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Delausſchenken gefiel ihm nicht. Wie er's anfing, weiß Der Apotheker e en, Der Saſgſcheun.
ich nicht, aber er kaufte oder ließ ſich Baldrian in der Apotheke kaufen, legt den gleich am erſten Abend vor Pfefferkorn's Stubenthüre. Noch iſt's nicht Mitternacht, da ſind alle Katzen der Nachbarſchaft vor der Schlafſtuben— thüre, wälzen ſich auf dem Baldrian und heulen, daß die Steine hätten raſend werden mögen. Umſonſt verjagt ſie der alte Junggeſelle. Sie kommen immer wieder, Kurz, er kann kein Auge zu thun. drian, weil der Geruch entſetzlich ſtark iſt und kann nicht zweifeln, wer das verurſacht. Fritz bekommt ſtatt des Frühſtücks Prügel und wird fortgejagt. Als er heimkommt
umhalſt ihn die Mutter und dankt Gott, daß ihr Fritzchen
wieder da iſt, denn ſie habe die ganze Nacht vor Weinen nicht ſchlafen können.
Da lauft mir denn doch die Laus über die Leber, als ich das höre; gehe hinüber und ſage: Frau Nach⸗ barin, nehm' Sie's nicht quer, aber Sie iſt eine— Gans: Soll da der Tagdieb beſſer werden? Jag' Sie ihn wieder zum Pfefferkorn! So wird er nie etwas nutz!
Ei, da hättet Ihr die Frau Nachbarin ſehen ſollen! Himmel und Erde! Sie ſtemmt beide Arme in die Seite und ruft: Er Flegel! Was geht ihn mein Hausweſen an? Was nennnt er mich eine Gans? Er ruſiger Kohlen⸗ brenner, mach' er ſich hinaus, ſonſt jag' ich ihn mit einem Feuerbrand! 5
Aha! ſagte der Gevatter. Hätt'ſt Du vor Deiner Thüre gekehrt! Der Name: Gans war eben auch nicht ſonderlich fein!
Die Uebrigen lachten.
Ihr habt recht, ſagte der Schmiedjacob. Ich hätt's höflicher machen können, aber wer hat da eine Goldwaage für jedes Wörtlein, wenn man ſo confuſes Treiben an⸗ ſchauen muß? Item, ich dachte, was dich nicht brennt, das blaſ' nicht, und ging heim.
Was ich aber geſagt, das traf ein. Der Strick wurde alle Tage nichtsnutziger. An mich und den Meiſter wagte er ſich nicht, weil er einmal von mir eine Dachtel ekriegt hatte, die nicht ſchlecht geſalzt war; aber jeden
bend gab's etwas. Der Wachtmeiſter, die Schützen— Alles paßte auf; allein der Schelm war wie ein Wieſel. Et mußte überall durchſchlüpfen können. Niemand er⸗ wiſchte ihn. Da ſah die Frau Nachbarin ein, daß ich die Wahrheit geſagt. Sie that ihn zu dem Bartfeger, daß er ſollte Feldſcherer werden. Der ſchickt ihn, nachdem er das Schaben gelernt, zu dem Apotheker, daß er ihm den Bart abnehme. Der hatte ſchon einige Dutzend Llkör⸗ chen zu ſich genommen und mochte nicht an des Stricks
Streiche denken; läßt ſich einſeifen und halb abraſiren.
Da ruft der Strick aus: Ich habe das rechte Meſſer nicht! und lauft mit ſeinen Siebenſachen fort.
Morgens findet er den Bal⸗
meht von
trocknet, aber mein Strick kommt nicht wieder. end⸗ lich der trocknende Schaum wie allnichtsguts beißt, da fängt er an, einzuſehen, daß ihn der Bube genarrt hat.
Das Gewitter bricht los und der Bartfeger jagt ihn heim.
Da haben wir's! ſagt ich. Und wieder nimmt ſie ihn mit Freuden auf; doch die Gedanken kamen bald nach und weinend kommt ſie in unſer Haus, und fragt:: Was ſoll ich nur mit dem Braten anfangen?
