Amtlicher Thei n Ie Die Großherzoglich Heſſiſhe Regierungscommiſſion des Regierungsbezirks Friedberg an die Großh. Bürgermeiſter dieſes Regierungsbezirk.
Betreffend: Das Vagabundiren des Louis Knierim, Schülers der 1. Knabenſchule zu Alsfeld. g
Sie werden hierdurch angewieſen, nach dem Rubri⸗ katen, welcher ſich ſeit dem 12. d. M. von Hauſe entfernt hat, genau forſchen und ihn im Betretungsfall an uns ab⸗
liefern zu laſſen⸗ Friedberg am 23. Dezember 1848. Ouvri e l
Perſonalbeſchreibung des Knierim. Alter 15 Jahre.—. Größe: unterm Maß.— Hate: dunkelblond und ſtark gelockt.— Stirne: frei.— enbrannen: blond.— Augen: braun.— Naſe: ſtumpf. Mund: aufgeworfen.— Kinn: rund.— Geſicht: rund. Geſichtsfarbe; geſund.— Beſondere, Zeichen; einige Stellen des Kopfes ſind von Haaren entblößt.
Zum neuen Jahr?
Die Märztage mit ihrer Freiheitsbegeiſterung liegen weit weit hinter uns, und mit dem neuen Jahr ſcheint die alte Zeit wieder hereinbrechen zu wollen.—— Ddkutſches Volk! ſei auf der Hut, wenn Du nicht einer eisernen Zukunft entgegen gehen willſt,— ermüde nicht in dem Kampfe für Deine Freiheit, laß den Muth nicht ſinken; wenn die Feinde Deiner errungenen Rechte über ihre Siege jubeln: ſei einig, ſei beharrlich, ſei kräf⸗ tig,— dann wirſt Du die Einheit, die Freiheit, den Wohl; ſtand Deines Vaterlandes trotz allen ſich dagegenſtemmenden Gewalten erringen. J 72 Nac
ODas Geſetz— deine Waffe, Das Recht— vein Ziel, 5 Die Freiheit— dein Kampfpreis. tet
Heinrich von Gage er n. (Fragment aus Jäkel's Geſchichte der neueſten Zeit.)
„Als Redner iſt Gagern unzweifelhaft von Jahr zu Jahr größer geworden und befindet ſich gegenwärtig im vollen Beſitze des parlamentariſchen Ruhmes. Er hat einen großen Umfang von glücklicher und lebendiger Einbildungs— kraft; ein ausgedehntes, biegſames und friſches Gedächtniß, welches Alles, was ihm anvertraut wird, aufnimmt und wiedergibt, welches vor Unterbrechungen nicht ſchwankt, auf ſeinem Wege nach Belieben ſpielt und, ohne ſich zu ver⸗ wirren, den Gedankenfaden verfolgt; eine klare und raſche Auffaſſung der Schwierigkeiten jedes Gegenſtandes; eine ſchöne Entwicklung zuſammenhängender Ideen, eine weite und reiche Improviſation, eine lebhafte Erwiederung und eine bemerkenswerthe Eleganz im Ausdruck. Dazu kommt der gewinnende Wohlklang einer metallreichen Stimme und
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* 2 4 4* Zutrauen einſlößſende Erſchei⸗ 8 igt ein ſchön geformtes, männlich offenes Angeſicht. Unter buschigen Brauen blicken
dunkle Augen hervor, deren Ausdruck meiſt klug, mild und wohlwollend iſt, deren Feuer aber auch ſchnell einen feſten,
eine würdevolle, Achtung u nung. Seine hohe, kräftige Geſtalt
ja ſtrengen Charakter annehmen kann. Starkes, dunkles
Haupthaar vollendet das äußere Bild des Mannes, deſſen
ganzes Weſen das Gepräge hoher geiſtiger Kraft trägt. Für Manchen mag Gagern etwas Kaltes und Schroffes haben; aber Männer, die ihn näher kennen, verſichern, daß er im Grunde voll Herzensgüte und Gemüthlichkeit ſei.—
Merkwuͤrdig bleibt es jedenfalls, daß Gagern, obwohl
