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Nr. 25.

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 7.

terlist, als auf Wahrheit. Wenn das so fort⸗ geht, müssen wir in Elend und Schande alle untergehen. Schon haben wir zu Stadt und Land keinen Kredit mehr, und wenn man jemand einen Lumpen heißen will, so sagt man: er ist ein Goldenthaler!

Bei diesen Worten des Oswald erhob sich ein großes Gemurmel und Drängen im Volk, und jeder sah den Oswald mit finstern Blicken an; also, daß des Müllers Elsbeth in große Furcht gertet. Denn sie stand auf einer Bank am Hause und verwandte kein Auge vom Os⸗ wald, der ihr von Herzen lieb war.

Oswald ließ sich jedoch von dem Gemurre und Gesurre nicht schrecken, sondern fuhr also

1

Liebe Mitbürger, wenn noch ein Tropfen redlichen und frommen Bluts in euern Adern wallt, so schlaget Hand in Hand und sprechet: es soll und muß anders werden! Woher kommt unser Verderben? Dahinten her kommt es aus den Wirtshäusern. Da sind eure Lände⸗ reien in die Wein⸗ und Bierfässer gefallen, und eure Kühe von den Spielkarten erschlagen. Da habt ihr das Sparen verlernt und das Arbeiten vergessen. Armut macht Diebsmut, und Müßiggang ist des Teufels Ruhebank. Das Geld eurer Väter ist verzehrt, und ihre Sonntagsröcke traget ihr mit Löchern in den Aermeln. Habt ihr ein paar Kreuzer im Sack, trinket ihr lustig, und Weib und Kind daheim hungern. Was soll daraus werden? Ich fragte die Vorgesetzten! Wo ist das Vermögen der Gemeinde, und wie habt ihr hausgehalten mit der Hinterlassenschaft unserer Vorfahren? Warum leget ihr keine treue Rechnung ab, und gebet nicht aufrichtigen Rat, wie zu helfen sei? Warum schmauset ihr lieber auf Gemeinds⸗ unkosten, statt der Gemeinde Gut zu sparen? Warum verschließt ihr nicht die Wirtshäuser, und öffnet dafür Abzugsgraben für das Wasser im versumpften Gemeindswald oder bessert unsere halsbrechenden Dorfwege aus? Warum machet ihr's den Leuten so leicht, wenn sie Geld borgen wollen, und machet es ihnen so schwer, wenn sie sich vor dem Bettelstab retten möchten?

Wie Oswald so redete, schrien einige der Vorgesetzten:Schweig, du Landstreicher und Taugenichts, oder wir schicken dich bei Wasser und Brot in den Turm, achtundvierzig Stunden lang! Und die ganze Gemeinde brüllte: Schweig! Schweig!

Aber Oswald erwiderte:Ihr habet Macht, mich in den Turm zu werfen, aber ich habe Macht, euch vor die hohe Landesregierung zu rufen. Wenn ich da eure Wirtschaft aufdecke, wird euch übler zu Mut sein, als mir bei Wasser und Brot ist. Ihr alle aber, Mitbürger, beweiset mir, daß ich falsch rede, oder lästere. Fraget eure Gewissen, ob das Gemeindegut vermehrt oder verheert ist? Fraget eure Ge⸗ wissen, ob ihr reicher oder ärmer geworden seid; ob Treu und Glauben noch unter uns gelten; ob Gottesfurcht und Menschenliebe unter uns herrschen, oder hartherziger Eigen⸗ nutz, Wucher, Lüderlichkeit, Hinterlist, Tucke, Meineid und falsches Wesen? Und wenn euer Gewissen keine Zunge hat, so schauet eure zer fallenen Häuser und Ställe, eure verwilderten Felder und Gärten, eure leeren Geldbeutel und Truhen, eure zerissenen Kleider und Hemden an; die sind meine Zeugen wider euch. Schauet eure armen verwahrlosten Kinder an, sie sind meine Zeugen wider euch. Ihr habet mehr Sorgfalt für eure Kuhe, Säue und Ziegen, als für eure Kinder; und Kühe, Säue und

Ziegen sind euch nicht so lieb, als euch Schwel⸗

gerei und Spiel, Fraß und Sauf sind. 5

Oswald wollte noch mehr sagen; aber sie stießen ihn mit mörderischen Gebrüll vom Stein, und ließen ihn nicht mehr reden. Einige wollten die Hand an ihn legen; aber er ergriff sie mit gewaltiger Faust und schleuderte ste gegen die andern, daß sie mit den Köpfen zusammen⸗ schlugen. Er nahm einen gewaltigen Stecken, und drohte den Ersten zu Boden zu schlagen, der sich nähern würde. Das Geschrei gegen ihn ward i nmer lauter und wilder. Einige hoben Steine auf. Oswald ging be⸗

herzt mit geschwungenem Prügel gegen den dicken Haufen, und mitten durch denselben nach Hause. Er wusch sich, verband seine verwun⸗ dete Stirn und war ruhig.

