ein tüchtiger Schmied, führte das Geſchäft und ſeine Frau und er trugen den alten Großvater auf den Händen. Er kannte mich auch nicht mehr; aber als ich mich zu erkennen gab, da nahm er meine Hand und drückte ſie mit einer Freude, als wär' ich ſein Sohn. Ich mußte ihm meine Schickſale haarklein erzählen und ich durfte nicht gleich wieder i wie ich gewollt, ſondern mußte i bei ihm bleiben. 1 7 wir denn auf allerhand alte und neue Geſchichten und mir fiel auch der Strick wieder ein. i 5 s dem Strick geworden? 4„ ſagte er lachend, bei dir heißt's auch: Alte Liebe roſtet nicht! Ja, das will ich dir ganz genau ſagen. Du erinnerſt dich wohl noch d'ran, wie du mir zu⸗ riefſt: Meiſter, ihr habt die Wette gewonnen! Damals hatte ihn der Kneip, der Vogelsnarr, arg mit dem Knie⸗ riemen traktirt und ich hielt ihm eine Spottrede auf mei⸗ ner Thürſchwelle, die ihm in's Fleiſch drang wie ein ſpitzer Dorn. Der Bub iſt recht krank geworden und der Dottor und der Bartfeger ſind ſchier drei Wochen über ihn ge⸗ gangen. Wär's nicht der Strick geweſen, deſſen Teufels⸗ ſtreiche Jedermann kannte, und hätte ihm nicht wieder Jedermann die Prügelſuppe von Herzen gegönnt, dem alten Kneip wär's dazumal denn doch übel bekommen. Der Doctor ſagte aber zum Friedensrichter: Laßt's gut ſein, Herr Richter, Unkraut vergeht nicht. Er ſtirbt nicht d'ran, und es hat auch keine üble Folgen für ihn. Viel⸗ leicht iſt's ihm heilſam und er kann das Datum ſeiner Beſſerung vom Knieriemen und Vogelsorgelchen ſchreiben. Da ließ der's liegen und nahm den Kneip nur ſo unter vier Augen auf's Korn und gab ihm ein Bildchen, das
er nicht hat einrahmen laſſen und es auch nicht an die
gehängt hat. e de 15 auch eine Schande und ein Greuel, wie ihn der Kneip zugerichtet hatte. Himmelblaue Strie⸗ men liefen um ſeinen Leib, wie Reife um ein Faß. Dieſe ſpielten ſpäter in allen Farben des Regenbogens und der Bub konnte nicht ſitzen und nicht liegen. Indeſſen war er ſtille, klagte nicht viel, ſprach auch nicht viel, bis er anz hergeſtellt war. . 1 aber noch mehr auffiel, war das, daß er ſich gar nicht vor der Thüre blicken ließ. Sah' er mich, ſo machte er ſich ſchnell aus den Reiſern. Es geht gut, dachte ich und der Doctor hat recht. Er war aber auch alt genug, um verſtändig zu ſein. Er war dazumal eben dreizehn Jahr alt.
ä ſagte er eines frühen Morgens, heut geh'
ich fort in die Welt.
Du wirſt doch nicht? rief ſie. unter die Erde bringen? 15
Nein, liebe Mutter, das ſei ferne; aber hier kann ich nicht bleiben, wo ich mich vor aller Welt ſchämen muß. Hat doch der Schmied mir geſagt ich käme noch an den Galgen. Thue mich nach A. zu meinem Vetter. Dort will ich ein anderer Menſch werden. Sie winſelte viel; aber der Strick beſtand auf ſeinem Willen. N
Nun wurde nach A. geſchrieben, die Sache fertig gemacht und er reiſt ab. a
In A. ſind gute Schulen. fleißig. Er wird dort confirmirt und auf einmal iſt er fort. Wohin? weiß kein Menſch. Alles wurde angewen— det, ihn wieder zu finden; aber es war vergeblich. Du kannſt dir den Jammer der armen Frau vorſtellen.
