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zeichnete aufgefordert, als Vertreter der Gemeinde, die Leſer dieſes Blattes mit dem wahren Sachverhalte zu behelli⸗ gen, dem Einſender jenes Artikels aber begreiflich zu machen, daß er von dem Hergange der Sache nur ganz wenig richtig beobachtet hat. Die Sache verhält ſich folgendermaßen.
An jenem Tage wurden drei, mitunter ſehr bedeutende, Güterverſteigerungen abgehalten, bei welchen nach uraltem Herkommen— was ich auch abzuſtellen noch nicht für nöthig gefunden habe— der Bürgermeiſter ſelbſt das Aus⸗ rufen beſorgt. Die erſte Verſteigerung dauerte an dieſem Tage von des Vormittags 10 Uhr bis Nachmittags 3 bis 4 Ühr. Während dieſer Zeit war es Niemand eingefallen ſich irgend eine Erfriſchung durch Speiſe oder Trank zu verſchaffen. Nach Beendigung der erſten Verſteigerung und vor Anfang der zweiten, welche eine halbe Stunde ſpäter erfolgte, daͤuchte es mich ſelber, da ich weder ein Frühſtück zu mir genommen, noch etwas zu Mittag gegeſſen hatte, mich hungere und dürſte, und begab ich mich, ohne Rückſicht zu nehmen, ob irgend ein Lauſcher in der Nähe ſei oder nicht, in ein anderes Zimmer und pflegte meines, durch 5⸗ bis öſtündiges Sprechen beinahe erſchöpften, Körpers. Auch die Verkäufer gaben den Steigerern, wie dieß ja faſt in allen Orten üblich iſt, den Schnaps und zwar 4 Flaſchen für mehr als Hundert Menſchen. Waͤh⸗ rend der zweiten Verſteigerung wurde kein Tropfen Schnaps mehr genoſſen.— Wenn der Einſender jener Bemerkungen unter andern ſagt, es ſei nach Beendigung der Verſteigerung ein Mann geſchlagen worden, ſo iſt er hierin wahrheits⸗ getreu geblieben, es geſchah aber dieſe Schlägerei nicht im Wirthshauſe, auch nicht in Folge der Verſteigerung, ſondern in des Geſchlagenen eigner Wohnung in Folge eines früher en Zwiſtes. Dies iſt der Hergang der Sache.—
Und nun, ſo möchte ich fragen, wo liegt die Unmäßig⸗ keit und wo ſieht mein unberufener Sittenprodiger die bedauerns⸗ werthe Zukunft einer Gemeinde, in dem Geſagten? Hat vielleicht Neid die Veranlaſſung zu jener Erzählung gegeben
weil die Steigerer wohl den Schaps allein tranken?! oder
wird Einſender vielleicht eher des andern Splitter als den eige⸗ nen Balken gewahr?— Einen Gemeindehaushalt, den man nicht kennt, öffentlich zu tadeln, dazu gehört viel, ſehr viel, und deß⸗ halb fordere ich im Intereſſe meiner Gemeinde den Einſender jener Notizen, die hier nur als offene Verläumdung er⸗ ſcheinen, auf, ſeinen Namen in dieſem Blatte zu
nennen, und erkläre mich bereit, Alles mit ihm zu be⸗
ſtehen, was in dieſer Angelegenheit Ehre, Pflicht und Ge⸗ ſetz erheiſcht. Keil, Bürgermeiſter.
Praktiſche Schule für den Volksgeſang. Heraus⸗ gegeben von Karl Thurn, Muſiklehrer der beiden großherzoglichen Seminarien zu Friedberg. Erſtes Heft(Vorübungen), Zweites Heft(Liederſamm⸗ lung).— Friedberg in der Wetteran. Druck und Verlag von Karl Bindernagel 1843.(Jedes Heft 6 Kr.)
