Ausgabe 
4.3.1846
 
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Intelligenz-Glatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

W113.

Mittwoch, den J. März 13846.

Amtlicher Theil.

Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg an ſaͤmmtliche Großh. Burgermeiſter dieſes Kreiſes. Betreffend: Den Abgang der Landbeſchäler auf die Geſtütsſtationen. Sie werden alsbald zur öffentlichen Kenntniß bringen, daß die Landbeſchäler auf den Stationen zu Grünberg und Ulrichſtein eingetroffen ſind.

Grünberg den 26. Febr. 1846. Ouvrier.

Reiſebemerkungen vom Alten vom Berge.

Durch meine Beſchäftigung komme ich häufig mit allen Ständen in der Provinz Oberheſſen, beſonders aber in der geſegneten Wetterau, in Berührung und ſehe und höre Manches bei Hohen und Niedern, das wohl verdiente ver öffentlicht zu werden, zur Ermunterung, zur Warnung, oder zu ernſter oder heiterer Unterhaltung. Dies bewog mich zu dem Entſchluſſe, von Zeit zu Zeit meine Reiſebemerkungen in dieſem Blatte mitzutheilen, das ich faſt in jedem Wirths⸗ hauſe und in vielen Privathäuſern auf meinen Wanderungen finde. Ich mache den Anfang mit Folgendem.

1

Am 16. Januar übernachtete ich in Harrbach, einem Dörfchen im Kreiſe Grünberg von kaum 400 Seelen, und war daſelbſt Zeuge eines ländlichen Feſtes, das ich in Be zug auf unſer Volksleben nicht für unwichtig halte. So klein dieſer Ort iſt, ſo hat er doch ſeinen Singverein, der ſchon 1842 gegründet wurde und deſſen Gründungstag gerade heute feſtlich begangen werden ſollte. Um 6 Uhr Abends wurden im Dörfchen an alle an der Straße ſtehende Häuſer und Bäume Laternen aufgehängt, die einen Zug erblicken ließen, der mit Voraustragung mehrerer Fahnen nach Stim men geordnet war und wobei die Burſchen mit Sträußchen auf den Mützen und die Jungfrauen in ihrer ländlichen Tracht mit weißen Schürzchen mit Bandſträußchen geſchmückt waren. Der Zug begab ſich an die Wohnung des Gr. Bürgermeiſters, wo der Kirchen-, Schul- und Ortsvorſtand verſammelt war und ſich anſchloß, um gemeinſam in das Schulhaus zu ziehen. Daſelbſt angekommen wurde von dem Lehrer ein kurzer paſſender Vortrag gehalten und mehrere Geſänge ausgeführt. Später vergnügte ſich die Jugend in ſchöͤnſter Ordnung durch Tanz. Hier ſah ich auf's Neue

wie ſehr ſolche Vereine, wenn ſie richtig geleitet werden, auf

die Geſittung des Volkes wirken, den Sinn fur reinere

Freuden wecken und das wilde Gejauchze verbannen, ſo daß

ich den Wunſch nicht unterdrücken kann: möchte ſich doch in

jedem Dorfe ein Singverein bilden und auch, wie in Harr⸗

bach, die Ortsvorſtände ſich deſſelben annehmen. 2

Den 10. Februar führte mich mein Weg durch den Ort E., Landgerichtsbezirk L., Krs. H. Ich war ſchon mehrere Stunden gewandert und wollte mich im Wirths⸗ hauſe durch einen friſchen Trunk erquicken. Ich fand das Wirthshaus mit ſo Menſchen angefüllt, daß ich kaum ein Plätzchen für mich finden konnte. Auf Befragen erfuhr ich, daß eine Güterverſteigerung abgehalten würde. Es war, wie ich glaube, gerade eine Pauſe eingetreten, denn mehrere Stimmen riefen:Herr Bürgermeiſter! es muß erſt einmal getrunken werden, dann geht's wieder beſſer. Dieſer Ruf ſchien ſich eines beſonderen Beifalls zu erfreuen und es währte nicht lange, ſo wurden auf jeden Tiſch mehrere Flaſchen Brandwein geſtellt und widerholt gefüllt. Auch be⸗ merkte ich, daß der Herr Bürgermeiſter bei dieſer Gelegen⸗ heit nicht vergeſſen wurde. Ich fragte den mir zunaͤchſt ſitzenden Bauer, ob hier jede Verſteigerung ſo abgehalten würde?Ohne Brandwein kann hier nichts verkauft wer⸗ den erhielt ich zur Antwort. Ein ſchöner Haushalt! dachte ich. Wie kann in einer Gemeinde Zufriedenheit und Frohſinn heimiſch werden, wie kann auf ihr der Segen Gottes ruhen, wenn der Fuſelgeiſt ſein Regiment darin auf⸗ ſchlägt? Ich ergriff meinen Wanderſtab und verließ ſchleunig den Ort, der einen ſo trüben Eindruck auf mich gemacht hatte und dem ich, nach dem Geſehenen, nur eine bedauernswerthe Zukunft prophezeien konnte. Wie ich ſpäter erfuhr, ſo wurde ein Mann unmittelbar nach der Verſteigerung lebensgefährlich geſchlagen, und man zweifelt noch an ſeinem Aufkommen. Das ſind die Früchte des Fuſelgeiſtes und der Unmäßigkeit.

Wetterauiſcher Peſtalozzi-Verein.

Die Freunde des beabſichtigten und nun hinlaͤnglich vorbereiteten Wetterauiſchen Peſtalozzivereins werden erſucht, ſich Mittwoch den 11. Maͤrz zu einer Verſammlung in Friedberg einzufinden, worin die Statuten berathen werden ſollen. Als Lokal iſt der Verſammlung der Saal des Rath hauſes eingeräumt worden. Der Anfang iſt um 2 Uhr Nachmittags. F. Lauckhard. Curtman.