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rückt, sondern mehr als jemals bei gesundem
der Streit damit in der Tat aus war. Der
gleich, daß ein Mensch, der sich so benahm, ihm in
— der Bursch hatte ihm Respekt eingeflößt; er auch was von ihm hatte. Dieser Gedanke
umhin, gegen den„verfluchten Kerl“ sogar
der wiedereroberten Ehre— die schöne Sicher⸗ daß er sein Glück ein für allemal geschmiedet
Wer hätte so brutal sein können, gegen den
—
Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung.
Seite 7.
Tobias, mit eiuer Sicherheit, als ob er un⸗ ahbar geworden und keine Gewalt der Erde ihm mehr was anhaben könnte, legte die Schere weg. Seine Gesichtszüge milderten sich, seine Augen blickten in schönem Glanze immer ver⸗ und das angenehmste Selbstbewußt⸗ aus dem hübschen Gesicht. Ruhig ging er in die Küche, brachte eine Schüssel mit Wasser zurück, wusch sich die Rechte, nahm aus dem Wandschränkchen ein Pflaster heraus und beklebte die Wunde. Dann ergriff er die Schere, mit der er so große Dinge getan hatte, einen Moment wohlgefällig, wusch auch sie und legte sie sorgfältig getrocknet auf den Tisch. Der Alte sah ihm schweigend zu; er sah das Vernünftige, Bedachtsame seines sah, daß er nicht nur nicht ver⸗
Verstand sei.— Er hatte verspielt.
Wer das menschliche Herz kennt, weiß, daß Alte hatte ein Versprechen gegeben, einen Schwur Durch die Klagrede des Sohnes über
sein eigenes Unrecht aufgeklärt, fühlte er zu⸗
dieser Sache nicht mehr nachgeben und daß die Erneuerung dieser Gewaltsamkeit ihm zu nichts führen würde als allenfalls zu häus⸗ lichem Unglück. Was aber die Hauptsache war
hatte gezeigt, daß er sich auch rühren konnte, wenn man's ihm zu arg machte— daß er doch nicht bloß der Mutter nachschlug, sondern
schmeichelte dem Vater, und er konnte nicht
eine gewisse Neigung zu empfinden. Zu alledem kam noch die Anmut des Sohnes, die Folge
heit, der kindliche Glaube, der aus ihm sprach, und von jetzt an nur gute Tage möglich seien.
Unbewaffneten die physische Uebermacht zu ge⸗ brauchen und ihn aus dem Himmel so schöner Freude wieder herabzustürzen? Ein normaler Rleser wenigstens nicht! In einem solchen stieg der Humor auf, der zu denken vermochte: „Hol die ganze Geschichte der Teufel!“
Während Tobias die abgetrocknete Schere weglegte, sah der Alte mit tragikomischem Lächeln in der Stube umher. Auf die Splitter und Scherben deutend, sagte er:„Da kann ich mir jetzt eine neue Einrichtung kaufen.“
Der Sohn entgegnete mit Würde:„Das geht dich nichts an, Vater! Ich hab' die Sachen zerschlagen, und ich schaff' sie auch wieder an — bon meinem Gelde!“
„So, so,“ versetzte der Alte.„Nun, du kannst freilich zahlen— du bist jetzt ein Kapi⸗ talist!“
Tobias sah ihn auf diese Rede zugleich schelmisch und gutmütig an und sagte:„Vater, nimm die Sach', wie sie ist. Du hast deinen Willen oft genug durchgesetzt, die Reih' hat einmal auch an mich kommen müssen. Bedenk, daß ich vierundzwanzig Jahr' alt bin und daß es für dich eine größere Ehr' ist, nenn dein Sohn Haar auf den Zähnen hat, als wenn er ein Tropf wär' und sich alles gefallen ließe. Beim Teufel! Courage muß man haben, dann setzt man seine Sachen durch! Du sollst sehen, wie's mit mir vorwärts gehen wird, und nicht reuen, sondern freuen wird es dich, daß Du mir nachgegeben hast!“
Der Vater zuckte die Achseln und sagte: „Wir wollen sehen!“
Die beiden Schneider waren so ausschlteß⸗ lich mit sich beschäftigt, daß ste einen Trupp Menschen, der sich auf der Gasse angesammelt hatte, durch die freilich kleinen, etwas trüben und überdies von Geranien verdunkelten Fenster entweder nicht wahrnehmen oder wenigstens nichts darauf gaben. Jetzt aber mußten ste emporsehen— die Tür ging auf, und die Wal⸗ purg trat ein, mit allen Zeichen des Schreckens in ihrem Gesicht.
