Ausgabe 
25.7.1846
 
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den man für unfruchtbar hielt. N. Vielleicht laſſen ſich noch treffendere Bilder finden, aber Turner und Sänger im Bunde iſt ein Ding, über welches ſich Etwas ſprechen ließe. Ich habe leider die üble, Eigenſchaft, mich ſtets in Betrachtungen zu verlieren und würde auch ganz verloren gegangen ſein, wenn die Stimme

des Turnlehrers Ravenſtein von Frankfurt mich nicht

wieder erweckt hätte. Ein trefflicher Mann! Seine Rede in Nr. 51 dieſes Blattes habe ich heute erſt geleſen, weil ich

früher auf Artikel über das Turnweſen keinen Werth legte.

Als Feſtwart des Tages, trug er vor, daß ſeit den Feld⸗

bergsfeſten von 1844 und 1845 das Turnen erfreulichen 1 20 nehme, und gegenwärtig 14 Vereine vertreten e

ien, Mainz, Hanau, Frankfurt, Wiesbaden, Idſtein, Bie

berich, Darmſtadt, Gießen, Friedberg, Uſingen, Butzbach,

Homburg und zwei in Landgemeinden, Oberrad und Fechen⸗ heim. Man rief laut Bravo, Bravo! Turnwart Schärtt⸗ ner von Hanau, der die Spiele zu leiten hatte, ſchlug vor, lieberBrav, zu rufen, ein Vorſchlag, den ich ganz ver⸗ nünftig finde. Warum auch auf deutſchem Feldberg ein deutſchgewordnes Wort mit romaniſcher Endung! Die Spiele folgten nun. Ringen, Springen, Wippen und andere ſehenswerthe Uebungen, welche Kraft, Gewandtheit und Schwindelfreiheit bewieſen, Dauerlauf und Wettziehen. Zum Schluß ſang man: Was iſt des Deutſchen Vaterland? Schärttner ſprach zum Abſchied recht ſchön und kräftig und aus vollem Herzen zu den Turnern. Ich ſtand nicht nahe genug, um Alles zu verſtehen, aber es ſchien mir, als hätte ich ihn begriffen, und als die Turner abzogen, und ich wieder auf der Fahne des Mainzer Vereins die Worte frei, friſch, fromm, fröhlich ſah, kam mir das Turnweſen nicht mehr lächerlich vor, es ward mir ſogar, was ich kaum glauben konnte, etwas feucht um die Augen, und aus vollem

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bringen, daß ein neuer Anflug erſcheine auf dem Boden,

Durch eine beſondere Gelegenheit kam ich gerade in Homburg an, als im Feſtmarſch die Turner von Homburg, verſtärkt durch Turner von Friedberg, Butzbach, Hanau, Frankfurt vom Feldberg nach dem alten Kurſaal zogen. Der dortige Verein erfreut ſich des landgräflichen Schutzes und einer großen Theilnahme des Publikums. Soldaten, Kinder, Jung und Alt, Alles folgte dem Zug, und die Leute drängten ſich faſt in die Reihen der Turner. Aus den Fenſtern nickten Frauen und Mädchen und deuteten nach den Turnern, als wenn ſie ſagen wollten: Lieber Sohn, lieber Bruder, lieber ſeid Ihr wieder da! Ja Kurgäſte drängten ſich in den Turnerzug, und aus der Spielhölle ſtrömten Leute, um bei dem Klang der Blechmuſik und bei dem Schall der Trommel, ſowie bei dem Anblick der lebensfrohen Turner den Verluſt ihrer Schimmel oder

Goldfüchſe zu vergeſſen.

Der Feldberg wird geſehen in einem weiten Umkreis, am Fuß und auf den Höhen des Vogelsbergs, an der Lahn, am Main und Rhein. Möchte er allen Bewohnern dieſer Gegenden ein Einigungspunkt werden! Einmal im Leben ſollte man den Berg beſuchen, deſſen Haupt rieſenhaft über den Thälern hervorragt!

Möchte im Jahr 1847 das Feldbergsfeſt ein Feſt des Bundes ſein, den Sänger und Turner ſchließen. Bis da⸗ hin wird auch bei den Turnern eine Verſtändigung über die Commandoworte ꝛc. ꝛc. erfolgen, welche bis jetzt noch zu fehlen ſcheint. Der hinkende Bote wird es nie dahin bringen, an den Geräthſchaften der Turnplätze ſeine Sprünge zu machen; aber es gibt ein geiſtiges Turnen, in welchem er ſich üben wird, und bis zum letzten Hauche wird er in die faulen Stellen der Geſellſchaft rufen:

5 frei, friſch, fromm, fröhlich.

Allen Leibes⸗ und Geiſtes⸗Turnern aber ruft ein herz⸗

liches Gut Heil zu.

Herzen rief ich Gut Heil! Gut Heil!

18. Juli 1846.

Der hinkende Bote.

