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Nr. 10.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 7.

Der Fremde war in der Tat Ernst Kampf. Er hatte, seit er vor fünfzehn Jahren sein Heimatsdorf verlassen, dasselbe nur noch einmal, nach dem Tode seines Vaters, der nach vier Jahren eintrat, wieder gesehen. Nach seinem Eintritt in die Fremde hatte er sich neben seinen Berufspflichten ernsten Sachen gewidmet. Wenn seine Kollegen ihrem Vergnügen nachgingen, widmete er sich dem Studium der Naturwissen⸗ schaft und dann recht bald den sozialpolitischen Fragen. Er wurde ein brauchbares Mitglied der Arbeiterbewegung und focht mit in den ersten Reihen. Dabei blieb es nicht aus, daß er, wie so viele andere Mitkämpfer, dem Staatsanwalt Opfer für seine Ueberzeugung bringen mußte. Diese Sachen waren auch in seiner Heimat be⸗ kannt geworden und man bekreuzigte sich vor dembösen Gott vergessenen Sozialdemo⸗ kraten.

Eine aber gab es im Dorfe, welche nicht dasKreuzige über ihn gerufen hatte: das war Schneiders Louise, denn niemand anders als sie- war die Magd des Bauern, und nie⸗ mand anders, als Heinrich Henz, der ehemalige Schulkamerad von Ernst Kampf, war der Bauer, dessen Frau Kampf vom Tode rettete!

Kampf kehrte, nachdem er Heinrich Henz verlassen, bei dem einzigen Verwandten, den er im Dorfe noch besaß, ein. Die Kunde von dem Vorgefallenen ging schnell durch das ganze Dorf. Henz wartete nicht, bis Kampf den ver⸗ sprochenen Besuch ausführte; alsbald erschien er bei diesem, um seinen Dank abzustatten. Dabei konnte er seine Bewunderung nicht ver⸗ hehlen, daß gerade er, Kampf es sei, der sich in so liebevoller Weise seiner angenommen habe.Laß das doch nur erwiderte Kampf, was ist da zu reden und zu danken, ich habe einfach meine Pflicht als Mensch getan!

Noch bevor die Dorfbewohner ihre Stroh⸗ säcke an diesem Tage aufsuchten, war die Stimmung gegen Kampf völlig umgeschlagen Als er längs einer Gartenecke schritt, hörte er das Gespräch zweier Männer, die sich auf der andern Seite befanden.Demnach ist dem Kampfs Ernst doch Unrecht geschehen, er kann doch keinSozialer sein, sagte der Eine. Worauf der Andere erwiderte:Ein Sozialer ist er schon, das steht fest, aber weißt Du, was ich glaubte: der Pfarrer und der Schul⸗ lehrer und der Bürgermeister und der Landrat und wie die Vornehmen alle heißen, sie haben uns alle belogen über das, was die Sozialdemokraten sind und was sie wollen!

Hm, Du könntest auch Recht haben, war die Antwort des Ersten.

Auf dem Rückwege von seiuem Spaziergang traf Kampf Loutse. Seiner Einladung zu einem kleinen Spaziergang folgte ste gerne. Das Gespräch wurde bald sehr vertraulich und die Art und Weise, in der Louise fragte, ob er verheiratet sei und wieviel Kinder er habe, ließ ihm zur Gewißheit werden, daß da ein treues Herz für ihn schlug. Kampf war in Wirklichkeit noch unverheiratet und schon am nächsten Tage war er mit Louise im Reinen. Diese hatte längst bei der harten Arbeit, dem knappen Lohn und der schmalen Kost in ihrer Eigenschaft als Magd des Bauern Henz em⸗ pfunden, daß keine Veranlassuug da sei, die bestehende Weltordnung göttlich zu preisen. Sie folgte Kampf nach dessen jetzigen Wirkungs⸗ kreis und wurde ihm eine treue Lebensgefährtin.

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Allerlei.

