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Nr. 21.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Heitnug.

Seite 7.

hatte ich das Verhältnis mit ihr aufgelöst. Ich habe nicht gewußt, daß sie in dieser Lage ist. Der Arzt hatte mich durch einen Brief zu sich gerufen. Da flüsterte Bertha: Geliebter, so wollen wir beide das kleine Kind aufziehen!

St. Pierre auf Martinique und die Insel St. Vincent.

Von der nordamerikanischen Halbinsel Flo⸗ rida erstreckt sich bis zum Nordrand von Süd⸗ amerika die Inselkette der großen und kleinen Antillen. In großem Bogen schließen sie das Karasbische Meer ein. Anscheiuend bildet die Reihe der Vulkane am inneren Rande der Insel⸗ gruppe die Ueberreste eines einst zusammen⸗ hängenden, aber in Stücke gebrochenen Gebirges, in dem freilich das innere vulkanische Leben noch nicht erloschen ist, wie sich in diesen Tagen so furchtbar gezeigt hat.

Die Fruchtbarkeit des Bodens, der Reich⸗ tum, den die tropische Sonne reifte, hat schon früh die Antillen zum geschätzten Kolonialbesitz von Spaniern, Dänen, Niederländern, Engländern und Franzosen gemacht.

Die Insel Martinique gehört mit der weiter nördlich gelegenen Insel Guadeloupe deren Deputirter, nebenbei bemerkt, der Sozialist Gerault⸗Richard ist seit 1814 zum französischen Kolonialbesitz.

Mitten durch Martinique zieht sich ein hohes Felsengebirge, aus dem sich Vulkane, wie der Mont Pelé e(1350 Meter hoch), dessen Krater ein kleiner See erfüllte, und die dreigipfeligen Pitons du Carbet(1207 Meter) erheben. Sechs der Gipfel umschließen erloschene Krater. Infolge dieses vulkanischen Ursprungs ist Mar⸗ tinique schon öfter heftigen Erdbeben ausgesetzt gewesen. Am 17. Januar 1839 bereits wurde Fort de France, die Hauptstadt der Insel, mit trefflichem Hafen und etwa 15,000 Einwohnern, fast vollständig zerstört. Im Jahre 1851 traten wieder vulkanische Erscheinungen ein. Auf dem Mont Pelse bildeten sich zwei neue Krater, die Schlamm und Asche spieen. Seit jener Zeit jedoch sind weitere Ausbrüche nicht erfolgt.

Von den 175,000 Einwohnern der Insel sind nur 10,000 Weiße, und unter diesen be⸗ befinden sich wieder nur 675 in Frankreich ge⸗ borene; die Mehrzahl der Bevölkerung sind Neger und Mulatten. Ackerbau ist die Haupt⸗ beschäftigung der Bevölkerung und dessen Haupt⸗ produktionszweig die seit 1647 eingeführte Zucker⸗ rohrkultur, der von 42,490 Hektar bebauten Landes 28,450 Hektar angehören. Die ganze Insel umfaßt 988 Quadratkilometer.

Die Stadt St. Pierre liegt an der Nord⸗ westküste der Insel und ist 1665 gegründet. Sie war der Haupthandelsplatz der Insel und Sitz des Bischofs; ihre Straßen waren eng und mit hohen Häusern besetzt. Der untere Stadtteil Le Monillage am Hafen war besonders unge⸗ sund. Von öffentlichen Gebäuden sind anzu⸗ führen eine Kathedrale, ein Gymnasium, ein Justizpalast, eine Irrenanstalt, ein Theater, ein Rathaus usw. Frankreich unterhielt außer dem Verwaltungsapparat und einer Garnison eine Kolonialschule und ein Marinehospital. Die Industrie umfaßte besonders die Fabrikation von Rum und Orangenliqueur. Die großen Pariser Importhäuser hatten bedeutende Nieder⸗ lagen auf der Insel. Bekannt ist St. Pierre als Zuckerausfuhrhafen. N 2

Die Einwohnerzahl der Stadt betrug schon

1889 nicht weniger als 29,100 Seelen und hat seitdem noch zugenommen, die Zahl der Be⸗ wohner kurz vor dem Vulkanausbruch wird auf 36,000 Köpfe geschätzt. 1

Die zerstörte Stadt erstreckte sich in nord⸗ südlicher Richtung zwischen dem Meeresufer und den ein wenig landeinwärts sich erhebenden Höhen in einer Länge von ungefähr 2 Kilo⸗ metern. Eine größere Zahl von alleinstehen⸗ den Wohnhäusern befand sich auf dem Gipfel der mit Felder und Plantagen bedeckten An⸗ höhen. Von besonderer Schönheit war der botanische Garten. Der Vulkan Pelce, welcher der Stadt so verderblich geworden ist, liegt

nordnordöstlich etwa 89 Kilometer von St. Pierre entfernt.

