Ausgabe 
15.7.1846
 
Einzelbild herunterladen

Intelligenz- Glatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Mittwoch, den 15. Juli

Ein neues Halbjahr Abonnement auf das wöchentlich zweimal erſcheinendeJntelligenz⸗Blatt für die Provinz Oberheſſen beginnt am 1. Juli.

Geneigte Beſtellungen

wolle man recht bald entweder bei dem Unterzeichneten, oder bei den den verehrlichen Abonnenten zunächſt gelegenen löblichen Poſtämtern einreichen. Abonnementspreis: das Viertelfahr 24 kr. Juſeratgebühren: die beiden erſten Zeilen zuſammen 7 kr.; die dritte und jede folgende

F 0 welche bis zum Mittwoch Abend eintreffen, in das Samſtags⸗ Blatt.

ufnahme der Juſeraten: alle bis zum Sonntag Abend eingehenden Inſerate kommen in das Mittwochs⸗Blatt, und alle,

1 Carl Bindernagel.

Ueber den Einfluß des Branntweins auf den Wohl⸗

ſtand, die Geſundheit und Sittlichkeit des Volkes. (Schluß.)

Doch gegen das Letzte ſpricht ſich auch Herr Weller mit Entſchiedenheit aus, Er meint den Gewohnheisſäufern müßte der Branntwein ſo vertheuert werden, daß ſie die Naſe davon zu laſſen genöthigt wären. In den Wirths⸗ häuſern ſoll der Verzapf mit enormer Steuer belegt wer⸗ den. Ganz gut, und ich hoffe auch Erhöhung der Zapfge⸗ bühr. Aber, wenn nun der Hausverbrauch weniger bela⸗ ſtet würde, was würde die Folge ſein. Gar Mancher, der jetzt kein Fäßchen im Keller hat, würde ein ſolches ſich ein⸗ legen und hierbei könnte man gewiß das Sprüchwort be⸗ wahrheitet finden: Gelegenheit macht Diebe. Soll durch Steuer geholfen werden, ſo muß auch der Hausverbrauch einer erhöhten Abgabe unterlie⸗ gen. Doch ich verweiſe auf meine Schrift Seite 150. Wenn nun Herr Weller die Frage wegen eines paſſenden Erſatzmittels für die Hauptſache erklärt, ſo muß ich ihm meine Uebereinſtimmung verſagen. Eine entbehr liche, oder vielmehr ſchädliche Sache bedarf an und für ſich keines Stellvertreters. Nahrung giebt der Branntwein nicht und der Arbeiter würde beſſer daran ſein, wenn er für ſeine Branntweinkreuzer ein anderes Zu⸗ gebröd z. B. Käſe, Butter, Wurſt ſich anſchaffen wollte. Manche Familie könnte für das Schnapsgeld ein Schwein mäſten, oder ein gemäſtetes kaufen, oder auch ein friſches Stück Fleiſch ſich verſchaffen. Wäre das nicht ein zweck⸗ mäßiger Erſatz? Man entſage doch einmal dem Wahne als ob man bei der Arbeit etwas Spirituoſes genießen müſſe und laſſe die Tauſende und Millionen Beiſpiele aus den verſchiedenſten Ländern und Zeiten zur Belehrung und Warnung dienen. Selbſt der Säufer und Trunkenbold kann ſeine Gewohnheit ändern, wie die Vereine gegen den Branntwein durch redende Thatſachen beweiſen. Zittern

und die ſonſtige Unbehaglichkeit vergeht bei zweckmäßiger Lebensweiſe, bei dem Genuſſe des friſchen Waſſers, oder, wenn man will, anderer Arzneimittel. Verlangt man außer dem geſunden Waſſer ein anderes Getränk, ſo bleibt für die gewöhnlichen Verhältniſſe ein geſundes nicht allzuſtarkes Bier das Beſte, und es freut mich daß Herr Weller mir in die Hände gearbeitet hat. Daß die Bierfabrikation die Brennereien bei der Landwirthſchaft ſo reichlich erſetzen, daß namentlich die Träber die Stelle der Schlempe vertre ten würden, hätte ich doch nicht auszuſprechen gewagt, weil mir hierzu die nöthigen Kenntniſſe und Erfahrungen fehlen. Ebenſo wünſche ich mit ihm, daß das Brauen für den Landwirth moͤglichſt erleichtert werde. Hierbei geben aber viele Gemeinden bei uns einen Vortheil, der ander wärts fehlet. Ich meine die öffentlichen Brauereien, durch welche auch die minder Bemittelten in den Stand geſetzt ſind, ſich Hausbier zu verſchaffen. Ich bitte daher im Namen des Volkes die Gemeinde- Vorſtände nicht aus anderen Gründen ſich verleiten zu laſſen, die Brauereien zu veräußern, vielmehr gegen möglichſt geringen Preis an Privatleute zu öffnen. Auch noch eine Bitte an die größeren Gutsbeſitzer wage ich öffentlich auszuſprechen, ſie mochten dem Beiſpiele vieler ihrer Collegen in anderen Ländern folgen und dem Geſinde weniger oder gar keinen Branntwein geben. Gar Mancher iſt durch längeren Aufenthalt auf den Höfen, wo ſchon zum erſten Imbiß das Branntweinglas gefüllet wurde, zum Trunke verleitet worden. Ich hatte noch Manches auf dem Herzen um die Vereine gegen das Brauntwein-Trinken zu empfehlen, allein ich fürchte ſchon zu weitläufig geworden zu ſein, und behalte mir ihre ſegensreiche Wirkungen zu ſchildern, auf eine paſſende Gelegenheit vor. Wer aber, wie Herr Weller wenig von denſelben erwartet, der leſe was in Norddentſchland und Schleſien von denſelben aus⸗ gerichtet worden iſt, vielleicht werden die Millionen Mit glieder, die Tauſende gebeſſerter Säufer ihn eines anderen belehren. Herrn Weller danke ich übrigens, daß auch er