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Nr. 36.

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Mitteldentsche Sountags⸗ Zeitung.

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Seite 5.

Firma Momma z. B. fehlen den Leuten Schränke oder Räume zur Aufbewahrung ihrer Kleider und ihres Frühstücksbrodes, auch Wascheinrichtung ist keine vor⸗ handen, so daß die Arbeiter meist so wie sie die Arbeit verlassen, mit ungewaschenen Händen nach Hause gehen. In mancher anderen Werkstelle stehts ähnlich aus. Hier müßte wirklich Besserung geschaffen werden; und zwar müssen die Arbeiter selbst das Nötige dazu beitragen, denn die Unternehmer halten es vielfach nicht der Mühe wert, etwas zu tun, um die Arbeiter gesund und leistungs⸗ fähig zu erhalten. Das liegt aber auch an der Gleich⸗ gültigkeit der Arbeiter. Oefters kann man hören: ja,

wenn ich in den Verband eintrete, fliege ich aus dem

Kriegerverein heraus. Was ein Arbeiter für Vorteile vom Kriegerverein hat, ist für uns ein Rätsel und viel⸗ leicht auch für ihn selber. Schließt euch vielmehr eurer Gewerkschaft an, nur dadurch ist es möglich, Besserungen zu schaffen! i

h. Zu den Stadtverordnetenwahlen stellte kürzlich das Amtsblatt unsern Genossen ein ungünstiges Prognostikon.Nach unsern Erfahrungen dürften aus⸗ gesprochene sozialdemokratische Kandidatturen, wie sie Herr Dr. Quark will, auch in der dritten Klasse wenig Aus⸗

sicht auf Erfolg haben meinte es am Schlusse des Berichts über die Versammlung, in der Genosse Quarck

über die Stadtverordnetenwahlen sprach. Aufgabe unserer Genossen wird es sein, so zu arbeiten, daß diese Prophe⸗ zeihungen des Amtsblattes sich nicht erfüllen.

* Vor dem Schöffengericht hatte sich dieser Tage eine jugendliche Tabakarbeiterin zu verantworten, weil sie an einer öffentlichen Versammlung teil⸗ genommen hatte! Sie wurde freigesprochen, weil sie nicht das Bewußtsein von der Strafbarkeit ihrer Hand⸗ lung besessen habe. Wie konnte die Arbeiterin überhaupt angeklagt werden? Seit wann und wo ist denn jugend⸗ lichen Personen der Besuch öffentlicher Versammlungen verboten? Man lasse sich nicht irre machen; auch jugendliche Personen dürfen öff e ntliche Versamm⸗ lungen besuchen. Das preuß. Vereinsgesetz verbietet nur Frauen, Schülern und Lehrlingen die Mitgliedschaft politischer Vereine, wozu die Gewerkschaften aber nicht gehören. Es geht doch nicht an, den Arbeiterinnen das Koakitionsrecht etwa durch eine Polizeiverordnung wegzunehmen.

f. Mittelalterliche Kirchenstrafen sind noch in Odenhausen a. d. Lahn üblich. Dort bestrafte der Pastor zwei junge Burschen, weil sie die Kinderlehre nicht besucht hatten mit Entzug des Abendmahls, sowie des Rechts Patenstelle zu übernehmen auf die Dauer eines Jahres. Weiter ist noch merkwürdig, daß für Odenhausen und Salzböden eine kirchliche Verordnung besteht, wonach ein eheliches Kind ein Recht auf 4 Tauf⸗ zeugen hat, während ein außereheliches deren nur 2 haben darf und diese müssen dazu noch ältere Leute sein. Was kann denn das arme Kind dafür, wenn es unehe⸗ lich zur Welt kommt? Ist das christliche Nächstenliebe einem unschuldigen Kinde in dieser Art einen Makel an⸗ zuheften? Jedenfalls passen diese mittelalterlichen Ge⸗ bräuche nicht mehr in unsere humaner denkende Zeit hinein.(Sollte nicht ein Unterschted bei den unehelichen Kindern gemacht werden, je nachdem die Eltern arm oder wohlhabend find? Wir glauben kaum, daß man beibesseren Leuten es kommen solche Fälle auch in der feinsten Familie vor jene Verordnung in Anwendung bringt. Doch wir stimmen mit dem Ein⸗ sender darin überein, daß man sich vor solchen Unan⸗ nehmlichkeiten am besten durch Austritt aus der Kirche schützt. Anm, d. Red.)

Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain.

x. Verhaftet wurde in Ostende der früher in Marburg ansässig gewesene Buchdruckereibes. Sömmering, der wegen betrügerischen Bankrotts zu einer Gefängnis⸗ strafe verurteilt wurde, dann aber auskniff. Er wurde deshalb steckbrieflich verfolgt. In Belgien ist er eben⸗ falls wegen verschiedenen unlauteren Geschäftsmani⸗ pulationen mit den Behörden in Konflikt gekommen und wenn diese ihre Sachen mit ihm erledigt haben, dürfte er nach Deutschlond ausgeliefert werden,

f. Ein Bureaukratenstückchen war dieser Tage Gegenstand einer Schöffengerichtsverhandlung. Ein Arbeiter eines Nachbardorfes hatte ein polizeiliches Straf⸗ mandat erhalten, weil er ein Bau w erk ohne poli⸗ zeiliche Geuehmigung aufgeführt hatte. DasBauwerk bestand nämlich aus einem Abtritt, der aus einigen Brettern zusammengenagelt war, kein Fundament und kein Dach hatte. Da derBauherr nun der Meinung war, daß zu einem derartigen Bauwerk keine polizeiliche Genehmigung erforderlich sei, hatte er Wider spruch erhoben. Das Gericht beschloß Einstellung des Verfahrens, weil dieStraftat verjährt sei.

Straßentumulte in Frankfurt. In der Frankfurter Altstadt haben am

Dienstag und am Mittwoch Abend Tumulte stattgefunden, die durch einen sehr geringfügigen

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September.

Anlaß entstanden waren. Bei dem Eierhändler Waltuch war ein Bettler hinausgewiesen worden und machte Lärm. Dadurch sammelten sich immer mehr Menschen an, zum großen Teil Zuhälter zꝛc. Die Polizei griff mit blanker Waffe ein, wodurch der Tumult nur noch größer

wurde. Mehrere unbeteiligte Personen sind schwer verletzt. 1 Partei-Uachrichten.

Das Protokoll der Landeskonferenz in Mühlheim ist fertig gestellt. Es wird einzeln per Exemplar mit 5 Pfennige abgegeben. Die Kreisorgani⸗ sationen erhalten das Hundert mit Mark 2.50. Die Kreisvorstände werden hiermit aufgefordert, unver⸗ züglich ihre Bestellungen bei dem Unterzeichneten zu machen.

Offenbach, den 31. August 1906.

Das Landes⸗Komitee: C. Ulrich, Große Marktstraße 23.

