könnt, und ihr müͤſſet doch alles fuͤr ihn arbeiten, denn er ſtiehlt euch den Lohn wieder aus der Taſche; und während er euren Körper immer mehr aufreibt, daß ihr die Knochen nicht mehr rühren könnt ohne ihn, bildet ihr euch doch ein, er ſtärke euch; und wenn er euch ſo zunichte gemacht ha⸗ ben wird, daß ihr gar nicht mehr arbeiten konnt, ſo könnt ihr doch noch Branntwein ſaufen und müͤßt ihn ſaufen, bis ihr dahin fahrt ins ewige Verderben. Wie ganz anders
ſteht es aber, wo es noch heißt: Bete und arbeite.
Das Beten iſt das Oel, das bei der Arbeit die Knochen geſchmeidig macht und ein friſches, fröhliches Herz, geſun— den Muth, Eintracht und Verträglichkeit im Hauſe, einen ehrlichen Namen und ein gutes Anskommen giebt. Doch der Branntwein hat euch um das Beten betrogen! Holla, wie ſteht's bei euch, wer von euch ſpricht noch den Mor— genſegen? Das Beten habt ihr verlernt mit dem Brannt- weintrinken, aber Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, Rotten, Haß, Mord, Saufen, Freſſen— das hat er euch gebracht, und die ſolches thun, werden mit Schrecken dahin fahren und der Herr wird ſie ſtrafen in ſeinem Zorn und in die äußerſte Finſterniß werfen, da Heulen und Zähnklappen iſt, da ihr Wurm nicht ſtirbt und ihr Feuer nicht verlöſcht. Wehe, wehe, wie hat euch der Branntwein an Leib und Seele verderbet!,
„Stopft doch dem Kerl das Maul und laßt ihn lau⸗ fen,“ riefen jetzt einige aus dem Graben in die Höhe, „man kann vor ſeinem Geplärre nicht ſchlafen.“ Der Go— liath aber hob ſeinen Arm drohend gegen ſie in die Höhe, daß ſie ſich ſchen wieder niederlegten. f
Als das der Lahme ſah, ſchlug er ſeine Bibel wieder auf und las mit lauter Stimme:„Wache auf, wache auf, ſtehe auf, mein Volk das du von der Hand des Herrn den Kelch ſeines Grimmes getrunken haſt; die Hefen des Taumelkelches haſt du aus⸗ getrunken und die Tropfen geleckt. Mache dich auf aus dem Staube, ſtehe auf, mache dich los von den Banden deines Halſes!“
„Ihr Eiſenbahnarbeiter machet jetzt an vielen Orten einen Aufruhr und ſetzet euch wider eure Herren, von denen ihr ſprechet, daß ſie euch hart drücken und euch euren ſauer verdienten Lohn entziehen. Wohlan, ich will auch Aufruhr predigen! Stehet auf und rottet euch zuſam⸗ men wider euren ärgſten Feind, der euch am grimmig— ſten drückt, der euch am meiſten ſchindet und plagt, der euch den Lohn wieder abnimmt, den ihr ſchon in der Taſche tragt, der euch die Butter vom Brode ſtiehlt und den Trunk kräftigen Bier's, der euch dem Vieh gleich achtet, das zur Schlachtbank geführt wird, der eure Kleider zerfetzt, der euch verderbet an Leib und Seele. Rottet euch zuſammen wider den Branntwein. Ich weiß, daß ein Einzel— ner nichts ausrichten kann. Es ſind Viele unter euch, die werden lieber gegen ihre leiblichen Herren aufſtehen, als gegen dieſen euren grimmigſten Feind. Sie werden den Einzelnen verhöhnen und verſpotten und nicht aufkommen laſſen. Darum ſteht zuſammen und macht einen Auf⸗ ruhr. Aber ſteht feſt und laßt euch das Herz nicht entfal— len, und wie der Menſch nichts allein thun kann, ſo vergeſſet das Beten nicht, daß es von euch wieder heiße: Beten und Arbeiten. Wenn ihr des Morgens aufſteht, ſo bittet Gott, daß er euch beiſtehe wider des Teufels Liſt, und wenn ihr euch des Abends niederlegt, ſo danket ihm, daß er euch bewahrt hat vor dem Argen. Sprechet in euren Herzen: rein ab, und rühret keinen Tropfen wieder an, denn wo ihr dem Feinde einen Finger laſſet, hat er euch bald wieder ganz. Wenn ihr alſo zuſammen⸗
