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knöpfen und ſcharlachner Einfaſſung und Hoſen von rothem
Mancheſter mit geſtreifter ſeidner Schärpe und geſtickten, wildledernen Schuhen, und einer parfümirten Cigaretto
machen konnten. Er trug ſeinen aufgeſchlagenen Sombrero keck auf einer Seite und unter ihm das unausweichliche, ſchwarzſeidene Taſchentuch, deſſen Ecken über ſeinen Nacken herunterhingen. Hinter ihm drein kam ſein Diener mit aufgeſchlagenem Hute ö N e sere auf der Schulter und warf etwas ſchüchterne Blicke nach der bunten Vers von Indianern und Fallenſtellern hinüber, die ihn dann und wann neckten. Hinter dieſen gruppirten ſich noch zwanzig bis dreißig ſpeculirende Yankees,„Gentlemen—
Händler,, wie ſie ſich wahrſcheinlich nannten, mit einigen
recht hübſchen kaliforniſchen Frauen, die mit ihren Man⸗ nern nach den Minen hinaufzogen. Ich bemerkte, wie der
Kapitän faſt mit Jedem wenigſtens ein paar Worte wech⸗
ſelte und allgemein beliebt und geachtet ſchien.
Bradley erzählte mir heute Abend die Urſache einer
Wunde, die in Kapitän Sutters Antlitz gerade eben ſicht⸗ bar war. Der Kapitän, ein geborner Deutſcher, foll bis 1830 unter Carl X. Schweizer-Garde geweſen ſein, wo denn ein Sübelhieb von einem polytechniſchen Schüler ſeinem Geſichte das unvertilgbare Andenken an die drei vüchmlichen Tage einzeichnete. In der That ſcheint es, als ob der Kapitän gewöhnlich Partei mit deu eingeſetzten Obrigkeiten gehalten habe, da er ſich auch 184 mu all ſeinen Leuten der mexikaniſchen Regierung zur Dispoſition ſtellte: In Kalifornien war er übrigens glücklicher als in Paris; denn bei diefer Gelegenheit bekam er auch nicht die leichteſte Wunde. A eee eee e een eee 30. Mau. Zu meinem großen Leidweſen ſetzten wir an dieſem Tage uaſre Reiſe noch nicht fort. Wie ich es befürchtet hatte, fand es Malcolm geſtern unmeg⸗ lich beim Hufſchmied Beiſtand zu erhalten und kam Abends zu mir, mich zu benachrichtigen, daß er und die Uebrigen die Nacht noch auslagern würden. Bradley und ich fau⸗ den ein reichliches Abendeſſen für uns bereitet, und nach⸗ dem wir allem Eßbaren die gehörige Ehre erwieſen“ ſah nich nach Bradley's Arm und kürzte die Nacht dadurch, daß ich meine Erlebniſſe niederſchrieb. hen ns An dieſem Morgen ſtand ich früh auf und ging nach
dem Lager hinüber, das ſich etwa 1% Meilen entfernt
unter einigen Eichen auf einem Srück Wieſengrund und uf Kapitän Sutter's Farm befand. Es wurde mir nicht leicht, es gleich herauszubekommenz denn wenigſtens 1520 ähnliche Zelte ſtanden am Ufer herum zerſtreut“ Die Ge⸗ ſellſchaft fand ich ſchon munter und des Frühſtücks harrend, das unter Don Louis Oberaufſicht eben bereitet ward. Die allgemeine Anſicht ging dahin, noch zwei Extrapferde zu kaufen, um unſre Vorräthe fortzuſchaffen. Malcolm verſicherte dabei, es gäbe noch eine Maſſe von Artikeln, deren wir nothwendig bedürften, nämlich Blechbecher zum Trinken und einige Eimer zum Waſſer, Gabeln und andere kleine Dinge. Auch rieth⸗er, noch ein paar Aexte und eine ſtarke Säge mit Hämmern, Nägeln und einigen der indianiſchen Körbe, die man hier ſo häufig ſah, bei Bran⸗ nans einzukaufen! 2 f
Als ich nach dem Fort zurückkehrte, traf ich den Kapitän, der eine leichte militäriſche Uniform trug. Ich plauderte mit ihm etwa eine halbe Stunde über ſeine Farmen, und er erzählte mir, daß er der erſte weiße Mann geweſen ſei, der ſich in dieſem Theile des Landes niederge⸗ laſſen. Vor zehn Jahren etwa, als die mexikaniſche Re⸗ gierung voller Colonieſationspläne war, deren Zweck dahin ging, die Miſſion aufzulöſen und eine Bevölkerung dorthin zu führen, die den Kaliforniern die Spitze bieten könnte,
und blitzenden Strumpfbändern.