Von Preungesheim zurück. Uuser Genosse Oskar Quint, Redakteur der Frkftr. Volksstimme hat am Sonntag das Gefängnis in Preungesheim ver⸗ lassen, in dem er wegen der Konto St.- Affäre ein halbes Jahr hat schmachten müssen. Unser Frankfurter Parteiblatt bemerkt dazu u. a.Selbst wenn man an⸗ nehmen wollte, daß die Kritik, die er an dem berühmten Konto P.& St. geübt, nach bürgerlichen Rechtsbegriffen in etwas zu scharf gewesen sei, so haben doch die späteren Enthüllungen gezeigt, daß sie sachlich nur zu berechtigt war. Ansichts dieser Enthüllungen, der Aufdeckung eines zum Himmel stinkenden Kolonialsumpfes, tritt die Ungeheuerlichkeit der Strafe, die Genosse Quint für seine Kritik erleiden mußte, erst recht voll in die Er⸗ scheinung. Es mag ihn mit Genugtuung und Freude erfüllen, daß in der Zeit der sechsmonatlichen Straf⸗ verbüßung der Stein ins Rollen gekommen ist, durch den die ganze Tippelskircherei aufgedeckt wurde. Heute würde wohl kaum Fürst Bülow für Herrn Kolonial⸗ direktor Stübel nochmals Strafantrag stellen, Diese Tatsache mag unseren Kollegen all die Unbill ver⸗ gessen lassen, die er in den sechs Monaten hat erdulden müssen. Sie wird für ihn ein Ansporn sein, auch ferner rücksichtslos das zu sagen und zu schreiben, was notwendig ist, um dem Volke die Augen zu öffnen über den Klassenstaat und ein Klassensystem schlimmster Art. In dieser Hoffnung heißen wir unseren Kollegen in der preußisch⸗deutschen Freiheit herzlich willkommen!

Versammlungskalender.

Samstag, den 8. September.

Gießen. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig.

Wieseck. Wahlverein. Abends ¼9 Uhr Versamm⸗ lung bei Heinrich Völzel(Zinn). Vollzähliges Erscheinen erwünscht.

Heuchelheim. Arbeiterbild ungsverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Wirt Germer. T.⸗O.: Bericht von der Landeskonferenz und Verschiedenes.

Friedberg. Wahlverein. Abends 29 Uhr Versammlung in derKonkordia. T. O.: Bericht von der Landeskonferenz.

Sonntag, den 9. September.

Reißkirchen. Arbeiter verein. Nachmittags Uhr Mitgliederversammlung bei Wirt Fritzel.

Sonntag, den 16. September.

Alsfeld. Wahlverein. Nachmittags 4 Uhr Ver⸗ sammlung imStadtpark. Tages⸗Ordnung: Die hessische Landeskonferenz.

Freie Turnerschaft Gießen. Abmarsch nach Alten⸗Buseck Sonntag, den 9. September mittags punkt 12 UhrStadt Marburg. Mitglieder und deren Angehörige, welche die Bahn benutzen, versammeln sich 11 Uhr im Vereinslokal(Pfau).

Briefkasten.

H.⸗Mrbg. Wir werden Ihre Einsendung in nächster Nummer noch mit verwenden. Wetzlr. Der Abonne⸗ mentspreis der Oberhessischen Volkszeitung wird 60 Pfg. pro Monat betragen.

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Die ausgeschriebenen Stellen für das Tageblatt sind besetzt. Den Parteigenossen, die Offerten eingesandt haben, danken wir hiermit und bemerken, daß eine weitere Beautwortung nicht stattfindet.

Mehrere Zeitungsträger für Gießen wollen sich melden. Antritt Ende

Die Pretzkommission

Die hessische Landeskonferenz.

(Schluß.)

Ueber die Aenderung des Organi⸗ sattons⸗Statuts referiert Genosse Or b. Er begründet kurz seinen nach dieser Richtung hin gestellten Antrag, der die Beitragsregelung und die rechtlichen Verhältnisse der Mitglieder betrifft. Durch diese Aenderungen soll sich das Statut mehr dem in Jena beschlossenen allge⸗ meinen Partei⸗Statut anpassen. Gegen Orb's Ausführungen wenden sich mehrere Redner; besonders ist man nicht mit der Beitragsregelung einverstanden. Schließlich werden alle Anträge zu diesem Punkte einer Kommission überwiesen, die nach erfolgter Beratung folgende Fassung vorschlägt:

Der Parteibeitrag beträgt monatlich 15 Pfg. Davon sind 3 Pfg.(20%) für den Vorstand der Gesamt⸗Partei bestimmt und 4 Pfg. für das Landeskomitee.