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

= ονν

5 A dietal ladung. (1021) Forderungen, ſowie ſonſtige An⸗ ſpruüche an Johannes Schneider II., Küfer, von Köddingen, gegen welchen Gr. Hofgericht zu Gießen den Concursprozeß erkannt hat, find Freitag den 11. September l. J., Mor⸗ gens 8 Ubr, ſogewiß dabier anzuzeigen, wi⸗ drigenfalls der Ausſchluß von der Maſſe er⸗ kannt wird.

Zugleich wird bemerkt, daß das vorhandene Vermögen zur Befriedigung der Pfandgläu⸗ biger nicht hinreicht, weßhalb die chirographa⸗ riſchen Gläubiger leer ausgehen.

Ulrichſtein den 2. Juli 1846.

Großb. Heſſ. Landgericht 10

Zimmermann. Brück.

Edictalladung.

(10800 Die Erben des Kaufmann Groedel dahier beſitzen ſchon ſeit vielen Jahren in der Gemarkung Ockſtadt ein dem Herrn von Hin⸗ keldey im Flurbuche zugeſchriebenes Grundſtück % 82 Rthn. Garten in der Burgleimen⸗ kaut an Philipp Lipp. Die bekannten Erben des gedachten von Hinkeldey haben erklärt, Anſprüche an jenes Grundſtück nicht geltend machen, vielmehr daſſelbe als Eigenthum der Kaufmann Groedels Erben anerkennen zu wol⸗ len. Auf deren Antrag werden alle, welche auf jenes Grundſtück noch ſonſt Rechte zu baben vermeinen, aufgefordert, ſolche ſogewiß binnen 6 Wochen von heute an hier anzu⸗ zeigen und in begründen, als ſonſt daſſelhe

als Eigenthum der Groedel'ſchen Erben an⸗ geſehen, ihnen zugeſchrieben und zur Dispo⸗ ſition überlaſſen werden wird. Friedberg den 3. Juli 1846. 5 Grßb. Heſſ. Landgerich L s w. f

P TOC Iams.

(1083) Mit Bezugnahme auf die in Nr. 29, 31, 42 u. 44 dieſes Blattes erſchienenen Bekanntmachungen, wird hiermit wiederholt zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die bei Eichelsdorf gelegene Junkermüͤble nebſt dazu gehörigen Ländereien in dem auf Montag den 24. Auguſt d. J., Morgens 10 Uhr,

anberaumten Termin in loco Eichelsdorf einer nochmaligen und letzten Verſteigerung ausge⸗

ſetzt und bei annehmbarem Gebot dem Meiſt⸗

bietenden der definitive Zuſchlag ertheilt wer⸗ den ſoll. Nidda den 10. Juli 1846.. Großh. Heſſ. Landgericht daſ. Kattrein.

Edictal ladung.

(1087) Cigenthums⸗ oder ſonſtige dingliche Anſprüche an die von Maria Katharina, Jo⸗ hannes Alt's Ehefrau und ihrer Schweſter, Eliſabetha Fuchs, dahier verkaufte Wieſe X/ 1689[IKl. in der Rothwieſe in der Gemarkung Feldkrücken, ſowie an die von Jo⸗ bannes Al: zum Selgenhof, wohnhaft dahier, beſeſſenen Grundſtücke in der hieſtigen Gemar. kung 1/1001, XXVI/27, XXVIVZ u. XXIV/õ32 ſind ſo gewiß binnen vier Wochen von heute bier geltend zu machen, widrigenfalls der

Kaufbrief über erſtgenanntes Stück beſtätigt

und dem Johannes Alt eine ſein Eigentihum

an den erwähnten Grundſtücken beſcheinigende Urkunde zugefertigt wird. Ulrichſtein am 11. Juli 1846. Großb. Heſſ. Landgericht daſ. Zimmermann. Acbeitsverſteigerung zu Ilbenſtadt. (1086) Dienſtag den 28. Juli, Vormit⸗ tags 10 Uhr, ſollen in dem Wirthſchaftslocat des Herrn Haas dahier die bei Erbauung eines neuen Schulbauſes daſelbſt erforderlichen Arbeiten an die Wenigſtfordernden in Accord gegeben werden. Nach dem Voranſchlag betragen dieſe Ar⸗ beiten: fl. kr

1) Maurerarbeitslohn, 689 13 2) Steinhauerarbeit, 609 22 3) Zimmerarbeit, 1053 50 4) Dachdeckerarbeit, 322 6 5) Schreinerarbeit, 494 10 6) Schloſſerarbeit, 386 14 7) Glaſerarbeit, 171 12 8) Weißbinderarbeit, 385 59 9) Spenglerarbeit, 79 24

ferner die Lieferung 9 Cub. Klftr. Mauer⸗ ſteinen aus den Ilbenſtädter Brüchen, 8 Cub. Klftr. Mauerſteinen aus den Brüchen bei der Naumburg. Das Aufſetzen der Steine, die Lieferung von 64,800 Stück Backſteinen, 200 Bütten Kalk und 8 Cub. ⸗Klftr. Sand.

Die Voranſchläge, Zeichnungen und Be⸗ dingungen liegen auf dem Bureau des Gr. Kreisbaumeiſters zu Friedberg zur Einſicht offen.

Ilbenſtadt den 14. Juli 1846..

f Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter

5 Dickenberger.

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