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Nr. 52.

Mitteideutsche Sonntoas⸗Zeitung.

Eile 5.

Arbeiter wieder dazu beitragen, die Kasse des Gaswerks zu füllen. Bei der Debatie über diesen Etat verlangte Dr. Herr ganz mit Recht Einführung von Wassermessern. Was er aber sonst über den Wasserverbrauch sagte, stimmt entschleden nicht. Wenn er 3. B. sagt, in größeren Häusern gehe man sparsamer mit Wasser um, so müssen wir dahinter ein großes Fragezeichen machen. Und wenn er dann weiter allgemein empfiehlt, mit dem Wasser zu sparen, so steht das doch im Widerspruch mit den Geboten der Gesundheitspflege. Wasserverschwendung ist gewiß zu verurteilen, Wasserspursamkeit aber auch nicht zu empfehlen. Für genügend Wasser muß das Gemeinwesen in erster Linie sorgen.

* Herr Fanz Behrens, der zukünftige Stöcker'sche Reichstagsabg. für den Wahlkreis Wetzlar— bekanntlich wollen die Stöckerianer das nächste Mal den Kreis er⸗ obern— war bekanntlich früher Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Gärtnervereins. Seine Tätigkeit als solcher war dieser Tage Gegenstand einer Verhand⸗ lung vor dem Schöffengericht Berlin I. In Herbst 1903 beschlossen die 1 itglieder dieser Organisation in einer Urabstimmung mit großer Mehrheit den Anschluß an die Generalkommission der Gewerkschaften. Behrens trat darauf von seinem Amte zurück, um nach christ licher Gepflogenheit eine Zersplitterung der Organisation der Gärtnerarbeiter zu betreiben. Sein Nachfolger im Amte, der frühere Redakteur des Fachblattes Otto Albrecht fand nun die Geschüftsführung, wie sie Behrens beliebt hatte, in geradezu un verantwortlichem Zustand vor. Aus den Büchern war erst nach schwerer Mühe ein Einblick in die Verhältnisse der Organisation zu ge⸗ winnen, die verschiedenen Buchungen waren durcheinander⸗ geworfen, Zweigvereine anstatt für Summen debitiert zu werden kreditiert und umgekehrt usw., kurz die ganze Geschäftsführung war, wie man zu sagen pflegt,„gänzlich perlottert“. Da die Mitglieder des Verein natur gemäß Rechenschaft über die Lage der Geschäftsführung zu fordern berechtigt waren, so mußte der neue Geschäfts⸗ führer Albrecht diese im Verbandsorgan der„Allgemeinen Deutschen Gärtnerzeitung“, bloßlegen. Behrens ant⸗ wortete hierauf mit einer Flut von gemeinen Bes chi mpf⸗ ungen und warf A. vor, die Urkunden über den Ver⸗ bleib der Bücher vernichtet zu haben und dergleichen mehr. Es ent wickelte sich eine heftige Polemik und schließlich führte diese zu einer Beleidigungsklage vor obigem Gericht. Albrecht, durch Rechtsanwalt Dr. Lieb⸗ knecht vertreten, erklärte sich zu einem Vergleich bereit unter der Bedingung daß die rein sachliche Seste seiner Ausführungen bezüglich der verwahrlosten Geschäfts⸗ führung des Herrn Behrens unberührt blieb. Behrens ging hierauf ein, so daß ein Vergleich zustande kam. Damit bleibt das, was A. bezüglich der Behren'schen Geschäftsführung festgestellt hat, bestehen.

h. Agitation skalender sind noch in verschie⸗ denen Orten zu verteilen. Wer irgend kann, trete zur Partelarbeit an. Zu melden bei Fauth, Mühlgraben⸗ straße 9.

„Seht wie hübsch, ihr guten Leute! Folgendes ließ sich kürzlich der Wetzl. Anz. aus Braunfels schreiben:

„Unser junger Fürst Georg Friedrich welcher zur⸗ zeit in Italien weilt, feiert heute seinen 1 4.(wier⸗ zehnten! Red. d. M. S.⸗Z.) Geburtstag, Aus diesem Anlasse findet heute abend 8 Uhr im„Solmser Hof“ ein Festkommers statt“.

Ein Verständiger lacht ja über derartiges, es ist aber zum Heulen.

. Gefährliche Beschlagnah me. Kürzlich nahm der Gensdarm Bechstein in einem Steinbruch bei Oden⸗ hausen eine Quantität Dynamit weg, weil es nach seiner Meinung nicht vorschriftsmäßtig aufbewahrt war. Er brachte das gefährliche Zeug im Spritzenhaus unter! Dort könnte unseres Erachtens weit eher ein Unglück passieren als in dem Steinbruch, selbst wenn es hier nicht„vorschriftsmäßig“ lagerte.

Westerwald und Anterlahn.

