Ausgabe 
3.1.1846
 
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Gevattersmann mit dem Buͤrgermeiſter und ſeiner Frau durch die Alleen ſpazierte, die rings um die Stadt führt. Die Bäume, kaum 20 25 Jahre alt, ſeit dem neueſten Frieden, hatten geſunde Stämme und ſtanden in voller Blätterpracht; Hecken und Blumenbeete waren zierlich da und dort verbreitet, die Vögel ſangen in den Zweigen und

wir nie geſehen zu haben uns erinnern, der Geiſtliche hatte ſo taktvoll dem Tage die religiöſe Seite abzugewinnen ge⸗ wußt, hatte ſo ſchöne Worte der Pietät gegen unſer erhabe⸗ nes Fuͤrſtenhaus geſprochen, daß dadurch erſt dem Feſte die höhere Weihe aufgeprägt wurde. Nach dem Gottesdienſte, zu deſſen Verſchönerung auch noch die beiden Geſangvereine durch ihre Leiſtungen beitrugen, bewegte ſich der Zug noch einmal auf den Marktplatz, ging an den die Urkunde trageu⸗ den Mädchen vorüber und ſtimmte mit wahrer Begeiſterung in das Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzoge vom Gr. Bürgermeiſter ausgebrachte Hoch ein! Das Feſteſſen im glänzend erleuchteten Heſſiſchen Hofe war von einer großen Anzahl von Bürgern und Staatsdienern be⸗ ſucht und zeichnete ſich durch die ſchöne Verbindung, worin loyaler Sinn mit der Liebe zur Verfaſſung und ihren Gütern ſich einten, aus. Dies bewies die Begeiſterung, womit ſo⸗ wohl die Toaſte auf das Wohl S. K. H., unſeres gelieb⸗ ten Fuͤrſten, S. K. H. des Erbgroßherzogs und ſämmtlicher übrigen Glieder unſeres hohen Fürſtenhauſes, als auch die auf das Andenken des höchſtſeligen Gründers und v. Grol⸗ man's aufgenommen wurden. Wahrhaft prachtvoll war ferner das Gaſthaus zum Löwen erleuchtet, worin ſich die Geſangvereine verſammelt hatten. Die Zünfte hatten ſich im deutſchen Hofe zuſammengefunden und vergnügten ſich mit Tanzen. So dauerte der allgemeine Jubel bis in die ſpäte Nacht hinein! Möge der Zweck des Feſtes:Treue dem Großherzoge, Gehorſam dem Geſetze und Beobachtung der Staatsverfaſſung in Allen zu befeſtigen, erreicht wor⸗ den ſein./

Der Gevattersmann fuͤr 1846. Von B. Auerbach Zweiter Jahrgang.

Wir machen unſere Leſer auf dieſes treffliche Volk⸗ ſchriftchen aufmerkſam, und wünſchen ihm eine recht allge meine Verbreitung. Aus dem reichen, mit vielen Holz⸗ ſchnitten gezierten Inhalte, theilen wir als Probe folgende Erzählung mit:

Die Frau Bürgermeiſterin.

Das iſt eine wackere Frau ſo ſagt jeder Einwohner des Städtchens Thalheim, Groß und Klein. Denn obgleich oder weil die Frau Bürgermeiſterin keine eigenen Kinder hat, iſt ſie eine Mutter aller Kinder. Ihr ſolltet ſie ſehen, wie ſie in der Kleinkinderſchule waltet und ſorgt, wie ſie die Kinder ermahnt, ihnen aber auch dabei die Näschen putzt, wie ſie mit den Kindern ſpielt, und ihnen wiederum Suppe kocht und für Alles ſorgt. Wenn ihr das ſehet, würdet ihr auch ſagen: Ja, das iſt eine wackere Frau.

