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was wir über deutſche Zuſtände gefuͤhlt und gedacht; wir haben aber unſere Gedanken in das Gewand der Töne gekleidet, und dieſe Gedanken, die wir nicht ausſprechen durften, ausgeſungen, und zwar in einer Sprache, die verſtanden wurde allüberall, ſo weit die deutſche Zunge klingt! Wir dürfen uns daher ruͤhmen, kräftigſt vorge— arbeitet zu haben zu den Errungenſchaften des wiederer— wachten Vaterlands! Wir ſind alſo längſtbewährte alte Freunde der großen, freien, deutſchen Brudergemeinde. Laßt uns daher nochmals Hand anlegen und uns vereinigen,
um wo möglich an einem beſtimmten Tage als Beitrag
zur Gründung einer deutſchen Flotte ein allgemeines deutſches Konzert zu veranſtalten, das ſämmtliche deutſche Geſangvereine in ihren reſp. Heimathsorten aus— zuführen hätten. Großes iſt in gemeinſamem Beſtreben durch die deutſchen Sängerbünde ſchon beſchafft worden; wir erinnern nur an das vor zehn Jahren ſtattgehabte große Unglück der Ueberſchwemmung von Peſth, des Bran— des von Hamburg, des unglücklichen Felsberg in der Schweiz ꝛc., und durch wen anders iſt die nachhaltigſte und raſcheſte Hülfe gewährt worden, als durch die deutſchen Sänger? Auf denn, ihr biedern Barden! vereinigt Euch unter dem Kommandoſtab Eurer Directoren und wählt wo möglich zum Tag der Ausführung des allgemeinen deutſchen Konzerts den zweiten Pfingſttag, das Feſt der Freude, der Wonne; Ihr werdet grade auf dieſe Feſttage leichter Eingang finden in die Herzen Aller, und der voll— ſtändigſte Erfolg wird Euern Eifer krönen. Wird dann einſt ein von deutſchen Sängern beſchafftes Fahrzeug den Stapel verlaſſeu, dann ſoll für ewige Zeiten„Der deutſche Barde ſein Name ſein! Auf, deutſche Sän— ger! ſchmiedet das Eiſen, da es heiß iſt! Frankfurt a. M., 20. Mai 1848. Ein deutſcher Sänger.
Stimme eines abgeſchiedenen Kämpfers für Deutſch⸗ lands Freiheit.
Es iſt gewiß ein Wort zu ſeiner Zeit, wenn wir auf die Anſichten der Männer hinweiſen, welche vom Schauplatz der irdiſchen Kämpfe abgerufen, unberührt von den Stuͤrmen der Zeit im Grabe ruhen. Ein Mann, der gewiß zu den Erſten zu zählen iſt unter Denen, die für die Freiheit, die Wahrheit und das Recht in die Schranken traten, der mit einem hohen Grade von Intelligenz zugleich einen ungebeug— ten Muth und treue Liebe fuͤr ſein Volk verband— Karl von Rotteck— ſagt am Schluß ſeiner Geſchichte:
„Bei Betrachtung der vom Wiener-Congreß ausge— gangenen Geſetze und uͤberhaupt der Wendung, welche nach dem Sturze Napoleons die Angelegenheiten des Welttheils nahmen, bemächtigt ſich des europaiſchen Bürgers ein weh⸗ müthiges Gefühl, und, ob er nach Oſten, ob er nach Weſten blicke, die entgegengeſetzteſten Bilder vermehren ſeiuen Gram. Dort in Aſien(und Afrika) ſieht er ſeit Jahrtauſenden das ſtarre hiſtoriſche Recht und die unbedingte Willkühr— herrſchaft throuen, durch Beides aber die Volker zu Heerden erniedrigt und die Herrſcher zu Treibern. Im Weſten da— gegen, in der jugendlichen neuen Welt, erbaut ſich das
natürliche, das vernünftige Recht ſein erleſenes Reich. Schon hat es in Nordamerika tiefgehende Wurzeln ge— ſchlagen, ſchon die herrlichſten Früchte alldort erzeugt. Von einem ſo ſchnellen, ſo ſegensvollen, ſo wundergleichen Vor— anſchreiten, wie das der nordamerikaniſchen Frei— ſtaaten hat die ganze Geſchichte kein anderes Beiſpiel. Auch jenſeits ihrer Grenzen in Mexiko und in dem weiten ſüd— amerikaniſchen Lande bricht, wohl unter Kämpfen, doch ſolchen, die Sieg und Veredlung bringen, der Tag der Freiheit au. Nicht eben die republikaniſche Form iſt's, die wir die Sonne dieſes Tages nennen; nein! nur der republikaniſche Geiſt, der gar wohl mit monarchiſcher Form ſich verträgt, ja der in wohlgeregelter Monarchie weit ſicherer herrſcht, als in der Demokraten ſturmbewegtem Reiche; der republikaniſche Geiſt, d. h. die Herrſchaft ge— rechter Geſetze, entfloſſen dem ewigen, natürlichen Rechte und dem lauteren Geſammtwillen, Verbannung der Will— kührherrſchaft und der traurigen Scheidung der Buͤrger in geborene Herren und geborene Knechte.“ A. B.