Da kam, blaß wie der Tod, mit verweinten Augen, Elsbeth und fragte:Oswald, wie geht's dir? Und sie konnte vor Wehmut nichts sagen, und er tröstete sie und drückte sie gerührt an sein Herz.

(Fortsetzung folgt).

Eßt tüchtig Salat! Eßt Gemüse!

Eßt Gemüse usw. Alle, die Ihr nicht nach Marienbad, Kissingen, Ems usw. fahren, eine Badekur durchmachen könnt! Junges Gemüse, besonders Salat, Kopf- und Feldsalat(Rapunzel), sind nicht nur sehr nahrhaft, geben Fleischansatz und Kraft, sondern sie reinigen das Blut, ihr Genuß ersetzt eine Art Badekur. Und Ihr Hausfrauen, die Ihr das erfrischende Grün, den saftigen Salat zurecht macht und auftischt, erhaltet in demselben die stärkenden Kräfte und Säfte: Zerrupft Ihr die Salatköpfe, schneidet Ihr die Blätter vom Kopfe ab, werft Ihr dann Blätter und Herzstückchen in den Eimer, in die Schüssel zum Waschen und. Reinigen, so ist das Beste des Salats dahin, schwimmt im Wasser und kommt auf den Hof statt in den Leib. Die Salatköpfe müssen ganz ungerupft gewaschen und kurz vor dem Essen zerlegt und angemacht werden, damit alle Säfte in der Eßschüssel bleiben. Und dann für den Mann nicht 56 Blättchen, sondern 23 Köpfchen auf den Tisch, Mittags und Abends, und Ihr sollt einmal sehen, wie rosig und blühend die Wangen werden! Versucht nur einmal! Laßt Euch Abends eine Schüssel Salat und dazu die Spiegeleier machen. Ihr werdet bald sehen, wie gut es Euch bekommt; aber 68 Wochen lang. Ein Bad nützt nichts, mehrere hinter⸗ einander aber schaffen's. Im Fleischsaft giebt v. Liebig 2,96 Proz. lösliches Albumin an; der Feldsalat hat 9,09 Proz. Stickstoffgehalt, Kopfsalat 1,41 Proz. Stubenhocker, Arbeiter, Kinder, Kaufleute, Isegrimme usw., eßt Salat!

Zu dieser zeitgemäßen Mahnung, die dem Kleinen Journal für Hygiene entnommen ist, sei noch bemerkt, daß es sich besonders für Alle, die an Magen⸗ oder Verdauungsstörungen, wie auch an Rheumatismus usw. leiden, empfiehlt, statt Essig, Zitronensaft oder, was noch weit billiger und einfacher ist, aufgelöste gereinigte Zitronensäure bei Salat wie bei anderen Speisen zu verwenden. Man erhält die Zitro⸗ nensäure in Stückchen in jeder besseren Mate⸗ rialwaaren⸗Handlung; für 20 bis 30 Pfennig bekommt man genügend für mehrere Wochen. Es empfiehlt sich, immer nur soviel Stückchen in Trinkwasser aufzulösen, als man jedesmal nötig hat; und man kann ohne Schaden mit der Zunge prüfen, ob der Schärfegrad recht ist. Die Zitronensäure⸗Lösung ist dabei so pi⸗ kant, daß man den für Viele unzuträglichen Pfeffer gänzlich sparen kann. W. S.

(Frkfr. Volksst.)

Splitter. Zu behaupten, das Christentum hätte der Menschheit vorher unbekannte sittliche Wahr⸗ heiten mitgeteilt, beweist entweder grobe Unwis⸗

senheit oder geflissentlichen Betrug. a B uck! e.

Humoristisches.

Bescheiden. Fremder(zum Kastellan, der ihm das Schloß gezeigt hat):Ich würde Ihnen gern ein Trinkgeld geben aber ich habe leider nur ein Zwan⸗ zigmarkstück bei mir! Kastellan:O bitte, das genügt.

Abgeblitzt. Stubenmädchen:Wünschen Sie morgen geweckt zu werden? Aelterer Gast:Ja, liebes Kind mit einem Kuß! Stubenmäd⸗ chen:Gut ich will's gleich dem Hausknecht

sagen!(Fl. Bl.) Die Eigenschaft. In dem Armsessel eines Fürsten schlief dessen Kammerdiener ein. Der eben

eintretende Fürst rüttelte ihn aus dem Schlafe mit den Worten:He, er hält sich wohl gar für den Fürsten, dumm genug ist er dazu.

Geständnis. Richter:Sie haben sich aus der Haft vorführen lassen mit der Angabe, daß Sie gestehen wollen. Häftling:Ja, ich gestehe, daß ich es unbegreiflich finde, wie man mich nun schon seit drei Wochen unschul dig in Haft behalten kann.

