Ausgabe 
4.11.1846
 
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desgl. dem Hauptmann Becker vom Generalqartiermeiſterſtab für das Ritterkreuz dieſes Ordens..

IV. Concurrenz für die 1. kath. Schullehrerſtelle zu Obermörlen mit 405 fl. 30 kr., einſchließlich der Koſten für Heizung des Schullocals (Präſentation des Ortsgeiſtlichen); die Forſtmeiſterſtelle des Forſts Seli⸗ genſtadt(binnen 3 Wochen bei der Oberforſtdirection); das Steuercom⸗

miſſariat Battenberg(binnen 19 Tagen bei der Oberfinanzkammer J. Sect.) f V. Geſtorben: am 23. Aug. Seminardiener Dambmann zu

Friedberg; 15. Sept. evang. Pfarrer Niſter zu Oberklingen; 23. Ober⸗ forſtmeiſter Frbr. v. Nordeck zur Rabenau zu Seligenſtadt.

Allſeits guten Morgen!

Wenn ich Morgens ſo nach der Kaffezeit gegen 9 10 Uhr in eine Stube komme und es liegt Alles kunterbunt durcheinander, die Betten ſind noch nicht gemacht,

der Boden noch nicht gefegt, Tiſche und Stühle mir Staub bedeckt, die Kinder, die mit verworrenen Haaren und Lat⸗

wergegeſichtern herumlungern, noch nicht angezogen, dann denke ich was? nun dann denke ich: o wehe, da iſt auch die Hausfrau nicht viel werth! und beklage im Stillen Alle, die unter ihrer Unordentlichkeit zu leiden ha⸗ ben, am meiſten den Mann, daß er nicht weiß und nicht fühlt, wie es in der Wohnung vernünftiger Menſchen ei⸗ gentlich ausſehen muß, oder wenn er es weiß und fühlt, daß er nicht die Kraft hat, Unordnung in Ordnung zu verkehren; am meiſten die Kinder, die zu gleicher Schlam⸗ perei man verzeihe mir den Ausdruck, aber ich weiß keinen beſſern erzogen werden, wie ſie der Frau Mut⸗ ter eigenthümlich iſt. Ich habe neulich geleſen:wem es nicht um Reinlichkeit im Aeußern zu thun iſt, dem wird es in vielen Fällen auch nicht drauf ankommen, ob es in⸗ wendig ſäuberlich ausſehe und ich glaube, der Mann, der das geſagt hat, hat im Allgemeinen Recht, wenn auch das Gegentheil ſeines Satzes viele Ausnahmen erleidet.

Gerade wie mit den Stuben geht mir's mit den Hö⸗ fen. Weng ich über die Straße gehe und's ſteht von un⸗ efähr ein Hofthor auf und ich blicke gleichfalls von unge⸗ fahr hinein und ich ſehe, duß nicht allein der ganze Hof⸗ raum eine Düngerſtätte iſt was ſich wohl an vielen Orten nicht ändern läßt ſondern daß die Miſtjauche bis an die Schwelle des Hauſes geht, ſo daß man keinen Schritt aus demſelben thun kann, ohne ſich zu beſchmutzen oder einen halsgefahrlichen Sprung zu thun, daß dabei die Ackergeräthe in bunter Miſchung auf dem Miſte liegen, Pflug, Egge, Peitſche, Hacke und weiter hinten die heu⸗ rige Erndte an Kraut und Rüben auf demſelben appetit⸗ lichen Platze ꝛc. ꝛc. dann habe ich ſchon oft bei mir ſelbſt geſagt: ach! da ſieht's auch ſcheu aus, da iſt auch keine Aufſicht und Ordnung; wenn die Sachen überall ſo ſtehen, wie hier, wo es offen iſt vor Jedermanns Augen, was ſoll daraus für die Dauer werden? und leider habe ich ſchon gar Manchesmal die Erfahrung gemacht, daß ſolche Lotterei in einem Stücke zur Lotterei in allen Stücken und zum völligen Rückgang geführt hat. Daſſelbe gilt von den Aeckern, auf denen das Unkraut die gute Frucht über⸗ wuchern darf, ohne daß man ihm wehret; von der Nach⸗ läſſigkeit, in welcher man von bewährten Regeln, durch Krankheit gefährdete Früchte zu erhalten, keinen Gebrauch macht; von der Unbedachtſamkeit, mit der man in guten Jahren verſchleudert und umkommen läßt, was man in minder guten theuer bezahlt und was auch in den beſten gar viele Arme nöthig brauchen u. ſ. w.

