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Seite 6.

Mittel dentsche Eountags⸗Zeitung.

Nr. 9.

. Anterhaltungs-Ceil. 1

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Preisgekrönt.

Schluß.)

Er trat an einen Tisch, an welchem bekannte Börsianer saßen, die sich mit bewußter Selbst⸗ ironie als Räuber verkleidet hatten. Hier nahm Fritze ohne Weiteres eine Flasche und schenkte für sich und seinen Gefährten zwei Gläser voll.

Prost, Ihr Lumpen! rief er und trank. DieRäuber verstanden Spaß und stießen mit den Straßenkehrern an.

So is et recht, sagte Fritze,wer weje⸗ lagert, der darf et mit die Straßenreinijer nich verderben.

Ein origineller Kauz, hieß es, und man hatte nichts dagegen einzuwenden, daß die Bei⸗ den am Tische Platz nahmen.Wahrscheinlich Künstler, flüsterte man sich zu, auf die unge⸗ zwungene Art der beiden Masken Bezug nehmend.

Im Uebrigen ließ man sich in der Unter⸗ haltung nicht stören.

Der Stadtrat Rumpler ist auch anwesend mit seiner heimlichen Flamme, der kleinen Hulda, wurde erzählt.

So, so was würde dazu seine Frau sagen! bemerkte einer derRäuber.

Sie glaubt ihn in einer Aufsichtsratssitzung der Bodenkreditaktiengesellschaft.

Die gute Seele!

Fritz hatte dieses halblaut geführte Gespräch genau verfolgt und seine suchenden Blicke ent⸗ deckten Rumpler, der, als Scharfrichter gekleidet, an der Seite einer lustigen Zigeunerin saß.

Na warte, den koof ick mir, flüsterte Fritze seinem Freunde zu.

Es wurden Speisen an den Tisch gebracht Hasenbraten, Geflügel und so weiter. Fritze und August griffen ohne Weiteres zu.

Aber, meine Herren, das haben ja wir bestellt, rief einer der Börsianer. faucht! Wer ber belt ga, det Sang ele allen! Wer det bestellt hat, det is, untg. 3 janz ejal. ze ane Lumpen

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Warp* 2 5 der. Tee f keftelen Oie sich aber nicht selbst Hugesseil wir keen Jeld haben! Denn wer

Aus hat, is keen Lump, un wenn er noch so wo froßer Lump wäre!

Sie sind unheimlich konsequent! wurde geantwortet. 5

Is det nich Ballrejel? fragte Fritze.Steht nicht in det Programm, det die konsequenteste Maske jekrönt wird?

Damit gaben sich die beraubten Räuber geschlagen und bestellten sich lachend anderes Essen.

Fritze und August ließen sich ihre Mahlzeit prächtig schmecken, dann erhoben sie sich, griffen zu ihren Besen und rückten dem Stadtrat Rumpler zu Leibe, der soeben mit seiner Zigeunerin zum Tanze antreten wollte.

Juten Abend, Herr Stadtrat, sagte August.

Juten Abend, Frau Stadtrat, sagte Fritze, indem Beide das Paar in die Mitte nahmen.

Was soll das? rief Rumpler ärgerlich; hier bin ich nicht Stadtrat, sondern Maske.

Janz recht Scharfrichter, erwiderte Fritze.Aber weil Du in Deiner Amtswürde manchmal en jestrenger Scharfrichter bist, wenn nämlich en armer Teufel eene Konzession ver⸗ langt, darum hab ick jejlobt, det Du den Unter⸗ schied nich so janz jenau nimmst. Hab ick recht, Frau Stadtrat?

Die Gefragte, ein flottes Mädchen mit dreisten Manieren, lachte hell auf, Rumpler zog sie ärgerlich mit sich fort.

Na, uff Wiedersehen! sagte Fritze.

Er ergriff Augusts Arm und sie steuerten durch das bunte Gewimmel dieses eigenartigen Balles, während rauschende Musik ertönte und hier und da an den Tischen die Cha mpagner⸗

pfropfen knallten. Die imposanten Figuren der beiden Straßenkehrer machten überall Effekt.

Wer seid Ihr denn eigentlich? fragte ein neugieriger Hausbesitzer. A

Bildhauer möcht ick sein, det ick Dir aushauen könnte, antwortete August, der seine anfängliche Schüchternheit überwunden hatte.