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Geschichtskalender.

22. Juni. 1899: Amtsantritt des französischen Ministeriums Waldeck-Rousseau. 1633: Galilei's Wider⸗ ruf(Und sie bewegt sich doch.)

23. 1848: Junischlächterei in Paris.

24. 1894: Präsident Carnot ermordet.

25. 1901: Bankkrach in Leipzig. 1848: Einzug der Preußen in Karlsruhe.

26. 1899: v. Hammerstein aus dem Zuchthause entlassen. 1893: Gouverneur Altgold begnadigt die Chikagoer Anarchisten Schwab, Fielden und Neebe.

27. 1898: Minister Berlepsch entlassen.

28. 1901: Sozialistische Wahlsiege in Holland. 71 Jean Jaques Rousseau, Philosoph, in Genf ge⸗ oren.

Empfehlenswerte sozialistische Schriften.

Seit Monatsfrist hat der Wahlverein Gießen den Vertrieb der sozialistischen Litteratur übernommen. In⸗ dem wir unsere Genossen darauf hinweisen, richten wir die Bitte an sie, sich ihrerseits um die weiteste Verbreitung unserer Parteischriften mit zu bemühen, damit unsere Anschauungen in die weitesten Kreise dringen. Auch alle hier nicht angeführten Bücher und Zeitschriften be⸗ sorgt die Kommission. Es sei noch bemerkt, daß der etwa erzielte Gewinn wieder im Interesse der Agitation verwendet wird. Wir machen auf folgende Broschüren und Zeitschriften aufmerksam.

Das Kommunistische Manifest. Von Karl Marx und Friedrich Engels. Preis 15 Pfg.

Das im Jahre 1847 verfaßte Manifest ist die be⸗ deutungsvollste Schrift der sozialistischen Litteratur. Trotz der 45 Jahre Zeitfortschritt haben die darin auf⸗ gestellten allgemeinen Grundsätze im Ganzen heute noch ihre Richtigkeit.

Lohnarbeit und Kapital. Seßparatabdruck aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg.

In der Einleitung, die Friedrich Engels dieser vorzüglichen Agitationsschrift über das Wesen der heutigen Produktionsweise vorausschickt, entwickelt er die Gründe, warum einzelne Stellen und Wendungen geändert sind und knüpft daran eine klare ökonomische Auseinander- setzung über die verschiedenartigen Begriffe: Arbeit und Arbeitskraft.

Christentum und Sozialismus. Bebel. Preis 10 Pfg.

Diese religiöse Polemik zwischen unserm Genossen und dem Kaplan Hohoff fand bereits in den Jahren 1873/74 statt. Der Inhalt des Schriftchens ist aber noch heute durchaus zeitgemäß.

Wie ein Pfarrer Sozialdemokrat wurde. Eine Rede von Paul Göhre, Pfarrer a. D. Preis 10 Pfg.

Weltkrach und Weltmarkt. Eine weltpoli⸗ tische Skizze von Fr. Mehring. Preis 25 Pfg.

Von A.

Weltpolitik, Chinawirren und Trans⸗

vaalkrieg. Von W. Liebknecht. Liebknecht's letzte Rede, gehalten zu Dresden imTrianon am 28. Juli 1900. Preis 15 Pfg.

Wilhelm Liebknecht. Sein Leben und Wirken. Unter Benutzung ungedruckter Briefe und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Kurt Elsner. Mit Porträts und Abbildungen. Preis 30 Pfg. Führer durch das Gewerbe⸗Unfallversicherungs⸗Gesetz. 6 durch das Bau⸗Unfallversicherungs⸗Gesetz.

durch das Unfallversicherungs⸗Gesetz für Land⸗ und Forstwirtschaft. durch das Invalidenversicherungs⸗Gesetz.

Jedes einzelne Werk ist zusammengestellt nach den neuesten gesetzlichen Bestimmungen und mit einem aus⸗ führlichen Inhalts⸗Verzeichnis mit alphabetischem Sach⸗ register versehen. Die Führer sind jedem Arbeiter ein treuer Ratgeber in allen, die Unfall- und Invaliden⸗ Versicherung betreffenden Angelegenheiten. Preis des einzelnen Werkchens 25 Pfg., nach auswärts 3 Pfg. Porto.

Ferner empfehlen wir:

Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöcheutlich ein Heft. Preis 25 Pfg.

Sozialistische Monatshefte. Jeden Monat ein zirka 80 Seiten starkes Heft. Preis pro Heft 50 Pfg.

Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Ilu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg.

Die Hütte. Zeitschrift für das Volk und seine Jugend. Illustriert. Prachtvoll ausgestattet. Alle 14 Tage ein Heft. à 25 Pfg.

Wahrer Jako; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer. Die Kom misston.

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