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Nr. 29.
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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
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Beweis dafür, daß unsere Bewegung auch in Holland im Vorwärtsschreiten begriffen ist.
In Ungarn
sind gegenwärtig die politischen Zustände ver⸗ worrener als je. Der erst kürzlich neuernannte Ministerpräsident Graf Khuen hat mit der Obstruktion der Mehrheit des Parlaments zu kämpfen und es ist nicht unwahrscheinlich, daß es fon ar des widerspenstigen Parlaments ommt.
Der neue Serbenkönig
hat sich dadurch viel Feinde gemacht, daß er die Offiziere, die an der Ermordung Alexanders beteiligt waren, bei der Beförderung bevor⸗ zu gte. So wurde der Hauptverschwörer, Oberstleutnant Mischitsch zum ersten Sektions⸗ chef des Kriegsministeriums ernannt, wogegen die österreichtsche Regierung protestierte.— Uebrigens soll man schon einer Offiziers⸗Ver⸗ n gegen Peter auf die Spur gekommen ein.
Der sterbende Papst.
Seit Wochen schon liegt Papst Leo im Sterben. Ueber seinen Zustand wurden die widersprechendsten Nachrichten verbreitet. Wäh⸗ rend in den offiziellen Krankheitsberichten von der großen Geistesklarheit die Rede war, über die der Sterbende noch verfüge und mitgeteilt wurde, daß er zu der und der Zeit Schriftstücke durchgesehen, Staatsgeschäfte erledigt, mit ver⸗ schiedenen Kardinälen und anderen Personen sich unterhalten habe dc. behaupteten einge⸗ weihte Personen, der Papst liege schon längere Zeit bewußtlos, könne weder sprechen noch sich dewegen. Jedenfalls steht soviel fest, daß er schon viele Tage durch Anwendung aller mög⸗ lichen künstlichen Mittel am Leben erhalten wurde.— Am Mittwoch berichtete eine Wolff'sche Depesche, daß der Papst mehrere Kardinäle empfangen und einige Stunden im Lehnstuhl zugebracht habe, zu gleicher Zeit telegraphierte der Korrespondent der Frkftr. Ztg., daß der Kranke mehreremal aus seinem totenähnlichen Schlafe aufgerüttelt werden mußte! Wie von verschiedenen Seiten berichtet wird, soll Leo XIII. in lichten Augenblicken viel Sorge für seinen — Geldschrank bekunden.— Unterdessen streiten sich die hohen Würdenträger um die Nachfolger⸗ schaft; die Eifersucht unter den Papst⸗Kandidaten bab schon zu äußerst erregten Auftritten geführt
aben.
Entwicklung der Sozialdemokratie in Oberhessen und den angrenzenden Bezirken.
Für jeden Parteigenossen ist es von Interesse, sich vor Augen zu führen, in welcher Weise sich die Parteiverhältnisse des Wahlkreises, zu dem er gehört, entwickelt haben und besonders, wie die Stimmenzahl unserer Partei zugenommen hat. Wir wollen deshalb in Folgendem die Wahlergebnisse aller bisherigen Reichstagswahlen der drei oberhessischen Kreise, sowie der Kreise Wetzlar, Marburg und Dillenburg vorführen und kurze Besprechungen daran knüpfen.
Wahlkreis Gießen ⸗Grünberg⸗Nidda.
