Derſelbe an dieſelben.
Betreffend: Die Arretirung des Friedrich Feſſelmann von Grünberg. Rubrikat hat ſich, in der wahrſcheinlichen Abſicht heim⸗ lich nach England zu gehen, von hier entfernt. Ich weiſe Sie daher an, auf denſelben invigiliren und ihn im Be— tretungsfalle arretiren, ſodann an mich abliefern zu laſſen. Grünberg am 30. Oktober 1846. 13 f Ouvrier.
Derſelbe an dieſelben.
Betreffend: Die Entwendung eines Hundes.
Mit Bezug auf abſchriftlich nachſtehendes Erſuchen
des Gr. Kreisraths zu Büdingen vom 28. l. M. beauf⸗ trage ich Sie, Nachforſchungen nach dem fraglichen Hund anſtellen zu laſſen und etwaige Wahrnehmungen dahier anzuzeigen. 2.
Grünberg am 21. Oktober 1846. 5
O u brier. A becher fat. ꝛc. ꝛc.
Am verfloſſenen Samſtag den 24. d. M. iſt der nach⸗ ſtehend ſignaliſirte Hühnerhund in hieſiger Stadt, wahr⸗ ſcheinlich durch Entwenduug abhanden gekommen. Ich er⸗ ſuche Sie daher, jede ſich in Bezug hierauf ergebende An⸗ zeige zu meiner Kenntniß zu bringen.
Signalement des Hundes:
8 Farbe: braun, auf dem Kopfe ein kleines weißes Fleckchen, und eine weiße Bruſt. Der Hund brach früher das linke Hinterbein, wovon die Spuren auf der einen Seite oberhalb des Knieegelenks noch ſichtbar ſind. Er war mit einem runden, zuſammengerollten Halsband, welches
mit einer kleinen Schnalle und zwei Ringen von Meſſing verſehen, bekleidet.
Die Geſchichte vom lahmen Fried. Mitgetheilt von G. J.
Wenn die großen Eiſenbahnlinien, die Deutſchland durch- ſchneiden, erſt einmal ganz fertig gebaut ſein werden, und es fährt Einer mit Windesſchnelle etwa von Königsberg in Preußen nach Köln oder Koblenz am Rhein, ſo denkt er vielleicht nicht daran, wie viel tauſend Menſchenhände vor⸗ her Jahre lang von früh bis in die Nacht ſich haben regen müſſen, und wie viel Tropfen Menſchenſchweiß auf den Bo⸗ den gefallen ſind, ehe er ſich ſo glatt ausgeſtreckt hat, daß ſich die ſchweren Eiſenſchienen gleich doppelten Schnürlein drüberhin legen konnten. Wenn aber zwei Müller herkä— men und einer davon hätte die Macht, alle Schweißtro p— fen, groß und klein, die die Menſchen hier vergoſſen haben, aufzufangen und zu ſammeln, daß nicht eine Nußſchale voll davon verloren ginge— der Andere aber konnte allen Branntwein, der bei dieſem Bau getrunken iſt, zuſammen⸗ ſchütten, ſo weiß ich doch, weſſen Mühle am luſtigſten gehen ſollte; und wenn der Schweißmüller ſchon längſt mit trüb⸗ ſeligem Blicke das verſiegte Waſſerbette anſchaute und mit ſchwerem Herzen ſehen muͤßte, wie die Rothſchwänzchen ihre Neſter bauen im trocknen Waſſerrad— ſo pfiffe der mit dem Branntweinsmahlgange noch lange Zeit ein munteres Müllerſtückchen.
