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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

5 5 2 e 80 Kuterhalfung⸗- Teil. 8 1 5 1 eee eee 2 i a

Der wanzerich.

Es saß ein brauner Wanzerich

Auf einem Pfennig und spreizte sich

Wie ein Rentier und sprach:Wer Geld hat, Auch Ehr' und Ansehn in der Welt hat,

Wer Geld hat, ist auch lieblich und schön Es kann kein Weib ihm widerstehn;

Die Weiber erbleichen schon und zittern, Sobald sie meinen Odem wittern,

Ich habe manche Sommernacht

Im Bett der Hönigin zugebracht;

Sie wälzte sich auf ihren Matratzen

Und mußte sich beständig kratzen.

Ein lustiger Seisig, welcher gehört

Die prahlenden Worte, war drob empört; Im heiteren Unmut sein Schnäbelein schliff er, Und auf das Insekt ein Spottlied pfiff er.

Gemein und schmutzig, der Wanzerich,

Wie Wanzen pflegen, rächte er sich:

Er sagte, daß ihm der Seisig grollte,

Weil er kein Geld ihm borgen wollte.

Und die Moral p Der Fabulist

Verschweigt sie heute mit klugem Sagen, Denn mächtig verbündet in unseren Tagen Das reiche Ungeziefer ist.

Es sitzt mit dem Geldsack unter dem A, Und trommelt siegreich den Dessauer Marsch.

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Aus unseren Tagen. Von Gerard Keller.

17)(Fortsetzung)

Wenn ihr nun einmal ein Heiratsantrag gemacht würde?

Wie kommst du denn darauf? sagte seine Frau etwas entrüstet.Laß uns lieber über das sprechen, was Malvine für dich tun will.

Ganz recht, Liebe, fuhr Werner fort, wenn aber Malvinen einmal ein Heiratsantrag 9 5 wird, wird ste das Geld selbst nötig

aben.

Oder den Antrag ablehnen, ergänzte Mal vine. N

Ablehnen? Herrn Morsen ablehnen?

Da hatte Werner sein ganzes Geheimnis verraten, aber durch diese Dummheit war das Anklopfen bei Malvine erspart worden. Und darauf verwirrten sich Morsens Autrag und Malvinens edle Handlungsweise und die Zu⸗ kunft von Franz und die Taubermann'sche Wohnung mit allen Bequemlichkeiten, und alles vermischte sich und verdrängte einander, wie Nebelbilder und geriet zum Schlusse, wie dies bei ethischen Erscheinungen zu geschehen pflegt, in eine solche allgemeine Unklarheit, daß man endlich beschloß, vorerst einmal ruhig sehr ruhig darüber zu schlafen. Herr Werner schlief mit den Bankscheinen unter seinem Kopf⸗ kissen und seine Frau glaubte zweimal zu hören, daß Jemand ins Haus geschlichen sei. Franz band sich diese Nacht ein Tuch um den Kopf genau, wie dies Herr Morsen zu tun pflegte.

Zuvor aber hatte Franz Malvine nach Taubermanns Wohnung begleitet und dabei ganz zufällig bemerkt, daß Jemand über die Straße gegangen, der ihnen zwei Straßen weiter wieder begegnete und endlich in der Nähe des Krämerladens noch einmal, aber immer in einiger Entfernung und auf der andern Seite der Straße. Franz wußte genug, leider konnte Morsen dies nicht von sich sagen, denn Werners Vorgesetzter war bei Lichte be⸗ sehen noch gerade so klug wie vor seinem Antrag.

Denjenfgen, welche vielleicht die Bemerkung wachen könnten, daß das Lotterielbos etwas gar zu zufällig eingetreten sei, geben wir be⸗ schelden zur Antwort, daß wir noch niemals von einem Lotteriegewinn gehört haben, der nicht zufällig gekommen wäre und was im täglichen Leben dessen Skizzierung auch hier unser Hauplzweck war so ganz außer aller Berechnung liegt, dürfen wir wohl auch, ohne

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ar zu unwahrscheinlich zu sein, ohne Voraus⸗ sicht des Lesers einführen. Das Glück ist ja so launenhaft! Die Familie Werner hatte da⸗ von wieder einmal den treffendsten Beweis, zum größten Verdrusse der kränklichen alten Jungfer gegenüber, die nun schon mehr als dreißig Jahre ein Sechszehntel spielte und niemals einen Gewinn erhalten hatte. Eine kleine Entschädigung empfand ste übrigens in dem reichen Stoff, den ihre gegenüber wohnenden Nachbarn ihr jetzt zum Beobachten boten.

