ar jählen dern treff

Kohf⸗ daß eiter 8 ge⸗

r zu⸗ 5 der rückte harten guteß Nadel

auc d am lauen 0 sch dell black

chen dann

Abel

Daf ul

5 Nr. 14.

Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung

Seite 7.

Eltern sind durchaus nicht selten, die jedem leisesten Verdacht, daß sie ihr Kind nicht sorg⸗ fältig genug erziehen, durch die Verstcherung begegnen:Und was die Schläg' kriegt, und alles umsonst.

Die Frage, ob es ohne die Schläge nicht vielleicht besser ginge, legen sich solche Eltern selten vor. Dabei sind aber jene, die wirklich nur von einem falschen Pflichtgefühl durch⸗ drungen ihre Kinder schlagen, die selteneren. Die meisten Eltern schlagen ihre Kinder, weil sie selbst schlechter Laune, durch Mühe und Sor⸗ gen ungeduldig sind. Auch weil sie und die Kinder sich gar nicht recht verstehen und sie sich die Mühe in das Seelenleben der Kleinen einzudringen, weder geben wollen noch geben können. Manchmal entspringt aber auch die Roheit gegen die Kinder dem Bedürfnis der Eltern, die selber unterdrückt, geplagt und ge⸗ peinigt sind, andere zu unterdrücken und zu peinigen. Diesem Drang würden nur ganz schlechte Menschen, also nur sehr wenige nach⸗ geben, wenn sie sich über ihn und seine Ab⸗ scheulichkeit klar würden. Aber das Vorur⸗ teil, daß Kinder zu schlagen ein erzieheri⸗ sches Werk sei, verhüllt ihre rohen Triebe vor dem eigenen Gewissen und bewirkt so, daß sie diesen Trieben nachgeben.

Viele Eltern sind ehrlich genug, nicht zu behaupten, daß sie das Wohl ihrer Kinder im Auge haben, wenn sie diese prügeln, sondern sie führen zu ihrer Rechtfertigung nur an, daß die Kinder sie zu ärgern pflegen. Mögen solche Eltern sich aber doch einmal selber fragen, ob nicht Erwachsene, Vorgesetzte sowohl als Gleich-

gestellte, sie auch oft ärgern, ohne daß ihnen auch nur einfiele, dafür zu einem Schlag aus⸗ zuholen. Erwachsene schlägt man eben nicht, weil die sonst zurückschlagen oder die Sache sonst üble Folgen haben kann, wogegen die Roheiten an wehrlosen Kindern straf⸗ los bleiben. Jast alle Eltern wollen ihren Kindern als

vorzügliche Menschen erscheinen und die meisten geben sich der Täuschung hin, daß sie ihnen auch wirklich unter allen Umständen so erschei⸗ nen, mögen sie wie immer reden oder handeln. In Wahrheit aber beobachten die meisten Kin⸗ der sehr scharf und denken sehr logisch. Es fällt ihnen gar nicht ein, den Vater, der wegen einer kindischen Verfehlung, ohne viel wie und warum zu fragen, auf sie losschlägt, für den Inbegriff der Gerechtigkeit und Güte zu halten. Sie halten ihn vielmehr für eine feindliche Ge⸗ walt, vor der man sich schützen muß, so gut es dem Schwachen gelingen mag: durch List und Verstellung, durch Täuschung und Lüge, ganz wie es die Schwachen unter den Er⸗ wachsenen den Gewalthabern gegenüber tun und zu tun vollauf berechtigt sind. Alle Eltern möchten von ihren Kindern ge⸗ liebt werden, aber die wenigsten wissen, wie groß die Gefahr ist, sich die Liebe und das Vertrauen des Kindes zu verscherzen. Unge⸗ rechtigkeit und Härte erwecken immer und unter

allen Umständen Widerwillen und Mißtrauen,

auch bei dem Kinde. Freilich haften die Ein⸗ drücke im Bewußtsein des Kindes nicht sehr fest. Bald ist der peinliche Vorfall wieder halb

vergessen und ein bischen Güte und Humor

bon Seiten der Eltern stellt das alte Verhältnis scheinbar wieder her. Scheinbar, denn in Wirk⸗

lichkeit ist immer ein Stückchen Liebe vernichtet 1 worden und noch mehr ein Teil Vertrauen verloren gegangen.

a Nun erwächst aber ein großer Teil der Fehler, die Kinder zu begehen pflegen, wie

auptsächlich das Lügen und die Unfolgsamkeit,

aus einem Mangel an Vertrauen zu den El⸗ lern. Leicht ist es allerdings nicht, das Ver⸗ lauen eines Kindes in dem Maße zu gewinnen, us es kein Geheimnis vor dem Erzieher hat, und daß es nicht nur bei ihm Teilnahme sucht für alle Unbill, die ihm von dritten widerfährt, bondern daß es sogar jeden leisesten Zweifel an der Gerechtigkeit oder Einsicht des Erziehen⸗ den diesen gegenüber zu äußern wagt. Und bas wäre unbedingt anzustreben. Ein Kind, dem in zahlreichen Fällen die Gründe, warum es auch unangenehme Pflichten erfüllen oder auf die Gewährung eines Wunsches verzichten

muß, in einer liebevollen und ihm begreiflichen Weise erklärt worden sind, von dem kann man nicht nur mit Recht, sondern auch mit Erfolg verlangen, daß es in jenen Fällen, die sich seinem Verständnis entziehen, ohne weiteres gehorcht, aus Vertrauen zu dem, der ihm den Befehl erteilt, ja sogar, um diesem einen Be⸗ weis seines Vertrauens zu geben.