Die Haushälterin war bei dem Krämer
des Ortes, der am andern Ende des Dorfes sein Haus hatte. Wie sie eben nach abge⸗
schlossenem Kaufe mit dem Weibe desselben noch eine gemütliche Plauderei begann, ging ein Bauer vorbei, sah die unter der Tür Stehen⸗ den und rief:„Walpurg, macht, daß Ihr nach Hause kommt, sonst schlägt Euer Alter den Tobias noch gar tot! Es geht fürchterlich zu bei Euch!“ a
„Um Gottes Himmels willen,“ rief das gute Weib und eilte, was sie eilen konnte.
Wie sie den Haufen Menschen vor ihrem Hause sah, erschrak ste dermaßen, daß sie bei⸗ nahe nicht mehr gehen konnte. „Nun,“ rief sie einer Alten zu,„was ist's denn?“
„Jetzt ist's wieder ruhig,“ sagte diese,„aber,“ fügte sie mit einem Schauerton hinzu,„da ist's
arg hergegangen! Weiß Gott, was du sehen
wirst da drinnen!“ Die Walpurg bebte am ganzen Leibe; aber
Pflichtgefühl und Neugier stegten über ihre
Furcht, und sie ging ins Haus.
Wie sie den Tobias dastehen sah, atmete sie auf: es war wenigstens nicht zum Totschlag gekommen! Aber sie sah die Zerstörung in der Stube, sie sah Milch und Blut auf dem Boden, sah das Pflaster an der Hand des Tobias— das Verbrechen des Alten war klar! Und nun mochte es gehen, wie es wollte— ste mußte reden und dem Alten sagen, was er für ein Mensch sei. Indem sie die tiefste Mißbilligung auf ihrem Gesicht ausdrückte, rief ste:„ Ist jetzt das auch recht, sein eigenes Kind so zu behandeln— einen Menschen in dem Alter so zu schlagen, daß das Blut in der Stube herum⸗ läuft? Das ist gottvergessen! Und wenn Ihr mich gleich aus dem Haus jagt, so muß ich Euch sagen—“
Das Angesicht des Tobias hatte sich bei diesen Worten erheitert, und der Alte fiel mit humoristischem Unmut ein:„Sei ruhig mit deinem dummen Geschwätz! Ich bin froh, daß er mich nicht totgeschlagen hat, der Blitzkerl!“
„Ja, ja, Bas“, fügte Tobias lächelnd hinzu, „dasmal ist's anders gegangen, als Ihr meint. Ich hab' den Spieß umgedreht!“
„Ach, das ist nich: möglich?“ rief ste.
„Nicht möglich?“ fragte Tobias, indem er die Stirn runzelte.„Warum nicht möglich?“
„Nun weil—“ entgegnete das Weib, in⸗ dem ste lächelnd ihren Blick von ihm zum Vater gleiten ließ.
„So,“ versetzte Tobias,„Ihr glaubt, daß ich nichts durchsetzen kann? Ihr haltet mich für einen elenden Kerl?“
„Gieb dich drein, Walpurg,“ rief der Vater, „und mach ihn nicht bös, sonst geht es über
ich her!“ 3(Fortsetzung folgt.)
Hund und Arbeiter.
Es ist Abend. Ich liege im Fenster und schaue in den prachtvollen Garten meines Nach⸗ bars hinab. Ruhe.— Nur die Bäume flüstern. In der mit Klematis umrankten Laube Tellerge⸗ klirr. Nun ein Geheul wie von einem getretenen Hund. Leises Sprechen Fast wider Willen spitze ich die Ohren und lausche:„Mußt nicht Anna, ein Tier hat doch auch Gefühle.“ Du solltest man lieber eine Karte an den Schinder schreiben, damit er den Köter abholt.