Verſammlung
erhielt er die Schenkung eines Stück Landes, ſechszig
Meilen nach einer Richtung und zwölf nach der andern
hin, von dem er jetzt etwa 161700 Acker unter Kultur
gebracht hatte.
„Als ich hieher kam,“ ſagte der Kapitän,„kannte
ich das Land und die Indianer gut genug. Vor acht Jahren
wuchs noch auf dieſen Feldern das lange holzige Gras, und hie und da ſchoß eine Eiche oder Kiefer zwiſchen ihm heraus, Sie können ſehen, was ſie jetzt ſind. Was die Indianer betrifft, ſo machten mir die etwas mehr Mühe.
Ich kann mich eines Schutzes von vierzehn Kanonen
rühmen, obgleich man ſie jetzt kaum anders gebraucht, als einmal an Feſttagen ein paar Grüße abzufeuern. Den größten Theil dieſer Kanonen erhißlt ich die letzten vier Jahre von Roß; als ich aber zuerſt hier anlangte, brachte
ich ein paar Haubitzen mit, aus denen ich in einer Nacht,
als mich die Diebe von allen Seiten einſchloſſen, eine
Granate gerade über ihre Köpfe wegfeuerte. Der bloße
Anblick derſelben, als ſie platzte, überzeugte die Schurken jedoch, welche Mittel der Vertheidigung, mir zu Gebote ſtanden. Wenn mich das aber gegen einen directen An⸗ griff ſicherte, ſo konnte es doch nicht meine Pferde und Rinder ſchützen, die bei jeder paſſenden Gelegenheit ge⸗ ſtohlen wurden.“—.... ö
Hiernach verſicherte mir dex Kapitän, daß er die Indianer zuletzt ziemlich unter Controlle und ſie zuletzt durch Verſprechungen von Kleidern und andern Artikeln ſogar dahin gebracht hatte, für ihn zu arbeiten. Nur darin war er ſehr vorſichtig, ſie mit Büchſen, Pulver und Blei zu verſehen. Seiner Ausſage nach iſt übrigens jeder Backſtein, aus dem das Fort beſteht, durch Indianer ge⸗ macht, die auch alle die Gräben aufwarfen, welche ſeine Weizenfelder von einander ſcheiden. Solche Gräben ſind nämlich ſehr nöthig, die große Anzahl von Rindern und Pferden, die zu einer Farm gehören, zu verhindern, in die Felder zu brechen.——
Während wir zum Hauſe zurückkehrten, bat ich den Kapitän mit dem Oberſchmied wegen unſerer Pferde zu ſprechenz hernach gingen wir zum Frühſtück, wo ich ſeine Frau und Tochter zum erſten Male ſah. Es ſind dies Beides ſehr liebenswürdige Damen und zwar geborne Franzöſinnen. Während des Mahles fand ich Kapitän Sutter ziemlich geſprächig über die Entdeckung der Gold⸗ minen, und das freute mich um ſon mehr, da mir viel daran lag, einen wirklich authentiſchen Bericht über die Einzelheiten derſelben, über die ſo manche lächerliche Ge⸗ ſchichten ſchon erzählt worden, zu vernehmen. So trug man ſich ſogar mit dem Gexüchte herum, die Minen ſeien nach einer Prophezeihung des betühmten Joe Smith von den Mormonen aufgeſucht und gefunden worden. Eine andere Sage ging, der Kapitän habe den Geiſt eines in— dianiſchen Häuptlings geſehen, welchem er früher einmal eine Büchſe gegeben hatte. Dieſer Büchſe konnte ſich der Indianer damals nur drei Monate erfteuen;z denn er wurde in der Nachbarſchaft der Felſengebirge und im Be⸗ griff, mit ſeinem Stamme einen Angriff auf die Pawnees zu machen, von einem Büffel zu Tode geſtampft. Dieſer Geiſt follte dem Kapitän verſichert haben, er wolle ihn ſehr reich machen, wenn der Kapttän mit einem Theile des verſprochenen Goldes augenblicklich eine Schiffsladung von Büchſen kaufen und jedem ſeines Stammes eine der⸗ ſelben geben wollte. Solcher Geſtakt liefen die verſchie⸗ denen Gerüchte; den wahren Bericht der Entdeckung will ich aber hier, ſoweit ich mich deſſen erinnern kann, mlt
des Kapitäns eignen Worten wiedergeben
„Ich ſaß eines Nachmittags,“ etzählte der Kapitän, „gerade nach meiner Sieſta und beifaußg erwähnt, im