2 angenaubach. Schon öfter mußten an dieser Stelle— als Hort für Wahrheit und Recht— die traurigen Zustände auf der Grube Constanze zu Tage gebracht werden. In dem Reich des Gruben⸗ paschas Va h! enstec herrscht nach 8 11 der Arbeits⸗ ordnung eine 13 stündige Arbeitszeit, dabei werden in § 12 die armen Lohnsklaven daran erinnert, daß, wenn sie über diese 13slündige Schichtzeit arbeiten wollen, sie Genehmigung einholen müssen und in 8 14 werden dieselben zu einer weiteren/ Stunde verurteilt und müssen 15 Minuten vor und nach der Schicht zur Ver⸗ lesung da sein, also 13½ stündige Arbeitszeit. Die Löhne und Arbeits verhältnisse sind erbärmlich. Die Einlader verdienen Mk. 2.40 und die Steinbrecher 2.63 bis 2.93 und die armen Bergknappen sind froh, wenn der Durchschnittslohn Mk. 1.60 pro Schicht beträgt. Bei dem Brecher wird aber vom Lohn noch der Geldbetrag für den verschossenen Dynamit abgerechnet. Arbeiter⸗

nuten vom Steinbruch entfernt. Die Schutzbude(für die Arbeiter während dem Schießen) ist notdürftig zu⸗ sammengeflickt von alten Eisenbahnschwellen, sogar von 2 Seiten offen— also nicht im Geringsten zum Schutz hinpeichend. Die Einlader müssen bei Dunkelheit auf der Mittelsohle bei einer Beleuchtung von— zwei Benzinlämpchen arbeiten.— Ein Arbeiter⸗Ausschuß eplstiert auch, aber ist seit Jahren noch nicht zusammen⸗ getreten, ebenso hat für die nicht mehr auf der Grube arbeitenden Arbeiterausschußmitglieder noch keine Ersatz⸗ wahl stattgefunden. Natürlich hat die famose Arbeits⸗ ordnung auch Strasbestimmungen; Strofgelder sollen in die Arbeiter⸗Unterstützungskasse des Werkes fließen. Von einer Unterstützungskasse hat noch kein Arbeiter etwas gemerkt, desto mehr aber von den Strafen. Kürzlich wurden einige Arbeiter mit 2 Mk. bestraft, weil sie auf einem Feldweg gesungen hatten! Andere vier Mann bekamen 5 Mk. Lohnabzug, weil„angeblich“ durch ihre Schuld ein Muldenwagen entgleist war. Diese Strafen verstoßen sogar gegen die Arbeitsordnung, wonach sie nicht mehr als die Hälfte des durchschnitt⸗ lichen Tagelohns betragen dürfen. Die Gewerbeordnung scheint der Verwaltung überhaupt gänzlich unbekannt zu sein.— Muckt sich ein armer Sklave mal im Geringsten, flugs fliegt er raus. Die in Aubach bestehende christ⸗ liche Gewerkschaft,„Arbeiter⸗Verein“ genannt, dessen Vorsitzender Dr. Burkhardts intimer Freund ist, tut nicht das Geringste gegen diese Knebelungen. Nur Beten!— Den Arbeitern kann nicht anders geraten werden, als sich in freien Gewerkschaften zu organisieren und so vereint die Beseitigung der Mißstände herbeizu⸗ führen.

. Die Spielerei mit Schußwaffen hat am Freitag voriger Woche wieder ein Opfer in Rodenroth bei Herborn gefordert. Ein dort zu Besuch weilendes 24 jähriges Mädchen wollte bei dem Bäckermeister Theismann Brot holen. Nach einem Be richt des Herb. Tagebl. sollen dabei dort Anwesende einen Revolver herumgezeigt haben, wobel sich ein Schuß entlud und das Mädchen tötlich traf.

aus dem Nreise Marburg-Rirchhain.

r. Konsumverein. Die am Sonntag stattge⸗ fundene Generalversammlung war sehr gut besucht. Der Geschäftsführer gab zunächst Bericht über das verflossene Jahr. Mit Genugtuung konnte er mitteilen, daß sich der Umsatz seit dem letzten Jahre verdoppelt habe. Die Mitgliederzahl betrug am 1. Oktober 403. Der Verein errichtete im Berichtsjahre eine eigene Bäckerei, zwei neue Verkaufsstellen, sowie eine Bierabfüllerei, Der Kampf nach außen, daß heißt mit den Kleinkrämern und Bäckermeistern, war überaus heiß. Die Bäcker⸗ meister setzten bekanntlich die Bro preise plötzlich herab, wodurch der„Brotkrieg“ entstand. Die Konsum⸗Bäckerei hatte selbstverständlich auch unter den Anfängerkrank⸗ heiten zu leiden, die es verursachten, daß dabei im Berichtsjahre kein Ueberschuß erzielt werden konnte. Glücklicherweise sei jetzt alles überstanden und man könne mit Zuversicht der Weiterentwicklung der Bäckerei ent⸗ gegensehen.— Auch die Kaufleute in Marburg versuchten auf allerhand Art den Konsumverein zu schädigen, was auch schon früher in der M. S. 3. mitgeteilt wurde.— An dem Bericht des Ges äftsführers schloß sich noch eine rege Debatte. Sämtliche Redner erkannten an, daß