Die Gruͤndung einer deutſchen Flotte betreffend.
Der Fünfziger⸗Ausſchuß hat vor einiger Zeit im Namen des deutſchen Vaterlandes eine gemeinſame deutſche Sache, eine Sache, die den Wohlſtand Deutſchlands be— gründen, Handel und Gewerbe heben und es gegen die Uebergriffe und Aufeindungen äußerer Mächte ſchuͤtzen ſoll, eine Sache, die unerläßlich nothwendig iſt, ſoll Deutſchland wieder zu der Macht und Ehre emporſteigen, die es vor Zeiten hatte: die Gründung einer deutſchen Flotte, dem edlen Sinne des deutſchen Volkes, dem Patriotismus ſeiner Bewohner an's Herz gelegt und die Aufforderung ergehen laſſen, Vereine zu errichten, mit der Be— ſtimmung, zu dieſem großen Zwecke freiwillige Beiträge zu ſammeln.— Der hieſige Bürgerverein hat dieſe Sache zu der ſeinigen gemacht und die Unter— zeichneten beauftragt, dieſe Sammlungen zu veranſtalten.
Wir wenden uns darum an Euch Bewohner der Wet⸗
terau, mit der Bitte, Hand anzulegen an dieſes deutſche Werk, und geben uns der Hoffnung hin, daß Ihr, eben ſo wie die Bewohner anderer deutſchen Gauen mit Freuden Euer Schäͤrflein beitragen werdet. Alle Gaben, auch die kleinſten, ſind willkommen. Wir ſind mit Vergnügen be— reit, die eingehenden Gaben in Empfang zu nehmen und an den Ort ihrer Beſtimmung abzuſenden. Von Zeit zu Zeit werden wir öffentlich Rechnung ablegen.—
Zugleich machen wir darauf aufmerkſam, daß an verſchiedenen Orten Deutſchlands Wochenvereine gegründet worden ſind, deren Mitglieder durch einen beſtimmten wöchentlichen Beitrag dieſe hohe Sache zu foͤrdern über— nommen haben, und wir glauben ſolche Vereine auch un— ſerer Wetterau um ſo mehr empfehlen zu dürfen, als da— durch auch dem weniger bemittelten Gelegenheit gegeben wird, auf eine für ihn ſelbſt nicht ſo fühlbare und die heilige Sache trotzdem ungemein foͤrdende Weiſe beiſteuern zu können.
Friedberg den 26. Mai 1848..
Urich. Schlich. W. Simon. J. Steinhäuſer.
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
1 Edictalladung.
) Rechtsanſprüche jeder Art an die Con⸗ 0 des Konrad Horſt VI. zu Oberohmen, ſind in dem auf den 6. Juni d. J., Vormit⸗
tags 8 Uhr, anberaumten Liquidationstermine, bei Meidung des ſtillſchweigend eintretenden Ausſchluſſes von der Maſſe anzuzeigen und zu begründen. Von den perſonlich nicht erſcheinen⸗ den Gläubigern wird unterſtellt, daß ſie allen Be⸗ ſchlüſſen der Mehrzahl der Erſcheinenden zuſtimmen.
Grünberg den 5. Mai 1848. Großh Heſſ. Landgericht daf. Welcker. Bott.
Veraccordirungen. 2 Die Lieferungen (7420 1) des Maſtochſenfleiſches, 2) des gemiſchten Brodes, 3) des Brennöls und 4) der Talglichter für das hicſige Lazareih im 2. Semeſter 1848, ſollen auf dem Soumiſſionswege an den Bil⸗ ligſtfordernden in Accord gegeben werden.


