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ſollen— wenn ſie ihre Kinder mit Mehlpappe und Weck⸗ ſtampes ausſtopfen, daß ſie Leiber wie Fäſſer bekommen— wenn ſie aus lauter Gutmüthigkeit den armen Kindern Nichts verſagen können und ſie mit allen möglichen ſcharfen, den Kindermägen höchſt nachtheiligen Sachen überfüttern, oder mit Süßigkeiten die Mägen verſäuern und ſo alle Säfte vergiften— und die natürlichen Folgen dieſer un⸗ vernünftigen Behandlung: Krankheiten aller Art, wie böſe Köpfe, ſchlimme Augen, ekelhafte Geſchwüre, abgeſetzte Glie⸗— der ꝛc. ſich dann einſtellen oder die armen Würnichen nach unſäglichen Leiden gar ſterben: dann iſt's eine Schickung vom lieben Gott, dann muß man ſich geduldig in ſeinen unerforſchlichen Rathſchluß ergeben.—
O ihr armen Menſchen, wann werdet ihr einmal auf die rechte Art Gott vertrauen, einſehen und begreifen lernen, daß Gott nur Denen hilft, die ſich ſelbſt zu helfen ſuchen.
Hier, ihr Menſchenfreunde, noch ein weites Feld Eurer Thätigkeit! f E.
Judenwörter in der Wetterau.
1. Der Zores d. i. 1) ein Durcheinander, Wirrwarr; 2) ein Durcheinander von Menſchen; 3) allerlei geringes Volk durcheinander. Das Wort iſt das hebräiſche zaröôt, welches unſre Juden z0ross(das zweite o ganz kurz) aus⸗ ſprechen, die Bedeutung Bedrängniſſe, Nöthen hat und die Mehrzahl von zarah(in unſerer Judenſprache zöre) Be⸗ drängniß, Noth iſt.
2. Plete gehn heißt ſo viel, als wenn wir ſonſt ſagen: ſich aus dem Staube machen. Unſre Juden und wir Wetterauer ſprechen Plete aus: Bläide. Aber die Hoch⸗ deutſchen ſprechen und ſchreiben: flöten gehn, als wenn — ſonderbar genug!— dabei an eine Flöte gedacht würde,
auf welcher der, welcher ſich aus dem Staube macht, blies.
Plete gehn heißt urſprünglich: ſich in die Flucht begeben, ſich retten(ſalviren). Denn hebräiſch plétah, von unſern Juden pläite, bläide ausgeſprochen, bedeutet das Entkom⸗ men, die Rettung, und iſt abgeleitet von hebräiſch palat entkommen, entwiſchen. f
3. pegern, d. i. ſterben(in verächtlichem Sinne), crepiren. In der Wetterau hört man das Wort nur mit der davorgeſetzten Sylbe ge-, alſo: gepegern, welches aber daſelbſt immer gebäijern ausgeſprochen wird. Es iſt das hebräiſche péger, welches„hinfällig ſein“ bedeutet und von unſern Juden bäijere ausgeſprochen wird.
4. Schibes gehn, d. i. zu Grunde gehn, verloren gehn. Schibes(mit langem i) wird von unſern Juden schiwes ausgeſprochen und lautet hebräiſch schebeth, wo⸗ für eben unſere Juden schéwes leſen. Das Wort bedeutet das Aufhören und iſt abgeleitet von hebräiſch schabat auf⸗ hören, auch aufhören zu ſein.
5. ſchofel, d. i. geringhaltig, ſchlecht, armſelig. Un⸗ ſere Juden ſprechen: ſchoufel. Das Wort lautet hebräiſch schafal und bedeutet niedrig, tief, dann gering, nicht ge⸗ achtet, und kommt her von schafel, niedrig werden. b
6. Der Schmus, d. i. leeres Gerede. Es iſt das hebräiſche Wort schmuoth, welches unſere Juden schmuoss ausſprechen; ſeine Bedeutung iſt„Nachrichten,, denn die Einzahl schmuah bedeutet Nachricht, Gerücht, eigentlich was gehört wird, von hebräiſch schama hören. Von Schmus ſtammt dann das Zeitwort ſchmufen, d. i. viel leeres Gerede machen, ſich als Unterhändler hören laſſen.