Unkraut vergeht nicht, ſagte der Doctor, und das iſt richtig. Nach ſechs Monaten bringen die Gensdarmen einen verlumpten Buben nach A. zu dem Vetter. Das iſt
Ach, willſt du mich
Die beſucht der Strick
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lieber Meiſter, bat ich ihn, ſagt mir doch, was
der Strick. Er wollte, Gott weiß, wohin, um etwas zu werden und wurde, wie das ganz natürlich war, ein Bett⸗ ler. Als ſolcher kam er wieder. Der Vetter in A. wollt' ihn Anfangs gar nicht aufnehmen; aber als der Bub jammert und weint, verſpricht, ſich zu beſſern, da nimmt er ihn auf, kleidet ihn wieder menſchlich und ſtellt ihn in ſeinen Laden.(Schluß folgt.)
Kirchenbuchs⸗Auszug vom Monat Juli. Friedberg. Getraute:
1. Joh. Werner, Bürger und Weißbinder dahier, des weiland hieſigen Burgers und Mauerermeiſters Chriſtoph Werner, hinterbliebener ehelicher lediger Sohn und
Eva Kämmerer, des Bürgers und Mauerers Philipp Kämmerer zu Heuſenſtamm, eheliche ledige Tochter.
Getaufte:
2. Ein unehelicher Sohn, Ferdinand, geb. den 15. Juni.
5. Dem hieſigen Bürger, Drehermeiſter und Silberarbeiter Konrad Leonhard eine Tochter, Suſanne, geb. den 25. Juni. a
8. Dem Ortsbürger zu Beerfelden und Rentamtsgehülfen dahier, Adam Breitinger eine Tochter, Anna Maria Antoinette, geb. den 25. Juni. 0
9. Dem Großh. Heſſ. Hofgerichts-Advokaten Guſtav Her⸗
mann Franz Trapp III. ein Sohn, Otto Auguſt, geb.
den 8. Juni. i
Dem hieſigen Bürger und Schönfarbermeiſter Johann
10.
Wilhelm Bechſtein ein Sohn, Heinrich Adam Wilhelm,
geb. den 16. Juni.
Dem hieſigen Bürger und Kaufmann Peter Franz
Schmittner ein Sohn, Johann Wilhelm, geb. den
26. Juni.
Dem hieſigen Bürger und Bäckermeiſter Karl Friedrich Graff ein Sohn, Friedrich Chriſtian, geb. den 21. Juni.
Dem Ortsbürger zu Oberbreidenbach und Gr. Heſſ. Gensdarmen dahier Heinrich Lieberknecht ein Sohn, Georg, geb. den 4. Juli.
Dem Ortsbürger zu Bingenheim und Bäckergeſellen dahier Georg Pflüger eine Tochter, Katharine, geb.
den 8. Juli.
Dem hieſigen Bürger und Schneidermeiſter Alexander
Gerhard, Zwillinge, ein Sohn Joſeph und eine Tochter
Katharina, geb. den 17. Juli. 0
Ein unehelicher Sohn, Heinrich, geb. den 8. Juli.
Beerdigte: 5s
9. Eliſabetha Sophie Charlotte Eich, geborene Engel, des weiland hieſigen Rathſchöffen und Handelsmannes
Chriſtian Kaſimir Eich, hinterbliebene Wittwe, alt 60
Jahre, 7 den 8. Juli.
Gottfried Jacob Hauſtädt, des hieſigen Bürgers un
Kaufmannes Gottfried Hauſtädt ehelicher Sohn, alt
14 Jahre, 11 Monate und 12 Tage, f den 9. Juli.
Lukretia Katharina Vogt, geborene Rückert, des hieſigen
Bürgers und Kaufmannes Chriſtian Karl Vogt Ehe⸗
frau, alt 36 Jahre, 7 Monate und 27 Tage, 7 den 9. Juli.
Joh. Georg Renneberg, vormaliger Stadthauptmann
und Phiſicatschirurg dahier, alt 75 Jahre, 7m den 14.
Juli. 1
Katharina Lotz, des Ortsbürgers zu Bärſtadt und
Eiſenbahndieners dahier Heinrich Lotz eheliche Tochter,
alt 11 Jahre und 3 Monate weniger 2 Tage, 7 den
26. Juli. 15
15.
29.
11.
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16.
27.
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