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i einer Reihe Städte verboten.

Mr. 17.

Mitteldentsche Sounags⸗ Zeitung.

Seite 3.

bracht. Selbstverständlich hat Kressin gegen dieses Urteil Berufung eingelegt.

Wegen eines am 22. Januar veröffentlichten Artikels, welcher die polizeilichen Maßnahmen gegen etwaige Straßenkravalle kritisterte, haben ferner die sächstschen Minister des Krieges und

des Innern Strafantrag gestellt und zwar nicht

kur gegen den verantwortlichen Redakteur Kressin, sondern auch gegen die politischen Redakteure Mehring, Lensch und Hänuisch. Sollte das Leipziger Gericht die letzteren wirklich zur Ver⸗ antwortung ziehen, so wäre das einfach unge⸗ setzlich, denn nur der alsVerantwortlicher bezeichnete Redakteur kann für den Inhalt einer Zeitung strafrechtlich verantwortlich gemacht werden. All' das zeigt aber, mit welchen Mitteln man gegen die einzige ehrliche Volkspartei kämpft. Nätzen wird es freilich nichts.

Verdrossene Patrioten

scheinen in der konservativenSchlesischen Zeitung in Breslau zu sttzen. Dieses Blatt wandte sich nämlich in seinem Osterartikel recht deutlich gegen gewissehöhere Regionen und gegen Reden, die von dort ausgehen. Das Blatt bezeichnete allerdings die Stellen nicht, die es meinte. Es klagte:

Die Minderwertigkeit der nationalen Leist⸗ ungen fürs Reich tritt umso schärfer hervor, als sie mit einer in weiten Kreisen verbreiteten Neigung zu rhetorischem Bombast verbunden ist. Schlagworte, die von der gepanzerten Faust und vomDrei⸗ zack in unserer Hand, würden als Uebertrelbung gar nicht so bedenklich wirken, wenn nicht der Gesamtton des in Vereins⸗ und Festreden sich vordrängenden Patriotismus auf ste abgestimmt wäre und ihnen Reso⸗ nanz gäbe.

Ei, ei! Das sind ja Stellen aus Reden, die Wilh. II. gehalten hat! Ob das Blatt seine monarchische Gesinnung revidieren will?

Militärisches Schreckensurteil.

Auf Berufung des Gerichtsherrn verurteilte das Oberkriegsgericht der aktiven Schlachtflotte in Kiel die Heizer Buchholz, Reinhardt, Lönz, Beuthner und Deutschmann zu je fünf Jahren e wegen militärischen Aufruhrs.

te hatten gemeinsam einen Unteroffizier ge⸗ schlagen. In der ersten Instanz erhielten nur zwei der Verurteilten Zuchthausstrafen.

Kleine politische Nachrichten.

Zur Ersatzwahl in Hannover für den verstorbenen Abgeordneten Meister stellen unsere Partei⸗ genossen den Redakteur Brey auf, der in der dortigen Parteibewegung schon seit langem tätig ist und seither im Wahlkreise Hameln kandidierte. Die Wahl soll am 22. Juni stattfinden.

Preßsünder. Genosse Fleiß ner, Redakteur in Dresden, wurde schon wieder wegen angeblicher Be⸗ amtenbeleidigung durch die Sächsische Arbeiter⸗Zeitung von der 2. Dresdener Strafkammer unter Vorsitz Dr. Beckers zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt.

Bei den Stadtverordneten wahlen in vier Kasseler Vororten eroberten unsere Genossen zwei Sitze. Sie besitzen nunmehr vier Vertreter in der Stadtverordneten⸗Versammlung.

Malumzüge wurden in diesem Jahre wiederum In Dresden jedoch, wo in früheren Jahren viele Genossen bestraft wurden, weil sie am 1. Mai spazieren gegangen waren, ist ein geschlossener Umzug genehmigt.

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Revolution in Rußland.

Der Priester Gapon ist vor Kurzem, wie aus Petersburg berichtet wurde, auf rätsel⸗ hafte Weise verschwunden, als er im Be⸗ griffe war, eine politische Versammlung zu be⸗ suchen. Seine Angehörigen und Anhänger wären voll dunkler Vermutungen und um sein Schick⸗ sal besorgt. Eine weitere Meldung besagt, daß Gapon von vier revolutionären Arbeitern er⸗ hängt worden sei, weil er einem früheren Vertrauten mitgeteilt habe, daß er Spion der Regterung geworden sei. Dieser Freund habe

dann den vier Arbeitern Gelegenheit gegeben, versteckt in einem Nebenzimmer das Geständnis Gapons ebenfalls; mitanzuhören.