Das badiſche Volksſchulblatt berichtet in Nr. 2 von 1846 hierüber:
„Dieſe empfehlenswerthe Sammlung von Vorübungen und 94 ein⸗ und zweiſtimmigen Liedern, letztere meiſt von dem Herausgeber eingerichtet, entſpricht den Beduͤrfniſſen der Stadt⸗ und Landſchulen in hohem Grade. Der Vorzug
des Büchleins iſt neben ſeiner Wohlfeilheit, ein ſehr ſeltener für dergleichen Sammlungen, nämlich der einer guten Auswahl. Die Lieder haben dem größten Theil nach einen wirklichen poetiſchen Gehalt und ſind im Stande, dem Kinde durch's ganze Leben lieb und werth zu bleiben, wodurch ſie
dann, nach ihrer Beſtimmung, zur Verbeſſerung des Volks⸗ geſangs ſehr geeignet ſind. a.. Einrichtung des Ganzen iſt ſehr zweckmäßig ſo, daß den 3 Stufen in der Liederſamm⸗ lung jedesmal die entſprechenden Stufen in den Vorübungen vorausgehen; ſo daß der Unterricht nicht durch das mühſame Durchmachen aller Vorübungen vor den Liedern den Kin⸗ dern langweilig wird. Wie heillos es in manchen Schulen noch um den Geſang ſteht, das wird Jeder wiſſen, der in
einige Dutzend Schulen hineingeſehen hat. Das Uebel liegt
nicht in Mangel an Fertigkeit oder Luſt an Geſang, ſondern in der ſchlechten Auswahl der Lieder.—“
Kirchenbuchs⸗Auszuͤge vom Januar 1846. I. Butzbach. f Getraute:
4. Zu Darmſtadt) Friedrich Heinrich Brüchner, Burger zu Butzbach und Schreiner in Darmſtadt, des verſtor⸗ benen Bürgers zu Butzbach und Schneidermeiſters Vin⸗ cens Brüchner hinterlaſſener ehelich lediger Sohn und Margaretha Erneſtine Riehm, des verlebten Großh. Rathsſchultheißen zu Dieburg Konrad Riehm hinter⸗ laſſene ehelich ledige Tochter.
11. Zu Hochheim im Herzogthum Naſſau) Johann Hein⸗ rich Vogt, Buͤrger und Apotheker in Butzbach, des da⸗ ſigen Bürgers und Kaufmanns Georg Chriſtian Vogt ehelich lediger Sohn und Maria Gertrudis Grüſing, des Herzoglich Naſſauiſchen Amtmanns zu Hochheim 1 Regierungsraths Peter Grüſing ehelich ledige
ochter. 5
18. Reinhard Weber, Bürger und Stadtförſter dahier, ein Wittwer, und Katharina Löw, des hieſigen Bürgers und Schuhmachermeiſters Gerhard Löw eheliche ledige Tochter. t f
Getaufte:
1. Dem Bürger und Weißbindermeiſter Heinrich Leier⸗ zapf III. eine Tochter, Katharina Eliſabeth, geb. den 16. December 1845. 5 4. Eine uneheliche Tochter, Anna Margaretha, geb. den 15. December 1845. 6. Dem Bürger, Gaſtwirth und Bürgermeiſterei⸗Beigeord⸗ neten Adam Joutz ein Sohn, Sebaſtian Albrecht, geb. den 30. November 1845. 11. Dem Bürger und Kaufmann Jakob Steinhäuſer IV. eine Tochter, Helene Jakobine, geb. den 4. Dec. 1845. 13. Dem Bürger und Metzgermeiſter Anton Winter ein Sohn, Bernhard, geb. den 18. December 1845. 25. Dem Bürger und Sattlermeiſter Andreas Falkner eine Tochter, Dorothea Wilhelmine, geb. den 28. Dec. 1845. 25. Dem Bürger und Schneidermeiſter Chriſtoph Frank ein Sohn, Karl Ludwig Auguſt, geb. den 4. Januar.
Beerdigte:
3. Johann Heinrich Mayer, Bürger und Schuhmachermei⸗ ſter, alt 37 Jahre, 10 Monate, 14 Tage, f den 1.
6. Juſtus, des Wachtmeiſters im Garde⸗Regiment Chevaur⸗ legers Chriſtoph Hufnagel eheliches Söhnchen, alt 3 Jahre, 3 Monate, 3 Tage, f den 5.
11. Ein unehelicher Sohn, Wilhelm, alt 2 Monate, 10
Tage, f den 9.
11. Ein unehelicher Sohn, Friedrich, alt 4 Mon., f den 9.
25. Katharina Margaretha Heil, des verlebten Bürgers und Bäckermeiſters Chriſtoph Heil II. hinterlaſſene Wittwe, geb. Pflug, alt 76 Jahre, t den 23.
23. Nikolaus Kurz, Bürger und Bierbrauer, alt 59 Jahre, 1 den 20.
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