Vorerſt, ſagte mein Meiſter, ſchimpf' Sie die Leute nicht, die's gut mit Ihr meinen(das galt mir!) und dann
befolg' Sie guten Rath! Draußen am Thor wohnt der
Schuſter Kneip; der hat einen extrazähen Knieriemen. Thue Sie ihn zu dem und laſſe Sie ihn Schuſter werden. Etwas Beſſeres wird doch aus dem Racker nicht, ſonſt ſieht Sie ihn noch am Galgen!
Mein guter Meiſter verſtand ſich auch nicht viel auf feine Redensarten. In dieſer Weiſe fuhr er fort und rieb der Frau Nachbarin den Kümmel, daß es eine Luſt war. Dießmal nahm ſie's in Demuth, obwohl ſie manchmal das Mäulchen ſäuerlich verzog und ich dachte: Halt, jetzt geht das Züngelein los!“ 5 f
Sie verſprach's zu überlegen und ging.
Der Schuſter Kneip war eine grundehrliche Seele, ein kreuzbraver Menſch; aber er verſtand nicht viel Spaß mit den Lehrjungen. Die durften ihm nicht vor die Thür. Machte Einer einmal ſo einige Bockſprünge, ſo knieriemte er ihn aus dem FF., daß die Schwarte krachte und band ihn au die Werkbank feſt. Item, er brachte ſie in die Ordnung und die Armenkommiſſion gab ihm meiſt die Bettelbuben in die Lehre, die ſie das Schuſterhandwerk erlernen laſſen wollte. Jedermann wußte dabei, daß er ungemein gutmüthig war. Seine ganze Stube hing voll Vogelkäfige und an dieſen Thierchen hing ſein Herz. Das ganze Jahr orgelte er ihnen auf einer kleinen Handorgel etwas vor, und es gab keinen glücklicheren Menſchen, als ihn, wenn ſo ein Vögelchen das Orgelſtücklein lernte. Wie erſtaunte der, als er die Frau Gewürzkrämerin eintreten ſah und vernahm, daß er aus dem Strick einen Pechdraht machen ſollte..
Ja, ja, ſagte er, das iſt eine ſchwere Arbeit. Dem Pfefferkorn hat er den Leiden gemacht; dem Bartfeger auch. Das ſag' ich Ihr, Frau Kron, ich will ihn nehmen; abet kommt et'mal heim, und hat blaue Riemen auf dem Rücken, ſo denke Sie, die kämen nicht vom blauen Winde. Schickt er ſich endlich, ſo ſoll's Niemand lieber ſein als mir!
So wandert denn der Strick zum Meiſter Kneip, nachdem die Mutter eine Fluth von Thränen vergoſſen, daß ein Ruhrkohlnachen, die ſehr tief laden, d'rauf hätte luſtig ſegeln können, und der Pfarrer ihm eine erbauliche Predigt gehalten. f 004
(Fortſetzung folgt.)
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Für die bei dem Kampfe in Baden verwundeten
* Heſſ. Soldaten ö 5
ſind fe den in Nr. 63 dieſes Blattes angezeigten 295 fl. 44 kr. weiter beigeſteuert worden: von Pfr. R. in O. 1 fl. 30 kr., B. in M. 1 fl., Brgrmſtr. Beſt in Bruchenbrücken 1 fl., J. K. V. in Obermörlen 1 fl. 45 kr., bisherige Summe im Ganzen 300 fl. 59 kr., welches wir mit herzlichem Dank für die gütigen Geber beſcheinigen. 5
Zugleich bemerken wir, daß die Sammlung Donnerſtag den 23. d. Mts., Abends gaſchloffen wird, und nach dieſem Termin keine Beiträ ns angenommen werden können.. Friedberg am 20. Auguſt 1849. e Textor. Cronenberg. J. Steinhäußer. Krach. M. Hirſch. H. M. Decher. J. Pfeffer. F. Cordes. G. Trapp II. W. A, Simon. C. Groß.
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