Es sind Bildhauer, sagte einer, der nur einige Worte aus diesem Gespräch vernommen hatte. Man suchte ihre Gesellschaft, bot ihnen zu trinken an und sie waren nicht blöde.

Endlich nahte die Stunde der Preiskrönung; die Jury war schon längst in Thätigkeit ge⸗ wesen und ein Orchestertusch rief die Masken zusammen. Es wurde feierlich verkündet, daß sowohl hinsichtlich korrekter Zusammenstellung der Tracht als in konsequenter Durchführung der gewählten Rolle die beiden Straßenkehrer⸗ masken den ersten Preis im Betrag von hundert Mark zuerkannt erhalten.

Fritze und August hatten kaum Zeit, sich von ihrer Ueberraschung zu erholen, als sie zur feierlichen Ueberreichung des Preises herbeigeholt wurden, begrüßt von Musik und jubelnden Zurufen.

Det is der beste Jerichtshof, den ick bisher jesehen habe, sagte Fritze.

Sie wurden höflich nach ihren Namen ge⸗ fragt, den sie auch richtig angaben.

Und Ihr Stand? hieß es weiter.

Da warf sich Fritze in die Brust, stampfte mit dem Schafte seines Besens den Boden und rief:Wir sind Landschaftsmaler janz plän⸗ öhr, frei Licht bei Tag und Nacht! Wir haben noch heute an eene Winterlandschaft jemalt, die sich jewaschen hat.

Also Maler von der Sezesston. Damit gab man sich zufrieden und die Preisgekrönten zogen sich vergnügt zurück und suchten das Bier⸗ stübel auf, wo echtes Münchener verzapft wurde.

Hier trafen sie den Stadtrat Rumpler wieder, und zwar befand sich derselbe in höchst ärger⸗ licher Stimmung, denn ein junger, flotter Taschendieb hatte ihm seine schöne Hulda

Walzen-Leben.

Von G. H. in G. (Fortsetzung)

Einige Wochen später sollte ich eine nicht so angenehme Lagerstätte finden. Wir waren jetzt nur noch zu zweien. Hoch im Norden Deutschlands, nahe der dänischen Grenze, er⸗ reichten wir an einem heißen Tage des Abends ein großes Dorf und gedachten dort zu über⸗ nachten. In der einzigen Wirtschaft, dem in dortiger Gegend sogenanntenKrug, einge⸗ kehrt und den Wunsch um Obdach vorgebracht, zeigte man uns einen aus Brettern zusammen⸗ geschagenen Kasten mit Stroh und einer furchtbar schmutzigen Decke. Dies sollte unser gemein⸗ sames Lager sein, wofür jeder 40 Pfg. zahlen sollte. Meine Bitte, uns lieber in die Scheuer auf Stroh oder Heu ein Lager bereiten zu wollen, wurde nicht erfüllt. Aus diesem Grunde faßten wir den Entschluß, platt zu machen, bei Mutter Grün zu pennen. Nicht gerade guter Laune zogen wir ermüdet weiter. Nach langer Wanderung zeigte sich uns endlich ein zum Streuen gesammelter Haufen Haidekraut. Schnell war aus demseben ein zwar nicht besonders weiches und verlockendes, aber doch reinlicheres Lager bereitet, wie uns in der Wirtschaft geboten wurde. Ermüdet legten wir uns nieder. Der Abend war drückend schwül. In 85 Ferne erhellten Blitze das Firmament. Vor Uebermüdung schliefen wir jedoch bald ein. Aber die Ruhe dauerte nicht lange, denn heftige Donnerschläge weckten uns und brachten uns zu dem Bewußtsein, daß das Gewitter ganz in der Nähe war. Sturm setzte ein und ein wolkenbruchartiger Regen strömte hernieder. Nirgends ein schützendes Dach. Durchgenäßt bis auf die Haut, von dem Marsch, durch den aufgeweichten Boden bis zum Umsinken ermattet, erreichten wir endlich gegen Morgen einen einsam gelegenen Hof, wo wir Ruhe, Speise und Than faden.