Hier mag gleich eine kurze Notiz über die Nachbarinsel St. Vincent folgen, auf der ebenfalls eine Eruption stattgefunden hat. Die 42,000 Einwohner zählende Insel St. Vincent gehört den Engländern und liegt südlich von Santa Lucia, zwischen dieser Antille und Grana⸗ da. Der Vulkan La Souffrieère ist 1130 Meter hoch und hatte bisher zwei Krater, von denen der eine, mit Wasser ausgefüllt, 5 Kilo- meter Umfang und 150 Meter Tiefe hatte, während der andere, der 1812 einen Ausbruch hatte, kleiner ist.

So ist nun die Insel Martinique am 8. Mat 1902 Schauplatz einer Katastrophe ge⸗ worden von so furchtbar verheerender Allgewalt, wie sie nur für das Jahr 79 u. Chr. bei der Zerstörung von Pompeji und Herculanum, für das Jahr 1755 bei der Heimsuchung Lissabons, die 30,000 Menschenleben vernichtete, und schließ⸗ lich in der jüngeren Vergangenheit für das Jahr 1883, in dem die Insel Krakataua mit nahezu 70,000 Einwohnern durch Erdbeben im Sundameer verschwand, mit blutroten Lettern in das Buch der Geschichte eingezeichnet ist.

Folgende Zusaumenstellung vulka⸗ nischer Katastrophen dürfte gerade jetzt angesichts der Vorgänge auf den Antillen von Juteresse sein:

79 p. Chr. Pompeji und Herculanum zerstört. 1667 Schemacha im Kaukasus, drei Monate dauernde Erdbeben, 80 000 Personen getötet.

0 Royal auf Jamaica zerstört, 3 000

ote.

In Sizilien 54 Städte und 300 Dörfer

vernichtet, 100 000 Tote, darunter 18 000

in Catania, von dem kaum eine Spur

übrig blieb.

Yeddo in Japan ruiniert, 200 000 Tote.

Bei Peking wurden 100000 Personen

getötet.

) Lima und Callao zerstört, 18000 Ein⸗

wohner unter den Ruinen verschüttet.

Port⸗au⸗Prince auf Santo Domingo

zerstört.

Erdbeben in Quito und in Lissabon, wo

binnen acht Minuten durch eine Flut⸗

welle die meisten Häuser zerstört wurden

und 50000 Einwohner das Leben

verloren.

Erdbeben in Martinique.

St. Lucia, 900 Tote.

Das ganze Land zwischen Santa Fe bis

Panama, einschließlich Quito und Cuczo

zerstört, 40000 Tote.

1812 Erdbeben in Caracas, fast 12 000 Tote.

1839 Erdbeben in Martinique, 700 Tote in Port Royal.

1842 Care Haytien, Sant Domingo, 4000

Tote. 8

Pointe à Pitre auf Guadeloupe zerstört.

Quito, 5000 Tote.

Arequipa, Iqujque, Tacua und andere

Städte in Peru zerstört. 200 000 Tote

und Eigentum im Werte von 1 200 Mil⸗

lionen Mark vernichtet.

Java, über 30 Vulkane, insbesondere der

Krakatoe in Thätigkeit. Asche, Steine

und Schlamm wurden 75 Kilometer weit

geschleudert; 35 000 Tote.

Kamaischt in Japan durch Erdbeben

zerstört, 1000 Tote, 20 000 Personen

durch eine Flutwelle weggeschwemmt.

Februar 1902 Schemacha im Kaulasus, 2 000 Häuser zerstört, 4000 Tote.

April 1902 Verschiedene Städte in Guatemala zerstört, Hunderte von Toten.

Das soʒ ĩalĩstische candgut.