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In der Tabelle haben wir, um die Ueber- sichtlichkeit nicht zu erschweren, die Zahlen für die Nachwahl 1890 nicht mit angeführt. Diese war erforderlich, weil der Freisinnige Gut⸗ fleisch, der zugleich im Friedberger Kreise gewählt war, fuͤr diesen annahm. Bei der Nachwahl erhielten die Nationalliberalen, als deren Kandidat damals auch Heyligenstaedt auftrat, 2100 Stimmen, der Freisinnige Dove 4715; der Antisemit Pickenbach 7145 und unser Genosse Orbig 1335 Stimmen. In der Stich ⸗ wahl wurde Pickenbach mit 8890 Stimmen gegen 7724 freisinnige gewählt. Die Zent⸗ rumsstimmen haben wir auch nicht besonders aufgeführt; es wurden 1898 79 und diesmal 105 Stimmen für das Zentrum abgegeben.— Abgeordneter für den Gießener Kreis war von 187178 der Gutsbesitzer Frhr. v. Nordeck zur Rabenau, der erst der Liberalen Reichspartei zugehörte und 1877 der„Reichspartei“, der Fraktion Stumm, Kardorff ꝛc. beitrat. 1881 wurde Gutfleisch als Kandidat der, Liberalen Vereinigung“ gewählt, der aber 1884 dem nationalliberalen Hüttenbesitzer Buderus weichen mußte, dem das Mandat auch bei den 87er Septenatswahlen zufiel. 1890 gewann Gutfleisch den Kreis wieder, in der Nachwahl fiel er aber, wie schon bemerkt, an den Anti⸗ semiten Pickenbach. Diesen löste Köhler ab, der ihn bis jetzt behielt, wo er ihn an den Nationalliberalen Heyligenstaedt abtreten mußte. Wir haben die Stimmenzahlen der National⸗ liberalen von der 98er und der letzten Wahl unter„Liberale Vereinigung“ gesetzt, weil die nationalliberalen Kandidaten als gemeinsame Kandidaten aller„Liberalen“ auftraten. Wir ersehen aus der Zusammenstellung das regel⸗ mäßige, sichere Steigen der sozialdemo⸗ kratischen Stimmen, das uns den baldigen Sieg im ersten oberhessischen Wahlkreise hoffen läßt.— Dagegen brauchen die Bürgerlichen von ihrem„Siege“ nicht allzuviel Rühmens zu machen; brachten sie doch im Jahre 1887 noch fast 19000 Stimmen auf, diesmal nur reichlich 10000! Wahlkreis Friedberg⸗Büdingen.
Die Stimmenberhältnisse in diesem Wahl⸗ kreise zeigen folgendes Bild:
Die freie Vereinigung von Krankenkassen in Hessen
hielt am verflossenen Sonntag in Friedberg ihre Jahresversammlung ab. Es waren 54 Kassen mit 115 Delegierten vertreten, auch nahmen Vertreter der Kreisämter Friedberg und Offenbach an der Beratung teil. Der geschäftsführende Ausschuß, der im November vorigen Js. von Worms nach Mainz verlegt wurde, erstattete zunächst Bericht über seine Tätigkeit.
anwalt Dr. Ful d⸗Mainz, über die Aenderungen des Kran len verstcherungsgesetzes und die dadurch bedingte Statutenänderung der einzelnen Kassen. Redner besprach die Ausdehnung des Kreises der Ver⸗ sicherungspflichtigen durch Einbeziehung der Handlungs⸗ gehilfen und Lehrlinge mit einem Gehalt vis zu 2000 Mark in den Kreis der Versicherten.(In Gießen waren dieselben schon vorher durch Ortsstatut der Versicherungs⸗ pflicht unterworfen).—
Die allgemein als ganz überflüssig anerkannte Erweite⸗ rung der Rechte der Aufsichtsbehörd⸗ könnte nach Ansicht des Herrn Vortragenden bei loyaler Handhabung der Be⸗ hörden den Kassen nicht so gefährlich werden; er empfiehlt jedoch den Kassen, in den statutarischen Bestimmungen Vorkehrung zu treffen, daß im Falle der Amtsenthebung von Vorstandsmitgliedern oder Beamten der Ver⸗ waltungsapparat nicht zum Stocken komme. Schließlich sprach Herr Fuld die Hoffnung aus, die Aenderungen möchten den Versicherten zum Segen gereichen.
Ein weiterer Vortrag desselben Herrn betraf die Einbeziehung der Dienstboten in die Kranken⸗ versicherungspflicht. Hlerzu wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:
„Die Versammlung der„Freien Vereinigung der Krankenkassen im Gr. Hessen“ erklärt die Einbeziehung der zu dem Gesinde gehörigen Personen in den Kreis der gegen Krankheit versicherten Bevölkerung für ein dringendes Bedürfnis, mit Rücksicht darauf, daß bei dem Erlaß der Novelle zu dem Krankenversicherungs⸗ Gesetz von 1903 die Erweiterung des Kreises der Versicherungspflichtigen durch Aufnahme des Gesindes leider unterblieben ist, und in Erwägung der Tatsache, daß eine Abänderung des Krankenversicherungsgesetzes für die nächste Zeit nicht zu erwarten ist, richtet die Vereinigung an die Großherzogliche Staatsregierung das Gesuch, im Wege der Landesgesetzgebung die Krankenversicherungspflicht des Gesindes einführen und den Ständen eine hierauf bezügliche Gesetzesvorlage baldmöglichst unterbreiten zu wollen.“
Nach Besprechung verschiedener Verwaltungsfragen wurde noch beschlossen, dem Zentralverein zur Beschaffung billiger Landaufenthaltsorte im Großherzogtum Hessen
Die Gießener Ortskrankenkasse war mit
5) Reichspartei.