Die Fenster auf!

muß jetzt mehr als je der Ruf sein. Alle Frühjahrskrisen, wie Schnupfen, Husten, Müdig⸗ keit und nervöse Verstimmungen aller Art werden leichter überwunden, wenn jetzt durch geöffnete Fenster die anregende Frühlingsluft in die Zimmer dringen kann. Der dauernde Aufenthalt in der verdorbenen Luft der Woh⸗ nungen, Werkstätten und Vergnügungslokale mit ihrem Tabaksrauch, Kohlenruß und Staub, ihren sauerstoffzehrenden Oefen und Lampen, die mangelnde Bewegung der Städter in frischer Luft während des Winters führen in ihrer Zusammenwirkung zu Störungen des Stoff⸗ wechsels. Es sind Folgen des Mangels reiner Luft, die sich dann in den Beschwerden des Frühjahrs entladen. Darum gilt es, vor⸗ nehmlich in den Schlafzimmern, diesem Mangel abzuhelfen. Denn im Schlafe bedürfen wir besonders reiner Luft, damit das Blut einen Sauerstoffvorrat für den kommenden Tag ge⸗ winnen kann und wir nicht immer wieder mit der ausgeatmeten Kohlensäure uns vergiften. Es gibt ja noch immer Leute, die davon durch ein Zureden nicht zu überzeugen sind. Ihnen ist folgende Probe zu empfehlen: Nach dem Erwachen am Morgen mögen sie recht bald ihr Schlafzimmer mit geschlossenen Feustern und Türen verlassen und nur zehn Minuten tief atmend draußen in der friscken Morgen- luft spazieren gehen. Sodann sollen sie zu rückkehren in das verlassene, noch geschlossene Schlafzimmer und jetzt ihre Nase gebrauchen! Sie werden erschreckt sein über die Stickluft, in der sie sich stundenlang befunden haben.

Vielleicht begreifen sie auch nun, warum sie oft benommen und müde das Lager verließen. Ihnen fehlte die reine Luft während der Nacht, ohne die sich nun einmal im Schlaf keine Er⸗ neuerung unserer Spannkraft vollziehen kann. Wer es also im Winter nicht wagte, der öffne jetzt die Fenster seines Schlafzimmers. Er stelle sie so, daß Zugluft die Schläfer nicht treffen kann, und bedecke sich gut. Ruhiger Schlaf wird dieseKur lohnen, zu der weder . Geldaufwand noch Heroismus ge⸗ ören.

Splitter.

Ju ein Stammbuch. Ich will nicht faseln Dir von frommen Werken Und nicht von Tugend, die Du üben mögest Und Dich nicht bitten, daß Du von Dir legest Die Sünden und im Glauben Dich bestärken.

Das überlaß' ich Weibern, Muckern, Pfaffen, Die sind nicht rar und werdens niemals werden Bis wir dereinst uns selber hier auf Erden

Mit eigner Hand das Himmelreich erschaffen.

Mit eigner Hand! Der Weg geht berghenan. So folg auch Du! Die Fesseln wirf von hianen, Richt auf den Blick! Schon röten sich die Zinnen, Und golden bricht der Freiheit Morgen an. H. B.⸗Marburg.

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Numoristisches

Kindermund tut Wahrheit kund. Ein heiteres Vorkommnis ist in Zipsendorf bei Zeitz passiert. Fragt da ein Lehrer einen Knaben: Was ist Dein Vater? Keine Antwort. Dieselbe Frage wird wiederholt, aber⸗ mals keine Antwort. Da endlich hebt ein anderer den Finger hoch und antwortetStreikbrecher.

Der letzte Groschen. Ein biederer Londbe⸗ wohner passiert die neue Fußgängerbrücke in Nienburg. Beim Visitieren des Portemonnaies entrollt ihm der letzte Groschen in die Weser,Ja, seggt Dierk, ihm verblüfft nachschauend,versupen woll eck dick schon, awer nich op düsse Art!

Ein sindiger Kopf. Fabritant: Das ist mal schön vom Gewerbegericht zu Essen, daß es die Streikbrüder, die ohne Einhaltung der Kündigungsfrist in den Ausstand treten, zu Schadenersatz verurteilt. Jetzt quäle ich meine Arbeiter so lange, bis sie vor Wut Knall und Fall die Arbeit niederlegen, verklage sie dann auf Schadenersatz und das nötige Geld zur Sommerreise ist verdient!

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