Wer jetzt durch Thüringen reiſt, kann das geſchäftige Treiben, das Karren und Graben, das Pochen und Häm— mern bei ſolchem Bau noch gewahr werden, und kann's mit Augen ſehen, wie hier ein langrückiger Berg allmälig aus dem Thale in die Höhe wächſt und dort ein anderer geniedrigt wird oder eine weite Spalte macht, als hätte vor vielen hundert Jahren einmal eine große Waſſerfluth
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ſich da den Durchpaß geſucht. Und wenn ſich Einer im Geiſt mit auf den Bergkamm ſtellen wollte, hart an der Strecke, wo die Eiſenbahn das freundliche Saalthal ver⸗ läßt und auf einem Umwege über den Höhenrücken zu kom⸗ men trachtet, und er hübe ſeinen Blick auf und ſchaute in die Ferne, vor ſich und hinter ſich, rechts und links, und
ſähe überall lachende Felder und grüne Wieſen und dunkle
Waldungen und hier und dort manchen freundlichen Kirch⸗ thurm und jenſeits die alte Stadt, wie ſie ſich mit ihren vielen Spitzen und Zinnen am Fuße des Berges drüben ausbreitet, und dazwiſchen den breiten Spiegel der Saale, die ſich lang hinzieht durch das anmuthige Thal wie ein gewaltiges Silberband, und hart unter ſich den langen Streifen Eiſenbahn— auf der einen Strecke werden ſchon die Schienen gelegt, auf einer andern Stelle hämmern die Maurer noch emſig an der Ueberbrückung des Fluthbettes und weiterhin wird gar noch ein großes Stück Berg ab⸗ getragen— doch plötzlich läutet ein helles Glöcklein und meldet, daß es Zeit iſt zum Frühſtück, und der Maurer legt Hammer und Kelle hin, der Zimmermann Richtſcheit und Handaxt, der Handarbeiter wirft Schippe und Hacke hinter ſich oder ſpannt ſich aus dem Karren, und Jeder läuft nach ſeiner ſchwarzledernen Taſche und ſchnallt ſie auf, oder wer keine hat, der wickelt ſein Brodtuch auseinander,— und ſie lagern ſich Haufenweis, jedes Gewerk zuſammen und jede Section Handarbeiter—— wenn Einer ſo da⸗
ſtände, meine ich, und ſähe das Alles aus der Ferne
mit an und hätte nichts zu thun und keinen Hunger und etwas Geld in der Taſche, und er wäre etwa ein fahrender Sänger, ſo könnte er hintreten und einen Vers machen, wie das Alles ſo herrlich wäre und wie die Arbeit das Mahl würze und der Fleiß nie Mangel leiden laſſe, und es möchte das ein Liedlein werden, daß Einem das Waſſer im Munde zuſammenliefe. Wenn er aber hinunter⸗ ſtiege und beſähe ſich die Herrlichkeit von Na hem und ſähe ide vielen wilden Geſichter unter dem Volk und die zerlumpten Beinkleider und Wämſer, trotz dem reichlichen Verdienſt, und röche den vielen Schnaps und hörte die unfläthigen Redensarten und das viehiſche Gelächter und das viele Fluchen und Schelten und das wüſte Toben und Treiben— ſo ſollte ihm die Luſt zur Poeterei doch bald wieder vergehen. ö
Doch ich wollte ja die eſchichte vom lahmen
Fried erzählen. f a
Auf einer Strecke der Thüringer Eiſenbahn lag eine Section Arbeiter im Schatten etlicher alter Bäume hart an dem Wege, der vom Dörflein E. hinüberführt nach dem Städtchen F., und aßen und tranken, was Jeder eben hatte. Sie hatten ſich um einen großen, baumſtarken Mann ge⸗ ſammelt, deſſen eines Auge, vermuthlich in Folge einer Schlägerei, ausgelaufen war und der wegen ſeines Aus⸗ ſehens gewöhnlich von den Andern der Goliath genannt wurde, auch ſonſt in beſonderm Anſehen zu ſtehen ſchien.
„Ich werde es bald den Schleſingern nachmachen, ſagte jetzt der Goliath, indem er einen Schluck aus ſeiner Branntweinsflaſche nahm,„der Condukteur kann ſich vor mir in acht nehmen! Ich will ihm ſchon den Staar ſtechen und wenn er nicht gutwillig Ja ſagt, ſo nehmen wir uns unſer Recht mit Gewalt. Ihr bleibt Alle mit feſt darauf ſtehen, ohne zwei Neugroſchen Zulage auf die Ruthe Ab⸗ raum wird kein Schlag wieder gethan.“
Die Augen ſeiner Kameraden richteten ſich aber alle nach der Landſtraße hin, auf der ein ſeltſamer Zug ſich langſam näher bewegte. Man wußte nicht, ob der Mann, der von dort herkam, ging oder fuhr. Er hatte zwei Krücken unter den Armen und die Füße lagen kraftlos und zuſammenge⸗ bogen auf einem kurzen, niedrigen Rollwäglein. Mit dem
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