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Nr. 4. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeituna. 9 Seite 3. soztalpolttischen Zustände. Zubeil ging zurück auf die erforderlich und würdigte auch die Thätigkeit der Ge⸗ f 1 kritische Zeit von 1893 und geißelte in wirksamer Weise werkschaften bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Arbeiterbewegung. die ofstztelle Vertuschungs⸗ und Beschönigungsmanier, die[Der Pferdefuß kam aber bald zum Vorschein. Laut Die Zahl der Gewerkschaftsmit⸗

damals ebensowohl wie heute gegenüber den offen zu Tage liegenden Mißständen geübt wurde. Auch die famose Konferenz des Herrn v. Bötticher in Halle behandelte die Sache in diesem Sinne.

Zubeil wartete mit umfangreichem statistischen Material auf, das die Berliner Gewerkschaftskommission zu der Arbeitslofigkeit in Berlin geliefert hat. Und auch für den Notstand zahlreicher Beschäftigungszweige im ganzen Reiche bot Genosse Zubeil eine Reihe un⸗ widerleglicher Zeugnisse dar. Den ganz unzureichenden Versuchen einzelner Kommunen, die Arbeitslosen ihres Bezirkes zu beschäftigen, stellte er ein umfassendes und gründlich durchdachtes Programm entgegen, dessen Durch⸗ führung von Reich, Bundesstaaten und Kommunen ge⸗ meinsam zu bewirken und sofort in Angriff zu nehmen ist. Dann entwarf er über die momentanen Bedürfnisse hinaus ein Bild sozialpolitischer Forderungen, wie sie die Sozialdemokratie vertritt: Schaffung eines Arbeits⸗ ministeriums, eines Reichsarbeitsamtes, von Arbeiterkammern, fortlaufende Arbeitslosen⸗ statistik, Einführung des Maximalarbeits⸗ tages, Verbot der gewerblichen Arbeit von Kindern unter 14 Jahren kurz, unser Genosse forderte den konsequenten Ausbau der Arbeiterschutzgesetzgebung. Staatssekretär Posadowsky antwortete. Von ihm konnte man nicht mehr erwarten, als was er dazu vorbrachte. Seine Rede zeigte, daß sich Graf Po sa⸗ dowsky fleißig mit der Materie beschäftigt hat, und auch das, worin er den sozialdemokratischen Anschau⸗ ungen notgedrungen recht geben mußte, zeigte einen ge⸗ wissen Fortschritt gegen früher. Der Staatssekretär hat sich von den verschiedenen Reichsressorts und den Einzel⸗ regterungen Berichte über die Arbeiterverhältnisse kommen lassen, die die Sachlage in sehr optimistischer Weise schildern. So hat der Berliner Polizeiprästdent die Zahl der Arbeitslosen in Berlin, abgesehen von den Saisonarbeitern, auf 7500 angegeben! Schon vor kürzerer Zeit schätzte der Direktor der Versicherungsan⸗ stalt Berlin, Freund, diese Zahl auf 40 50 000, während die Wahrheit noch weit höhere Ziffern liefern würde.

Aber auch das, was die Berichte des Grafen Posa⸗ dowsky zugaben, war immerhin schou bedenklich genug: in Bayern haben erhebliche Arbeiterentlassungen statt⸗ gefunden, in vielen Bezirken sind die Löhne bis um 20 Prozent gesunken usw. Was die Post⸗, die Marine⸗ und Reichseisenbahnverwaltung dagegen angeordnet haben, sind nicht mehr als Tropfen auf einen heißen Stein. Für eine staatliche Arbeitslosenversicherung hat der Staatssekretär wenig Sympathie. Er überläßt alles den Kommunen und den Gewerkschaften. Inkeressant war seine Erklärung, daß von einer Beschränkung der Freizügigkeit keine Rede sein könne. An diesem Tage sprachen noch der Zentrums⸗Soztlalpolitiker Hitze, der sich in der Anpreisung der Volksfreundlich⸗ keit des Zentrums nicht genug thun konnte und der Freisinnige Gothein, welcher die Krise im Zusammen⸗ hang mit der Zollpolitik erörterte,

Am zweiten Tage der Arbeitslosigkeits⸗Debatte traten die im Reichstage vorhandenen, sehr verschiedenen Anschauungen über die sozialen und wirtschastlichen Verhältnisse klar hervor. Den Anfang machte Graf Kanitz, der den dritten Teil seiner Rede an eine Empfehlung des Zolltarifs, höherer Kampfzölle gegen Amerika und Klagen über das Unwesen der Syndikate widmete. Seine sozialpolitischen Anschauungen waren höchst bedenklicher Natur. Eine Verpflichtung des Reiches und der Einzelstaaten, für die Arbeitslosen zu sorgen, wollte er nicht anerkennen und den Kommu⸗ nen, d. h. der Armengesetzgebung allein die Pflicht der Fürsorge auferlegen. Sogar gegen eine Zentralisation der Ar beitsnachweise sprach er sich aus, aus Furcht vor vermehrtem Abfluß der ländlichen Arbeiter vom platten Lande. Das einzige Mittel, das er empfahl, war die Empfehlung an die Arbeiter, in den Zeiten der guten Konjunktur schon den Hungerriemen schärfer anzuspannen und durch größere Sparsamkeit sich für die schlech⸗ teren Zeiten vorzubereiten. Vermehrte Sparsamkeit für die Arbeiter heißt aber nichts anderes, als Einschränkung ihrer Konsumtion und damit Beschleunigung des Herein⸗ brechens einer Krisis.

