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Nr. 8.
Nittelbentsche Seuntags- Seitung.
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halten des Militärs entsprungen sind, mit der Verkürzung der politischen Rechte. 1
Und warum dieses brutale, en Vorgehen der Behörde und des Militärs?
n den ersten Tagen des Februar traten etwa 200 Heizer der Lloydgesellschaft in den Ausstand. Durch die Parteilichkeit der Behörden nahm der Streik für die Arbeiter rasch eine ungünstige Wendung. Nicht nur, daß der Gesellschaft erlaubt wurde, griechische Heizer anzustellen, denen die vorgeschriebene Prüfung zum bloßen Scheine herabgewürdigt wurde, der Lloydgesellschaft wurden auch Heizer der Marine zur Aushilfe überlassen. Darauf⸗ hin traten erst die Arbeiter des Lloyd, bald darauf auch die Arbeiter anderer Branchen, so die städtischen Gasarbeiter und die Buchdrucker in den Ausstand, der so rasch die Form eines Generalstreiks annahm.
Trotzdem das Schiedsgericht die Forderungen der Arbeiter anerkannt und den Streit zu ihren Gunsten entschieden hatte, gaben die Kapitalisten nicht nach. So bedauerlich es ist, begreiflich bleibt es, daß es nun zu Ruhestörungen kam.
Traurig genug ist es für die Soldaten, die in ihrer Blödigkeit die Flinten auf ihre Brüder richten. Heute dürfte es nicht mehr vorkommen, daß Soldaten dem Kommando, auf das Volk zu feuern, Folge leisten. Natürlich wurden viele Verhaftungen vorgenommen. Die Ver⸗ hafteten sollen„Anarchisten“ sein.
Ausstand und Straßenkampf in Barcelona.
Bekanntlich sind in dem Pfaffenlande Spanien die Arbeitsverhältnisse äußerst traurige und war in fast allen Branchen. In Barcelona, er bedeutendsten Industriestadt des Landes kam es Anfangs dieser Woche zu einem größeren Ausstand der Straßenbahnangestellten, Hafenarbeiter, Frachtfuhrleute und Buch- drucker. Die Zeitungen erschienen nicht. Da es mehrfach zu Zusammenstößen kam, wurde der Belagerungszustand verhängt. Bei den Straßenaufläufen machte die Gendarmerie von den Schußwaffen Gebrauch, wobei mehrere Personen getötet wurden. In der Kammer brachte der Minister des Innern einen Gesetz⸗ entwurf ein, durch den die Ermächtigung zur Aufhebung der verfassungsmäßigen Garantien in Barcelona verlangt wird.— Natürlich! Das ist die ganze Weisheit der Staatslenker: wo die Ausgebeuteten ihr Recht fordern, dient man ihnen mit brutalen Gewalt⸗ mitteln.
Um das allgemeine Wahlrecht
führen unsere Genossen in Belgien seit Jahren einen nachhaltigen Kampf. Am letzten Sonntag fand wieder eine große, von mehreren Tausend Personen besuchte sozialistische Versammlung in Charleroi statt, in der mehrere sozialistische Abgeordnete energisch für das allgemeine Wahl⸗ recht eintraten. Ihre Reden wurden von der Menge mit ungeheurem Beifall aufgenommen. Die Ruhe wurde nicht gestört, da die Polizei Auftrag erhalten hatte, nicht einzuschreiten. Aehnliche Kundgebungen werden von den So— zialisten in allen Industriestädten geplant.
Englische Arbeiterführer gegen den Krieg.
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Dem südafrikanischen Kriege gegenüber nimmt die englische Arbeiterschaft— soweit sie sich
olgt habe.
politisch bethätigt— dieselbe Stellung ein, wie
die der übrigen Länder. So hielt neulich John Burns, der bekannte Arbeitervertreter und Abgeordneter für Battersea in einer gegen den Krieg gerichteten Versammlung eine Rede, in ber er die Buren wegen ihrer Tapferkeit lobte und erklärte, daß aller Ruhm dieses Krieges den Buren zufalle, und alle Unehre den Eng⸗ ländern.— Dewet sei in England populär
geworden; Rhodes habe aber seine Popularität
berloren. Billige Arbeit und Errichtung einer
golitischen Geldherrschaft in Südafrika, das sei
er Zweck gewesen den man in Südafrika ver⸗ Soweit dieses Land nicht zur Wüste geworden sei, solle es nun zur Hölle emacht werden. Der Frieden wäre mit Leich⸗
tigkeit herzustellen, wenn man Chamberlain einen längeren Ferienaufenthalt in Westindien und Lord Milner einen Erholungsaufenthalt in England geben, mit andern Worten, die Beiden von ihren Posten jagen würde.
Krieg in Südafrika.
Kämpfe. Eine Niederlage erlitten die Engländer am 12. Februar. Es wurden 150 Mann englische berittene Infanterie in der Nähe von Klipriver nach tapferer Gegenwehr überwältigt, 12 Mann sind gefallen und 48 verwundet, darunter mehrere Offiziere.