Es handett sich nicht darum, begangene Fehler zu bestrafen, sondern das Kind nicht schuldig werden zu lassen, ihm die Fehler zu ersparen. Wurde aber ein Fehler begangen, dann werden bei dem Kind, das noch nicht durch rohe Behandlung verdorben worden ist, eine strenge Miene und ein ernstes Wort ge⸗ nügen und umsomehr genügen, je mehr das Kind sonst an Liebe und Freundlichkeit gewöhnt ist. Viel schwerer ist es natürlich, solche Kinder zu behandeln, denen von Anfang an ungleich⸗ mäßig, ungeduldig, unfreundlich oder gar hart begegnet wurde und die dadurch zugleich miß⸗ trauisch und stumpf gemacht worden sind. Aber auch die können durch Härte nicht gebessert werden.

Man sehe einmal das Gesicht eines Men⸗ schen an, der ein Kind schlägt, und entscheide dann, ob aus diesen Zügen pflichtbewußte, sich selbst überwindende Liebe, oder ob nicht viel⸗ mehr üble Laune, unbesonnener Jähzorn, wenn nicht gar rohe Grausamkeit daraus spricht.

Der große russische Dichter Dostojewskt, der inDie Brüder Karamassow, die Leiden von Kindern, die durchgebildete Eltern miß⸗ handelt werden, in herzzerreißender Weise ge⸗ schildert hat, zeigte uns einen Vater, der voll pädagogischer Würde zur Rute greift, da aber das geängstigte Kind sich instinktiv windet und zur Wehre setzt, in immer heftigere Erregung kommt, bis er wie sinnlos auf das arme, zarte, zuckende und zappelnde Körperchen losschlägt. Und das dürfte öfter vorkommen. Manche Prügelaktion wird noch mit einiger Besonnen⸗ heit begonnen, aber der rohe Akt wirkt schon, während er vor sich geht, so verwildernd auf den Täter ein, daß er nicht Maß zu halten weiß. Nicht einmal das Maß, das er für rich⸗ tig hält, denn ein wirklich richtiges Maß giebt es da nicht, das besteht eben im Nicht⸗ schlagen.

Das Kind ist ja nicht nur körperlich, son⸗ dern auch geistig schwach, hilflos und nur allzu eindrucksfähig. Es ist gar nicht so schwer, es zu leiten. Wer erinnert sich nicht aus seiner Kindheit, daß er Ehren, wie zum Beispiel die Schultafel abzuwischen oder von den andern Schülern der Klasse die Aufgabenhefte ein⸗ sammeln zu dürfen, gar heiß ersehnt hat. Ich kannte ein kleines Mädchen, das es als schwere Strafe empfand, wenn es an einem Abend dem heimgekehrten Vater nicht die Pantoffel bringen durfte. Einem vierjährigen Knaben wurden, wenn er unartig gewesen, mit großer Feier⸗ lichkeit die erst kürzlich erlangten Höschen aus⸗ gezogen und wiederMädelkleider angelegt.

Weniger Strenge und mehr Humor den Kindern gegenüber, das wäre überhaupt den meisten Leuten zu empfehlen.

Wenn es aber jedem Menschen als Unver⸗ nunft und Härte angerechnet werden muß, einem schwachen Kinde Qualen zu bereiten, so sollte der Arbeiter und ganz besonders der so⸗ zialdemokratische Arbeiter der letzte sein, der sein Kind so unzweckmäßig behandelt.

Durch Angst und Schrecken, welche die Prügelmethode erzeugt, wird der Mut und die Charakterstärke der Kinder sehr gefährdet und zu oft gebrochen. Der Arbeiter aber will und soll sein Kind zu einem starken und unbeug⸗ samen, zu einem mutigen und stolzen Menschen erziehen! Mögen Leute, die ihre Kinder für Nemter und Ehren in der bürgerlichen Welt großziehen, sie auch beizeiten lehren, ihre Ge⸗ danken zu verbergen, ihren Willen zu beugen, um Gunst zu buhlen, ja die Hand zu küssen, die sie schlägt. Sozialdemokratische Eltern aber sollten unablässig darauf bedacht sein, alles zu tun, was den Stolz und den Mut, das Selbst⸗ gefühl und die Geisteskraft ihrer Kinder för⸗ dern kann und alles zu vermeiden, was geeignet wäre, diese Kinder zu schüchtern, ängstlich und verschlossen zu machen.

e

Splitter.

