8 Thlr. 15 Ngr. aus dem improviſirten Stadtmagazin an die Bürger verkauft werden. 5 1
Was thun die Händler? Sie verkaufen nun den Scheffel für 8 Thlr. und bringen dadurch den Stadtrath
in einen Verluſt von 15 Ngr. für jeden Scheffel. Allein
die Stadtvertreter ſind freiſinnig genug, dieſen Verluſt auf die Stadtkaſſe zu übernehmen. Es ſind ja durch dieſe Ope⸗ ration vielleicht mehr als 1000 Thlr. in den Beuteln der Bürger geblieben und haben die Wanderung in die Beutel der Händler wahrſcheinlich fuͤr immer aufgegeben.
Ich halte für nöthig, dieſe Thatſachen zu veröffentlichen. Denn ſie zeigen beſſer, als lange Abhandlungen, wie man Theurung ſchafft und— wie man Kornwucher zu Schande macht; andere, weniger patriotiſche Stadtbehoͤrden aber
werden durch dieſes Beiſpiel vielleicht zur Nacheifrung an⸗
geſtachelt.)
Lob und Preis daher dem wackeren Bür⸗ germeiſter und den Stadtverordneten zu Glau⸗ chau! Dem Ziegler aber die Bürgerkrone 11! Ein Bürger aus Waldenburg.
(Herold Nr. 79.)
) Hier wird man unwillkührlich an das Ausſchreiben des Gr. Kreis⸗ raths des Kreiſes Friedberg in Nr. 79 dieſes Blattes erinnert. Gewiß haben recht viele Bürgermeiſter die Wichtigkeit deſſelben ins Auge gefaßt und ſich über die zu verwendenden Mittel mit ihrem Gemeinderathe berathen.—
Wetterauer Ortsnamen.
Ich gebe hier eine Anzahl Wetterauer Ortsnamen, welche mit einem Mannsnamen zuſammengeſetzt ſind. Dieſer Name wird wohl der des Anbauers oder des älteſten Orts⸗ herrn geweſen ſein.
Ober⸗ und Niederwöllſtadt. Was iſt Wöll⸗ ſtadt? Dieſer Ortsname lautete im Jahr 1177 Willenstat, 1235 Willinstat, dann mit einer bei andern mittel⸗ und niederdeutſchen Wörtern vor Alters nicht ſelten vorkommen⸗ den Auslaſſung des i nach w Wlenstat und daher mit u (und weiter o) 1255 Wullenstat, 1256 Wullynstad, 1249 Wollensiat!), endlich in ſpäterer Zeit Wöllſtadt. Der Ortsname bedeutet nichts anders als:„Ort(Wohnſtatt) des Will., Will aber, ein noch bekannter Zuname, iſt ein alter Mannsname und heißt altdeutſch Willo. Der Genitiv davon(d. i. der Fall, wann„des“ vor dem Namen ſteht) lautet Willin, Willen.
Ilbenſtadt hieß vor Alters z. B. 1215, 1276 El- venstat, auch mit Auslaſſung des n 1250 Elvistat, 1276 Elvestat, Elffstat, 1405 Elwinstat, deſſen w ſpäter in b übergieng. Der Name bedeutet:„Ort(Wohnſtatt) des Elf.“ Es gab nämlich einen altdeutſchen Mannsnamen Elfo, deſſen Genitiv Elvin(Elſin), Eiven lautet.
Büdesheim wird vor Alters Budenesheim(d. i. urſprünglich Budinsheim, wie noch im Jahr 1304 vor⸗ kommt), Budensheim(1304, 1318), dann in ſchlechterer Form mit verſchlucktem n Buodesheim(ſtatt Budesheim) u. ſ. f. genannt. Der Name bedeutet:„Wohnſitz(Heimat) des Budo.“ Budo aber, Buto, Puto iſt ein altdeutſcher
). So kommen die Namen vor in Baur's Urkunden zur heſſiſchen Landes⸗, Orts⸗ und Familiengeſchichte S. 63, 70, 74, 77, 81 und in Schmidt's Geſchichte des Großherzogthums Heſſen 2. Bd. S. 175, 177, 178, 180. Bei Baur kommt S. 101 auch noch im Jahr 1274 ein Heinrich Graf von„Wilinouwe vor; deſes Wilinouwe aber iſt ſo viel als„Aue des Will“ oder wiei wir ſagen würden„Wills Au.“,
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Mannsname, deſſen ag eie Budins, Budens, lau- tet). Der Name iſt noch in dem Zunamen Puth bekannt.