„ 364. ö 5 J ſtehet nur ihrer 20 oder 10, ſo werdet ihr eine eherne Mauer ſein, an der der Feind abprallt mit allen ſeinen
liſtigen Anläufen. O laſſet euch helfen, laſſet euch warnen, ſehet mich an und vergeſſet meine Ge⸗ ſchichte nicht! Siehe, ich habe es euch alles ge⸗ ſagt! Dieſes unſchuldige Kindlein wird dermal— einſt auftreten und wider euch zeugen.—— Als der Lahme noch ſo redete, ertönte plötzlich die Glocke und zeigte an, daß die Mittagszeit vorüber ſei. Die Arbeiter rings umher erhoben ſich langſam, ſtreckten ſich und griffen nach ihren Schippen und Hacken. Die im Graben gelegen hatten, gingen zuerſt fort, ohne ſich weiter nach dem Lahmen umzuſehen. Etliche aber blieben noch
eine Weile um ihn ſtehen, bis endlich einer aus ihnen
heraustrat, ihm die Hand reichte und ſagte:„Leb' wohl, Alter, gebe Gott, daß ſolch ein Aufruhr würde!“ Da tra— ten noch mehrere hinzu, reichten ihm die Hand und gingen dann ſchweigend an ihre Arbeit. Jetzt kam auch der Go⸗
liath und gab ſeine rechte Hand dem Krüppel, und wie ſie
ihm der warm und treu ſchüttelte, griff er plötzlich mit der linken in ſein Wamms, zog die leere Schnapsflaſche heraus und warf ſie mit ſolcher Gewalt gegen einen Stein, daß die Scherben rings umher ſprangen.„Du haſt heute mit deinem Aufruhr einen andern Aufruhr in mir ſtille gemacht, ſagte er dann und ging nachdenklich ſeiner Wege.„Nun iſt's gut,, flüſterte ein bleiches Geſicht hinter dem Krüppel, „denn was der Goliath einmal beſchloſſen hat, davon läßt er ſich auch nicht wieder abbringen.“ Der Lahme aber hat ihm noch lange nachgeſchaut, dann hat er die Kruͤcken feſt unter die Arme geſtemmt und hat ſich langſam weiter gerollt.— l 5
Das iſt die Geſchichte vom lahmen Fried, der mit ſeinem Wäglein durch die Welt will zu allen Eiſenbahn— arbeitern und will predigen gegen den Branntwein.
Der lahme Fried aber kommt nur langſam fort und es wird lange dauern, ehe er herum kommt, und die Welt iſt ſo groß und es werden ſo viele Eiſenbah— nen gebaut und wird ſo viel Schnaps getrunken, und es geht in ſo viel Sünden und Schanden dabei zu. Darum habe ich ſeine Geſchichte ab drucken laſſen, ob ſie
ſo etwas ſchneller durch die Welt liefe, und wer ſie lieſet,
der erzähle ſie weiter, und ſo ſie an einen Buchdrucker kommt, der drucke ſie ab, er ſoll keine Strafe dafür bezah⸗ len müſſen. Und wo ſie hinkommt, da müſſe ſie einen Aufruhr erregen unter den Eiſenbahnarbeitern, daß die
Zeitungen bald von nichts mehr ſchrieben, als von Auf-
ruhr gegen den Branntwein an den Eiſenbahnen. Dann könnte der lahme Fried ausſpannen und mit ſeinem Söhnlein in Frieden einkehren in eins der vielen ſtattlichen Spitäler, die für die armen Leute von dem Gelde gebaut werden ſollen, ſo durch den Branntwein er— ſpart wird.(Volksblatt für Stadt und Land.)
Mannigfaltiges. In einer israelit. Gemeinde zu A. Kreiſes F. beſteht
noch das an alten Sauerteich klebende Herkommen, daß
bei Gelegenheit des Laberhüttenfeſtes, während des Gottes— dienſtes, eine öffentliche Verſteigerung der Zehngebote vor— genommen und hierdurch das Bethaus zu einem Handelsorte herabgewürdigt wird.. a Möge doch höheren Orts bald dafuͤr geſorgt werden, daß ſolche Mißbräuche, welche in ſonſtigen israelitiſchen Gemeinden ſchon lange auſſer Acht geſetzt ſind, nicht mehr vorkommen. Ein Religionsfreund.
* 1
6. D
Beka
0
(18000 Hahn Ch gericht das unte beauftraſ einer Akt aufgefor. Mittwo ſogewiß den, als folgt. J. verſucht n machten eines M.
Gros
(1883 don Bell Chemann wendung geſchloſſe ſtaͤtigen
Gläubige geforder deſſelben gleichs⸗ geſchloſſe