Der Gevattersmann freut ſich, daß er noch mehr von der Frau Bürgermeiſterin erzühlen kann. Er hat ſie erſt vor Kurzem recht kennen gelernt, und während er jetzt hier ſitzt, an ſie denkt und von ihr ſchreibt, iſt es ihm, als ob er ihr freundlich mildes Angeſicht ſehe, auf dem die Gut⸗ herzigkeit ausgeſchüttet liegt. Es gibt nichts Schöneres, als ſo ein Menſchenantlitz, aus dem die Menſchenfreundlichkeit, die Freude, das Gute zu wollen und zu wirken, aus allen Zügen herausſpricht. Wer da hinein ſieht und ſich nicht zu allem Guten angefeuert fühlt, in dem muß ein bbſer Geiſt oder ein ſchwerer Kummer walten, der ihn nicht zu ſich ſelber kommen läßt.

Es war ein ſchöner, heiterer Frühlingstag, als der

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den Büſchen. Luſtige Knaben arbeiteten da und dort mit Hacke und Schaufel auf den Wegen, oder an einem Blu⸗ menbeete. Alles war ſo heiter und glücklich, daß es das Herz erfreute. f

Hier ward nun auch die Geſchichte dieſer Allee be⸗ richtet, und ſie ſoll hier weiter erzählt werden, mit dem Wunſche, daß ſie da und dort Nachahmung finde.

(Schluß folgt.)

Kirchenbuchs-Auszug vom November 1845. 5 Butzbach. Getraute:

23. Jakob Weber, hieſiger Burger und Drehermeiſter, ein Mittwer, und Anna Margaretha Forbach, des verleb⸗ ten Bürgers und Schuhmachermeiſters Georg Forbach hinterlaſſene ehelich ledige Tochter.

Get aufte:

23. Dem Bürger und Metzgermeiſter Heinrich Lieberich ein Sohn, Jakob, geb. den 7.

30. Dem Bürger und Dachdeckermeiſter Daniel Sommerlad eine Tochter, Eliſabeth, geb. den 14.

Beerdigte:

4. Maria Chriſtine, des verlebten Bürgers und Metzger⸗ meiſters Adam Melchior hinterlaſſene Wittwe, geb. Winter, alt 71 Jahre, 7 Monate, 21 Tage, k den 2. November.

5. Konrad Müller aus Kirchgöns, alt 10 Monate, 6 Tage, k den 3.

9. Wuͤhelmine, des Buͤrgers und Schuhmachermeiſters Chriſtian Häußer Ehefrau, geb. Schmidt, alt 29 Jahre, 6 Monate, 5 Tage, k den 8.

12. Heinrich Wilhelm, des Bürgers und Rothgerbermeiſters Jakob Wilhelm Grüninger II. eheliches Söhnchen, alt 2 Jahre, 4 Monate, 6 Tage, k den 10.

14. Karoline, des Bürgers und Steuerboten Philipp Hein⸗

rich Kolter eheliches Töchterchen, alt 1 Jahr, 9 Monate, 16 Tage, 1 den 12.

18. Nikolaus Jakob, des Bürgers und Metzgermeiſters Anton Winter ehelicher Sohn, alt 8 Jahre, 7 Monate, 24 Tage, 7 den 16.

21. Anton Gärtner, Bürger und Schmiedmeiſter, wie auch geweſener Großh. Buͤrgermeiſterei- Beigeordneter, alt 52 Jahre, 4 Monate, 26 Tage, 1 den 19.

25. Maria Eliſabeth, des verlebten Bürgers und Rothger⸗ bermeiſters Chriſtoph Grüninger II. hinterlaſſene Wittwe, alt 64 Jahre, 9 Monate, F den 23.

30. Gabriel, des Ortsbürgers in Griedel und Poſtillons dahier Adam Heinz ehelicher Sohn, alt 6 Monate, 21 Tage, f den 28.

Localſection des Gr. Heſſ. Gewerbvereins im Kreiſe Friedberg.

Monatliche Sitzung Dienſtags den 6. Januar 1846, Abends um 8 Uhr. Vorlage des Voranſchlags fur 1846.

Practiſche Darſtellung der in der vorigen Sitzung beſproche- 5

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