Ein Mann, ein Wort, hat Gamp gesagt; Nun kann's uns nicht mehr fehlen.

Er schenkt ein Gut! Wir brauchen nur Die Leitung noch zu wählen.

Um den Erfolg ist mir nicht bang: Wir haben viel Talente

Und ziehen aus dem Gamp'schen Gut. Ganz sicher hohe Rente.

1692 1693

1767 1788 1797

1883

1895

Dem Aufsichtsrat, das ist ganz klar, Wird Singer präsidieren,

Denn der ist ein Finanzgenie

Und kann repräsentieren.

Auch Dietz, der alte Praktikus, Wird diese Sache stützen;

Er wird uns im Verwaltungsrat Durch seine Umsicht nützen.

Für gut halt' ich's, daß Molkenbuhr Der Gutsdirektor werde;

Der überschaut das Ganze und

Erscheint drum stolz zu Pferde.

Der Thedje Schwartz wird Küchenrat Und Metzger Kellermeister;

Dann ist für unsern Leib gesorgt,

Wir werden täglich feister.

Doch auch die Sthik wird gepflegt Bei Jungen und bei Alten;

Karl Frohme wird als Guts Pastor Die Abendandacht halten.

Den Pferdehandel können wir Stadthagen anvertrauen; Der schlau'ste Pferdejude wird Nie über's Ohr ihn hauen.

Da ist der Chemiker, der Wurm; Der macht die Analpsen, Dem wird die Dünger⸗Sparte gleich Zur Leitung überwiesen.

Der Förster's liegt ja auf der Rand Der Förster hegt die Wälder,

Und Stolle leiht uns seine Kraft

Für uns're Spargelfelder.

Der Bebel wird das Standesamt Des Gutsbezirks verwalten

Und Auer wird die Polizei

In Haus und Dorf erhalten.

Auch Dreesbach, der der Dickste ist, Ist trefflich zu verwenden;

Wir werden alsnotleidend ihn

Zum Landwirtsbunde senden.

Noch manchen Mann und manches Amt Wüßt' ich hier aufzuzählen; Wir haben Leute jeder Art Und brauchen nur zu wählen. Jedoch die Nauptsach' ist, daß Gamp Das Gut uns wirklich gebe, Damit ich meine Ferienzeit Agrarisch dort verlebe! (Wochenplauderei imHamb. Echo.)

Splitter.

Eine alberne Gewohnheit der Völker ist, dem Könige zuzuschreiben, was sie thun. Sie schlagen sich. Wer hat den Ruhm davon? Der König. Sie bezahlen. Wer ist freigebig? Der König. Und das Volk liebt ihn, weil er so reich ist. Der König empfängt von den Armen einen Thaler und er giebt den Armen einen Heller zurück. Wie großmütig er ist!!. Ein Zwerg hat ein ausgezeichnetes Mittel, höher denn ein Riese zu sein, er kletterte auf dessen Schultern. Aber das Seltsame ist, daß der Riese es gestattet, und das Törichte, daß er die Größe des Zwerges bewundert. O mensch⸗ liche Einfalt!

Viktor Hugo.

25. Mai. 1901: Einigungs⸗Kongreß der franz. Sozialisten in Lyon. 1871: Pariser Kommune: Er⸗ schießung der Geiseln, Kriegsminister Delescluze gefallen.

26. 1901: Ende derWeltmarschallschaft Wal⸗ dersee's. 1265: Dante, Italiens größter Dichter ge⸗ boren.

27. 1877: Letzter soz⸗dem. Parteitag in Gotha vor dem Sozlalistengesetz.

28. 1871: Ende der Pariser Kommune. Scheuß⸗ liches Niedermetzeln der Kommunekämpfer durch die Ordnungsleute.

29. 1901. Krosigk⸗Prozeß in Gumbinnen. Th. Buckle, Kulturhistoriker, gestorben.

30. 1525: Thomas Münzer hingerichtet. 1778: Voltaire, berühmter franz. Philosoph und Dichter zu Paris gestorben.

31. 1878: Untergang des deutschen Kriegsschiffes Großer Kurfürst an der engl. Küste. 1817: Georg Herwegh; Wilh. Tölcke geboren. 1793: Sturz Robes⸗ pierre's.

1862:

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