Am 10. wurde eine Abteilung der südafri⸗ kanischen Polizei in der Nähe von Vantonder⸗ hoek von überlegenen Feinden unter Verlusten zurückgeworfen.
Louis Botha gefangen? Englische Blätter verbreiten die Nachricht, daß General Louis Botha mit einer kleinen Anzahl Buren in die Gefangenschaft geraten sein soll. Die Nachricht findet indessen wenig Glauben.
Deutscher Reichstag.
Bei der Beratung des Reichs justizetats, die
am Mittwoch zu Ende ging, bildeten die
Duellanträge
den Mittelpunkt der Debatte. Fast alle Redner beschäf⸗ tigten sich damit. Lenzmann von der freisinnigen Volkspartei forderte energisch die Annahme des Antrags Schrader, der Staatsbeamte, die sich duellieren, ihres Amtes entkleiden will. Weiter betonte er, daß manches besser sein könnte, daß verbrecherische Polizeibeamte zu oft begnadigt werden, daß der fliegende Gerichtsstand noch immer nicht beseitigt sei und daß es nicht gut war, daß der Staatssekretär gegen die Prügelgelüste des Fürsten Reuß nicht eingeschritten sei. Der frühere Prä⸗ sident, Herr v. Le vetz o w, hatte nur einige leere Phrasen gegen das Duell, jedoch der Zentrumsmann Gröber ging diesem Unfug scharf zu Leibe und verwahrte sich dagegen, daß man eine Scheidung zwischen Tötung in kommentmäßiger und Tötung in unkommentmäßiger Weise vornehme.
Eine längere Diskussion knüpfte sich an eine Prügel⸗ rede des Herrn Oertel. Diesem Agrarier wurde von dem Freisinnigen Müller und vom Genossen Stadt hagen nachgewiesen, daß er die Werke verschiedener bedeutender Geister, auf die er sich zur Unterstützung seiner rückständigen Ansichten berief, schlecht gelesen und deshalb auch falsch zitiert hatte. Daß Frömmigkeit nicht immer vor Verbrechen schützt, zeigte Stadthagen dem frommen Bündler an dem Beispiele der Herren Sanden und Terlinden. Im Uebrigen geißelte er noch einmal die herrschende Klassenjustiz. Genosse Heine charak⸗ teriflerte in scharfen Worten das preußische Bureaukraten⸗ tum und verlangte entschiedene Wahrung des Gesetz⸗ gebungsrechtes des Reichstags. In einer Verschärfung des Beleidigungsparagraphen erkennt er mit Recht nur eine versteckte Ausnahmegesetzgebung gegen die oppositio⸗ nelle Presse.—
Zum Postetat, der Donnerstag zur Verhandlung kam, brachte Singer eine Reihe von Mißständen zur Sprache, darunter be— sonders eine Verfügung der Oberpostdirektion Hannover, die gerade in der Zeit der Arbeitslosigkeit alle Anträge auf Vermehrung der Beamten und Unterbeamten ab— lehnen will, sowie das Vorgehen des Leipziger Oberpost⸗ direktors gegen das Petitionsrecht der Beamten. Ferner tadelte er das Ueberwachungssystem, das sich auf die privaten und wirtschastlichen Verhältnisse der Unterbeamten erstreckt und die Einrichtung der gehobenen Stellen, die nicht nach Anziennität und Tüchtigkeit verliehen werden, Mit Nachdruck forderte er eine Aufbesserung der Gehälter der niederen Postbeamten.
Auf diesen Punkt ging aber der neue Staatssekretär Kraetke nicht ein, obwohl er sonst mit lobens werter Bereitwilligkeit auf die Wünsche und Beschwerden der Abgeordneten einging. Unter anderem erklärte er auf Beschwerde Singers, daß er das Petitionsrecht nicht beschränken und auch die Hannover'sche Verfügung nicht billigen könne. Dagegen hält er die Ueberwachung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Unterbeamten für geboten und auch auf das System der„gehobenen Stellen“ will er nicht verzichten. Aus den Reihen der bürgerlichen Parteien trat eine große Anzahl Redner anf, die in der Hauptsache lokale Wünsche vorbrachten.— Diese Debatte wurde am Freitag noch weiter geführt. Genosse Ulrich⸗ Offenbach wies auf den Fiskalismus im Postwesen hin und verlangte eine Vermehrung der Zahl der Beamten und eine Verkürzung der Dienstzeit.
Gleichzeitig tadelte er die Ueberarbeit, der die Unter⸗
beamten ausgesetzt sind.— Die weitere Debatte bot an diesem Tage wenig Bemerkenswertes.
Nur drei Stunden arbeitete der Reichstag am Samstage; trotzdem wurden vier Etats erledigt. Der Postetat wurde zu Ende geführt und der Etat der Reichsdruckerei, des allgemeinen Pensions⸗ fonds und des Reichsmilitärgerichts in zweiter Lesung angenommen.
