Ausgabe 
20.5.1848
 
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Intelligenz Blatt

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Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke

im Beſonderen.

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Sonnabend, den 20. Mai

1848.

Der fünfzehnte Mai in Friedberg.

Am 15. Mai fand in Friedberg die Wahl eines Ab⸗ geordneten des achten Wahlbezirks zu dem Reichstage nach Frankfurt Statt und, jetzt noch abgeſehen von dem Ergebniſſe der Wahl, die auf einen Bewohner unſerer Stadt fiel, war jener Tag ſchon darum ein Feſttag, weil an ihm eine allgemein vaterländiſche Sache zur Berathung und Beſchließung kam und weil er aus der Nähe und Ferne manchen Freund und Bekannten hierher führte, den man gerne einmal wieder ſah.

Schon am 14. Mai Abends war eine namhafte An⸗ zahl der Wahlmänner angekommen und ſchon damals war bis ſpät in die Nacht ein vielfach bewegtes Leben und Treiben auf den Straßen und in den Gaſthäuſern. Es würde uns zu weit fuhren, wenn wir, den 15, Mai ſelbſt betreffend, Alles, was ſich an ihm von frühe Morgens an begeben hat, ausfuhrlich beſchreiben wollten; wir beſchränken uns alſo auf eine kurze Zuſammenſtellung des Nöthigen. Um 7 Uhr wurde im Gerlach'ſchen Saale eine Vorverſammlung der Wahlmänner gehalten, welche den Zweck hatte, ſich uber die Perſon des zu Wählenden noch mehr, als wohl ſchon geſchehen war, zu verſtändigen, wobei dem Vernehmen nach die Meinungen zuweilen einen ſehr lebhaften Aus- druck erhalten haben ſollen. Die eigentliche Verſammlung war von dem Wahlcommiſſär, Herrn Kreisrath Ouvrier um 9 Uhr in dem Trapp'ſchen Saal ausgeſchrieben, wo man ſich denn auch zur feſtgeſetzten Stunde einfand. Als Candidaten zur Wahl traten außer den ſchon von der Volks⸗ verſammlung zu Friedberg am 19. April her bekannten Dr. M. Carriere von Gieſſen, Landrichter Hofmann von Friedberg und Pfarrer Steinberger von Grünberg, noch auf die Herrn A. Becker von Gieſſen, Herausgeber der Zeitſchrift: der jungſte Tag, und Hofgerichtsrath Völker von Gieſſen, der letztere aber nur um zu ſagen: man moge die Stimmen, die man ihm etwa zugedacht, nicht ihm, ſon⸗ dern ſeinem Freunde Hofmann geben, damit eine Mehr⸗ heitswahl ſtattfinde. Es waren 261 Wähler und die Ab⸗ ſtimmung hatte folgendes Ergebniß: es erhielten

Landrichter Hoffmann 194 Stimmen,

Dr. M. Carriere 41 Pfarrer Skeinberger 23 1 A. Becker 1 77

Völker(trotz ſeines Ruͤcktritts) 1 es ging verloren 1

So war denn der erſtgenannte als Abgeordneter nach Frankfurt beſtimmt und wir wünſchen ihm zu ſeiner ehrenvollen und wichtigen Sendung einen ihn ſelbſt und das Volk, das er mitvertreten ſoll, beglückenden reichlichen Segen von Oben.

Nachdem die Wahl vollendet war, vereinigten ich viele der Anweſenden zum Mittagsmahle gleichfalls im Trapp'ſchen Saale und weil auch die, welche Herrn Hof⸗ mann ihre Stimmen nicht gegeben hatten, ſich doch ſagen mußten, daß die Wahl einen in hohem Grade würdigen und befähigten Mann getroffen habe, ſo belebte die ganze Geſellſchaft eine frohe und heitere Stimmung, die auch dann nicht aufhörte, als nach bereits aufgehobener Mahlzeit auf ziemlich unerquickliche Weiſe die unerquickliche Frage nach der Gültigkeit der von einer früheren Verſammlung in Niedermörlen gefaßten Beſchlüſſe aufgeworfen und verhan⸗ delt wurde. 8

Unterdeſſen war das Haus des Abgeordneten mit friſchem duftendem Maigrün geſchmückt, nicht um wie Einer, der Alles durch eine ſchwarze Brille ſieht, geſagt haben ſoll Hofmann in den Schatten zu ſetzen, um ihn zum Dunkelmann zu machen, ſondern um ihn auf dieſe ein⸗ fache, in unſerm Volke ſeit unvordenklichen Zeiten beſtehende Weiſe eine Huldigung darzubringen; Hunderte von Menſchen wogten auf den Straßen auf und ab; die Bürgerwehr zog bewaffnet vor das Landgericht und ſalutirte den Gefeierten mit Schüſſen, die dann bis tief in die Nacht ununterbrochen fortdauerten; ſchwarz-roth-goldene und roth-weiße Fahnen wehten von den Giebeln der Häuſer: die ganze Stadt bot einen feſtlichen Anblick. Abends traten die beiden hier beſtehen den Singvereine und die Turner zuſammen und brachten unter Fackelſchein und dem Zuſammenfluß von Tauſenden zuerſt dem Landrichter Hofmann, dann dem Hofgerichtsrath Völker und dann dem Advocaten Trapp III., der zu Gunſten Hofmanns ſich eines jeden Schrittes, ſich wählen zu laſſen, enthalten und auch dadurch wieder ſeine edelmüthige Beſchei⸗ denheit und ſeine echt patriotiſche Geſinnung bewährt hatte, ein Ständchen, wobei denn von Seiten der Feiernden und der Ge⸗ feierten manch Wort wohlverdienter Anerkennung, manch Wort zur Erhebung geſprochen wurde. Schon kuͤßte der 15. den 16. Mai, als man anfing, ſich nach Hauſe zu begeben und gewiß iſt Jeder, der an den Bewegungen des 15. Theil genommen, am 16. mit dem befriedigenden Gefühle erwacht, einen ſchöͤnen Tag verlebt zu haben.