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vertrauensleute unentgeltlich
Nr. 38.
Mitteldenutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 7.
so läßt sich der um die Naturalisation Nachsuchende von der Ortsbehörde seines gegenwärtigen hessischen Aufent⸗ haltsortes eine Aufenthaltsbescheinigung sowie ein Leu⸗ mundszeugnis ausstellen, fügt diesen Papieren eine Ke seines Arbeitgebers und seinen Mili⸗ rpaß hinzu und schickt alle diese erwähnten Ausweise mit einem Gesuche um Aufnahme in den hessischen Staatsverband an das zuständige hessische Kreisamt.
Bemerkt sei noch, daß die letzten Kammerperhand⸗ lungen über die beantragte Ungiltigkeitserklärung der Wahl des Genossen Ulrich deutlich dargetan haben, daß ein Reichsdeutscher nicht nötig hat, bei seinem Gesuch um Aufnahme in den hessischen Staatsverband seine bisherige Staatszugehörigkeit zu einem anderen Bundes⸗ staate aufzugeben. Nur Bayern und Elsaß⸗Lothringer machen von dieser Regel eine Ausnahme. Die müssen ihre Staatsangehörigkeit aufgeben, wollen sie einem anderen Staatsverbande angehören. Die Aufgabe der bisherigen Staatszugehörigkeit kann außerdem nur von Reichs ausländern(Oesterreichern, Schweizern ꝛc.) ver⸗ langt werden.
Da also die Abwickelung der Naturalisationsgeschäfte keine schwierigen sind und auch vom Landeskomitee zur Erleichterung derselben vorgedruckte Form u⸗ lare herausgegeben wurden, die durch die Partei⸗ zu be⸗ ziehen sind. so sollte von der Gewinnung der hessischen Staatszugehörigkeit der weitgehendste Gebrauch gemacht werden. Wer als Nichthesse sich die hessische Staatszugehörigkeit nicht verschafft, hat kein Recht sich zu beklagen, daß er wohl Steuer zahlen, aber seine wichtigsten Staatsbürgerrechte nicht ausüben dürfe.
Splitter.
Fürstenregel. Stets sinne der Monarch, wie er durch tausend Sachen An jedem jungen Tag kann von sich reden machen. Er rede dies und das, tut es auch manchmal
. Im Ganzen hebt es doch die Popularite. Eine leutselige Prinzessin. Sie läßt sich so herab, daß, wenn nicht Alles irrt, In nicht zu ferner Zeit sie niederkommen wird.
3—
Humoristisches.
Größenwahn. Tropenjäger(der soeben einen Elefanten geschossen hat):„Zu dumm, daß ich den
Zukunftsbild. Zivilist: Sie, Herr Unter⸗ offizier, was sind denn das für Troddelschnüre an Ihrer Uniform! Die kenne ich ja noch gar nicht. Unter⸗ offizier(stolz): Das ist die neue Auszeichnung für Soldatenmißhandlungen.(W. Jak.)
Wertvolle Erwerbung. In diesen Tagen wurde ein prächtiger Granitstein, auf dem jüngst das hohe Auge seiner Durchlaucht des Fürsten von Tipfingen längere Zeit in stiller Beschaulichkeit weilte, zum ewigen Angedenken dem Tipfinger⸗Museum mit den üblichen Feierlichkeiten übergeben.
Unter serbischen Offizieren. Petro wit sch: Ach— Kamerad— neue Medaille? Auf welchem Schlachtfeld geholt? Sliwnitza? Pepowitsch: Nee — Konak! Petrowitsch: Aha! Verdienste um Königshaus!„Südd. Postillon“.
Neue Soldatenlieder.
Wer will unter die Soldaten. Der muß haben ein Gewehr— Der muß haben ein Gewehr, Doch es ist ihm auch zu raten, Daß er niemals sich beschwer'! Bürschlein, wirst du ein Rekrut, Merk dir dieses Liedlein gut. Hopp, hopp, hopp— hopp, hopp, hopp— Her den Buckel! Klopp, klopp, klopp!
Der muß an der linken Seiten
Nicht zu sehr empfindlich sein—
Nicht zu sehr empfindlich sein,
Auch im Rücken nicht, im breiten,
Nicht am Kopf und nicht am Bein. Bürschlein, wirst du ein Rekrut, Muck nicht, wenn was weh dir tut. Hopp, hopp, hopp— hopp, hopp, hopp— Her den Buckel! Klopp, klopp, klopp!
Heidenangst, die mußt du haben Vor dem Otto Breitenbach— Vor dem Otto Breitenbach. Denn er drillt die lieben Knaben, Bis er selbst vom Brüllen schwach. Bürschlein, wirst du ein Rekrut, Laß dich zwiebeln! Kaltes Blut! Hopp, hopp, hopp— hopp, hopp, hopp— Her den Buckel! Klopp, klopp, klopp!(„Ulk.“)
..— Geschichtskalender.
20. September. 1901: Der Sühneprinz erhält den Schwarzen Adler⸗Orden. 1819:„Karlsbader Be⸗ schlüsse“. Diese von eine Konferenz der deutschen Minister in Karlsbad verabredeten Maßnahmen richteten sich gegen die sogenannten„revolutionären Umtriebe“ und verfügten
Rucksack verjessen habe, da hätt' ich den Kerl gleich
21. 1870: J. Jakoby und Herbig werden in Lötzen gefangen gesetzt. 1838: Eröffnung der ersten preußischen Eisenbahn Berlin⸗Potsdam. 1792: Proklamierung der Republik in Frankreich. 5
22. 1901: Parteitag in Lübeck. befreiung in Nord⸗Amerika.
23. 1900: Internationaler Arbeiter⸗Kongreß in Paris. 1895: Steckbrief gegen Hammerstein erlassen. 1788: Cornelius, Maler,*.
24. 1782; England erkennt die Unabhängigkeit Nord⸗Amerikas an. 1537: Jürgen Wullenweber, Führer der Hansa, hingerichtet.
25. 1896: Erster Sozialdemokrat im schwedischen Reichstag. 1896: Publikation der„Wahlreform“ in Oesterreich.
26. 1815: Die„heilige Allianz“(„Friedens⸗ Bündnis zwischen Rußland, Oesterreich, Preußen ꝛc). in Paris gegründet.
i Beherzigenswerte Worte.
„Nie sollte der Arbeiter durch Unter⸗ stützung kapitalistischer Preßorgan e zum Verräter an sich und den Seinigen werden. Kleinliche Zwistigkeiten und Meinungs⸗ verschiedenheiten sollten ihm niemals hierzu den Anlaß geben. Wir können unmöglich Alle der⸗ selben Meinung über die beste und den meisten Erfolg versprechende Weise der Agitation und des Kampfes gegen das bestehende Unrecht sein, aber wir sollten fürs Erste jedem Mitkämpfer brüderlich die Hand reichen, von dem wir völlig überzeugt sind, daß er es aufrichtig und ehrlich damit meint, dieses Unrecht aus dem Wege zu räumen und so den Baugrund zu ebnen, auf dem das Gebäude einer freien und gerechten Gesellschaftsordnung aufgeführt werden kann. Dann wird es Zeit sein, uns über den Neuban zu beraten und zu verständigen. In der Zer⸗ splitterung hierüber liegt unsere Schwäche; nur bei dem brüderlichen Zusammenwirken Aller, die, ohne dabei ihren Grundsätzen Etwas zu vergeben, dem gemeinsamen Ziele Opfer zu bringen wissen und gewillt sind, werden wir unwiderstehlich und siegreich sein.“
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