er conſervativ iſt, obwohl er mit der Rechten liebäugelt und mit dem Verräther Mathy Arm in Arm geht, doch noch nicht das Vertrauen der Linken verloren hat. Bei der Reichsverweſerwahl gab ihm ein großer Theil der Lin⸗ ken ſeine Stimme. Es iſt dies nicht blos eine Anerkennung ſeiner Talente; es liegt darin auch eine Huldigung gegen ſeinen Charakter. Die Männer der Linken fühlen, daß Gagern beſſer iſt, als ſeine Umgebung, daß der Grundzug
ſeines Weſens edel und ehrenwerth iſt, daß er, wenn auch
nicht die volle Freiheit, doch ein gewiſſes Maaß der Freiheit ernſtlich will, daß ihm die Einheit und Ehre Deutſchlands wahrhaft am Herzen liegen und daß er, wenn die Fürſten auf neue Unterdrückung ſinnen ſollten, die Kraft und den Willen hätte, ein ſolches Beginnen zu vereitlen.““— 25 1 1 4211 A1 Ain SA N Welt h ã n d e l. 124 12 Oeutſchlands Einheit iſt und wird zu Grabe getragen durch die Sonder beſtrebungen der einzelnen deulſchen Staaten. Die öſtrei⸗ chiſche Regierung bekümmert ſich nicht um 5 Va der deutſchen National⸗Verſammlung und geht, wenn auch mit Vorſicht und e keit, ihren eigenen Weg. Der Reichs miniſter Gag ern will daher Oeſtreich wie ein fremdes nicht⸗deutſches Land behandeln und einen Reichsgeſandten an den Kaiſerhof ſenden. Die Mehrheit der Abgeordneten im Frankfurter Parlament ſoll aber, wie verlautet, dagegen ſein, und es wird deßhalb einen 10 5 Kampf in der National ⸗Verfammlung abſetzen.—„Kein Oeſtreich, kein Preußen, ſondern ein einiges Deuiſchlandle— was beben⸗ tet dann, wenn Gagerns Meinung durchheht, dieſer Wahlſpruch des Reichs⸗ verweſers?— T ennie en 89 Die Berathung der Grundrochte ist jet zu Ende, und es ſollen 100,000 gedruckte Exemplare unter das Volt vertheilt werden. Oeſtreich erkennt dieſelben aber, nach einer Erklärung ſeines Geſandten in Frank⸗ furt, nicht an;— Hannover hat dagegen proteſtirt,— der Geſandte aus Baiern weiß nicht was er thun ſoll, und der aus Preußen meint: in ſeines Herren Land würden ſie vielleicht anerkannt werden.— Wo bleibt aber da die Einheit,— wo die einzig und alleinige Machwoll⸗ kommenheit des Volkes?— 5 In Preuſten hat der König die preußiſche National⸗Verſamm⸗ lung aufgelöſt und eine Verfaſſung aus eigener Machtvollkommenheit dem Volke gegeben.— Das jetzige Miniſterium Brandenburg, welches die lieben Berliner mit dem Belagerungszuſtand bekannt gemacht hat, glaubt nicht, daß es noch lange, wie bisher, von Gottes Gnaden fortexiſtiren werde, und ſieht ſich deßhalb nach. gutgeſinnten Nachfolgern um.— Der König will, wenn die Fürſten(ſo!) es zu frieden ſind, Kaiſer von Deutſch⸗ land werden.- 1 eee ee e In Baiern iſt wieder das Ministerium vacant. Der vormärz⸗ liche Jeſuiten⸗Miniſter Abel ſoll für ſeinen Eintritt in ein neues Miniſte⸗ rium nicht geringe Hoffnung haben.—. Baiern iſt unter Umſtänden nicht gegen die Einheit Deutſchlands, nur darf das preußiſche Königshaus nicht zum deutſchen Kaiſerhaus gemacht werden.— Die Jeſuiten und Ultra⸗ montanen wollen gerne einen katholiſchen Kalſer und ſtimmen deßhalb für Oeſtreich oder Baiern.—„ N Sachſen bekommt eine neue Ständekammer. In dem Wahlkampfe ſiegt die Volkspartei. Schaffrath, Joſeph, Tſchirner, Dieskau u. ſ. w. ſind alle mit großer Stimmenmehrheit gewahlt.— Zwickau und Leip⸗ zig ſuchen bei dieſer Wahl umſonſt nach ihrem R. Blum. g
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