abgezwickt und war mit ihr davongegangen. Wo is denn die Frau Stadtrat? exkurdegte sich Fritze. B knukikalsen. Se ilich doch endlich in Ruhe, 5 umpler. ö. a

e, Na, sein Se man nich so, meinte Fritze, neben Rumpler am Tische Platz nehmend. Wissen Se, ick hab nämlich wat mit die Frau Stadtrat zu reden, und wenn ick se hier nich treffe, denn müßt ick mir morjen in Ihre Wohn⸗ ung die Ehre jeben. 5

Freilich, sagte Fritze gemütlich.Ich denke wie Jöthe:Jeh die Damen zart entjejen, du jewinnst sie dann sofort. Et is von wezen die Kneipkonzession in der Wrangelstraße, die mir der jestrenge Herr Rumpler verweijert. Und weil mir vorhin die Frau Stadtrat so anjelacht hat, da möcht ick se bitten, det sie bei ihren Herrn Jemahl ein jutes Wort vor mir inlegt.

Aber das ist ja Unsinn! rief Rumpler.

Jedenfalls propier icks, beharrte Fritze.

Rumpler überlegte, dann lenkte er ein. Man kann nicht jedem ersten Besten eine Kon⸗ zession geben allein, nachdem ich Sie hier, in einer so respektablen Gesellschaft und im Verkehr mit hochangesehenen Leuten gesehen habe, ändert das natürlich die Sache. Meine früheren Bedenken sind geschwunden und ich werde Ihre Konzession befürworten. Aber kom⸗ men Sie mir ja nicht in die Wohnung, denn da ist kein Platz für Amtsgeschäfte.

Unbesorgt, jetzt verlaß ick mir janz uff Sie! Heute Abend lassen sojar Scharfrichter mit sich reden.

Beide verließen den Lumpenball mit großer Befriedigung und legten bald ihre Besen nieder, denn die versprochene Konzession ließ nicht lange auf sich warten und die neue Wirtschaft florterte, denn Fritze und August, der als, Oberkellner an⸗ gestellt wurde, wußten die Gäste mit demselben Humor zu fesseln, mit welchem sie noch immer den Unbilden des Schicksals Trotz geboten hatten.

Selbst zune Kleider wurden uns geboten, Ielß wir die unsrigen beim Herdfeuer krocknen konnten.

Segen den guten Menschen!

Herberge zur Heimat! n

In großen Lettern steht es geschrieben, und wie freut sich der müde Wanderer beim A. blick derselben; findet er doch nach dem ermüden⸗ den Tagemarsch Ruhe und Erholung.

Schon ziemlich früh bin ich an einem recht heißen Tage zurHeimat eingekehrt und sitze, Zeitung lesend, iu einer einsamen Ecke. In dem Lokal befinden sich erst wenig Fremde; nach und nach aber ziehen immer mehr bestaubte müde Gesellen langsamen Schrittes heran. Bald ist der große Raum vollständig besetzt. Jeder muß auf dem eingenommenen Platz hübsch ruhig sitzen bleiben, eln Umhergehen gestattet der Herbergsvater nicht. Hier sitzen einige, im Flüsterton sich unterhaltend; dort geht es viel lauter her, aber ein kräftiges: Ruhig Kinder! desVaters dämpft augen⸗ blicklich ihre Stimmen. Ein ruhiger junger Mann in meiner Nähe zählt seine Baarschaft und ist von dem Resultat wenig erbaut, denn er bittet mich, ihm fünf Pfennigleihen zu wollen, er hat das Schlafgeld nicht einmal zusammen bekommen. a

In dem großen Saal herrscht eine Luft zum Ersticken. Alle möglichen Gerüche drängen sich der Nase auf: Schweißgeruch, Tabaks⸗ dunst und weiß Gott was noch mehr.

Breitspurig sitzt dort ein Bursche und raucht einen Cigarrenstummel nach dem an dern, die er auf der Straße gesammelt, echteStraß⸗ burger, wie er sie nennt. EinKollege von ihm zerschneidet seineStraßburger und füllt damit seine Thonpfeife, der er dann ein köst⸗ liches Aroma entlockt. 5

Andere packen ihre Beute an Lebensmitteln aus. Da bemerkte ich einen alten, verkommener Fechtbruder, dessen Taschen scheinbar uner⸗ gründlich sind. Was der nicht alles aus seinen Magazinen her vorholt: eine unglaubliche Menge Brot, Wurstreste, Speck, Käse ꝛc. Alles liegt

bunt durchein ander und ist wenig Appetit

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