Von den

russtschen Revolutionären in London wird diese Nachricht indessen als Schwindel bezeichnet. Befreiung politischer Gefangener. In Warschau erschienen am Sonntag nachts Revolutionäre, als Polizisten und Gendarmen verkleidet, im Untersuchungsgefängnis, einen Be⸗ fehl vorzeigend. Sie entführten im Ge⸗ fängniswagen zehn wichtige politische Häftlinge. Unterwegs betäubten sie den Kutscher, fuhren aus der Stadt heraus, ließen dann den Wagen stehen und verschwanden samt den Befreiten.

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Karl Marx.

Ein Vortrag von Karl Kautsky.

5(Fortsetzung).

Die Niederlage, die Auflösung, die Zer⸗ schmetterung bestegelten den Niedergang der Revolution. Zehn Jahre lang war Ruhe in der Arbeiterbewegung. Die ökonomische Ent⸗ wicklung ging rapide vor sich. Der Kapitalismus entwickelte sich, aber das Proletariat muckste nicht und konnte sich nicht rühren. Marx und Engels mußten trachten, sich eine bürgerliche Existenz zu erwerben. Das bißchen Geld von Marx und seiner Frau war in den revolutio⸗ nären Kämpfen längst verpulvert. Sie waren in größtem Elend. Engels hatte einen reichen Vater, aber der gab seinem Sohne nichts, so lange er in der revolutionären Propaganda war. So entschloß sich Engels, in die Fabrik seines Vaters einzutreten, und das war ein Vorteil, daß nicht nur er, sondern auch Marx davon leben konnten. Und wenn Marx sich der wissent⸗ schaftlichen Tätigkeit und der revolutionären Tätigkeit widmen konnte, so verdankte er das seinem Freunde Friedrich Engels. Zunächst aber besaß Engels selbst nichts. Marx schrieb Zeitungskorrespondenzen, wissentschaftliche Ar⸗ beiten für deutsche Blätter. Aber nun äußerte sich der Boykott der bürgerlichen Demokratie über Marx. Erst kürzlich hat die bürgerliche Presse Krokodilstränen vergossen über die In⸗ toleranz der Sozialdemokratie, weil die Berliner Arbeiter die Vertrauensposten in der Redaktion ihres Blattes nach ihrem Willen besetzen wollten. Marx gegenüber war sie anders gestnnt, trotz- dem damals noch keine sozialdemokratische Partei existierte, trotzdem Marx nominell zur Partei gehörte, trotzdem er nur wissenschaftliche Ar⸗ beiten in den demokratischen Blättern veröffent⸗ lichen wollte trotzdem wurden diese nicht angenommen, und wenn es auf die deutsche Demokratie angekommen wäre, wäre er ver⸗ hungert. Es war dieNew⸗York Tribune, die damals ihm eine Existenz verschaffte. Ihr Herausgeber wandte sich an Freiligrath mit der Bitte, für ihn zu arbeiten. Freiligrath lehnte ab, empfahl aber Marx, und Marx schrieb eine Reihe der wichtigsten Korrespondenzen, bis 1861; ein Teil davon ist unter dem TitelRev o⸗ lution und Gegen revolution in Deutschland erschienen. Ein anderer Teil ist englisch erschienen, aber eine Reihe sehr wich⸗ tiger Sachen ist noch nicht erschienen, über das französische Kaiserreich. Andre, über ökonomische Fragen, verarbeitete er später in seinem großen WerkeDas Kapital. seine große Lebensarbeit. Er studierte im Britlsh Museum, studierte die nationalökonomische Lite⸗ ratur, wie es vor ihm nicht geschehen ist und wohl auch nach ihm nicht leicht geschehen wird, und die Frucht warDas Kapital, das 1867 das Licht der Welt erblickte. Ebensowenig wie über das Kommunistische Manifest, kann ich überDas Kapital hier ausführlich berichten. Es ist ja auch nicht notwendig, denn, wie ge⸗ sagt, die Grundzüge dieser Arbeit können Ste in der BroschüreLohnarbeit und Kapttal nachlesen. Nur eins will ich hier bemerken. In diesem Buche, in welchem Marx den ganzen Vorgang des kapttalistischen Produzierens und Austauschens in einer Weise darlegte, die ganz neu und unerhört war, daß sie anfangs gar nicht begriffen wurde; in diesem Buche hat er uns wiffenschaftliche Waffen geliefert, die bis⸗ her noch nie und nirgends und in keiner Welse versagt haben. Wenn man vom Kommunsstischen Manifest noch sagen kann, daß manche Partien veraltet seien, gilt das nicht vomKapital.