Wenn aber der Schluß von der Beſchaffenheit der Stube auf die Wirthſchaftlichkeit der Hausfrau, von dem Ausſehen des Hofes und Feldes auf den Ordnungſinn und

von Sachſen verliehene Großkreuz des k. ſächſiſchen Civilverdienſtordens,

doch fünf Monate ſpäter.

5 die Tüchtigkeit des Beſitzers und Bebäuers nur ſehr ſelten

täuſcht, wird er täuſchen, wenn man aus dem Zuſtande

der Straßen u. ſ. w., insbeſondere ſoweit ihre Unterhal⸗ tung und Reinigung nicht den Privaten, ſondern der Ge meinheit obliegt, auf die Ordnungsliebe der Lokalbehörden ſchließt? Gehe ich da neulich mit einem Freunde zu ei⸗ nem Stadtthore hinaus. Wohin? fragſt du je nun, ſpazieren, der aufgehenden Sonne entgegen, denn es war frühe am Tage, ein gar ſchöner Weg auf der Straße und die Vögel ſangen, als ob's im Mai wäre und war Wir ſchwatzten mit einander von Sonntagskindern und Nordlichtern, von Kartoffel⸗ krankheiten und Nordamerika, von der deutſchen Einheit und dem achtzehnten Oktober, vom Kornwucher und der Stockprügelſtrafe und hatten des Weges kein' Acht. Mit einem Male ſtacken wir bis an die Knöchel im Schmutz und als wir derohalben unſer Antlitz wendeten, ſiehe, da ſtanden wir am Eingang eines Dorfes und vor uns ein, für jeden nur mittelmäßig fein beſtiefelten Menſchen, un⸗

durchwaibarer Sumpf von Waſſer und Koth. Wir hatten

in dem Dorflein oder auch weiter hinaus, unſer Frühſtück nehmen wollen, jetzt aber kehrten wir auf dem halben Wege um, zuvor am Raine der Straße unſer Schuhwerk reinigend von den Zcichen, die der erſte Schritt in jenes Dorfes Weichbild an ihm zurückgelaſſen hatte. Warum ſo fragte Einer den Andern warum ſorgt die Orts⸗ polizei nicht dafür, daß, wie es doch die Geſetze vorſchrei⸗ ben, die Straßen gehörig gereinigt werden? warum wer⸗ den dieſe Geſetze ſo häufig nur auf die Straßentheile, de⸗ ren Reinigung den Hausbeſitzern obliegt, angewendet, und nicht auf die Straßen und Plätze, die Eigenthum der Gemeinde ſind? macht man ſich auf dieſen weniger ſchmutzig, als auf jenen, ſieht auf den einen der Koth lieblicher aus, als auf den andern? gibt es nicht in jedem Orte Leute, die aus der Gemeindekaſſe Unterſtützungen erhalten wa⸗ rum wird dieſen die Reinigung der offentlichen Straßen nicht zur Pflicht gemacht? und wenn es keine ſolche Leute gäbe, erfordert es nicht die Rückſicht für Schönheit, Wohl⸗ anſtand, Geſundheit ꝛc. ꝛc. auch in dem kleinſten Dorfe, daß ſolche Kothflecke, wie ſie den Eingang ſo vieler Ortſchaften bezeichnen, entfernt werden? Und iſt Schönheit, Wohlan⸗ ſtand, Geſundheit ꝛc. ꝛc. Nichts, dem man jährlich auch einige Gulden zum Opfer bringen darf? Wahrlich wenn die Lokalpolizei dafür keinen Sinn hat, ſollte ihr die obere Polizeibehörde denſelben ſchärfen, denn was thut man mit Pflaſter und Chauſſee, wenn beides mit fauſthohem Schmutze überzogen iſt? 5 f

So redend kamen wir heim und zu öffentlichem Nutz und Frommen habe ich hier von unſerm Spaziergang, ſammt dem, was mit ihm zuſammenhängt, Meldung gethan. Leid ſollte es mir ſein, wenn dieſe Meldung nicht zu öffentlichem Nutz und Frommen geſchehen wäre, d. h. wenn die, welche es angeht, nach wie vor um die Hinwegräumung der gerügten Mißſtände was übrigens kaum zu erwarten ſteht ſich nichts bekümmerten, in welchem Falle ich übrigens die Be⸗ kanntſchaft des Publikums baldigſt erneuern würde.

Verſchieden es.

Am 28. Oktober d. J. wurde in den Straßheimer Wieſen bei Friedberg, beim Aufgraben des Raſens, ein lebender Maikäfer kaum 8 Zoll unter dem Boden gefunden, welcher, ins Warme gebracht, munter umher ſpazierte.

Sollte er auch zu den Vorboten eines nahen und kalten Winters gehören? 1

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