Schon am zweiten Tage wurde vom Bäcker Brot gebracht und am dritten Tage öffnete ihm ein Dienstmädchen, ein Dienstmädchen mit voll⸗ ständigen Augen. Der älteste Sohn erhielt einen Hut und Herr Werner einen Winterrock. Die kränkliche alte Jungfer sah auch, wie Kohlen gebracht wurden, und wenn sie sich nicht täuschte, war auch ein Winterhütchen für das Töchterchen in Arbeit, denn ste hatte schon dreimal ein Mädchen mit einer Hutschachtel auf der Treppe gesehen. Die Ankündigung blieb hängen, aber der Hausherr war bereits mehrmals oben gewesen, jedenfalls, weil er seine Mieter zu behalten wünschte. Aus der⸗ selben Quelle, woher sie die Lotteriegeschichte wußte näwlich durch die Magd aus dem Tabaksladen an der Ecke, wo Werner seine Zigarren holen ließ erfuhr sie nun auch, daß die Familie Werner das Taubermann'sche Haus beziehen würde, und dieselbe gut unter⸗ richtete Person wollte wissen, daß der Beamte alle seine Schulden bezahlt habe, oder sie wenig⸗ stens in festen Terminen bezahlen werde, was er jetzt auch sehr gut könne. Drei Tage später hatte die alte Jungfer das Vergnügen, Herrn Morsen wieder ankommen zu sehen, und als er heraufgekommen war, sah ste die Kinder vom Fenster verschwinden und Werner und seine Frau mit dem Besucher in der Nähe des⸗ selben erscheinen. Dann bemerkte sie, daß Frau Werner das Taschentuch hervorzog und Herr Morsen und Werner sich die Hand reichten. An demselben Abend hörte sie gegenüber wohl viermal klingeln, und als sie unter der Gardine durchsah, erkannte sie in der Dämmerung Mal deline der Name war so schwer zu behalten und nun wußte ste gewiß, daß irgend etwas vorgehen mußte. Auch Taubermann und seine Frau kamen den folgenden Tag und darauf die alte Jungfer hatte seit Jahren nicht so viel zu sehen gehabt darauf war an einem Sonntag eine Gesellschaft bei Werners; sie sah den Konditorburschen mit der Torte und das Mädchen mit einem ganzen Korbe voll Düten verschiedenen Inhalts. Acht Tage später mußte irgendwo anders Gesellschaft sein. Da kam nämlich eine Droschke und Herr und Frau Werner und Franz und seine drei Brüderchen und sein Schwesterchen stiegen alle hinein und fuhren in ganz neuen Kleidern nach der Fest⸗ lichkeit. Diese Gelegenheit benutzte die Nachbarin, um einmal fragen zu lassen, ob das, was ste vermutete, wahr sei. Ja, wirklich, Fräulein Maldeline war verlobt mit Herrn Morsen das Mädchen von unten, dessen Bruder Lohn⸗ diener bei einem Bekannten von Morsen war, kannte ihn ganz genau.

Am dritten Januar kam dann ein großer Wagen vorgefahren, worauf alle Möbel der Familie Werner gepackt wurden und die kleinen Werverchen gingen alle neben her und jedes trug irgend etwas nach der neuen Wohnung. Es waren altmodische verbrauchte Möbel wie konnte Jemand eine Gesellschaft geben mit solchen Möbeln! dachte die alte Jungfer.

Und dann stand die Wohnung leer und die arme, kranke alte Fuel war um eine Unter⸗ haltung ärmer! Zuweilen haben sie noch Jemand von der Familie Werner vorübergehen, aber ste waren kaum mehr zu erkennen, so hübsch waren sie gekleidet. Man schien viel ausgerichtet zu haben mit dem, was Malvine gegeben hatte. Es ist ja auch nicht so sehr viel nöltg, um eine zerrüttete bürgerliche Haushaltung wieder in Stand zu setzen. Seitdem Werner weniger durch Sorgen gedrückt wurde, zeigte er etwas mehr Energie, Franz war seinen Eltern nicht mehr zur Last und es geschehen so viele Dinge, die selbst eine alte kranke Jungfer, die

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ihre Nachbarn[fortwährend beobachtet, nicht bemerkt. ee ö

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(Schluß folgt.)

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Splitter.

Das Glück ist eine leichte Dirne,

Sie weilt nicht gern am selben Ort;

Sie streicht das Haar Dir von der Stirne

Und küßt Dich rasch und flattert fort,

Frau Unglück hat im Gegenteile

Dich liebefest an's Herz gedrückt;

Sie sagt, sie habe keine Eile,

Setzt sich zu Dir an's Bett und strickt. (Romanzero II.)

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Jungfräuliche Seelen gibt es, Die nach grüner Seife riechen, Und das Laster hat zuweilen Sich mit Rosenöl gewaschen. (Atta Troll.)

Humor islisches.

Böser Druckfehler. DasHomburger Kreis⸗ blatt kauft seine Nummer vom 22. Februar zurück. Es befindet sich darin nämlich in einem Artikel zur silbernen Hochzeit des Kaiserpaares folgender fatale Druckfehler:Und wo so zwei Menschenkinder unentwegt bemüht sind, das Rechte zu tun und ihrem Volke darin mit glänzendem Bipel voranzugehen, da bleibt auch der Segen von oben nicht aus.

Aus Dresden. Unser Genig hat auf der Ber liner Geweihausstellung bloß den zweiten Preis gekriegt Er hat aber stark auf den ersten gehofft.

(Simpl.)

Muckerlogik. Gott schuf das erste Menschenpaar Ganz pudelnackt, das weiß ein jeder. Demnach ist Gottes Tugend offenbar So stark nicht, wie die seiuer Stellvertreter?

Fromme Denunzianten. Daß einst die Sünder in die Hölle kommen, Das scheinen zu bezweifeln selbst die Frommen. Auch ihnen scheint bedeutend sich'rer halt Auf Erden schon der liebe Staatsanwalt.

Geschichtskalender.

11. März. 1887 Septennatsvorlage im Reichstage. 1882 Leipziger Hochverratsprozeß.

12. 1895 Erste Lesung der Umsturzvorlage.

13. 1881 Zar Alexander II. durch eine Bombe in Petersburg getötet.

14. 1892 Gewerkschaftskongreß 1883 Karl Marx f.

15. 1896 Bebel briugt den Petersskandal vor den Reichstag.

16. 1875 Tessendorf beantragt die Schließung des Allg. Deutschen Arbeitervereins.

17. 1890 Bismarcks Entlassung. zustands⸗Debatte im Reichstage.

in Halberstadt.

Belagerungs⸗

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