Dieses Buch war

DasKapital ist heute noch ebenso frisch wie damals, und vielleicht noch lebens⸗ wahrer, weil die Dinge stch so entwickelt haben, wie Marx voraussah, und die ganze Entwick⸗ lung bestätigt dies. Zunächst wurdeDas Kapital von der bürgerlichen Wissenschaft gänzlich totgeschwiegen, denn ihr war es so unangenehm wie möglich. Aber auch das Prole⸗ tartat konnte sich nicht hineinfinden, das war eine so schwierige Lektüre. Nur wenige begriffen es. Nur langsam geschah es, daß die Kenntnis des Buches in weitere Parteikreise sich verbrei⸗ tetete. Selbst intelligente Arbeiter konnten sich kaum hineinfinden. Ich erinnere mich noch, was Marx mir auseinandersetzte, welchen Schreck er bekam, als ihm von Leipzig die Korrektur⸗ bogen der Mostschen Broschüre zugeschickt wurden, wo das Werk popularistert wurde. Er mußte das meiste umschreiben und dennoch viel Falsches stehen lassen, und Most war ein sehr intelligenter und scharfsichtiger Arbeiter. AberDas Kapital war so neu und erfor⸗ derte eine so philosophische Schulung, daß sich nur wenige Arbeiter hineinfinden konnten. Erst langsam erwuchsen Popularisatoren, die die Arbeiter damit vertraut machten und unseren Journalisten die Waffen schufen, womit sie den Ansturm der bürgerlichen Journalisten abschlagen konnten. Demgegenüber konnte die alte Taktik nicht mehr befolgt werden. Nun fiel die bürger⸗ liche Wissenschaft überDas Kapital her. Es gibt kaum einen bürgerlichen Oekonomen, der nicht den wissenschaftlichen Befähigungsnach⸗ weis dadurch erbrachte, daß er gegen Karl Marx schrieb. Ganze Bibliotheken sind über ihn geschrieben worden. Unzählige Male ist er totgeschlagen worden, und je mehr er totge⸗ schlagen wird, desto mehr lebt er unter uns. Aber diese bürgerliche Wissenschaft war dennoch unehrlich genug, von ihm zu lernen, ohne es ihn wissen zu lassen. Sie nahm, was sich nicht widerlegen ließ, und benutzte es wieder gegen die Partei, indem ste es verfälschte. Wenn die bürgerliche nationalökogomische Wissenschaft überhaupt heute eine Bedeutung hat, dann ver⸗ dankt ste es dem, daß sie Marx gefälscht, ge⸗ plündert und angebellt hat. Das ist die Funktion der heutigen bürgerlichen Wissenschaft gegenüber Marx. Den Anfang in diesen wissenschaftlichen Angriffen gegen Marx machte Lujo Brentano. Er stellte 1872 in gröblichster Weise Marx als Lügner und Fälscher dar. Er wählte dazu die Inauguraladresse der Internattonalen. Das war damals jene Institution, die den bürger⸗ lichen Klassen mehr im Magen lag, alsDas Kapital. Sie wurde am lebhaftesten, giftig⸗ sten und entschiedensten bekämpft. Und damit stehen wir bet dem letzten großen Werk Marx: der Internationalen Arbeiterasso⸗ ztation. Ich verstehe sie als sein Werk, nicht als ob Marx sie gegründet hätte. Ste ist mit Raturnotwendigkeit aus den Verhältnissen her⸗ aus entstanden, und es waren namentlich die Bedürfnisse des gewerkschaftlichen Kampfes, die die Internationale geschaffen haben.

(Fortsetzung folgt.)

Bon Nah und ern.

Hessisches.

Nationalliberale Prügeltaktik. In dem Wahlkampfe im Kreise Darmstadt haben die nattonalliberalen Ordnungsleute ihren politischen Anstand im schöasten Lichte gezeigt. Wiederholt haben sie ihre Gegner tätlich an⸗ gegriffen. Wie es einem solchen, den Frei⸗ sinnigen Haupt in der nationalliberalen Ver⸗ sammlung in Darmstadt erging, schilderte dieser in der Frkftr. Ztg. Herr Haupt hatte sich zum Wort gemeldet, war aber von dem Vor⸗ sitzenden angefahren worden. Er erzählt dann weiter:Als die Absicht des Vorsitzenden, die Versammlung zu schließen, klar wurde, rief ich vom Platze aus:Zur Geschäftsordnung! und ging nach dem Vorstandstisch, um dort meine Visitenkarte vorzulegen. Nachdem ich schon vom Podium herabgestiegen war, sprang ein rechts neben dem Vorstandstisch stitzender Herr auf mich zu und rief:Was wollen Sie hier,

machen Sie, daß Sie wegkommen! Ich ant⸗