Eine längere Debatte rief nur der Rest des Post⸗ etats hervor. Unser Genosse Zub eil führte, wie schon im Vorjahre, Klage über die lange Arbeitszeit der Postillone und die mangelnde Bekleidung gegen Wind und Wetter. Staatssekretär Kraetke sagte bereitwilligst Abhilfe dieser Mißstände zu.— Dann drückte die Linke einen Vertagungsantrag durch; die Rechte hätte gerne gesehen, wenn der Militäretat noch verhandelt worden wäre.
Am Montag begann das Haus die zweite Lesung
des Militäretats.
Es lag eine Resolution Lenzmann vor, die das Duell⸗ unwesen durch schärfere disziplinarische Bestrafung der Offiziere beseitigen will. Diese Resolution wurde von Lenzmann begründet. Der Redner war aber so inkonsequent, den Duellfreunden das Zugeständnis zu machen, daß es Fälle gäbe, wo das Duell unvermeidlich sei. Diese Inkonsequenz wurde vom Ultramontanen Dr. Bachem mit Recht getadelt, der außerdem bei der Schaffung großer Uebungsplätze mehr Rücksicht auf die Bauern verlangte und sich über Pamphlete gegen die Jesuiten beklagte, die in der Armee verbreitet würden. Der Kriegsminister bestritt das letztere und hob hervor, daß eine Erhebung über die bessere Verteilung der Ein⸗ quartierungslasten im Gange sei.
Dann kam unser Genosse Bebel zum Wort, der Herrn Bachem zum Trost darauf aufmerksam machte, daß noch viel schlimmer als die Jesuiten die Sozial⸗ demokratie in der Armee behandelt würde. Sie gelte geradezu als vogelfrei. Unser Genosse riet, für die Uebungsplätze Staatsländereien zu benutzen oder Staats⸗ waldungen auszuroden. In der Duellfrage wies unser Redner auf die traurige Rolle hin, die der Alkohol bei den Excessen spiele. Er nannte mehrere Fälle, wo Offiziere in der Trunkenheit sich vergangen haben. Hierauf besprach er eingehend das Thema der Soldaten⸗ mißhandlungen und konstatierte bedauernd, daß eine Vermehrung, nicht eine Verminderung aus der Statistik zu entnehmen sei. Er führte einige der ärgsten Fälle derartiger Miß handlungen an. Als Grund für die Zunahme wies er auf die kolossale Steigerung der An⸗ forderungen im Heere hin. Er forderte dringend die Einschränkung des Gamaschendienstes, die Beseitigung des Stechschrittes und des Parademarsches. Unter Hin⸗ weis auf die Fortschritte, die Frankreich in der Armee⸗ organisation gemacht habe, konnte er feststellen, daß der Milizgedanke überall im siegreichen Fortschreiten be⸗ griffen ist.
Der Kriegsminister antwortete zunächst unserem Ge⸗ nossen nicht. Erst als Graf Ro on gegen diesen pole⸗ misiert hatte, wollte er nicht zurückstehen, beschränkte sich aber auf eine sehr ruhige Erwiderung. Er bestritt, daß sich die Mißhandlungen in der Armee vermehrt hätten und verteidigte den Parademarsch und die körperliche Ausbildung, wie sie in der Armee üblich ist. Die Duell⸗Resolution Lenzmann lehnte er für seine Person ab.— Genosse Kunert behandelte dann das Kapitel der Soldatenmißhandlungen weiter, wobei er einen Ord⸗ nungsruf erhielt, als er ein Telegramm des Kaisers an den Grafen Waldersee, das Vorschriften über die Krieg⸗ führung in China enthielt, kritisierte.
Dienstag begann die zweite Lesung des Militär⸗ etats. Hierbei trat Graf Oriola als freiwilliger Re⸗ gierungskommissar auf und kritisierte mit großer Ober⸗ flächlichkeit die gestrige Bebelsche Rede.
Ein frischer Zug kam erst in die Debatte, als Bebel das Wort ergriff, um mit seinen Gegnern abzurechnen. Mit großem Nachdruck wies er auf die konstitutionelle Dupierung des Reichstags hin, die dadurch begangen worden ist, daß bei Wreschen Baracken errichtet worden sind, ohne daß der Reichstag die Mittel dazu bewilligt hat. Dann stellte er fest, daß nach seiner Kenntnis in der That Offiziere, die wegen Sittlichkeitsverbrechen be⸗ straft waren, sehr bald begnadigt worden sind und polemisierte weiter sehr glücklich gegen den Grafen Oriola. — Ferner erörterte der Abg. Lenzmann die
Krosigk⸗Affaire und behandelte sehr eingehend und gründlich die pro— zessualen Verstöße, die in dem Prozeß gegen Hicke l und Marten vorgekommen sind.
essischer Landtag.
Die Zweite Kammer hat am Dienstag ihre Sitzungen wieder aufgenommen. Zunächst wurde der Staatsvertrag zwischen Hessen und Oldenburg wegen Vertriebs der Loose der
hessischen Landeslotterie im Bereich des Groß⸗


