Ausgabe 
26.8.1848
 
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(1241)

Erklärung.

In Bezug auf die, von dem hieſigen deutſchen Volksverein, am 20. d. M. veranſtaltete Volksverſammlung zu Friedberg und deren bedauerlichen Verlauf, ſieht ſich der Friedberger Bürgerverein veranlaßt, zu erklären:

Siadtache: 1) Je höher der Bürgerverein das Verſammlungsrecht als eine Hauptſtütze der Volksfreiheit achtet, deſto mehr will er dieſes Recht vor Mißbrauch bewahrt ſehen.

t Burglirche: 2) Wir ſehen es aber als einen Mißbrauch des Verſammlungsrechts an, wenn ſolche Verſammlungen

711g benutzt werden, maaßloſe Parteibeſtrebungen zu fordern, anſtatt durch Aufklärung und Verſtändigung für die Einheit

und Freiheit aller deutſchen Burger zu wirken. Es könnte wunderlich erſcheinen, daß dies gerade von der Partei

geſchieht, die beſtändig gegen Sonderbündelei ihr Geſchrei erhebt, wenn man nicht Gelegenheit hätte, die Maſſe von Widerſprüchen, die ſie ſich zu Schulden kommen läßt, und an denen es auch hier nicht fehlte, mit anzuhören. Wir

28 verlangen vor allen Dingen von jedem öffentlich auftretenden Redner, daß er die, der Verſammlung ſchuldige i ſe. Achtung nicht aus den Augen verliere und nicht, ſtatt Gründe vorzubringen, mit gemeinen Schimpfworten um ſich werfe, wie dies geſtern von einigen Rednern der demokratiſchen Partei, namentlich aber in Eckel erregender Weiſe, . 4g. 9. 48g von den Herren Stud. Fendt und Götz aus Gießen geſchehen iſt. Sie haben bewährt, wie dringend nothwendig

der letzte Theil des Wahlſpruchs an der Tribüne:Freiheit, Wohlſtand und Bildung für Alle zu fordern iſt, zugleich aber gezeigt, daß von ihnen dieſe Bildung nicht ausgehen kann. 3) Wir erkennen das Recht der Redefreiheit in ſeinem vollen Umfange an, aber nicht das der Schimpf

502 freiheit, und erklären es für Anmaßung, wenn ein Redner nicht abtritt, nachdem die Verſammlung ſo unzweideutig, 5 4 wie es geſtern geſchehen iſt, darthut, daß ſie ihn nicht weiter hören will. Für höchſt verwerflich aber, und aller 5 1 guten Sitte Hohn ſprechend, erachten wir es, wenn dieſes Gehör,zwar nicht mit Bajonetten, aber doch mit ö Knüppeln erzwungen werden ſoll, wie es von Seiten der Prätorianer der demokratiſchen Republik, Butzbacher an ö 4 der Spitze, geſchehen iſt. Ebenſo erklaren wir es für eine demokratiſche Unverſchämtheit, Redner anderer Richtung, N ud Butzbach ſelbſt Eingeladene, von Seiten der Tribüne zu verhöhnen. 0 dumdet IId. 4) Wir erklären die Leirung der Verſammlung entweder für äußerſt ſchwach, oder für äußerſt parteiiſch, ö indem ſie dieſe Brutalitäten entweder nicht verhindern konnte, oder nicht verhindern wollte. N zu Buß 5) Es hat im Bürgerverein nicht die geringſte Verabredung in Bezug auf das Verhalten ſeiner Mitglieder ö dag. bag. bei dieſer Völksverſammlung ſtattgefunden; ja es iſt derſelben in den vorhergegangenen Sitzungen nicht mit einem N . K. IK K. Worte Erwähnung geſchehen. Um ſo entſchiedener muͤſſen wir die Aeußerung des Stud. Fendt:»das conſtitutionelle ö 51 g 5 Geſindel macht den Lärm, als eine ſchändliche und niederträchtige Verleumdung bezeichnen. N 3804 6) Daß eine ſolche Aeußerung, welche übrigens noch nicht das Aergſte war, was uns die Verfechter 0 9 e der Republik zum Beßten gaben, von der Tribüne fallen konnte, wird weitere Erklärungen unnöthig erſcheinen laſſen. 0 b. N Dagegen proteſtiren wir feierlichſt, wenn etwa der Verſuch gemacht werden ſollte, die als angenommen verkündeten 14 10% Beſchlüſſe für den Ausdruck des Willens der Verſammlung auszugeben, indem außer der republikaniſchen Leibgarde,

und dieſe natürlich nach Commando, Niemand abgeſtimmt hat, was leicht erklärbar iſt, wenn man die lächerliche Erbärmlichkeit der Tribüne mit anſah.

7) Endlich ſprechen wir noch die Ueberzeugung aus, daß Volksverſammlungen, wie die geſtrige, nicht zum Heil, nicht zur Aufklärung und Belehrung des Volks dienen, ſondern nur Haß, Zwietracht und Erbitterung mit allen ihren ſchlimmen Folgen hervorrufen und ſo der Reaction in die Hände arbeiten können. Es kann nicht fehlen: Wer Wind ſäet, wird Sturm erndten!

Friedberg den 21. Auguſt 1848.

A

In Auftrag des Bürgervereins der Vorſtand: A. Groh, Vorſitzender. Textor, Stellvertreter des Vorſitzenden. 1 e Krach, erſter Schriftführer. Fink, zweiter Schriftführer.

4 J. Steinhäußer, Rechner. J. Falk. C. Fritz. Helmolt. 1 G. Trapp II. H. Walz II.

Pere