„die finanzielle Grundlage der Genossenschaft eine solide

sei und gaben ihrer Freude über ihre günstige Entwick⸗ lung Ausdruck.— Bezüglich der Verteilung des Rein⸗ gewinnes wurde beschlossen, daß 3 Prozent Rückvergütung auf bezogene Waren und 4 Prozent Zinsen auf die Geschäftsanteile vergütet werden sollen.— In den Auf⸗ sichtsrat wurde Herr Werner gewählt— Ferner wurde die Anstellung eines Geschäftsführers erörtert und eine Resolution angenommen, worin der Aufsichtsrat ersucht wird, in der nächsten Versammlung einen defini⸗

tiven Antrag einzubringen.— Im Verschiedenen wurden noch verschiedene Wünsche seitens der Mitglieder hervor- gebracht.

r. Ein besonderes Weihnachtsgeschenk er⸗ hielt eine Anzahl Holzarbeiter des Bauunternehmers EEK ˙²˙

schutzgesetze scheinen für die Verwaltung nur auf dem Papier zu bestehen— der Abort ist z. B. za. 5 Mi⸗

W Weishaupt. Denselben wurde mitgeteilt, daß sie am Weihnachtsvorabend ihre Arbei sstätten verlassen müssen. Warum sie gerade zum heiligen Christfest auf die Straße geworfen werden, darüber haben die Be⸗ troffenen vergeblich nachgedacht. Der Unternehmer wird sich darüber wohl gar keine Gedanken machen und sich in seinem— hoffentlich— christlichen Gemüte nicht im Geringsten beunruhigt fühlen,

a, Ein Waschfrauenstreik. anstalt Ochs stellten kürzlich die dort beschäftigten Waschfrauen die Arbeit ein, weil ihre Forderung auf 1.80 Mk.— schreibe eine Mark achtzig Pfennige— nicht bewilligt wurde, Bisher erhielten sie nur 1 50 Mk. neben der Kost. Nachdem der Streik einen Tag ge⸗ dauert hatte, wurde die Forderung bewilligt. Den tapferen Frauen ist der Erfolg gewiß zu gönnen und an ihrem Verhalten köunen sich viele Männer ein Bei⸗ spiel nehmen. i..

In der Wasch⸗

Ein Familiendrama hat sich anscheinend in Maulbach bei Homberg a. d. Ohm abgespielt. Dort wurde am Mitt⸗ woch früh eine ganze Familie, Eltern nebst zwei Töchtern tot aufgefunden. Ob Mord oder Selbstmord vorliegt, ist noch nicht bekannt.

Messerstecherei der Streikbrecher.

Vor denn Schöffengericht in Mainz standen die Maurer Joseph Schumacher und Ludwig Keim aus Weisenau, die während der letzten Aussperrung im Juni gearbeitet hatten. Nach einem Feierabend gerieten sie mit zwei Ausge⸗ sperrten in einer Wirtschaft der Neutorstraße in Streitigkeiten. Auf dem Heimweg überfielen die Arbeits willigen die ausgesperrten Maurer und mißhandelten sie. Bet dieser Gelegenheit hatte Schumacher von dem Messer Gebrauch gemacht und einem der Gegner einen Stich versetzt. Das Gericht verurteilte Schumacher zu 2 Monaten und Keim zu 3 Tagen Gefängnis. Diese für den Staat nützlichen Elemente sind ja außerordentlich billig davon gekommen.

Furchtbares

Unglück bei Sprengarbeiten.

In der Nähe von Olshausen(bei Kassel) wurden durch das Pionierbataillon von Hau⸗ növerisch⸗Münden Sprengarbeiten vorgenommen. Plötzlich explodiert. eine Mine vorzeitig und es wurden der Oberleutnant Neumann, ein Pionier und Vizefeldwebel Sachs in Stücke gerissen. Der General war dabei auwesend.

Ein schweres Bauunglück

hat sich am Samstag in Bremerhaven er⸗

eignet. Der dort in der Kaiterstraße von dem Maurermeister Platow aufgeführte fünfstöckige Neubau stürzte nachmittags 3½ Uhr plötzlich zusammen. Fünfzehn Arbeiter sind der Katastrophe zum Opfer gefallen. Bis Sonntag Nachmittag wurden 10 Tote aus den Trümmern hervorgezogen, während vier weitere Vermißte trotz der angestreugtesten Rettungsarbeiten nicht aufgefunden werden konnten. Ursache des Un⸗ glücks soll mangelhafte Fu ndamentierung sein; es wurden in dem sumpfigen Grunde kaum 4 m lange Rammpfähle verwendet, während fester Grund erst in einer Tiefe von 15 m vorhanden ist.

Briefkasten.

Bersrod. Wir haben von Veröffentlichung der Sache Abstand genommen. Wenn der Mann in den Graben fällt, so hat das weiter kein Interesse für die Oeffentlichkeit und uns soll es auch wenig genieren,

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wenn er ab und zu auf die Sozialdemokratie schimpft.

Lassen wir ihn schimpfen.

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