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Intelligenz-Olatt
für die
Probinz Oberhbeſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Friedberg, den 19. Februar 1845.
Geſtern, am Todestage Luthers, war es hier ganz ſonntäglich. Die meiſten Läden waren geſchloſſen und Nachmittags um 3 Uhr riefen alle Glocken zur Betſtunde, die ſo zahlreich beſucht war, daß die Kirche kaum alle Andächtige faſſen konnte. Nach der Kirche begaben ſich die Gemeinderäthe mit ihrem Bürgermeiſter an die Stelle, wo die„Conſtitutionseiche“ ſteht, und pflanzten in ſüdlicher Richtung von derſelben eine„Luthereiche“, wobei ſie, im Hinblicke auf den wahrheitsgetreuen, heldenmüthigen, ſtets Gott vertrauenden Luther, ſich im Stillen gelobten, in allen Verhältniſſen des Lebens ſtets ihrer beſſeren Ueberzeugung zu folgen und ſich nicht aus kleinlichen Rück⸗ ſichten abhalten zu laſſen, auszuſprechen und auszuführen, was ſie einmal für wahr und recht erkannt haben.
Es hat das Anſehen, als wenn die milde Witterung, welcher wir uns ſeit Anfang dieſes Jahres faſt ununter— brochen zu erfreuen haben, von Dauer ſein und ſtarker
nachtheiliger Froſt ferne bleiben ſollte. Die Kälte erreichte überhaupt keinen hohen Grad; am 4. Januar, Morgens 8 Uhr, wo ſie am ſtärkſten war, betrug ſie nur 6,6 Grad Reaumur und ſchwand von da an, ſo daß wir am 22. Januar, Morgens 8 Uhr, 6,6 Grad und Mittags ſogar 9,25 Grad Wärme Reaumur hatten. Der Einfluß auf die Natur war bald ſichtbar. Schreiber dieſes hatte wäh— rend des ganzen Winters in ſeinem Gärtchen blühenden Goldlack. Mitte Januar fand man hier ſchon blühende Veilchen. Die Leberblümchen ſehen ſchon ſeit vierzehn Tagen auf ihren nackten Stengeln uns freundlich an. In dem nahen Ockſtadt fand man am 1. d. M. an einem vor das Fenſter geſtellten Blumenſtocke mehrere Bienen. Die Winterfrüchte ſtehen herrlich und laſſen eine geſegnete Erndte erwarten. Der Weizen fängt ſchon im Preiſe an zu ſinken und die Kartoffeln werden für 2 fl. angebo⸗ ten: erfreuende Ausſichten bei dem theuren Brode und Beſchämung Derer, welche an der vorſorgenden Liebe des himmliſchen Vaters zweifeln.
Bekanntmachungen von Be⸗ hörden.
,
Edictalladung.
(147) In den Wetterfelder Gerichts und Orts⸗Hypothekenbuch ſtehen noch die in Art. 3456 Nr. 337 der Grßh. Heſſ. Zeitung vom 5. Dezember 1845 näber bezeichneten Hypo— theken offen, obgleich es ſehr wahrſcheinlich gemacht iſt, daß die Capitalien abgetragen und die Verpfändungen alſo erloſchen ſind. Wer daber aus dieſen Verpfändungen be⸗ ziehungsweiſe den deßfallſigen Urkunden, noch Rechte ableiten zu können glaubt, hat dieſel⸗ ben ſogewiß binnen ſechs Wochen, von heute an, bier geltend zu machen, als ſonſt jene Einträge für erloſchen erklärt, und im Hypo— thekenbuch geſtrichen werden.
Gleichzeitig werden alle Diejenigen, welche nicht ſchon früher von dem be⸗ ſtellten Commiſſair, Actuariatscan⸗
ben haben.
feſtgeſetzt,
Pfandurkunde beſitzen, biermit vorge— laden, ſolche ſogewiß binnen obiger Friſt im Original oder in beglaubigter Abſchriſt dahier vorzulegen, als ſonſt etwaige Verpfändungen in das neu zu errichtende Hypothenbuch nicht aufgenommen werden und ſie ſich die deßfalls entſtebenden Nachtheile nur ſelbſt zuzuſchrei⸗
Laubach den 1. Februar 1846. Grßh. Heſſ. Gräfl. Solmſ. Landgericht Brumhard.
Eta ba dun g.
(202) Die der Geſammtſamilie der Freiherrn von Löw gehörenden Zehntgefälle und zwar: 1) in den Gemarkungen Griedel und Gam⸗ bach auf ein Ablöſungskapital durch Uleber⸗ einkunft im Geſammtbetrag von 2625 fl.
2) intz der Gemarkung Niederbeſſingen durch Uebereinkunft Rente von 65 fl. 14 kr. 1 Hllr. feſtgeſetzt in einem demnach ſich berechnenden Ab—
in der Gemarkung Niederbeſſingen bereits an— erkannt iſt, aufgefordert, etwaige Rechtsan⸗ ſprüche binnen 2 Monaten um ſo gewiſſer dahier anzuzeigen, als gegenfalls die Aus zab— lung der Ablöſungskapitalien an die Freiherr— lich von Löw'ſche Rentei zu Florſtadt, gegen Ausſtellung der Ablöſungsurkunden, durch den, als senior familiae fangirenden Herrn Kam- merherrn und Oberforſtmeiſter Freiherrn von Löw zu Braunfels geſtattet werden wird. Hungen den 13. Februar 1846. i Großh. Heſſ. Fürſtl. Solmſ. Landgericht Hofmann.
Veraccordirung von Schreinerarbeit zu Gießen. (20 Die zur Herſtellung des Klubbſaals zu Gießen erforderlichen Schreinerarbeiten, wozu unter Andern die Anfertigung des 4161 Quadratfuß haltenden Fußbodens mit einem rauben Blindboden und einem darauf liegenden reinen Fußboden von feinen Rhein— bord mit eichenen Wand- und Kreuzfrießen
auf eine jährliche
didaten Bauer, ſpectell aufgefordert worden ſind, oder demſelben ihre uUr— kunden vorgelegt haben, gleichwohl eine noch rechtsgültige auf irgend ein Object in der Gemarkung Wetterfeld (das ſ. g. Altheſſenfeld, Landgerichts Grün⸗ berg ausgeſchloſſen) radicirte gerichtliche
löſungskapital von 1174 fl. 16½ kr., ſollen abgelößt werden.
Nach Maßgabe des Geſetzes vom 27. Juni 1836 werden daher alle bekannte und unbe⸗ kanate Betheiligte, mit Ausnahme des Grßh. Lehenhofes, bezüglich der unter 2 aufgeführten Gefälle, indem die Lehensherrlichkeit des Gr. Hauſes Heſſen hinſichtlich dieſer Zehntgefälle
gehört, ſollen auf dem Wege der Soumiſſton in Accord gegeben werden, was mit dem An⸗ fuͤgen bekannt gemacht wird, daß die Be— dingungen, unter welchen dieſe Arbeiten ver— geben werden ſollen, ſowie die dazu gebörigen Riſſe und nähern Beſchreibung der Arbeiten vom 16. d. M. an, in der Wobnung des Unterzeichneten eingeſehen werden konnen, und