Zur Bestreitung der Kreis- und lokalen Agitation ist ein Mindestzuschlag von 5 Pfg. zu erheben, so daß der monatliche Mindestbeitrag mit Lokalzuschlag 20 Pfg. beträgt. Dieser Zuschlag wird mit dem Parteibeitrag durch Marke mit besonderem Stempelaufdruck erhoben. Zu diesem Zwecke wird eine einheitliche Landesmarke herausgegeben. Diese Marken sind vom Landeskomitee pro Marke zu 3/ Pfg. zu beziehen und pränumerando zu bezahlen.

Die Mitglieder der einzelnen Organisationen haben pro Monat mindestens zwei Marken zu lösen, weibliche Mitglieder nur eine. e

Das Landeskomitee führt pro Mitglied und Monat aus seinen Einnahmen 3 Pfg. an die Gesamt⸗Partei ab, so daß es selbst pro Mitglied und Monat 4 Pfg. zur Bestreitung der Landesbedürfnisse hat.

Diese Fassung wird angenommen und ebenso der Antrag Orb's betreffend die Rechtsverhält⸗ nisse der Mitglieder.

Zum Parteitag in Mannheim refe⸗ rierte Dr. David, der die in letzter Nummer bereits mitgeteilte Resolution beantragte, deren einstimmige Annahme erfolgte. David ging in seinem Referat besonders auf den Massenstreik ein, über den sich in Mann⸗ heim wiederum eine lebhafte Debatte erheben würde und der in den letzten Tagen Gegenstand eingehender Erörterung in der Partei war. Dazu gab besouders die Konferenz der Gewerk⸗ schaftsvorstände Veranlassung, über die kürzlich das Protokoll erschienen ist. Es wurde gesagt, daß die dort gefaßten Beschlüsse im Wider⸗ spruch mit der Jenaer Resolution stünden. Ein solcher Widerspruch besteht nicht. Wenn aber ein solcher vielfach empfunden wurde, so liege das an dem Ton, der in Jena vorge herrscht habe. Dafür zitiert Redner mehrere Ausführungen Rosa Luxemburgs, des Vorwärts, Leipz. Volksztg. u. a. Gewiß, der Masseu⸗ streit ist unser gutes Recht. Und die Jenaer Resolution sagt, daß er gegebenen⸗ falls zur Anwendung kommen soll. Wie stellt man sich aber seinen Verlauf vor? Viel⸗ fach geht die Auffassung dahin, daß der Massen⸗ streik der Aufang zum Straßenkampse sei. Das ist falsch. Wir werden und müssen dieses Kampfmittel durchaus gesetzlich anwenden. Wir müssen die Massen so erziehen, daß Kon⸗ flitte mit dem Militär ausgeschlossen sind. Dazu ist eine gute Organisation nötig. Eine Diskussion darüber halte er für überflüssig. Diese arte oft in eine Disputtererei aus. Manche 11 7 sich bedenklichen Illusionen hin. Mit

egeisterung allein sei es nicht getan. Redner schildert die verhängnisvollen Folgen, die ein Massenstreik für das Volk mit sich bringen müsse, wenn er ohne die nötige Vorbereitung unternommen würde. Darum keine Stimmungs⸗ politik, sondern nüchterne Ueberlegung, ver⸗ nünftige Taktik! Von einzelnen sei Revolutions⸗ romantik getrieben worden. Redner polemistert gegen verschiedene Aeußerungen Kautskys, der meinte, daß sich die Gegensätze überall zuspitzten. Wir wollen durch die Gewerkschaft die Menschen heben und ebenso wollen wir das durch vernünftige Resormen. Bebel hat auch 155 eine solche reelle Politik getrieben und

erbesserungen herbeizuführen versucht. Wir müssen in Mannheim zu einer Verständigung über die Massenstreikfrage kommen, die bestehen⸗ den Differenzen ausgleichen. Und damit solche

in Zukunft vermieden werden, muß die Partei

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