrath, Breslau, Brühl, Jagdschloß Grunewald, Celle, Charlottenburg, Erdmannshof, Freienwalde a. O., Jagdschloß in der Göhrde, Schloß Georgsgarten, Burg Hohenzollern, Homburg v. d. Höhe,

Hubertusstock, Jägernhof b. Düsseldorf, Königs⸗

berg i. Pr., Kadinen, Königs⸗Wusterhausen, Letzlingen, Osnabrück, Oliva und das Stadt⸗ schloß in Koblenz.

dort, wo vor Jahrhunderten reiche Krämer ihr Erbteil mehrten und häuften und wo heute noch der Kapitalismus dicht neben

3 a

ä

.

ä

bft.

HGesüh

keichis 0

n

Der seiner

ke

f ausse wold wurd in d hin Kais lang abge

der

Rolze des! die bon

still hint Schi dur Kon Hau und der ein

h

Nac nach

den tet türk