Ausgabe 
26.8.1848
 
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des Bürgervereins zu Friedberg an die Bewohner der Wellerau in Stad und Land.

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Liebe Landsleute! In einer Zeit, wo das Volk ſeine Freiheit errungen hat und feſthalten will, in der es ſeine Muͤndigkeit erklärt, iſt es jedes braven Bürgers Pflicht, eine Stellung in der Zeitbewegung einzunehmen, an ſeinem Theil für das Wohl des Vaterlandes zu wirken. In dem Strom der Zeitereigniſſe iſt es ſo weit gekommen, daß mit Halbheit nichts mehr auszurichten iſt; überall in unſerm deutſchen Vaterlande haben ſich leider Partheien gebildet, die ſich ſchroff gegenüber ſtehen, und die zu verſöhnen eine ſchöne Aufgabe ſein wird. Dieſe Aufgabe muß jedoch der Zeit vorbehalten bleiben, wo unſere Verhältniſſe mehr Sicherheit und Beſtand gewonnen haben. Jetzt iſt es an der Zeit aufzutreten, als Kämpfer der Parthei, der man nach Geſinnung und Leben angehört. Sollen nicht durch maaßloſes Ueberſtürzen, unter dem trügeriſchen Aushängeſchild, die Wohlfahrt des geſammten Volkes und die Hebung der arbeitenden Klaſſe zu befördern, alle Verhältniſſe gelockert, die Verwirrung vermehrt, das Mißtrauen geſtärkt, die Arbeitsloſigkeit vergrößert werden; ſollen wir nicht an den Abgrund des Verderbens geſchleudert werden, ſo thut es Noth, daß wir aufſtehen wie ein Mann, daß wir uns eng aneinander ſchließen, daß der weniger Kampfgeübte von dem Andern lerne, und wir aufſtehen für die Wohlfahrt unſers theuren Vaterlandes!

Um in dieſem Sinne zu wirken hat ſich vor Kurzem, unter dem NamenBürgerverein ein Verein Gleich geſinnter dahier gebildet, der bereits 250 Mitglieder zaͤhlt und deſſen Wahlſpruch heißt:Freiheit, Einheit, Ordnung und Recht. An die Spitze ſeiner Satzungen ſtellt er deßhalb: Verſtändigung über die Rechte und Pflichten des Volks, um mit Nachdruck für die Freiheit, Einheit, Ordnung und Recht im geſammten deutſchen Vaterland wirken zu können.

Es ſind wichtige Wahrheiten, welche der Bürgerverein hier ausſpricht: Er nimmt die Freiheit als ein unveräußerliches und natürliches Recht eines jeden Menſchen in Anſpruch, will aber auch anerkannt wiſſen, daß ohne Geſetzlichkeit keine wahre Freiheit beſtehen kann. Er fordert Einheit, weil das deutſche Volk nur dann groß und mächtig werden kann, wenn es einig iſt, wenn alle Abſonderungsgelüſte verſchwinden und ein gemeinſames Bruderband alle deutſche Stämme umſchlingt. Er will ferner, daß die vielfach herrſchende Unklarheit, ja oft geradezu Begriffsverwirrung, über die Rechte und Pflichten des Volkes einer richtigeren Anſchauung Platz mache, und es anerkannt werde, daß wo Rechte ſind, auch Pflichten ſein müſſen. Er will alſo ringen für Freiheit und Einheit, er will Verſtändigung und Aufklärung herbeiführen über das, was wir zu fordern berechtigt und zu leiſten verpflichtet ſind. Dies iſt ſein Zweck! g 0

Der Bürgerverein zu Friedberg ſtellt als oberſten Grundſatz auf: die Souveränität, d. i. die Selbſt⸗ herrlichkeit des Volkes, und das heißt wiederüm: Geltung kann nur das haben und verlangen, was das Volk in ſeiner Geſammtheit will. Da aber das Volk in ſeiner Geſammtheit nicht tagen kann, ſo hat es die Ausübung ſeiner Selbſtherrlichkeit der, aus dem Geſammtwillen des deutſchen Volkes hervorgegangenen, National verſammlung übertragen. Was dieſe in ihrer Mehrheit beſchließt, muß allgemeine Geltung haben, und weder Einzelne noch Partheien dürfen ſich dagegen auflehnen. Und daß dieſer Geſammtwille der deutſchen Nation allgemeine Geltung erhalte, daß weder Einzelne und ſeien es die Hochgeſtellteſten noch Partheien ſich dagegen ſetzen, dahin wird vor Allem das Beſtreben des Bürgervereins zu Friedberg gerichtet ſein.

Wenn der Bürgerverein weiter erklärt, daß er in der wahrhaft conſtitutionellen Monarchie, d. h. in der Staatseinrichtung, wo zwar ein erblicher Regent an der Spitze des Staats ſteht, dieſer aber nur nach Geſetzen regiert wird, welche aus dem Volk ſelbſt, durch ſeine frei gewählten Vertreter, hervorgegangen, und der Staats gewalt weiſe Grenzen gezogen ſind, diejenige Staatsform erblickt, welche die meiſten Bürgſchaften der Volkswohlfahrt darbietet, ſo thut er dies, weil ihm hierbei Geſchichte und Erfahrung zur Seite ſtehen, und weil er der Anſicht

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