Das Erste und Letzte, was vom Genie ge⸗ fordert wird, ist Wahrheitsliebe. Goethe. *

* *

Keinem fehlen die Augen, ihn auf den rechten Weg zu leiten, als dem, der ste zu⸗ drückt und sie nicht gebrauchen will.

4 Shakespeare. *

Nichts bricht Herz, Mut und Kraft ge⸗ schwinder als die Lüge; die Lüge ist das teuflischste, weil das feigste Laster.

E. M. Arndt,

Humoristisches

Enfant terrible. Hausherr(zum Besuch): Unsere Köchin ist wirklich ein sparsames Mädchen! Drei Monate hat sie jetzt schon ihren Lohn bei uns stehen lassen! Der kleine Max:Papa, heute hat sie aber gesagt, länger könnt sie nicht mehr warten!

Ein Dichter. Gerichts vorsitzender(u einem Zeugen in Arbeiterkleidung):Was sind Sie? Zeuge:Dichter! Vors.:Wa-a-a-s? Was dichten Sie denn? Zeuge:Die Rohre in der Gasanstalt.

2

Geschichtskalender.

3. April. 1849: Friedrich Wilhelm IV. lehnt die Kaiserkrone ab.

4. 1900: Oertel⸗Nürnberg, soz. Reichstagsabg., T. 1848: Chartistenkongreß in London.

5. 1902: 28 russ. Studenten aus Berlin ausge⸗ wiesen. 1901: Sozialistische Wahlsiege in Dänemark. 1794: Danton guillotintert.

6. 1903: Holländischer Generalstreik. 1897: Prozeß gegen den Anarchisten Koschemann in Berlin. 1528: Albrecht Dürer, ber. Maler,.

7. 1875: Georg Herwegh, Dichter, f.(H. war auch lebhaft an der revolutionären Bewegung 1848 beteiligt),

3. 1902: Wahlrechtsunruhen in Belgien. 1835: Wilh. v. Humboldt, Staatsmann und Gelehrter,.

9. 1903: Streikgesetz in Holland angenommen. 1865: Ende des amerik. Bürgerkrieges.

... Marktberichte.

Auf dem Wochenmarkt in Gießen kosteten am 29. März: Butter per Pfd. Mk. 0,95 1,05, Hühnereier 1 St. 6 7 Pfg., Käse pr. St. 68 Pfg., Käsematte 2 St. 56 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 6,00 7,00 Mk., Weißkraut pr. Stck. 912 Pfg.

Fleischpreise in Gießen am 30. März: Ochsen⸗ fleisch per Pfd. 68 78 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch 62 bis 68 Pfg., Schweinefleisch 60 bis 72 Pfg., Schweine⸗ fleisch, gesalzen, 76 Pfg., Kalbfleisch 62 74 Pfg., Hammelfleisch 5074 Pfg. pr. Pfund.

Getreide und Futtermittel. In Frankfurt notierten am 28. März pr. Doppelzentner: Weizen (Wetterauer) Mk. 17.75 17.90, russischer Mk. 17.50 bis 19.00, Donauweizen Mk. 17.25 18.75, Roggen, hiesiger Mk. 13.75 14.00, russischer Mark 14.30 bis 14.60, Gerste, hiesige Mk. 14.65 15.00, Pfälzer, Mk. 14.651500. fränkische Mk. 14.75 00.00, Riedgerste Mk. 14.75 15.00, Hafer, hiesiger Mk. 13.25 bis 14.75, russischer Mk. 13.25 14.75

Futterartikel pr. Zentner: Weizenschalen Mk. 4.45 bis 4.50, Weizenkleie 4.454.50, Roggenkleie Mk. 4.95 bis 5.10, Futtermehl Mk. 6.50 7.25. Biertreber, getrocknet Mk. 5.40 5.50.

Viehpreise in Frankfurt(Amtl. Notierungen): pro 100 Pfd. Schlachtgewicht Och sen: a. vollfl. ausgem. höchsten Schlachtw. Mk. 70 73, b. junge fleischige, nicht ausgem. ältere ausgem. 65 67, c. mäßig gen. junge,. gut genährte ältere 6063. Bullen: a. vollfl. höchst, Schlachtw. 6163, b. mäßig gen. 5859. Kühe und Färsen: a. vollfl. ausgem. Färsen höchsten Schlachtw. 60 62, b. vollfl. ausgem. Kühe höchsten Schlachtw. 5759, c. ältere ausgem. Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 4446, d. mäßig gen. Kühe und Färsen 41 43. Bezahlt wurde für 1 Pfund Kälber: a. feinste Mast⸗ und beste Saugkälber(Hannover) Pfg. 8486, b. mittlere Mast⸗ und gute Saugkälber 7682,. geringe Saugkälber 6265, d. ältere gering gen. Kälber(Fresser) 00.00. Schweine: a. vollfl. der feineren Rassen und deren Kreuzungen bis zu Jahren 5200, b. fleischige 51-00, c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 42 44. Ferner wurde für 1 Pfund Lebensgewicht bezahlt: Kälber a. 50 52 Pfg., b. 4649 Pfg.

Schweine a. 41 00, b. 40 Pfg.