1871 bertrat den Kreis der nationalliberale Rechtsanwalt Frhr. v. Wedekind, dem 1874 sein Parteigenosse Dr. Schröder⸗Friedberg folgte. Dieser trat später der liberalen Ver⸗ einigung bei, wurde aber 84 nicht wieder ge⸗ wählt, sondern von dem freisinnigen Major a. D. Hinze abgelöst. Bei den Septenats⸗ wahlen siegte der Frankfurter Oberbürgermeister und spätere Finanzminister Miquel, der aber das Mandat ablehnte, weil er doppelt gewählt war. In der Nachwahl, die wir in der Tabelle nicht angeführt haben, siegte der nationalliberale Direktor Brand ebenfalls im ersten Wahlgange mit 8603 Stimmen gegen 6866 freisinnige. 1890 siegte der Gießener Freisiunige Gutfleisch, der aber 1893 von dem Grafen Oriola(natl.) verdrängt wurde, dem es auch bei der letzten Wahl nochmals gelang, sich das Mandat zu erhalten. Hoffent⸗ lich zum letzten Male! Denn auch hier schreitet die Sozialdemokratie siegend vor und muß es dahin bringen, den Kreis bei der nächsten
Uns wird ge⸗ Im„Gieß. Anz.“ vom 27. Juni
einem dortigen wohlhabenden
Noch nachträglich wollen daß die Unterstützung des
8 8 8 8 3 5— 8— als Mitglied mit einem Jahresbeitrag von 25 Mark „„ e beizutreten. 2 5 5 2 N 12 Delegierten auf der Jahresversammlung vertreten. 1871— 6113 2% 8 3 N 1 d F 1%. e e on Nah und Lern. 1877 523 3909—— 1540—— 5 5 1878 1740 30911—— 26 124— Gießener Angelegenheiten. 1881 2356— 6366— 767 89— j 1884— 6051— 3901 1896 335— fache J, Ane Stichw.— 7231— 73860——— 8„ 5 5 1887— 9075— 6110— 786— befand sich eine die Stichwahl betreffende Notiz Stich 5 997 22 125 1235 1949— aus Röthges, in h ch 8 95——. Gemeinderatsmitgliede un . 5— 5— 2453 3495 1 1 7 1 Stich— 7480 5 1 N 547 Manne vorgeworfen wird, die Sozialdemokratie 19— 4713—— 1274 4204 1883 unterstützt zu haben. Noc. Sich, do, wir dem ehrenwerten Einsender jener Anzeiger⸗ 1908— 7— 288 1904 6330— notiz verraten, Stichw.— 11000—-— 7500— Sozialdemokraten hauptsächlich veranlaßt wurde
durch die gemeine, niederträchtige und verleumderische Kampfesweise der„Ord⸗ nungshelden“, namentlich der Beamten. Wenn Pfarrer, Lehrer und sonstige Beamte noch ferner in dieser Weise den Kampf führen, wird wohl auch der letzte anständige Mann ins sozialdemokratische Lager übergehen müssen. Im Uebrigen ist es dem Angegriffeuen gleich- gültig, was ein Denunziant von ihm denkt.
— Berichtigung. Zu der Notiz in der vorigen Nummer betr. die Nicht⸗Auslegung des „Vorwärts“ in der Gießener Lesehalle haben wir berichtigend zu bemerken, daß den Vorstand der Lesehalle nicht die mindeste Schuld trifft. Vielmehr ist dessen Unparteilichkeit in Bezug auf Auslage der Zeitungen allgemein bekannt. Es war nur von unserer politischen Organt⸗ sation, die das Blatt für die Lesehalle stellt, vergessen worden, es bei Beginn des neuen Quartals zu bestellen. Dem Mangel ist natürlich sofort abgeholfen worden.
— Der Druckfehlerteufel macht den Zeitungen ebensoviel zu schaffen, wie gewissen
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1871 5 10————— 1874— 6993——— 151— 1877 25139167——„ 1878 24197792—— 381— 1881— 4522— 8419— 256— 1884—— 3638— 63843 49%— 1887—— 10918— 70941 387 1890 5— 43634— 5905 1732] 4566 ) 1893 28— 4300— 1883 2852 5606 f Nachw.
18996—— 2842— 2129 3351 4177 fr 1898——— 41590— 44954748 VF dens 190% 35588550— 6026 5[28 Stichw.—— 110601— 78380—
Wahl im ersten Wahlgange zu erobern!
Heiligen der Teufel Bitru. Uns hat er—
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Einen sehr instruktiven Vortrag hielt Herr Rechts⸗
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