Ortenberg hieß auch vor Alters, z. B. ſchon 1333, ſo. Der Name bedeutet:„Berg des Orto.“ Orto(im Genitiv Ortin, Orten), der jetzige Zuname Ort, iſt ein altdeutſcher Mannsname?), den wahrſcheinlich derjenige hatte, welcher ſich zuerſt auf dem Berge anſäßig machte und ihn darum nach ſich benannte.
Arnsburg, vor Alters Arnisburg, Arnesburg Arnsburg, iſt nicht Adlersburg(von Aar d. i. der Adler), wie man geglaubt hat, ſondern:„Burg des Arno.“ Denn Arno iſt ein altdeutſcher Mannsname, deſſen Genitiv ur— ſprünglich Arnins lautet, aber mit verſchlucktem n Arnis,
Arnes, gerade wie vorhin Budes ſtatt Budins, Budes vorkam.
Kolnhauſen, vor Alters Colenhüsen(um das Jahr 1150 u. ſ. f.), bedeutet:„zu den Häuſern des Colo.“, Cholo, der jetzige Zuname Kohl, iſt ein altdeutſcher Manns⸗ name), deſſen Genitiv Cholin, Colin, Colen lautet.
Griedel, vor Alters Gredewilre, Gretvilre, Gred- la(d. i. Gredwila), heißt ſo vicl als:„Dorf des Gred.“ Gred, Gret nämlich muß ein alter Mannsname ſein, von welchem der altdeutſche Mannsname Greting abſtammt), und das altdeutſche Wort wilre, wilari(unſer„Weiler ⸗) iſt ſo viel als„Dorf“(Vgl. Intelligenzblatt 1846 Nr. 11.).
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) Unser größter deutſcher Sprachtenner und Landsmann Jacob Grimm ſagt mir von dieſem Genitiv auf ins ens, er ſei ur⸗
altdeutſch. Den Namen ſelbſt ſ. in Graffs Sprachſchatz 3. Tül. S. 82.
) Dieſer Mannsname Orto kommt z. B. vor in Baur is Urkunden S. 9 bei dem Jahr 1209. f
) Ein Mann, Namens Cholo, kommt vor als Zeuge 1220 in Baurs Urkunden S. 69.
Ein M. Gretingus kommt vor 1261 in Baur's Urkunden S. 31.
Kirchenbuchsauszug vom September 1846. Friedberg.
Getraute:
20. Joſeph Bender, angehender hieſiger Bürger und Zim⸗ mermann, des weiland hieſigen Bürgers und Maurer⸗ meiſters Heinrich Bender nachgelaſſener ehelicher lediger Sohn und Regina Füller, des hieſigen Bürgers und Zimmermeiſters Johannes Füller eheliche ledige Tochter.
27. Chriſtoph Martin Reitz, angehender hieſiger Bürger und Schreiner, des hieſigen Bürgers und Taglöhners Jo— hannes Reitz ehelicher unverheiratheter Sohn und Marie Chriſtine Schwätz, des Ortsbürgers und Schneider— meiſters Johannes Schwätz in Altenſtadt eheliche un⸗ verheirathe Tochter.
Getaufte:
6. Dem hieſigen Bürger und Bäckermeiſter Johann Jakob Lochmann eine Tochter, Eva Liſette, geb. den 24. Aug. 13. Dem hieſigen Bürger und Gerbermeiſter Emmerich Dörr ein Sohn, Johann Heinrich, geb. den 24. Aug. 13. Dem hieſigen Bürger und Schuhmachermeiſter Johannes Weynandt ein Sohn, Johannes, geb. den 3. Sept. 13. Dem hieſigen Bürger und Handelsmann Johannes Jöckel ein Sohn, Ferdinand Franz Auguſt, geb. den
17. Auguſt. 5
13. Dem hieſigen Bürger und Büchſenmacher Heinrich Engel ein Sohn, Chriſtian, geb. den 4. Sept.
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1320 G. O8 ber bo wirthſ