Der nationalliberale Redner, Abg. Hofmann⸗ Dillenburg, hielt sich von solchen thörichten Ratschlägen frei. Er erkannte die Machtlosigkeit der bürgerlichen Gesellschaft gegen die Krise offen an, dagegen stand er dem Gedanken einer obligatorischen Arbeitslosenversiche⸗ rung unter Anlehnung an die Berufsgenossenschaften sympathisch gegenüber.

Die Ansichten, die Gamp von der Reichs partei vortrug, hörten sich erst recht arbeiterfreundlich an. Sogar bei unsern Genossen erntete er Zustimmung, als er das Verhalten der freisinnigen Frankfurter Stadt⸗ verordneten in Sachen der Arbeitslosen⸗Frage kritisterte. Die Teilnahme von Vertretern der Arbeiterorganisationen bei der Feststellung der Arbeitslosigkeit hielt er für

jammerte er über dieDrangsalierung der Ar⸗ beitgeber durch die Arbeiterschutzgesetzge bung empfahl die

Beschränk ung der Freizügigkeit. Das trug ihm eine scharfe Abfertigung seitens des Grafen Posadow sky ein. Mit einer Entschiedenheit, wie sie vom Minist ertisch noch nicht gehört worden ist, bezeichnete er es wiederholt als vollkommene Utopie, Reformen der A rmengesetzgebung zu einer Beschränkung der Freizügigkeit zu benutzen. Die Erklärung klang so energisch, daß sie selbst bei den Sozialdemokraten bei⸗ fällig aufgenommen wurde.

Dann sprach noch der Freisinnige Len zmann, der das Evangelium derHarmonie der Arbeiter- und Unternehmer ⸗Interessen verkür dete. Zum Schluß lobte Abg. Hahn die Bismarcksche Wirtschaftspolitik über den grünen Klee und schlug vor, daß ein direkter Ar⸗ beitszwang eingeführt und die Arbeiter zwangsweise aufs platte Land geschickt würden.

Montag gelangte von dem schwach besetzten Hause ein Antrag zur Annahme, der die Regierung auffordert, in einem Nachtragsetat die Beihilfe für die Kriegs⸗ teilnehmer bereit zu stellen. Dann wurde die Not⸗ stands debatte fortgesetzt. Nach einer Erklärung eines preußischen Eisenbahngeheim rats, der für die Alten⸗ bekener Strecke die Verminderung der Zahl der Bahn⸗ wärter bestritt und die Thielensche Sparpolitik heraus⸗ zustreichen suchte, griff unser Genosse Hoch in einer länger denn zweistündigen Rede die Wortführer der gegnerischen Parteien in dieser Frage und den Grafen Posadowsky energisch an. Er wies die Wertlosigkeit des amtlichen Materials nach und führte den Beweis, daß die herrschende Gesellschaftsklasse verpflichtet sei, die Opfer ihrer Produktions weise, die Arbeitslosen, zu unter⸗ stützen. Besonderen Nachdruck legte er auf die Schilde⸗ rung des Zusammenstoßes der Arbeitslosen in Frank⸗ furt a. M. mit der Polizei. Hier zog er sich einen Ordnungsruf des Präsidenten zu.

Graf Posadowsky erwiderte recht matt und ver⸗ sicherte wiederholt, daß die deutsche Sozialreform die beste der Welt sei. Aus dem Hause nahm noch der nationalliberale Grubendirektor Hilbck, dessen Rede hauptsächlich eine Verteidigung des Kohlensyndikats war, und der freisinnige Vereinigungsmann Pach nicke das Wort, der über die Arbeitslosigkeit sehr wenig, sehr viel aber über den Zolltarif zu sagen hatte.

Dienstag wurden Wahlprüfungen vorgenommen, wobei die Wahl des im Saargebiet gewählten National- liberalen Abg. Boltz für ungültig erklärt wurde. Mittwoch wurde in die Einzelberatung des Etats eingetreten.

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Krieg in Südafrika.