7. dibbern, d. i. etwas angelegentlich beſprechen. Man fpricht wetterauiſch: diwwern(die Juden ſagen: diwwere), und macht davon auch das Wort: das Ge⸗ diwwer, welches Gedibber zu ſchreiben iſt und„ange⸗ legentliche Beſprechung mit einander“ bedeutet. Dibbern 1 hebräiſche Wort dibér reden, eine Form von dabar reden. e 8. oren, d. i. laut und mit einer Art von Geſang beten(bei den Juden.) Die Juden ſprechen das Wort öre aus; wir Wetterauer aber ſagen ouern(zweiſylbig ou⸗ern). Das Wort iſt nicht hebräiſch, ſondern aus dem lateiniſchen Worte orare(franzöſiſch orer) bitten, beten, in die Juden⸗ ſprache aufgenommen, gerade ſo wie aus lateiniſch precari (italieniſch pregare) bitten das Wort braje(mit langem 75 welches die Juden ſtatt„zu Gaſt bitten, einladen ⸗ agen.
9. benſchen wird das gewöhnliche, tägliche Beten der Juden genannt. Das Wort bedeutet aber eigentlich„ſegnen und wird von den Juden durchgehends gebraucht, wenn ſie die Kinder ſegnen und wenn ſie nach dem Eſſen das Dankge⸗ bet ſprechen. Auch dieſes Wort iſt nicht hebräiſch, ſondern aus lateiniſch benedicere ſegnen mit leicht begreiflicher Ausſtotzung des d ꝛc. zuſammengezogen und ſo in verderb—⸗ ter Ausſprache jüdiſch geworden.
(Schluß folgt.)
Guſtav⸗ Adolf ⸗Stiftung.
Sonntag den 20. September, Nachmittags um 3 Uhr, ſoll in dem Rathhausſaale zu Friedberg eine Verſammlung der Mitglieder des Wetterauer Zweigvereins der Guſtav— Adolf⸗Stiftung abgehalten werden. Weil dabei eine an den Vorſtand des Gr. Heſſ. Hauptvereins zu Darmſtadt zu erlaſſende, zu der Ausſchließung des Dr. Rupp von den Verhandlungen zu Berlin in Beziehung ſtehende Addreſſe zur Vorlage und Berathung gebracht wird, ſo ſieht der Vor⸗ ſtand einem recht zahlreichen Beſuche der Verſammlung ent⸗ gegen F d V
Dr. L. Chr. Matthias, Sekr.
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
d ιν e ννε Edictalladung.
(1342) Nachdem Großh. Hofgericht der Provinz Oberheſſen über das überſchuldete Ver⸗ mögen des Konrad Klier zu Bellmuth den förmlichen Concursproceß erkannt hat, ſo wer— den alle bekannte und unbekannte Gläubiger deſſelben hiermit aufgefordert, ihre Forderun⸗ gen in dem auf Dienſtag den 3. November d. J., Morgens 9 Uhr, 11755 anberaumten Liquidationstermin, ſo gewiß in Selbſtperſon oder durch gebörig Bevollmäch⸗ tigte anzuzeigen und geltend zu machen, widri⸗ genfalls ſie ohne ein beſonders zu erlaſſendes
Präcluſivdecret von der Maſſe ausgeſchloſſen werden. Nidda den 1. September 1846. Großh. Heſſ. Landgericht daſ. Kattrein⸗ Gutverpachtung zu Kaichen.
(1313) Dienſtag den 22. d. M., Mittags 12 Uhr, wird in dem Gemeindehaus zu Kai⸗ chen, das dem Großh. Fiscus gehörige, unge⸗ fähr 300 Normalmorgen haltende Gut, mit der Hofraithe, nochmals der öffentlichen Ver— pachtung auf 12 Jahre, vom Anfange des Jahrs 1848 an, ausgeſetzt und dabei der defi⸗ nitive Zuſchlag alsbald ertheilt, alſo keine höhere Genehmigung vorbehalten. Friedberg den 9. September 1846. Der Gr. Heſf. Rentamtmann des Rentamts h e Bu ß.
Belanntmachung.
(1312) Forderungen aller Art an den Nach⸗ laß des Gräfl. Solmſ. Kammerraths Buff in Aſſenheim ſind, bei Vermeidung Ausſchluſ⸗ ſes vom Inventar, Montag den 14. September, Morgens 9 Uhr, auf dem Rathhauſe in Aſſenheim anzumelden. Friedberg am 26. Auguſt 1846. 0 Gr. Heſſ. Gräflich Solmſiſches Landgericht. In Auftrag Großh. Hofgerichts: Hofmann. Dr. Gilmer.
Lieferung gebleichter Leinwand.
1) Die Lieferung von 2300 Ellen ge⸗
8950 ed für die hieſige Anſtalt ſoll
im Soumiſſionswege an den Wenigſtfordern⸗ den vergeben werden.
Hierauf Reflectirende wollen ihre deßfall⸗
dahie Vor; ſofort
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