Ausgabe 
15.7.1848
 
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Intelligenz- Glatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke

im Beſonderen.

M 55.

Sonnabend, den 15. Juli

1848.

Erzherzog Johann in Frankfurt.

Der Reichsverweſer weilt in Frankfurt. Unterm Donner der Geſchütze, unter Glockengeläute und Jubelruf zahlloſen Volkes fuhr Erzherzog Johann in heiterer Abend ſtunde(zwiſchen 6 und 7 Uhr) durch die mit deutſchen Fahnen geſchmückten Straßen der freien Stadt; nur noch drei Tage fehlten, dann war das 56. Jahr vollendet,

fſeit der letzte deutſche Kaiſer die Krone Karls des Großen

erhalten hatte! Nicht mit dieſer Krone auf dem Haupte, nicht mit dem Kaiſermantel bekleidet, nicht das Scepter in der Hand, nicht im glänzenden Gefolge geiſtlicher und weltlicher Kurfürſten, ſtolzer Reichsgrafen, Reichsfreiherrn, Reichsritter, zieht der Bruder des letzten Kaiſers in die Wahlſtadt ein; das ganze Volk hat ſein Wahlrecht geübt, kraft ſeiner eigenen Majeſtät und Selbſtherrlichkeit; es hat den Mann gewählt, dem es am Auferſtehungsmorgen des Vaterlandes, da die Stürme noch gewaltig am deut ſchen Himmel herfahren, da die Blitze des Zornes noch zucken und die Donner aus der Ferne grollen, die Macht vertraut, um dem Werke des ganzen Volks, der Verfaſ⸗ ſung eines neuen deutſchen Reiches, der Freiheit, welche deſſen Grundlage, den Geſetzen, welche der Ausdruck und die Bürgſchaft der Freiheit und Ordnung ſind, der Einigkeit zwiſchen den verſchiedenen Bruderſtämmen durch Gleichberechtigung aller inneren und äußeren Fein den zum Trotz Geltung zu ſchaffen. Ein hoher Be ruf und wahrlich: der rechte Mann dafür! Die Jahre und Geſchicke, die über ſeine hohe freie Stimme dahinge rauſcht, haben ſeine Kraft nicht gebeugt; klar und friſch wie das eines Jünglings blickt ſein Auge in die große Aufgabe der Gegenwart, und ſein Antlitz verjüngt der Ausdruck der Freude beim Gedanken an Deutſchlands Wie dergeburt, Macht, Ehre und Herrlichkeit, beim Gedanken, mitſeiner deutſchen Treue und Redlichkeit dafür wirken zu können! Seht, wie er, in ſeiner ſchlichten Treue, in

ſeiner inmitten der Männer des Reichstags, an Gagerns Seite auf hohem Balkon ſteht! Auf ein Zeichen, daß er ſprechen will, verſtummt plötzlich das Brauſen des Volks, verſtummt der Jubelruf, welche den Kanonendonner, das Glockengeläut überſchallen; entblößten Haupts tritt er vor und begrüßt im Namen Oeſterreichs die Stadt Frankfurt, die Nationalverſammlung.Auf den Ruf der National⸗ verſammlung, ſo ſpricht er weiter,bin ich hierher ge kommen, um mit ihrem Rath und unter ihrem Beiſtand kräftig für Deutſchlands Heil zu wirken.Heil Deutſch⸗ land! ſo ruft er zum Schluß, und aus Tauſend Herzen ſchallt derſelbe Wunſch! Ja, wem die Worte: Ein freies, einiges, ſtarkes Vaterland kein leerer Schall, den ergreift die Bedeutung dieſes Augenblicks, der gelobt ſich's in tief ſter Seele:Deutſche Treue und Redlichkeit dem Vater lande zu weih'n! Sinnend ruht des Erzherzogs Auge, wie er vom Reichstage ſpricht, auf Gagern; weſſen Blick müßte nicht auf Dieſem haften! Wie der Gedanke an den Sieg der ſittlichen Idee Gagerns ganze Geſtalt höher erſcheinen läßt, ſein ernſtes Antlitz im Schimmer der Freude verklärt! Sagt alles in Einem: er iſt ein Mann! Feſt wie ein Fels in der Brandung, unerſchuͤttert von allen Drohzeichen der Gefahren, als Mancher für des Vater lands Rettung gezittert und Deutſchland ſchon aufgegeben, als die Halbheit ſich feig verkroch, als die Zweideutigkeit frech hervortrat, beharrte Gagern in der Zuverſicht auf die Kraft der ewigen Ideen, die ihm wie Sterne aufge gangen in der dunkelſten Nacht; da ſtand er, ein ganzer Mann, in der vollen Kraft der Wahrheit, mit dem ſichern Blick auf das große Ziel, Deutſchland zu Einem großen Ganzen, die Freiheit zur Wahrheit zu machen! Wie nun die Bürger Frankfurts vorüberzogen mit den Fahnen und Zeichen des Bürgerthums, die eichenzweig-geſchmückten Hͤte ſchwingend, die Künſtler, die Sangesbrüder, die ruͤſtige Turnerſchaft, die wehrhaften Männer von Stadt und Land, da leuchteten beider Männer Augen, des Reich