Dr. Krause, der frühere Kommandant von Johannesburg, wurde in London zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er war angeklagt, den hingerichteten Cornelius Broeksma zur Ermordung des ehemaligen Präsidenten der südafrikanischen Liga, Forster, angestiftet zu haben. Die frühere, auf Hochverrat lautende Anklage war fallen gelassen worden. Die Geschworenen sprachen ihn des Versuchs der Anstiftung zum Morde schuldig, worauf er zu der obigen Strafe verurteilt wurde. Krause erklärte: Ich bestreite, daß ich je versuchte, irgend Jemanden zum Morde anzustiften, oder daß ich je Mord im Sinne hatte. Ich denke, Forster ist einer der Leute, deren Verhalten am meisten zur Herbeiführung dieses schändlichen Krieges beigetragen hat. Der Verurteilte war früher in England inhaftiert, gegen hohe Kaution aber freigelassen worden. Er kehrte zurück, trotzdem ihm von vermögenden Buren⸗ freunden die Ersetzung der Kautionssumme angeboten worden war. f 1

Englische Henkerarbeit. Wieder ist ein Burenkommandant, und zwar der vor nicht langer Zeit in englische Gefangenschaft geratene Scheepers zum Tode verurteilt und am Sonntag in Graafreinet erschossen worden. Dem gleichfalls in englischer Gefaugenschaft befindlichen Burenführer Kruitzinger, will man in gleicher Weise denProzeß machen und es ist so gut wie sicher, daß ihm das gleiche Schicksal trifft als Scheepers. Man kann es den Buren sicher nicht übel nehmen, wenn sie dann mit den in ihre Hände geratenen englischen Offizieren in gleicher Wei se verfahren.

glieder in den einzelnen Industriestaaten giebt das New⸗Yorker Arbeitsamt wie folgt an: England kommt an erster Stelle mit 1 905 116; sodann kommen die Vereinigten Staaten Nord⸗ Amerikas mit Canada mit 1,600,000. Sodann folgt Deutschland mit 995,435, Frankreich mit 538,832, Oesterreich mit 157,773, Dänemark mit 101,000, Ungarn mit 64,000, Schweden mit 58,340, die Schweiz mit 49,034 und end⸗ lich Spanien mit 31,558 gewerkschaftlich orga⸗ nisterten Arbeitern.

Die Aussperrung der Holzar⸗ beiter, welche von Seiten der Unternehmer angedroht worden war, ist nicht erfolgt, da die eingeleiteten Verhandlungen zu einer Bei⸗ legung der Differenzen führte. Der Unterneh⸗ merverband einigte sich mit dem Holzarbeiter⸗ Verbande auf folgende Bedingungen: 1) Die Arbeitgeber erklären sich bereit, bei allen Diffe⸗ renzen mit dem Deutschen Holzarbetterverbande zur Beseitigung derselben in Verhandlung zu treten. 2) Während der Verhandlung dürfen weder Sperren verhängt, noch Posten gestellt werden. Auch sollen neue Einstellungen wäh⸗ rend dieser Zeit nicht vorgenommen werden. 3) Bei allen Differenzen dürfen die in Frage kommenden Arbeiter während der Verhandlungen die Arbeit nicht niederlegen. 4) Der Holz⸗ arbeiterverband zieht die bestehenden Sperren und Streikposten zurück.

Von Uah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir

bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Hessisches.

Ueber Hessische Eisenbahnpolitik schreibt unser Offenbacher Parteiorgan: Von unsern Genossen war in der Zweiten Kammer ein Antrag eingebracht worden, nach welchem die Regierung ersucht werden sollte, in der preußisch⸗ hessischen Gemeinschaftsverwaltung auf Verbilligung der Tarife, insbesondere auch der Arbeiterfahrkarten, sowie auf Verlängerung der Rückfahrkarten und weiter⸗ hin auf Einführung des Zonentarifsystems hinzuwirken. Dieser Antrag wurde nun vom vierten Ausschuß vorberaten und liegt nun der Bericht desselben an das Plenum vor. Danach hat die Regierung an den Ausschußvorsitzenden eine Zuschrift gerichtet, in welcher erklärt wurde, daß ja dem Wunsche nach Verlängerung der Rückfahrkarten inzwischen durch die Einführung der 45jährigen Gültigkeitsdauer entsprochen sei, daß man aber den anderen Anträgen nicht näher treten könne, zumal auch der preußische Verkehrsminister ein Eingehen auf dieselben abgelehnt habe. Damit hört eben für unsere Regierung jedes weitere Bemühen auf. Die eine Hälfte des Ausschusses schlug sich auf die Seite der Regierung und beantragte Uebergang zur Tagesordnung, da sich zur Zeit ein näheres Eingehen nicht empfehle, weil die gegenwärtige Finanzlage weitere Einnahmeausfälle bei den Eisenbahnen nicht gestatte. Die andere Hälfte des Ausschusses zeigte sich den Anträgen geneigt und bedauert die ablehnende Haltung der Regierung. Nur über die Einführung des Zonentarifsystems war allgemeine Abneigung zu bemerken, und war man eher einer die Verbilligung bezweckenden Reform der Tarife eventuell unter Beseitigung der ersten Wagenklassegeneigt. Die den Anträgen geneigte Hälfte des Ausschusses beantragt daher an die Regierung das Ersuchen zu richten: 1. in der preußisch⸗hessischen Gemeinschaftsver⸗ waltung eine die Verbilligung des Verkehrs bezweckende Reform der Persouentarife in Anregung zu bringen; 2. dahin zu wirken, daß die Sonntagsfahrkarten im früheren Umfange wieder ausgegeben und die Schülerfahrkarten zu den früheren mäßigen Preisen zur Ausgabe gelangen; 3. dafür einzutreten, daß den Arbeitern,