„Aber Frauchen, das kann doch dein Ernst nicht sein,— Nero dem Schinder übergeben.. — 21— Aber nein, das wäre undankbar, das wäre roh. Bedenke, Anna, 17 Jahre haben wir ihn schon, 17 Jahre hat er treu unser Haus bewacht und mir auf der Jagd Dienste geleistet, die ich nimmer vergessen...“
„Das hat er, aber für das Gewesene giebt der Jude nichts. Bedenke nur, heute morgen kam ein Bettler in den Vorgarten, meinst du, daß er auch nur einen Ton von sich gab? und was wollen wir mit einem solchen Hunde? Füttern für nichts?“
„Du bist hart und herzlos!“
Dieselbe Stimme leise, wie seufzend:„Ja, ja, Undank ist der Welt Lohn“ Dann zärtlich und schmeichelnd:„Komm Nero, komm mein Jungecken.— Hast gehört, was Muttern sagte? Aber beruhige dich: so lange ich leb', soll dir
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kein Haar gekrümmt werden. Du hast ja auch dein Gnadenbrod redlich verdient.“
Schweigen und Tellergeklirr Es öffnet sich die Haustür, heraus tritt ein haubengeschmücktes Dienstmädchen, welches mit schnellen Schritten zur Laube geht und in 0 Arber
„Ein Arbeiter wünscht den Herrn zu sprechen.“
„Mich“ Herrn zu sprech
„Ja, gnädiger Herr.“
„Was ist denn das wieder für'n Kerl.“
„Derselbe der gestern da war.“
„Ah, der alte Frerking. Sagen Sie ihm nur, ich sei nicht da.“
„Ja— aber ich habe schon gesagt, daß der gnädige Herr da seien.“ g
„Dummes Ding— na dann sagen Sie ihm meinetwegen, Sie hätten sich geirrt, ich wäre doch bor, kurzem fortgegangen. Verstanden?“
„Id.
Das Mädchen verläßt die Laube und geht ins Haus.
„—, Wie dumm und frech doch diese Menschen sind.— Läuft sich fast die Beine aus, um wieder bei mir in Arbeit zu treten. Beruft und stützt sich darauf, daß er fast 30 Jahre in meiner Fabrik gearbeitet hat, grad als wenn ich Schuld sei, daß die Zeit so schnell Berge!
„Warum hast du ihn denn entlassen?“
„Warum? war schon zu alt, zu alt, konnte nicht mehr das leisten, was junge Leute spielend machen können. Man kann doch nicht verlangen, daß ich ihn bis an sein Ende durchfüttere...“
Heinrich Kleukens.(Bremer Bürg.⸗Ztg.)
2—
Splitter.
Erziehung ist das größte Problem und das schwerste, was dem Menschen kann aufgegeben werden. Die Einsicht hängt von der Erziehung, sic 1 hängt wieder von der Ein⸗
ab.
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Humoristisches
Gleiches Los.„Nun, Meier, wie kommen Sie sich denn jetzt vor? Früher der reiche Mann und jetzt in so kleinen Verhältnissen!“—„Wie soll ich mer vorkommen?... Wie Napoleon! Beide haben mer ge⸗ habt in Leipzig e Niederlag' und beide sind mer daran zugrund gegangen!“
Die beiden„Bäche“. A.: Weißt du, welche Fluͤsse im letzten Jahre die meisten Opfer gefordert haben?—
B.: Na, die Oder und die Elbe wohl!
A.: Keine Spur! Der„Forbach“ und der„Breiten⸗ bach“,(Südd. Postill.)
Litterarisches.
„Nieder mit den Sozialdemokraten“ von Wilhelm Bracke ist soeben in neuer Ueberarbeitung von unsrem Parteiverlage, Buchhandlung Vorwärts, Berlin, herausgegeben.„Nieder mit den Sozialdemokraten“ ist eine der ältesten, aber noch immer wirkungsvollen Agi⸗ tationsbroschüren für die ländliche Bevölkernn g. Bracke hat die landläufigsten Vorwürfe, die gegen unsre Partei erhoben werden, in volkstümlicher, allgemein verständliche r Weise widerlegt. Die Märchen vom„Teilen“, von der „Zerstörung der Familie und Religion“, die auch heute noch in entlegenen Gegenden von unsern Gegnern kol⸗ portiert werden, werden in überzeugenden Worten zurück⸗ gewiesen. Der Einzelpreis ist 10 Pfg. Zu beziehen von der Exped. der„Mitteld. Sonut.⸗Ztg.“
Geschichtskalender.
28. Februar. 1890: Berufung der Internatio⸗ nalen Arbeiterschutz⸗Konferenz.
1. März. 1864: Lasalles„Offenes Antwort⸗ schreiben“ veröffentlicht.
2. 1903: Wahl eines sozialdem. Bürgermeisters in Kopenhagen. 1892: Erste Lex Heinze vor dem Reichs⸗ tage. 1861: Bauernbefreiung in Rußland
3. 1896: Grubenkatastrophe in Kattowitz, 106 Tote. 1806: Roßmäßler, demokratischer Politiker in Leipzig,“
4. 1895: Professor Giczykt, Ethiker in Berlin, 5. 1871: Erste Wahlen zum deutschen Reichstage.
5. 1894: Minister Bronsart verteidigt Faustrecht und Duell im Reichstage.
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